Alle Mann an Deck

Alle Mann an Deck Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Der Illustrator Felix Mertikat hat 2015 begonnen, Brettspiele nicht nur bloß zu illustrieren, sondern seine ganz eigenen Spielideen zu veröffentlichen. Sein Erstlingswerk war ein kleines Kartenspiel mit Ärgerfaktor, bei denen eine Herde Schafe von den Dorfbewohnern vor Räubern beschüzt werden muss. Damals noch ganz ohne Verlag dahinter, ist mittlerweile King Racoon Games entstanden. Neben dem großen postapokalyptischen Spiel Tsukuyumi, welches derzeit noch in Arbeit ist, hatte Felix noch Zeit an einem kleinen Kartenspiel zu arbeiten. Es soll im gleichen Universum wie Schäferstündchen spielen, aber dieses Mal stehen Piraten im Vordergrund, welche die ganz große Beute machen wollen.

Spielmaterial:

Enthalten sind: 90 liebevoll und aufwändig illustrierte Spielkarten und sechs Spielübersichten, sowie eine Startspielerkarte. Die Spielkarten zeigen drei verschiedene Kapitäne und sechs verschiedene Crew-Mitglieder. Einige Karten sind mit einer 5 oder einer 6 gekennzeichnet und werden nur in Partien mit entsprechend hoher Spieleranzahl genutzt.

Alle Mann an Deck Karten

Karten / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Eine vorgegebene Anzahl Karten wird auf so viele Stapel aufgeteilt, wie Spieler dabei sind und jedem Spieler einer zugeordnet. Reihum nehmen die Spieler pro Runde jeweils eine Karten von einem beliebigen Stapel, bis alle jeweils drei Karten gewählt haben. Allerdings ohne sie sich anzusehen. Das darf nämlich erst nach der folgenden Phase „Karten aufnehmen“ passieren. Und zwar erst nachdem alle gemeinsam von drei auf null herunter gezählt haben, ansonsten droht ein Minuspunkt. Dann sollen die Spieler eine Karte für ihre Crew auswählen und die anderen auf ihren Nachziehstapel legen. Jeder Spieler hat einen eigenen Crew-Stapel, auf dem die Karten verdeckt liegen. Wer damit als Erster durch ist, krallt sich die Startspielerkarte aus der Mitte, um sicher zu gehen, dass er in der kommenden Runde die erste Karte wählen darf.

Alle Man an Deck Übersicht

Übersicht / Foto: Brettspielpoesie

Wozu das Ganze? Es gibt Karten mit Piraten und Kapitänen. Die Kapitäne bringen bei Spielende viele Punkte, wenn man jeweils genau drei einer Sorte vorweisen kann. Ein einzelner Pirat wird mit Minuspunkten bestraft. Piraten werden für Zweier-Sets mit Punkten belohnt und zusätzlich ermöglichen sie eine Sonder-Aktion in der kommenden Runde. Diese bringt entweder dem Ausspielenden einen Vorteil oder einem Mitspieler einen Nachteil. Dafür müssen sie aber am Rundenende ausgespielt werden, indem man „Alle Mann an Deck!“ ruft und seinen Crew-Stapel durchschauen darf. Dies darf man nur in dieser Phase mit diesem Ruf. Kommt daraus kein Set zum Vorschein, handelt man sich einen Minuspunkt ein. Ansonsten deckt man das Set auf, die Aktion tritt in Kraft und bei Siegende erhält man dafür zwei Siegpunkte. Regelverstöße, wie zu früh in die Karten sehen oder zu früh eine Karte auswählen, werden mit Minuspunkten bestraft.

Spielende:

Das Spiel endet, sobald nicht mehr ausreichend Spielkarten für alle Spieler vorhanden sind. Dann sieht sich jeder seinen Crew-Stapel an, anhand dessen Plus- bzw. Minuspunkte verteilt werden. Die Punktwerte kann man den Übersichtskarten entnehmen. Die Punkte für die offen ausliegenden Crew-Mitglieder hinzu addiert, Minuspunkte abgezogen und die Ergebnisse können mit denen der Mitspieler verglichen werden, um den Sieger zu küren.

Spieleranzahl:

Das Spiel ist für 2 – 6 Spieler geeignet. Anhand der Spielerzahl werden bestimmte Kartensätze aussortiert. Es gibt genaue Vorgabewerte für die unterschiedlichen Spielerzahlen, wie groß die Kartenstapel der Spieler sein müssen, daher kommen zusätzlich noch weitere unbekannte Karten aus dem Spiel. Mit allen Karten kann man nur in Partien mit Vollbesetzung, also sechs Spielern, planen. Zu zweit kommt kein wirklicher Spielspaß auf, mit mehr Spielern schon etwas mehr.

Glücksfaktor?

Wirklich viel Planen kann man hierbei nicht, da man selten weiß welche Karten alle im Spiel sind. Außerdem benötigt man Glück beim Aufnehmen neuer Karten und muss hoffen, dass man passende Sets zusammen bekommt. Dabei kann man ein wenig taktieren, wie man seine Karten ablegt. Wenn ich nicht Startspieler werden sollte, kann es von Vorteil sein die beste Karte nicht nach ganz oben zu legen, um zu verhindern dass ein Mitspieler sie vor der Nase wegschnappt. Gegen die Angriffe durch gegnerische Crew-Mitglieder gibt es auch kein Abwehrmittel.

Fazit:

So richtig überzeugen konnte uns Alle Mann an Deck nicht. Die Illustrationen sind wieder super geworden. Die Spielübersichten sind aber eher enttäuschend, da auf ihnen die Crew-Stapel abgelegt werden sollen, die verschiedenen Wertungen aber auf Vor- und Rückseite geschrieben stehen. Solange man diese noch nicht drauf hat, muss man die Übersicht immer wieder wenden oder neben zwei Spieler legen und den Crew-Stapel woanders errichten.

Das Thema ist dabei komplett aufgesetzt, handelt es sich doch um ein reines Set Collection Spiel. Das wäre an sich gar nicht so schlimm, wenn der Rest stimmig wäre. Davon abgesehen, dass ich kein großer Fan von solchen Schnelligkeitsspielen bin, wird einem der Zeitdruck auch eher vorgegaukelt. Als Startspieler kann man zwar die erste Karte wählen, aber so entscheidend ist dieser Vorteil nun auch nicht. Irgendeine passende Karte ist meist immer dabei. Besonders das herunterzählen zwischen den ersten beiden Phasen nervte uns einfach nur. In unseren Runden wollte auch niemand eine weitere Runde spielen, dafür bietet das Spiel einfach nicht genug. Im Endeffekt zieht man ja Runde für Runde einfach nur Karten und behält eine davon. Manchmal nimmt man vielleicht eine Karte, die der Mitspieler gerne nutzen wollte, aber das heißt noch lange nicht, dass man sie selbst gut gebrauchen kann. Das einzige, was bei uns Spaß erzeugt hat, war der Umstand dass einer unserer Spieler immer wieder Minuspunkte für kleine Fehler erhalten hat. Das war aber auch schon das Beste am Spiel. Hier merkt man leider sehr, dass kein erfahrener Redakteur drüber geschaut hat.

Wertungsnote 3/6

Verlag: King Racoon Games
Autor(en): Felix Mertikat
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an King Racoon Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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