Carcassonne – Südsee

Carcassonne Südsee

Südsee / Foto: Brettspielpoesie

2013 startete der Hans im Glück-Verlag mit der Reihe „Carcassonne – Around the world“. Das letzte Ergebnis dieser Serie, Carcassonne Goldrausch, habe ich hier ja schon genauer unter die Lupe genommen. Jetzt behandel ich das erste Ergebnis aus dieser Serie, denn zunächst ging es dabei zu strahlendem Sonnenschein und himmelblauem Wasser an die Südsee. Zwischen Meer, Strand und Palmen werden die Meeples eingesetzt um zu fischen, Muscheln auf Stegen zu sammeln oder Bananen auf den Inseln zu ernten. Doch die größte Neuheit: Es gibt keine Siegpunktleiste mehr. Wie man bei dieser Carcassonne-Variante den Sieger ermitteln kann, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Spielmaterial:

73 Landschaftsplättchen und jeweils 20 Muscheln, Fische und Bananen in zwei Größen. Pro Ressource entspricht eine der kleinen Figuren einer Ware, die großen Figuren repräsentieren drei Waren dieser Art. Für jeden der fünf Spieler stehen hier nur 4 Holz-Meeple zur Verfügung. Neu hinzu kommen Fischerboot- und Schiffsplättchen.

Spielmechanismus:

Wie beim Original werden alle Landschaftspättchen verdeckt gemischt, außer dem Start-Plättchen, das offen in der Mitte bereit gelegt wird. Die Schiffplättchen werden ebenfalls verdeckt gemischt und dann in zwei Stapeln bereit gelegt. Vier davon liegen immer offen aus.

Nun ziehen die Spieler nacheinander jeweils ein Plättchen und müssen es wie gewohnt passend anlegen (Insel an Insel, Wasser an Wasser, Steg an Steg). Anschließend haben sie die Möglichkeit einen Meeple auf das soeben gelegte Plättchen zu setzen, wenn in diesem Gebeit noch kein anderer Meeple steht. Den Meeple, hier Insulaner genannt, kann man als Muschelsammler auf einen Steg, als Bananenpflücker auf einer Insel, als Fischer auf ein Meeresteil oder als Händler auf einem Markt einsetzen. Dabei zählen Märkte wie Klöster und Fischer werden wie Bauern hingelegt. Nur eben nicht auf eine Wiese, sondern ins Meer. Für Muschelsammler und Bananenpflücker gibt nicht die Anzahl der Plättchen die Punkte vor, sondern die Anzahl der auf dem Landschaftsplättchen abgebildeten Symbole. Stehen Meeples mehrere Mitspieler in einem Gebiet, erhält der Mitspieler mit der Mehrheit die Punkte – bei Gleichstand werden die Punkte geteilt.

Beim Fischer zählen alle abgebildeten Fische bei der Wertung. Hier kann es aber auch schon früher zu einer Wertung kommen, selbst wenn das Gebiet noch nicht abgeschlossen ist. Und zwar, indem ein Plättchen mit einem Boot angelegt wird. Dann erhält der Spieler, zu dem der dort platzierte Meeple gehört, nämlich Punkte anhand der Anzahl Fische in diesem Gebiet. Anschließend wird jedoch das wertvollste Fisch-Symbol mit einem Fischerboot-Plättchen abgedeckt und kann kein weiteres Mal gewertet werden. Alle nicht verdeckten Fische zählen bei einer erneuten Wertung wieder.

Der Händler wird gewertet, sobald der Markt von acht Landschaftsplättchen umgeben ist (ähnlich zum Kloster). Der Spieler bekommt dann aber keine neun Punkte, sondern darf sich direkt das offen ausliegende Schiff mit höchstem Wert nehmen.

Wie kommt man sonst an die Schiffe? Bevor man seinen Zug beendet darf man eigene Ressourcen einsetzen, um genau ein Schiff zu beliefern. Das Schiff gibt vor, welche Ressourcen in welcher Menge abgegeben werden müssen. Tut man dies, nimmt man das Schiff mit der angegebenen Punktzahl an sich und legt es verdeckt ab.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass man, anstatt einen Meeple einzusetzen, auch die Möglichkeit hat, einen Meeple ohne vorherige Wertung zurück in den eigenen Vorrat zu holen. Dies kann nach dem Anlegen eines Landschaftsplättchen getan werden, anstatt einen Meeple einzusetzen.

Carcassonne Südsee Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Zwei Ereignisse können zum Spielende führen. Entweder legt ein Spieler das letzte Plättchen an oder zuvor wurde das letzte Schiff genommen. Für nicht abgeschlossene Gebiete werden noch Ressourcen verteilt, und zwar so, als wären die Gebiete abgeschlossen (außer beim Markt). Nun zählen alle Spieler die Punkte ihrer Schiffe zusammen. Zusätzlich wird für je drei beliebige Rohstoffe ein Siegpunkt addiert. Der erfolgreichste Südsee-Bewohner gewinnt diese Carcassonne-Variante.

Spieleranzahl:

Ähnlich dem Original ist es für 2-5 Spieler geeignet. Es macht mit jeder Spieleranzahl Spaß. Zu zweit ist es taktischer, weil man die Hälfte aller Plättchen legt und dadurch viel Einfluss auf das Spiel hat. Dabei muss man sich nur auf einen Konkurrenten konzentrieren. Allerdings wird das Spiel auch berechenbarer, wenn man die Werte der Schiffplättchen kennt und somit gute Chancen hat zu berechnen, wann man gewonnen hat, denn die Schiffe geben die meisten Punkte.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist ähnlich dem vom Grundspiel umso höher, desto mehr Spieler mitspielen, weil der Einzelne weniger Plättchen legen kann. Gerade bei den Fischerbooten kann einem im Mehrpersonenspiel das Pech verfolgen, dass immer nur die anderen die Fischerboote ziehen und natürlich an anderen Gebieten anlegen. Hinzu kommt nun noch die zufällige Reihenfolge der Schiffsplättchen. Dadurch das immer vier davon offen einsehbar sind, kann man damit aber ganz gut planen. Umso mehr Spieler ich zwischen meinen eigenen Zügen habe, desto größer ist allerdings die Gefahr, dass ein anderer Spieler das Schiff vor mir beliefert.

Fazit:

Wie mittlerweile bekannt sein sollte, bin ich Fan von Carcassonne. Mit Südsee wird ein interessantes, neues Spiel geschaffen, was durch die fehlende Siegpunktleiste auch wirklich anders wirkt. Auch die Wertung ist anders, da es nicht auf die Plättchen ankommt, sondern auf die darauf befindlichen Symbole. Und so richtig viele Punkte bekommt man nur, wenn man mit den Ressourcen viele Schiffe beliefert. Daran muss man sich als Carcassonne-Kenner erst einmal gewöhnen. Die Plättchen sind wunderbar gestaltet, da kommt wirklich ein wenig Südsee-Feeling auf. Das Material ist gewohnt hochwertig.

Es erstaunt mich immer wieder, wie viel man aus diesem Spielprinzip noch heraus holen kann, aber Carcassonne Südsee ist einfach erfrischend anders, macht wirklich Spaß und wird sicher noch oft bei uns gespielt werden. Die wenigen Meeple muss man gekonnt einsetzen, Meeresgebiete oder einen Markt vielleicht frühzeitig aufgeben, um den Meeple an anderer Stelle ertragreicher einsetzen zu können. Auch wenn die Auswahl bei den vielen guten Carcassonne-Varianten mittlerweile echt knifflig ist.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Hans im Glück-Verlag
Autor(en): Klaus-Jürgen Wrede
Erscheinungsjahr: 2013
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: ca. 35 Minuten

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