Chill & Chili

Chill & Chili Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Laut Kalender stecken wir Ende Januar noch mitten im Winter, aber das Wetter schreit bereits ganz laut nach Frühling. Nicht nur die ersten Knospen sind an einigen Pflanzen bereits zu erkennen, auch die ersten Mücken treibt es aus ihrem Winterquartier hinaus in die Welt. Ein passender Rahmen für eine Partie Chill & Chili. Der Name ist jedoch ein wenig irreführend, geht es bei der Gartenarbeit doch eher weniger gechillt zu. Das Attribut gechillt zielt hierbei vermutlich eher auf das Spielgefühl ab, denn eine Partie ist leicht zugänglich und spielt sich sehr locker herunter. So locker-leicht wie ein Gericht aus frischen Möhren, Mais und Tomaten auf dem Teller schmecken mag.

 

Spielmaterial:

Bei diesem Spiel ist das Schachtel-Inlay fester Spiel-Bestandteil. Die Kuhle soll einen Teich darstellen, in den wir bei jedem Zug einen der maximal 120 Wasser-/Münzchips fallen lassen. Neben der Schachtel entsteht eine Kartenauslage und am Ende davon ein kleiner 3D-Brunnen, der vor der ersten Partie zusammen gesetzt werden muss. 110 Spielkarten zeigen verschiedene Gemüsesorten und Gartenzubehör. Die sechs Gemüsesorten sind in unterschiedlicher Anzahl enthalten, die wertvolleren seltener als die weniger Punkte einbringenden.

Spielmechanismus:

Jeder Spieler versucht in seinem Garten Gemüse gewinnbringend anzupflanzen. Jede der sechs Gemüsesorten zeigt einen Punktewert, die erforderliche Anzahl und eine, zwei oder drei Sonnensymbole. Mit der erforderlichen Anzahl Karten einer Gemüsesorte auf der Hand, können diese vor sich ausgespielt werden um bei Spielende dem Wert an Punkte zu erhalten. Dieser Wert verdoppelt sich, wenn jedes Sonnensymbol mit einem Wasserplättchen bedeckt wurde. An diese gelangt man, indem man als Aktion die Hälfte der Plättchen aus dem Teich nimmt. Zu Beginn eines jeden Zuges wird eines dieser Plättchen in den Teich geschoben, sodass sich dort mit jedem Zug Plättchen ansammeln. Diese Plättchen zeigen auf der anderen Seite Taler, die man einsetzen kann, um Karten zu kaufen. Holt man sich die Hälfte aus dem Teich, muss man für alle gemeinsam entscheiden, ob sie als Taler oder Wasser verwendet werde. Überzählige Wassertropfen, mit denen man keine Sonnensymbole mehr abdecken könnte, verfallen.

Man kann als Aktion auch ein Zubehör zum fest angegebenen Preis kaufen oder eine Gemüsekarte aus der Auslage. Je nachdem wo die Karte sich befindet, kostet sie einen bis vier Taler. Gefällt einem diese Auslage nicht, kann man ohne Geld auszugeben die oberste Karte des Nachziehstapels ziehen. Oder man verwendet einen Taler, um eine der beiden Reihen komplett abzulegen und neu aufzudecken.

Chill & Chili Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die meisten Bonuskarten erweitern die Aktionen, sie erlauben Zusatzoptionen beim Gemüseanbau oder der Teichaktion. Die Vogelscheuche erlaubt es vor jedem eigenen Zug eine Karte zu ziehen und anschließend eine Karte abzulegen. Dadurch bekommt man im Spiel viele Karten zu sehen.

Spielende:

Sobald der letzte Wassertropfen in den Teich rutscht, handelt es sich um den letzten Spielzug. Anschließend rechnen alle Spieler die Punkte ihrer Beete zusammen. Wurde jeder Sonnenpunkt eines Beetes mit einem Wassertropfen abgedeckt, bekommt der Spieler für dieses Beet die doppelte Punktzahl. Übrige Karten werden noch mit jeweils einem Punkt belohnt, genauso wie je drei Taler, bevor die Punkte verglichen werden, um den Sieger zu ermitteln.

Spieleranzahl:

Je nach Spieleranzahl werden Wasser-/Geld-Chips vor dem Spiel aussortiert, um die Rundenanzahl zu beschränken. Das ist beim Spielaufbau ein wenig nervig. Es werden aber immer alle Karten verwendet. Wir spielen am liebsten in Vollbesetzung. Besonders zu zweit erschien es uns sehr lahm, mit mehr Spielern kommt etwas mehr Spannung auf.

Glücksfaktor?

Die Verteilung der Karten ist sehr zufällig. So kann es passieren, dass man die wertvollen Gemüsesorten gar nicht auf die Hand bekommt. Man darf aber beliebig viele Beete einer Gemüsesorte anbauen, da ist es nicht immer der beste Weg auf wertvolle Karten zu warten. Zwei Beete Möhren bringen auch die 8 Punkte ein, die ein Beet Chilis wert ist. Zudem ermöglichen die Zubehörkarten mehr Karten zur Auswahl zu bekommen. Es gibt also einen Glücksfaktor, dieser wirkt sich aber nicht entscheidend auf das Spiel aus.

Fazit:

Dieses Spiel sieht wirklich toll aus, es hat durch das schöne Material einen hohen Aufforderungscharakter. Eine Partie ist schnell gespielt, doch leider auch genauso schnell wieder vergessen. Man besorgt sich Karten, spielt diese aus und legt möglichst viele Wassertropfen darauf. Da die Limits zum Ausspielen der Karten bei zwei oder drei liegen, ist es ziemlich wahrscheinlich diese Karten auch ausgespielt zu bekommen. Nur zum Spielende hin kann es etwas knapp werden eine bestimmte Gemüsesorte zu erhalten. Hier wäre es vielleicht gut gewesen, mehr Gemüsesorten ins Spiel zu integrieren, damit die Karten einer Sorte nicht so häufig auftauschen. Die Gerätschaften lohnen sich fast immer, denn sie bringen große Vorteile mit. Karten tauschen oder zusätzliche Karten und Wasser-Geld-Chips sind immer gute Optionen. Solch eine Karte auszuspielen kostet jedoch auch zwei Züge, in denen man nichts anderes machen kann. Wir hatten auch Partien, die der Spieler mit den wenigsten Bonus-Karten gewinnen konnte.

Eine kleine Regellücke haben wir entdeckt, die vermutlich durch unsere Spielweise entstanden ist. Durch die Zubehörkarten waren wir immer gut mit Karten versorgt, sodass kaum ein Spieler Karten aus der offenen Auslage gekauft hat. Zumal dort meist auch nicht wirklich lukrative Gemüsesorten auslagen. Das reduziert die Anzahl Chips im Brunnen, sodass irgendwann keine mehr zur Verfügung standen und wir nicht wussten, was nun bei den Sonderaktionen passiert. Wir haben uns dafür entschieden, dass die Spieler ihre Sonderaktion nicht ausführen können, was aber einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Alles in allem besticht dieses Spiel mit seinem Material und schafft es damit auch Spielemuffel an den Tisch zu bekommen. Bei diesen Wenigspielern kam Chill & Chillis wirklich gut an. Es erzeugt eine harmonische Spielatmosphäre, die höchstens dadurch gestört wird, dass Jemand einem Spieler am Teich zuvor kommt oder eine bestimmte Gemüsesorte vor der Nase wegschnappt. Für erfahrenere Spieler hat es leider zu wenig Gehalt, um über längere Zeit auf den Spieltisch zu gelangen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Schmidt Verlag
Autor(en): Lenny Herbert
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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