Chronik Spiel des Jahres (1)

Montag ist ein wichtiger Tag für alle Liebhaber von Gesellschaftsspielen auf der ganzen Welt. Denn in Berlin werden die Gewinner zum Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres 2015 gekürt. Dieser Preis wird auch „Oscar“ der Brettspielwelt genannt, jeder Interessierte an Brettspielen schaut am Montag auf Berlin. Die Nominierten sind ja nun schon ein paar Wochen bekannt, viel wurde darüber diskutiert. Jetzt entscheidet sich, wer in beiden Kategorien das Rennen macht.

Ich werde euch über meinen Twitter-Account live von der Verleihung berichten. Doch zuvor möchte ich ein wenig auf die Historie dieser Auszeichnung eingehen.

Wie alles begann:

1978 gründete sich der Verein Spiel des Jahres e.V. Die gesamte Chronik ist auf den Seiten des Vereins nachzulesen. [UPDATE 09.12.2015]Leider ist der Link nicht mehr verfügbar, da der Online-Auftritt des Spiel des Jahres e.V. überarbeitet wurde und ich die entsprechenden Informationen nicht wiederfinden konnte.[UPDATE ENDE] Es begann bei einen netten Beisammensein in Erlangen. Während der Spielwarenmesse luden Margot und Tom Werneck einige Freunde, Verleger, Spieleautoren und Journalisten ein und präsentierten ihre Idee. Sie wollten erreichen, das jedes Jahr neue Spiele erscheinen und das vor allem herausragende Spiele darunter sind. Sie haben vermutlich damals nicht damit gerechnet, wie erfolgreich und wichtig diese Auszeichnung werden sollte.

1979 – Ein Jahr später wurde Hase und Igel vom Ravensburger Verlag der erste Preisträger. Später wurde das Spiel von Abacusspiele vertrieben, bis sich 2008 Ravensburger die Rechte zurück kauft und seither wieder produziert. Damals erfolgte die Abstimmung noch per Post oder Telegramm, eine offizielle Preisverleihung gab es anfangs noch nicht. Zudem gab es eine sogenannte „Ehrenliste“ mit 10 weiteren Titeln, jedoch war keines davon von einem deutschen Autor. Die meisten Ideen stammten aus Großbritannien. Daneben gab es noch den ersten Sonderpreis für das schönste Spiel. Im ersten Jahr sah das Logo noch etwas anders aus, als heute. Schon damals erkannte man, welchen Einfluss diese Auszeichnung auf den Verkauf des Spiels hatte. Denn mit dem roten Pöppel stiegen die Verkaufszahlen rapide an. Die Jury entschied sich damals für Hase und Igel, weil es neu war, dass bei einem Rennspiel strategische Entscheidungen notwendig waren, um zu gewinnen.

1980 gewann der Verlag Intelli mit Rummikub den Preis. Eine Rommee-Variante die absolut familientauglich und heute noch überall erhältlich ist. Eingeführt wurde nun auch die Auswahlliste. Sie enthielt das Spiel Dampfross vom Bütehorn Verlag und Focus aus dem Hause Parker, von denen wir später noch mehr erfahren werden. Wieder wurde der Preis für das schönste Spiel vergeben. Und zwar hieß der Sieger ganz simpel: „Spiel“. Erinnert etwas an den diesjährigen Nominierten „The Game“. Es besteht aus unzähligen Würfeln, die in Form einer Pyramide aufgetürmt werden. Es ist aktuell bei Jumbo erhältlich.

1981 wurde erstmalig und seitdem einmalig ein abstraktes, strategisches Spiel mit dem roten Pöppel versehen. Focus hieß das Spiel aus dem Hause Parker. Die Idee kam von Sid Jackson, der bereits auf der Empfehlungsliste von 1979 zweimalig vertreten war. Den Preis für das schönste Spiel ging an „Ra“ vom Verlag International Team für ein ebenfalls abstraktes, strategisches Spiel, welches allerdings nur für zwei Spieler geeignet war. Dies ist nicht zu verwechseln mit Aleas Spiel „Ra“, welches erst 18 Jahre später auf den Markt kam.

1982 ging der rote Pöppel zum zweiten Mal an Ravensburger mit dem Titel Sagaland, welches im Jahr davor noch auf der Auswahlliste stand. So etwas kann heute gar nicht mehr passieren, da jedes Spiel genau einem Jahrgang zugerechnet wird. Dieses Spiel ist bis heute beim Ravensburger Verlag geblieben, es wurde lediglich optisch etwas moderner gestaltet und sogar in die Reihe „Unsere besten Familienspiele“ aufgenommen.

1983 konnte abermals Ravensburger den Titel sein Eigen nennen, und zwar mit dem kooperativen Deduktionsspiel „Scotland Yard“, welches auch heute noch bei Ravensburger erhältlich ist. Eine Leserumfrage der Spielbox kam zu gleichem Ergebnis und so verwundert es nicht, warum die Jury sich nicht davon abschrecken ließ dem Verlag zum dritten Mal diesen Preis zu überreichen. Damals war die Auswahl natürlich noch lange nicht so groß wie heute und die Auswahlliste war die kleinste seiner Zeit, nur vier Spiele ließen sich darauf wieder finden!

1984 war es nun endlich die Zeit des Dampfrosses. Es brauchte lediglich einen neuen Verlag (Schmidt Spiele) sowie eine kleine Überarbeitung damit das Spiel, welches sich bereits im zweiten Jahr des Preises auf der Auswahlliste befand, den Preis erhalten konnte. Dampfross war das erste Spiel, welches eine Erweiterung bekam, was mit Siedler von Catan und Carcassonne erst richtig etabliert wurde. Zudem war erstmals ein deutscher Autor für den Erfolg verantwortlich. Die Auswahlliste wurde in diesem Jahr erstmalig nicht in einer Reihenfolge festgelegt, ab nun waren alle Spiele darauf gleichwertig. Es war zudem das erste Eisenbahnbauspiel. Der Sonderpreis Schönstes Spiel ging in diesem Jahrgang wieder an ein 2-Personen-Spiel.

1985 wurde zum ersten Mal ein Spiel ausgezeichnet, welches sich in der Standardvariante auch alleine spielen lässt. Dabei schlüpft man in die Rolle des Consulting Detectives in Sherlock Holmes Criminal Cabinet. Dieses Detektivspiel war so erfolgreich, dass es gleich zwei Erweiterungen gab, denn hat man die Fälle einmal gelöst braucht es neue interessante Geschichte. Erschienen ist dieses Spiel im Franckh-Kosmos Verlag, heute als Kosmos Verlag bekannt.

1986, in meinem Geburtsjahr, wurde mal wieder ein Spiel Sieger, welches im Vorjahr auf der Auswahlliste auftauchte: Heimlich & Co, ein Deduktions- und Bluff-Spiel. Wieder einmal hatte Ravensburger ein gutes Gespür. Der Autor, Wolfgang Kramer, ist der bisher erfolgreichste. Bereits 5 seiner Spiele wurden mit dem roten Pöppel versehen, dazu war er noch bei einigen als Co-Autor tätig.

1987 hatte wieder einmal Wolfgang Kramer die beste Spielidee und sein Auf Achse wurde ausgezeichnet. Es war jedoch der erste Erfolg für den Verlag F.X. Schmid. Heute ist das Spiel leicht überarbeitet im Schmidt-Verlag erhältlich, es gibt zudem eine Junior- und eine Karten-Variante.

1988 begann der Erfolgsweg von Klaus Teuber mit seinem Spiel Barbarossa und die Rätselmeister, einem Kreativspiel bei dem Knetmasse zum Einsatz kommt. Auf die Auswahlliste schaffte es Mississippi von Mattel.

1989 hieß der Sieger Café International von Mattel. Dieses Legespiel ist perfekt für Familien: Schneller Einstieg, kurze Spielzeit und ein schönes Thema. 10 Jahre nach der ersten Preisverleihung gab es zum ersten Mal vorab eine Nominierungsliste. Dadurch bekamen auch die anderen nominierten Spiele, u.a. Abalone oder Maestro, für das die Idee wie beim Sieger von Rudi Hoffmann kam. Auch heutzutage kann man dieses Spiel noch kaufen, allerdings im Amigo-Verlag. Dort wird ebenfalls eine Kartenspiel- sowie eine Kinderspiel-Variante angeboten. in diesem Jahr gab es einen zusätzlichen Sonderpreis: Neben dem schönsten Spiel wurde nun auch das Kinderspiel ausgezeichnet. Es wurde „Gute Freunde“ aus dem Hause Selecta.

1990 – Adel verpflichtet wurde der erste Preisträger in diesem neuen Jahrzehnt. Wieder einmal hatte Klaus Teuber eine preisverdächtige Idee. Produziert hat es der Verlag F.X. Schmid, später ist es bei Ravensburger unter der Vielspielermarke alea erschienen.

1991 konnte Klaus Teuber seinen Erfolg direkt wiederholen. Im Hans im Glück-Verlag erschien „Drunter & Drüber“ und damit begann der Erfolgszug dieses Verlages. Im selben Jahr konnte der erfolgreiche Autor Wolfgang Kramer zum ersten Mal den Preis für das erfolgreichste Kinderspiel entgegen nehmen. Das Schönste Spiel des Jahres durfte sich „Das Labyrinth der Meister“ von Ravensburger nennen, nachdem der Vorgänger „Das verrückte Labyrinth“ es Jahre zuvor nur auf die Auswahlliste geschafft hat.

1992 Um Reifenbreite hieß der bisher einzige Siegertitel vom Verlag Jumbo, der heute aber auch die Rechte am Siegertitel Rummikub besitzt. Hierbei handelt es sich wieder um ein Rennspiel, das viel Material mitbringt und die Spieler bis zu eineinhalb Stunden fesselt. Einen Sonderpreis für das Schönste Spiel gab es in diesem Jahr nicht.

1993 Bluff war der letzte Siegertitel vom Verlag F.X. Schmid. Mitte der Neunziger ging es dem Verlag zunehmend schlechter, weshalb er 1997 vom Otto Maier Verlag, dem heutigen Ravensburger Spieleverlag, übernommen wurde.

1994 war wieder der Hans im Glück-Verlag auf der Siegerstraße unterwegs. Das Bauspiel „Manhattan“ von Andreas Seyfarth konnte die Jury überzeugen. Kinderspiel diesen Jahres wurde Looping Louie von MB, welches heute nicht nur Kinder begeistert.

Morgen geht’s weiter mit den Spielen von 1995 – 2004.

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.