Chronik Spiel des Jahres (3)

Heute kommen wir zum letzten Teil der Betrachtung der bisherigen Nominierungen und Titelvergaben beim Spiel des Jahres. In diesem Part werde ich auch auf das Kennerspiel des Jahres eingehen. Die Spannung steigt, schon morgen erfahren wir, wer die Auszeichnung im Jahre 2015 erhält. Verfolgt meine Eindrücke live von der Pressekonferenz aus Berlin bei Twitter.

2006 gelang es dem Hans im Glück-Verlag wieder ein Spiel des Jahres auf dem Markt zu platzieren. „Thurn und Taxis“ hieß der Siegertitel von Andreas und Karen Seyfarth. Dort müssen die Postkutschenverbindungen zwischen süddeutschen und angrenzenden, europäischen Städten errichten, um an Siegpunkte zu gelangen. Die Mischung aus Glückselementen und strategischen Überlegungen überzeugte die Jury und lies Thurn und Taxis zu einem Dauerbrenner werden. Mittlerweile sind zwei Erweiterungen erhältlich. Die Nominierungsliste umfasste wieder vier Titel.
Zwei Sonderpreise wurden erstmalig vergeben: Ein Sonderpreis Komplexes Spiel ging an „Caylus“, erscheinen bei Ystari, da das Spiel sehr umfangreich ist und eine Partie über 90 Minuten dauert. Der  Sonderpreis Fantastisches Spiel ging an Bruno Cathala und Serge Laget bei Days of Wonder für „Schatten über Camelot“, bei dem die Spieler in eine fantastische Welt eintauchen. Trotz umfangreicher Regeln greifen die Abläufe logisch und dramaturgisch gekonnt ineinander. Die Jury empfiehlt das Spiel jedoch erst ab 4 Personen.

2007 wurde Michael Schacht’s Arbeit endlich belohnt. Sein „Zooloretto“ überzeugte die Jury und führte auch für den Verlag Abacusspiele zum ersten Spiel des Jahres. Wie bei vielen Spielen, folgten diverse Erweiterungen und Ableger. Was auf den ersten Blick durch die niedlichen Tiere auf Cover und den Plättchen wie ein Kinderspiel aussieht, stellt sich schnell als attraktives Spiel heraus – nicht nur für Familienspieler.

2008 wurde das Spiel eines Autors von vielen bereits zuvor nominierten Titeln ausgezeichnet. „Keltis“ heißt der Siegertitel von Reiner Knizia, erschienen im Kosmos Verlag. Fünf Wegstrecken deren Felder zu Minus- und später zu Pluspunkten führen, stehen für alle Spieler zur Verfügung. Es wird eine gute Mischung aus Glück und Taktik für den Sieg benötigt. Durchsetzen musste es sich u.a. gegen „Stone Age“ von Hans im Glück und den alea-Titel „Wie verhext!“, dem Vorgänger zum aktuell als Kennerspiel nominierten „Broom Service“.
Wieder gab es einen Sonderpreis Komplexes Spiel, dieses Mal hieß der Autor Uwe Rosenberg und der Titel, erschienen bei Lookout Games, „Agricola“. Einem landwirtschaftlichem Entwicklungsspiel mit viel Material und umfangreichen Regeln.

2009 hieß der Verlag des Siegertitels wieder einmal Hans im Glück, Autor war Donald X. Vaccarino mit dem Titel „Dominion“. Einem abwechslungsreichen Deckbauspiel, welches auch heute noch viel Spieler begeistert. Noch dieses Jahr soll die neunte Erweiterung erscheinen. Vertrieben wird es mittlerweile allerdings von ASS Altenburger in Deutschland. Durchsetzen konnte es sich u.a. gegen Pandemie von Pegasus und Finca, ebenfalls aus dem Hans Im Glück-Verlag.
Ein Sonderpreis Partyspiel ging an „Gift Trap“ und der Sonderpreis Neue Spielwelten an „Space Alert“, beide vom Heidelberger Spieleverlag.

2010 hieß das Spiel des Jahres „Dixit“, vom Verlag Libellud, im deutschen Vertrieb bei Asmodee. Ein spannendes Spiel, welches durch liebevoll gestalteten Bildkarten die Kreativität der Spieler anregt mit hohem Interaktionsanteil.
Im selben Jahr wurde der bisher letzte Sonderpreis vergeben. Das Spiel „Tore der Welt“ von Michael Rieneck und Stefan Stadler, nach der gleichnamigen Buchvorlage von Ken Follet, erhielt den Sonderpreis Spiel des Jahres plus. Sozusagen der Nachfolger zum Sonderpreis Komplexes Spiel und Vorgänger zum Preis Kennerspiel des Jahres, der sich ein Jahr später etablierte. Gespielt wird in vier Kapiteln, die immer wieder unterschiedlich ablaufen können.

2011 wurde das logische Legespiel „Qwirkle“ aus dem Hause Schmidtspiele gekürt. Die Nominierungsliste nennt seither wieder bloß drei Spiele. Das Bauspiel „Asara“ von Kramer und Kiesling sowie das kooperative Spiel um „Die Verbotene Insel“ gingen mit ins Rennen. Stefan Feld fand sein Spiel „Die Burgen von Burgund“ auf der Empfehlungsliste wieder. Es war auch die Geburtsstunde des Kennerspiel des Jahres. Dies wurde notwendig, da es immer mehr gute Spiele pro Jahrgang gab, die sich in ihrer Komplexität teilweise stark unterschieden. Es gab ausreichend gute Spiele mit hoher Komplexität, sodass man den Familienspielern Spiele mit höherem Anspruch bieten wollte. Erster Siegertitel wurde „7 Wonders“ von Repos Production.

2012, drei Jahre nach seinem ersten Spiel des Jahres, hatte Donald X. Vaccarino wieder diesen Erfolg. Das Aufbauspiel „Kingdom Builder“ von Queen Games konnte die Jury überzeugen. Dabei müssen die Spieler 40 Holzhäuschen auf den verschiedenen Landschaftsarten möglichst gewinnbringend setzen. Worauf man dabei achten sollte, unterscheidet sich von Partie zu Partie. Zwei Erweiterungen sind bereits erhältlich, die dritte steht bereits in den Startlöchern, wobei Unstimmigkeiten zwischen Verlag und Autor eine zeitnahe Veröffentlichung behindern. Das Kennerspiel des Jahres kam von eggertspiele und heißt „Village“. Das Thema ist ein typisches Dorfleben von der Wiege bis ins Grab. Es bekam bereits zwei Erweiterungen und dieses Jahr soll zu gleichem Thema ein eigenständiges Würfelspiel „MyVillage“ erscheinen.

2013 wurde zum ersten Mal ein Kartenspiel und dazu noch ein kooperatives Spiel Preisträger. „Hanabi“ aus dem Hause Abacusspiele überzeugte die Jury mehr als „Augustus“ oder „Qwixx“. Auch beim Kennerspiel gewann der kooperative Ansatz bei „Die Legenden von Andor“ vom Kosmos Verlag. Nach einer großen und vielen kleinen Erweiterungen, die neue Legenden für die Spieler bereit halten, erscheint diesen Herbst ein kooperatives 2-Personenspiel dazu bei Kosmos.

2014 konnte sich Camel Up von eggertspiele durchsetzen. Ein großartiges Spiel für größere Gruppen. Ein reines Zockerspiel mit hohen Glücksanteil, das wegen seiner Einfachheit und Schnelligkeit überzeugt. Es trat an gegen das Edelstein sammeln bei „Splendor“ von den Space Cowboys und dem Partyspiel „Concept“ von Repos Production, bei dem man Begriffe mit Bildern auf dem Spielplan darstellen muss. Das Kennerspiel kam vom Pegasus Verlag, es versetzt die Spieler in die Welt eines türkischen Basars. Der variable Spielplan und der Zugmechanismus, bei dem man einen seiner Spielfiguren an einem Ort zurücklassen und später wieder zu sich holen muss, überzeugte die Jury. Und zwar mehr als „Rokoko“ oder „Concordia“.

2015 – Ja, wer wird dieses Jahr den Preis gewinnen. Mein persönlicher Favorit ist „The Game“ vom Nürnberger Spielkartenverlag. Es ist ein kooperatives Kartenspiel mit Suchtfaktor. Allerdings denke ich, dass die anderen Nominierten bessere Chancen haben. „Colt Express“ von Ludonaute hat ebenfalls einen schönen Spielmechanismus und tolles Material mit den Zugwaggons, die Spieler agieren aber komplett gegeneinander und gönnen sich nichts. Da wird gestohlen und geschossen, nicht gerade sehr familienfreundlich, daher tippe ich auf „Machi Koro“ vom Kosmos Verlag als Sieger. Ein Stadtbauspiel mit einem hohen Glücksfaktor durch Würfeleinsatz. Mit seinem schnellen Zugang hat es gute Chancen auf den Titel. Der Verlag hat auch bereits die erste Erweiterung für diesen Herbst angekündigt.

Beim Kennerspiel des Jahres bin ich mir nicht so sicher. Mein Favorit ist „Orléans“ von Reiner Stockhausen, erschienen bei dlp games. Ein tolles „Bagbuilding“-Spiel zur Mittelalterzeit. Durch einen interessanten Zugmechanismus und viel Interaktivität besticht hingegen „Broom Service“ von Alexander Pfister und Andreas Pelikan, erschienen bei alea. Die Wahl zwischen dem Ausspielen von mutigen und feigen Aktionen, wie es schon bei „Wie verhext“ möglich war, wurde angepasst und mit weiterem Material, wie einem Spielplan versehen. Ich denke das könnte die Jury überzeugen. Elysium von den Space Cowboys nimmt die Spieler mit in die Welt der Götter. Man muss mit Hilfe von farbigen Säulen Kartensets sammeln, die bestimmte Effekte besitzen, die aber erst Punkte verleihen, wenn man sie ins Elysium schickt. Gutes Timing ist hier gefragt. Noch eine Besonderheit: Jedes Kartenset wurde von einem anderen Grafiker illustriert.

Das war der dritte und letzte Teil der Chronik zum Spiel des Jahres. Ich hoffe es hat euch gefallen, wenn ihr Anmerkungen dazu habt, könnt ihr diese gerne als Kommentar hinterlassen. Wer meinen Blog verfolgt, weiß dass bereits ausgezeichnete Spiele rezensiert wurden. Damit will ich auf jeden Fall weiter machen, denn so manches Spiel des Jahres kann ich auch heute noch gut empfehlen.

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