Colt Express

Colt Express Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Der Sieger zum Spiel des Jahres 2015 sorgte für reichlich Diskussionen. Im Vorfeld zählte das Spiel nicht unbedingt als Favorit, da es einigen zu gewalttätig sei, um als Familienspiel angepriesen zu werden. Andere sahen in Colt Express den perfekten Siegertitel, da das Material mit den 3D-Zugwaggons überzeugt. Dies war auch die abschließende Meinung der Jury, die eben nicht das ideale Familienspiel suchen, sondern ein besonderes Spielerlebnis als vielfältiges Kulturgut. Worum es bei Colt Express genau geht und welches Spielgefühl es weckt, lest ihr in folgender Rezension.

Spielmaterial:

Elementarer Bestandteil sind die sechs 3D-Zugwaggons sowie eine 3D-Lokomotive. Sie sind aus dickem Karton und müssen vor der ersten Partie zusammen gesetzt werden, was ein wenig mühsam ist [UPDATE 20.07.2015: Die Charge LFCABF131, aus der unsere Version stammt, ist fehlerhaft gestanzt wurden: Produktionsfehler bei Colt Express ]. Dann kann der volle Spielspaß jedoch losgehen. Für jeden Spieler gibt es eine Spielfigur aus Holz sowie ein Set an Aktions- und Patronenkarten sowie eine Charakterkarte der gleichen Farbe. Jeder Charakter hat nämlich eine besondere Spezialfähigkeit. Hinzu kommt eine Spielfigur, welche den Marschall verkörpert, mit 13 neutralen Patronenkarten und 17 Rundenkarten für unterschiedliche Spieleranzahl (jeweils 7 für 2-4 Spieler und für 5-6 Spieler, plus drei Bahnhofskarten).  Hinzu kommen Beuteplättchen in Form von Geldbeuteln (250 – 500$), Diamanten (500$) und Geldkassetten (1.000$). Rein der Optik dienen die 10 Geländeteile, welche als Bausätze mitgeliefert werden um den wilden Westen zu verdeutlichen.

Colt Express Spielsituation

Spielsituation (Spielunterlage seperat erhältlich) / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Der Marshal steht zu Beginn mit einem Geldkoffer in der Lok. Es werden so viele Waggons aufgestellt, wie Spieler dabei sind. Die Spielfiguren starten in den letzten beiden Abteilen. Jeder hat sein eigenes Kartendeck vor sich, welches vor der ersten Runde 10 Aktionskarten umfasst.

Jede Runde besteht bloß aus zwei Phasen:

    • Planung!

Während der Planungsphase deckt der Startspieler zunächst die Rundenkarte auf und verkündet wie viele Züge in welcher Variante gespielt werden. Man spielt seine Karten entweder offen, im Tunnel verdeckt, beschleunigt (=2 Aktionen hintereinander) oder bei einer Weiche gegen den Uhrzeigersinn. Am Ende der Runde kann es eine Ereignis geben. Zum Beispiel kann dadurch der zweite Geldkoffer zum Einsatz kommen, die Spielfiguren werden durch Bremsen des Zuges bewegt oder man erhält vom Marshal oder anderen Passagieren eine neutrale Patronenkarte.

Welche Aktionen kann man ausführen? Eine Karte ermöglicht einen Ebenen-Wechsel vorzunehmen. Entweder vom Waggon auf das Dach oder anders herum. Auf dem Dach kann man sich schneller bewegen und weiter schießen. Denn mit der Bewegen-Karte kann man sich nach links oder rechts bewegen, ein Waggon weit im Zug und bis zu drei auf dem Dach. Die Raub-Karte ermöglicht das Aufheben von Beute, wenn sich am Ort welche befindet. Durch einen Hieb kann man dafür sorgen, dass ein anderer Spieler am gleichen Ort ein Beutestück fallen lässt und einen Waggon weiter geboxt wird. Mit der Feuer!-Karte gibt man einen Schuss aus seinem Revolver ab. Im Zug jedoch nur auf einen Spieler in einem angrenzenden Waggon. Man muss immer auf den nächsten erreichbaren Spieler schießen.Aber keine Angst, bei Colt Express stirbt man nicht. Man bekommt eine Patronenkarte des Schützen, die man zum eigenen Aktionskartendeck legt. Und dann gibt es noch die Marshal-Aktion, mit der man selbigen einen Waggon weiter befördern kann. Dies kann sinnvoll sei, damit er seinen Geldkoffer mit 1.000$ unbewacht liegen lässt oder um anderen Spielern zu schaden, die vor dem Marshal auf das Dach flüchten müssen und eine neutrale Patronenkarte erhalten.

Colt Express Karten

Karten / Foto: Brettspielpoesie

Die Spieler legen nacheinander anhand der Vorgabe der Rundenkarte ihre Karten ab und planen damit ihren Zug. Alternativ zum Ausspielen einer Aktionskarte, kann ein Spieler weitere drei Karten auf die Hand ziehen. Dies ist sinnvoll, falls er viele Patronenkarten auf der Hand hat und somit keine sinnvollen Aktionskarten ausspielen kann.

    • Action!

Nun nimmt der Startspieler den Stapel mit den Aktionskarten und die Aktionen werden nacheinander ausgeführt. Besonders durch Tunnel oder Doppelzüge kann es passieren, das manch ein Spieler ins Leere schießt, haut oder greift. Genau dies macht den Spielreiz aus.

Anschließend mischt jeder Spieler seine Aktionskarten (ggf. mit den zusätzlichen Patronenkarten) und zieht für die neue Runde wieder 6 Karten. Neuer Startspieler wird der im Uhrzeigersinn nächste Spieler. Er deckt die nächste Rundenkarte auf und die neue Runde beginnt.

Die Regel bietet auch eine fortgeschrittene Variante an, bei der die Karten nicht nach jeder Runde gemischt werden. Man zieht solange vom Nachziehstapel, bis dieser aufgebraucht ist und mischt erst dann. Am Ende der Planungsphase darf er dann so viele Karten wie gewünscht auf der Hand behalten. In der Actionphase kommen genutzte Aktionskarten auf den Ablagestapel, während neu hinzukommende Patronenkarten auf dem persönlichen Nachziehstapel landen.

Spielende:

Nach fünf Runden, wenn alle Rundenkarten abgearbeitet wurden, endet das Spiel. Der Spieler, der die meisten Patronen verschossen hat wird der „Revolverheld“ und erhält einen Bonus von 1.000 $. Gewonnen hat, wer das meiste Geld besitzt.

Spieleranzahl:

Angegeben wird eine Spieleranzahl von 2-6 Personen. In meinen Augen fängt es jedoch erst ab 4 Personen an, wirklich Spaß zu machen. Zu zweit muss man zwei Charaktere im Team spielen und sollte die fortgeschrittene Variante wählen. Dennoch ist es recht vorhersehbar und es kommt nicht so viel Dynamik wie beim Spiel mit mehreren Personen hinein.

Glücksfaktor?

Glück spielt bei Colt Express schon eine große Rolle. Beim Ziehen der Karten auf die Hand braucht man Glück, um die benötigten Karten zu ziehen. Und auch in der Actionphase kann man teilweise nur darauf hoffen, dass die eigene Planung aufgeht.

Die einzelnen Charaktere haben Spezialfähigkeiten. So darf der Doc zu Beginn 7 Karten auf die Hand nehmen und Cheyenne kann bei einem Hieb andere Spieler bestehlen. Die Geldsäcke fallen dann nämlich nicht auf den Boden, sondern direkt in ihre Tasche. Andere Charaktere können durch die Decke schießen oder schießen andere Charaktere einen Waggon weiter. Manche Spezialfähigkeiten erscheinen dabei stärker und sinnvoller als andere.

Fazit:

Die Regeln sind leicht verständlich, der Einstieg gelingt sehr schnell. Die Interaktion der Spieler ist sehr hoch, weil man immer auf die Aktionen der anderen achten muss. In der Actionphase sind meist alle ganz gespannt, was passieren wird. Thematisch passt alles gut zusammen, die Aktionen sind realitätsnah (auf dem Dach schneller bewegen weil keine Personen/Türen im Weg sind, Im Zug nur ein Abteil weiter schießen, etc.). Wenigspieler werden mit Sicherheit ihren Spaß daran finden, aber auch für Vielspieler kann es eine nette Abwechslung sein. Durch die Rundenkarten und die unterschiedlichen Spezialfähigkeiten der Charaktere wird Abwechslung geschaffen.

Kurzer Nachtrag zur Preisverleihung und der damit einher gegangenen Diskussion: Ich finde Colt Express ist ein verdienter Preisträger, was aber auch für die beiden anderen Nominierten gegolten hätte. Schade finde ich jedoch, dass nun zwei Mal hintereinander ein Spiel den Titel „Spiel des Jahres“ erhalten hat, welches erst ab 4 Spielern gut funktioniert.
Ich empfinde Colt Express auch nicht gewaltverherrlichend! Es wird niemand ermordet, lediglich beschossen und geschlagen, aber das eher in der Slapstick-Version. So wie es auch in alten Western-Filmen gezeigt wird.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Ludonaute
Autor(en): Christophe Raimbault
Erscheinungsjahr: 2014
Spieleranzahl: 2-6 Spieler
Dauer: ca. 40 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “Colt Express

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