Cottage Garden

Cottage Garden Cover

Cover / Foto: Edition Spielwiese

Bei meinem ersten Besuch der Spiel des Jahres Verleihung in 2015 hatte ich vorsichtshalber erst einen späten Zug nach Hause gebucht, ich wusste ja nicht was da auf mich zukommt. Die Veranstaltung war am frühen Nachmittag vorüber und so hatte ich viel Zeit die Hauptstadt zu erkunden. Nach diversen Spieleläden landete ich am frühen Abend in der Spielwiese, dem Spielecafé in Friedrichshain, in dem auch Hunter & Cron schon öfter gedreht haben. Dort traf ich auf bekannte Gesichter vom Vormittag und wurde sehr herzlich empfangen. Montagabends kann man dort mit Spielautoren ihre neuen Prototypen spielen, doch ich musste vorher zu meinem Zug. Mit tollen Eindrücken aus der Spielwiese. Doch beim kleinen Spielecafé um die Ecke ist es nicht geblieben. Im Jahr 2016 gingen die Betreiber noch einen Schritt weiter und gründeten ihren eigenen Verlag, die Edition Spielwiese. Zur Veröffentlichung des ersten Spiels konnten die Gründer Erfolgs-Autor Uwe Rosenberg gewinnen. Sein Familienspiel rund um Gartenarbeit war bereits am Samstag auf der Messe in Essen ausverkauft, was die Verantwortlichen komplett überwältigt hat. Die Neuauflage ist nun im Vertrieb bei Pegasus Spiele gelandet. Und es sollen noch zwei weitere Spiele mit ähnlichem Mechanismus folgen.

Spielmaterial:

Ein quadratischer, doppelseitig bedruckter Spielplan ist das zentrale Hauptelement. Bestückt wird dieser mit maximal 16 der 36 Blumenplättchen, welche sehr detailreich und liebevoll gestaltet wurden. Sie sind ein bis sechs Blumenbeet-Felder groß, in unterschiedlicher Ausrichtung. Von den Blumenbeeten existieren 9 Stück mit verschiedenen Vor- und Rückseiten, die ein 5×5-Raster an Feldern zeigen. Zusätzlich erhält jeder Spieler einen Pflanztisch, auf dem mit drei blauen und drei orange-farbenen Holzwürfeln die Punkte abgetragen werden. Ein grüner Holzwürfel als Rundenzähler, zwei Bienenstockplättchen, jede Menge runder Pappscheiben mit Blumentöpfen und Katzen und ein Sonnenschrimplättchen sowie eine zusammen steckbare Schubkarre runden das Spielmaterial ab.

Spielmechanismus:

Die Spieler starten mit zwei Katzen und zwei Blumenbeeten, eines mit Vorder-, das andere mit der Rückseite. Der Gärtner wandert reihum um ein Feld und der aktive Spieler darf aus dieser Reihe ein Plättchen wählen, welches er sofort auf einem seiner Beete platzieren muss. Der Sonnenschirm darf genutzt werden, um zu prüfen, ob ein Plättchen auf die eigenen Blumenfelder wirklich passt und dieses kann, wenn nicht, zurückgelegt werden. Liegt in der Reihe nur noch ein Plättchen oder gar keines mehr, wird die Reihe zuvor aufgefüllt. Dieses Auffüllen kann durch Abgabe einer Katze auch früher herbei geführt werden. Von der Schubkarre ausgehend liegen die folgenden Blumenplättchen in einer Schlange, sodass man vorausschauen kann, was als nächstes kommt.  Die Blumenbeete zeigen bereits Blumentöpfe und/oder Pflanzglocken, welche bei einer Wertung mit Punkten belohnt werden, wenn sie nicht überbaut wurden. Die Blumenplättchen selbst bringen keine Punkte ein, wenn sich keines der Siegpunkt-Elemente darauf befindet, daher lohnt es sich, um diese Punktegraranten herum zu bauen. Hat man nur noch kleine Felder übrig, kann man anstelle eines Blumenplättchens auch einen Blumentopf nehmen. Die Katzenplättchen im eigenen Besitz können jederzeit auf die Blumenbeete gelegt werden, es ist keine eigene Aktion. Für letztere erhält man zwar keine Punkte, kann aber eine Wertung herbei führen. Die erfolgt immer dann, wenn alle freien Felder eines Blumenbeetes bedeckt wurden. Blumentöpfe zählen einen Siegpunkt, Planzglocken das Doppelte. Diese werde auf den Pflanztischen abgetragen, wobei der aktive Spieler aus seinen drei Klötzchen wählen darf, mit welchem er die Siegpunkte markiert. Der letzte Schritt auf das Feld mit der 20 ist 4 bzw. 5 Punkte, statt der üblichen 1 bzw. 2 Punkte, wert. Übrige Schritte würden jedoch verfallen, es kann sich also lohnen mit einem anderen Klötzchen loszugehen. Doch die beiden Spieler, die zuerst einen Holzklotz auf das letzte Feld befördern, bekommen die Bienenkörbe. Beim Überschreiten der roten Linie erhält man eine Katze, von denen man immer nur zwei besitzen darf und wenn der dritte Holzklotz einer Farbe das Startfeld verlässt, erhält man einen Blumentopf, der sofort gesetzt werden muss.

Cottage Garden Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Das Blumenbeet kommt mit der Rückseite in die Auslage und das dort liegende Plättchen nimmt der Spieler an sich. Am Ende eines jeden Zuges schreitet der Gärtner(-würfel) ein Feld vor. Überschreitet er dabei das Zielfeld, wird seine Augenzahl um 1 erhöht. So verläuft Zug für Zug, bis der Gärtner die sechste Runde beginnt.

Spielende:

Nach der fünften Runde wird das Spielende eingeleitet. Wer zu diesem Zeitpunkt mehr als zwei Blumenplättchen auf einem seiner Beete liegen hat, spielt weiter. Alle Beete mit weniger als drei Blumen-Plättchen kommen aus dem Spiel. Ab jetzt werden den Spielern vor jedem Zug zwei Siegpunkte abgezogen, bis sie ihre Beete vollendet haben. Dann erfolgt die Endabrechnung bei der jeder Bienenkorb noch mit einem Punkt belohnt wird. Anschließend werden die Punkte aller Spieler verglichen.

Spieleranzahl:

Anhand der Spielerzahl wird die Spielplanseite gewählt. Nur die Seite für 4 Spieler enthält diagonale Reihen. Zudem sind die Start- und Zielfelder in Abhängigkeit der Spielerzahl gesetzt. Der Gärtnerwürfel beginnt im Solo-Spiel und im Spiel zu zweit bereits mit der Augenzahl 2. Es wird also eine Runde weniger gespielt. Zu zweit ist die Planung leichter, da man in jeder zweiten Reihe ein Plättchen nehmen darf und so mehr Planungssicherheit hat.

Im Solo-Spiel spielt man wie im Duell, darf auch nur aus jeder zweiten Reihe ein Plättchen wählen, es nimmt einem aber niemand etwas weg. Gespielt wird mit drei Blumenbeeten, also einem zum Austausch nach der Wertung, über 32 Spielrunden. Dann zählt die Punkteausbeute, mehr als 70 sind gut, mehr als 80 können als herausragend angesehen werden.

Glücksfaktor?

Die Blumenbeete sind recht unterschiedlich und erscheinen dadurch unterschiedlich stark. Sowohl vom Layout her, als auch von der Anzahl Blumentöpfe bzw. Pflanzglocken. Das kann aber auch nur ein subjektiver Eindruck sein, der Autor wird sich bei der Anordnung sicher etwas gedacht haben. Ansonsten hat man immer die Wahl aus mehreren Plättchen, kann mit Hilfe einer Katze auch einzelne freie Felder früher auffüllen oder einfach einen Blumentopf wählen.

Fazit:

Cottage Garden wurde in Essen sehr gehypt, leider konnte uns das Spiel nicht vollends überzeugen. Es ist ein ordentliches Spiel, der Einstieg gelingt auch Wenigspielern schnell und es tut niemandem weh, es zu spielen. Jeder spielt so vor sich hin, Interaktion gibt es kaum, da man bei der Plättchenwahl nur bedingt den Mitspielern etwas „wegnehmen“ kann. Selbst nach einer Wertung hat man das Gefühl, nicht wirklich Einfluss nehmen zu können und entscheidet sich eher dagegen durchzurechnen, in welcher Reihenfolge man die Plättchen an das Ende der Schlange legt. Wenn der Vorrat nicht gerade fast aufgebraucht ist, ist es einfach noch zu lange hin, bis die Plättchen im Spiel ankommen.

Das klang jetzt vielleicht ablehnender, als es gemeint ist, denn es macht wirklich Spaß die eigenen Blumenbeete möglichst effektiv zu füllen. Das bedeutet die Balance zu finden zwischen großen Blumenplättchen, welche das Beet gut ausfüllen und kleinen, punktebringenden Plättchen. Dabei den Sonnenschirm zu bemühen und Plättchen auszuprobieren wurde in unseren Runden eher ausgebuht, sollte man doch das räumliche Vorstellungsvermögen ein wenig strapazieren. 😉 Die Pfeile auf dem Spielplan helfen bei der Vorausplanung, da man daran ablesen kann, aus welchen Reihen man zukünftig wählen darf. Dabei sollte man auch immer den Pflanztisch im Auge haben, um so wenig Punkte wie möglich verfallen zu lassen, aber dennoch den größeren Sprung auf das letzte Feld zu schaffen. Denn dieser wird mit 5 bzw. 6 Punkten belohnt. Nicht zu unterschätzen sind auch die zusätzlichen Blumentöpfe durch das vorschreiten mit dem dritten Klötzchen.Die letzte Runde mit Punkteabzug wurde in unseren Partien häufig vermieden, doch kann es sich durchaus lohnen, für den Abzug einiger Punkte noch viele einzuheimsen.

Zu zweit würde ich immer Patchwork vorziehen, weil es mir das Gefühl gibt, mehr selbst in der Hand zu haben und dass die Entscheidungen weitreichender sind. Bei Cottage Garden kann man immer irgendetwas Sinnvolles tun. Wenn die verfügbaren Blumen-Plättchen nicht passen, nimmt man eben einen Blumentopf, der immerhin einen Siegpunkt zählt. Ein wirklich schönes Familienspiel, dass durch das Material wirklich punktet. Bei uns hat es sich zum gemütlichen Absacker entwickelt, das man gerne zum Ausklang eines Spieleabends spielt, wenn die Konzentration schon etwas nachlässt.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Edition Spielwiese
Autor(en): Uwe Rosenberg
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: ca. 60 Minuten

Vielen Dank an Edition Spielweise für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!

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