Das Syndikat

Das Syndikat Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Das Cover zeigt einen dubiosen Mafia-Boss auf seinem Thron, mit Augenklappe und Zigarre. Ein Cover wie man es besser nicht machen könnte, um mich von dem Spiel fern zu halten. Nun habe ich es aber dennoch in die Finger bekommen und muss zugeben, dass mich die Gestaltung des Spielcovers von einem interessanten Spiel abgehalten hätte, welches ich tatsächlich gerne wieder auf den Tisch bringe. Auch wenn ich bisher selten um den Sieg mitgespielt hätte. Man stellt sich im Laufe der Partie ein Kartendeck zusammen, aber es ist kein typischer Deckbuilder. Jede Karte kann auf zwei Arten eingesetzt werden, beides hat seine Vor- und Nachteile. Und wie richtige Gangsterbosse, gönnen wir unseren Konkurrenten den Dreck unter den Fingernägeln nicht und versuchen jederzeit ihnen etwas wegzunehmen. Eines vorweg: Es werden keinerlei Kenntnisse mit dem Spiel Der Widerstand benötigt, auch wenn Das Syndikat in der gleichen Welt spielen soll.

Spielmaterial:

Am Ende zählt nur das Geld, 75 Münzmarker der imaginären Währung ISK sind im Spiel enthalten. 20 Auftragskarten zeigen die zu erledigen Aufträge, 60 Spezialistenkarten stehen für die Erledigung der Aufträge zur Verfügung. Jeder Spieler erhält eine eigene Spielertafel zum Ablegen der Karten. Zusätzlich ist im Spiel ein Informanten-Zusatz mit 20 Karten enthalten, der in späteren Partien hinzu genommen werden kann.

Spielmechanismus:

Gangster arbeiten im Dunkeln, nachts, wenn ihre dubiosen Geschäfte weniger auffallen. Alle Spieler beginnen mit den gleichen drei Anführern und drei zufälligen Handkarten. Die Spielertableaus haben Platz für drei nächtliche Aktionen, zu Beginn eines Zuges wandern die Karten immer einen Platz weiter und zuletzt heraus auf den Sammelplatz. Von dort werden die Karten am Ende des Zuges wieder aufgenommen. Dazwischen wird eine von zwei Aktionen ausgeführt: Entweder die Funktion eines Spezialisten nutzen oder mehrere Spezialisten als Team einsetzen, um einen ausliegenden Auftrag zu erfüllen. Die Spezialisten ermöglichen beispielsweise das Stehlen von Geld, neue Spezialisten anzuheuern oder die ausliegenden Spezialisten zu beeinflussen. Jeder Spezialist ist einem farbigen Symbol zugeordnet. Diese Symbole werden für das Erfüllen der Aufträge benötigt. Die Auftragsstapel sind aufsteigend sortiert, erst werden drei, dann vier, fünf und sechs Fähigkeiten von Spezialisten benötigt, um den immer lukrativeren Bonus zu erhalten.

Das Syndikat Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Zusätzlich sind weitere Spezialisten-Sets und ein neuer Anführer für jeden Spieler enthalten, welche optional dem Spiel beigefügt werden können. Laut Autor soll das Spiel für sich alleine stehen und funktioniert auch ohne die zusätzlichen Karten bereits gut. Wobei die Empfehlung lautet, beim Wunsch für mehr Abwechslung immer nur eine dieser Personen hinzuzunehmen, alle Promo-Karten gemeinsam beizufügen kann aufgrund der vielen Joker-Karten die Spielbalance stören.

Spielende:

Drei Ereignisse können zum Spielende führen:

  • Alle Aufträge sind erledigt
  • Es sind keine Spezialisten mehr verfügbar
  • Die Konzernkasse ist komplett geleert

Das Spiel endet sofort und die Spieler rechnen die Boni anhand erledigter Aufträge zum im Spiel gesammelten Geld hinzu, um den Sieger zu bestimmen.

Spieleranzahl:

In Vollbesetzung gefällt Das Syndikat am besten, da sich viele Karteneffekte und Belohnungen auf alle Mitspieler beziehen. Sind weniger Spieler dabei, werden einige Auftragskartenstapel und Münzen aus dem Spiel genommen, die Anzahl der Spezialisten bleibt gleich. Zu zweit spielt es sich richtig flott, aber auch weniger spannend. Oft verlaufen die Zweier-Partien so, das beide Spieler gleich viele Aufträge erreichen und nur das gesammelte Geld den Sieg entscheidet.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist schon nicht unerheblich. Beim Ziehen neuer Spezialisten ist eine Prise Glück wirklich hilfreich, da es meiner Meinung nach einige schwächere und andere stärkere Charaktere gibt. Oft ergibt sich die Stärke bzw. Schwäche auch aus dem Vorhandensein anderer Exemplare eines Spezialisten. Vor allem im Spiel zu viert, da es jeden Spezialisten genau drei Mal im Spiel gibt. Eine Femme Fatale, die das sofortige Weiterschieben der Kartenreihen ermöglicht, hilft einem Spieler schneller wieder ein Team auf die Hand zu bekommen, um die Fähigkeiten der Spezialisten erneut zu nutzen. Hat jedoch jeder Spieler eine Femme Fatale, ist die Schnelligkeit kein Vorteil mehr gegenüber den Mitspielern.

Fazit:

Wer sich auf das Thema einlässt, bekommt ein leicht zugängliches Kartenspiel mit großem Ärger-Faktor. Lediglich die Kartentexte muss man in der ersten Partie erfassen, aber es handelt sich neben den drei Anführern ja nur um 16 Spezialisten, die alle dreifach enthalten sind. Ach ja, die Währung ISK ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, mir ist bis jetzt nicht klar, wofür diese Abkürzung steht. Schneller gewöhnt man sich daran, dass der Besitz von Geld nicht von langer Dauer ist, sondern selbiges vor allem zu Beginn einer dauerhaften Umverteilung unterliegt. Spannend wird es dann, wenn die ersten Aufträge erfüllt werden. Die nachfolgenden Aufträge sind meist lukrativer, aber wer bei Spielende einen ordentlichen Bonus für gesammelte Aufträge erhalten möchte, muss mehrere, bestenfalls alle, einer Farbe vorweisen können. Dann geht es darum, wer schneller die ausgespielten Karten zurück auf die Hand erhält, um weitere Aufträge erfüllen zu können. Wenn einem immer wieder Geld gestohlen wird, will man das aber auch nur ungerne auf sich sitzen lassen und wird immer wieder dazu verleitet einzelne Spezialisten auszuspielen, um sich zu rächen. Doch nicht nur Geld kann gestohlen werden, Aufträge können ausgetauscht oder Spezialisten entführt werden. So kann es bei mehr als zwei Spielern zu dem sogenannten Königsmacher-Effekt kommen. Das bedeutet, dass ein Spieler, der selber nicht mehr gewinnen kann, durch seine Aktion den Sieger bestimmt. Dazu kam es in unseren Partien aber kaum.

Die zusätzlichen Karten können von geübten Spielern dem Spiel für etwas mehr Abwechslung hinzugefügt werden. Das Thema ist sicherlich austauschbar, in unseren Gruppen wurde nur selten gesagt „Ich besteche einen Minister“, sondern eher: „Ich hab drei mal rot und ein mal grün – ich erfülle jetzt diesen Auftrag!“. Dabei ist es ganz egal, dass die Symbole eigentlich für Köpfchen, Kraft und Schnelligkeit stehen. Aber die thematische Einbettung passt zum Ziel des Spiels und zu den Fähigkeiten der Spezialisten. Selbst zu viert dauert eine Partie nur gut 30 Minuten, eine Revanche ist dabei fast immer garantiert. Denn niemand lässt sich gerne ungesühnt von den Gangster-„Kollegen“ übers Ohr ziehen 😉

Wertungsnote 5/6

Verlag: Heidelberger Spieleverlag / Asmodee
Autor(en): Jake Tlapek, David Fulton
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl:  2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “Das Syndikat

  1. So sehe ich das auch 🙂 .Schade,dass Einige dieses Spiel nicht kennen,aber durch diese Rezension bekommt das Spiel mehr Aufmerksamkeit 🙂 DANKE 🙂

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