Die Holde Isolde

Die Holde Isolde Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Über kaum einen Namen wurde in diesem Spiele-Jahrgang so viel diskutiert, wie über Die holde Isolde. Die Befürchtung lag nah, das dieser Name in der Brettspielwelt nicht gut ankommt, wenn man es nicht besser weiß und nicht mehr Informationen zu dem Spiel hat. Ich finde den Namen auch nicht sonderlich gut gewählt, kann mir aber gut vorstellen, dass er bei Familienspielern besser ankommt als Medieval Acedemy, dem Originalnamen oder der direkten Übersetzung „mittelalterliche Akademie“. Und irgendwie finde ich mittlerweile sogar, der Name passt ein wenig zu der Aufmachung des Spiels, die ist nämlich bei beiden Versionen identisch. Mit der Besonderheit, das in der Version von Schmidt-Spiele das Grundspiel direkt mit der Erweiterung vereint wurde. Statt, wie im Original, an einer Ausbildungsstätte für angehende Ritter, ist unsere Aufgabe nun die Aufmerksamkeit der holden Isolde zu erhaschen, indem wir uns in den ritterlichen Disziplinen profilieren.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial besteht aus:

  • 8 kleine, beidseitig bedruckte Spielbretter, eines davon nur für die Varianten
  • 52 Spielkarten für die 6 Kategorien mit Werten Zwischen 2 und 5
  • 50 Holzsteine in fünf Spielerfarben aus Holz
  • jede Menge Pappmarker, die meisten davon sehr winzig
  • Karten und Pappmarker für die Varianten

Die Siegpunkt-Pappmarker sind auch gleich der erste Kritikpunkt, denn der Umgang mit diesen kleinen fitzeligen Teilen ist sehr nervig und aufwändig. Als Anleitung findet man zwei einzelne Hefte vor. Eines mit allen Regeln zum Grundspiel und eines mit den Varianten. Beide sind übersichtlich und leicht verständlich.

Spielmechanismus:

Zu Beginn einer Runde bekommen alle Spieler fünf Karten von denen jeder eine behält. Dann kommt ein Drafting-Mechanismus zum Einsatz. Ob im oder gegen den Uhrzeigersinn gibt die Rundenkarte vor. So gibt jeder seine Karten weiter, nimmt sich eine vom neuen Stapel, gibt den Rest weiter, bis er wieder fünf Karten hat. Von diesen werden nun reihum vier ausgespielt, die fünfte wird ungenutzt abgelegt. Beim Spielen einer Karte setzt man seinen Spielstein in der abgebildeten Disziplin so viele Schritte vor, wie der Wert der Karte vorgibt. Ziel ist es, in den Disziplinen für die Wertung möglichst weit vorzurücken. Denn am Ende einer jeden Runde wird diese durchgeführt. Aber nicht alle Disziplinen werden jede Runde gewertet. Welches Spielbrett wann gewertet wird und welche Positionen belohnt oder bestraft werden, lässt sich leicht dem jeweiligen Spielbrett entnehmen. In einigen Disziplinen werden die am weitesten vorne stehenden belohnt, in anderen Kategorien erhalten die hinteren Spieler Minuspunkte. Beim einem Brett bestimmt der Standort bei Wertung die Punktzahl und die holde Isolde hilft dabei gezielt Spielsteine zu versetzen. Stehen mehrere Spielsteine auf einem Feld, zählt immer der obere als weiter vorne. Es ist also auch interessant wann man welche Karte spielt. Um bei einer positiven Wertung berücksichtigt zu werden, muss man sich mindestens vom Startfeld wegbewegt haben. Für die folgende Runde werden alle Karten neu gemischt und wieder fünf an jeden Spieler verteilt und das Drafting beginnt.

Die holde Isolde Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Varianten bieten weitere Möglichkeiten Spielsteine zu versetzen oder andere Boni zu erhalten und weitere neue Wertungsregeln. Zum teil modifizieren sie auch die Zeitpunkte der Wertungen.

Spielende:

Das Spiel endet automatisch nach der sechsten und letzten Runde inkl. Wertung. Nun werden auch erstmalig alle Disziplinen gewertet. Die Spieler zählen dann ihre Siegpunkte zusammen und ziehen ggf. negative Siegpunkte davon ab. Die holde Isolde entscheidet sich natürlich für den Ritter, der die meisten Siegpunkte vorweisen kann.

Spieleranzahl:

Das Spiel bringt direkt zwei unterschiedliche Varianten für zwei Spieler mit. Das ist ja toll, könnte man nun denken. Allerdings lohnen sich beide absolut nicht! Entweder man spielt mit einem Dummy-Spieler, dem ein Spieler immer die höchsten Karten aussortiert oder man spielt jeweils zwei Figuren, hat für beide zusammen sechs Karten pro Runde. Dafür wird extra eine Reihenfolge-Karte mitgeliefert. Bei beiden kommt man schnell durcheinander, was man tun muss und keine spielt sich intuitiv, erwecken in mir absolut keinen Reiz zur Wiederholung. Bei der Doppel-Variante kommen auch einfach viel zu wenig Karten ins Spiel.

Zu dritt hat man lediglich die Anpassung, dass der Dritt-Platzierte keinen Wertungsbonus erhält. Das erscheint sinnvoll bei drei Spielern und hinterlässt ein gutes Spielgefühl. Am meisten Spaß macht es jedoch mit 4 oder 5 Spielern, da es eben um den Wettlauf in den einzelnen Disziplinen geht.

Glücksfaktor?

Das Spiel ist nicht sonderlich komplex. Durch den Drafting-Mechanismus werden die Karten meist gerecht verteilt. Dabei kann es natürlich passieren, dass man mit einer großartigen Kartenhand beginnt, davon aber nur eine Karte behalten darf. Der Ablauf einer Runde oder sogar einer Partie hängt sehr von den zur Verfügung stehenden Karten ab, aber für alle Spieler und nicht nur für den Einzelnen.

Fazit:

Nach der ersten Partie von Die holde Isolde war ich mir sicher, einen Kandidaten für das Spiel des Jahres in der Hand zu halten. Mittlerweile wurde in diesem Jahrgang ordentlich Konkurrenz produziert und ich muss meine Einschätzung ändern. Besonders vor dem Hintergrund, dass das Spielmaterial mit den kleinen Siegpunktplättchen wirklich negativ zu bewerten ist. Was aber bleibt, ist ein guter Eindruck, den dieses Spiel bei mir hinterlässt. Es ist ein lockeres, schnell gespieltes Familienspiel, das besonders in Gruppen mit 4 oder 5 Spielern viel Spaß bereitet. Allzu viel Tiefe oder Strategie darf man allerdings nicht erwarten.

Durch die Varianten ist für viel Abwechslung gesorgt. Allerdings erweckt selbst das Grundspiel bei mir bereits einen hohen Wiederspielreiz, die Varianten wären gar nicht nötig gewesen. Den leichten Einstieg, den das Grundspiel bereitet, findet man in den Varianten nicht wieder. Daher konnten sie in unseren Spielgruppen nicht überzeugen. Es kann aber eine gelungene Abwechslung sein, wenn man wirklich häufig zu dem Spiel greift und man muss ja auch nicht immer alle Varianten spielen, sondern kann sich seine Lieblings-Varianten frei zusammenstellen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Nicolas Poncin
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

 

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