Die Legenden von Andor – Chada & Thorn

Die Legenden von Andor - Chada & Thorn Cover / Foto: Brettspielpoesie

Die Legenden von Andor – Chada & Thorn Cover / Foto: Brettspielpoesie

Die Legenden von Andor – Dem kooperativen Fantasy-Abenteuer wurde im Jahre 2013 der Titel „Kennerspiel des Jahres“ verliehen. Im neuen Spin-Off macht sich die Bogenschützin Chada gemeinsam mit Krieger Thorn auf den Weg nach Andor. Im Süden beginnen sie ihre Reise und wollen sich im Norden mit Zwergen treffen, die ihnen zur Überfahrt zum umkämpften Andor helfen sollen. Doch der Weg dorthin ist lang und beschwerlich, viele Gefahren lauern auf die beiden Helden. Bevor der dritte Teil der angekündigten Trilogie erscheint, hat Gerhard Hecht die kooperative 2-Spieler-Variante beim Kosmos Verlag veröffentlicht. Kann auch diese Version überzeugen?

Spielmaterial:

60 Spielkarten:

  • 3 Heldenkarten Chada
  • 3 Heldenkarten Thorn
  • 6 Fluchkarten
  • 29 Nebelkarten
  • 4 Freundeskarten
  • 12 Ausrüstungskarten
  • 3 Sonderkarten: Ein Schiffbrüchiger, Drukil, Callem

36 große Abenteuerkarten für vier Abenteuer mit je

  • 2 Karten „Einführung und neue Symbole“
  • 8 (bzw. 4) Etappenkarten

Papp-Plättchen:

  • 20 Willenspunkte
  • 3 Lagerfeuer-Plättchen
  • Spielfiguren Chada, Thorn und der Fluch inkl. Plastikständer
  • Spielfigur Stinner für herunterladbare Solo-Erweiterung (auf diese werde ich in dieser Rezension nicht weiter eingehen)

Spielmechanismus:

Einführungskarten

Einführungskarten / Foto: Brettspielpoesie

Für jedes Abenteuer gibt es zwei Einführungskarten, mit der Vorgeschichte und wichtigen Symbolen. Der Spielplan wird in jeder Partie neu zusammengesetzt. Und zwar pro Abenteuer aus der Start- und Zielkarte und dazwischen zwei zufällige Etappenkarten. Diese Abenteuerkarten zeigen die Wege, jede Station auf dem Weg kostet Schritte und es können besondere Ereignisse eintreffen, wenn man dort stehen bleibt oder einen bestimmten Weg benutzt. Zu jeder Karte werden Nebelkarten anhand der Angabe gelegt.

Spielsituation mit Thorn

Spielsituation mit Thorn / Foto: Brettspielpoesie

Jeder Spieler baut drei Kartenreihen auf. Zu Beginn liegen die Fluchkarten mit der ruhenden Rückseite in jeder Reihe und darauf die drei Heldenkarten. Ist der Spieler am Zug muss er die oberste Karte einer beliebigen Reihe aktivieren. Die Karte kommt nach Ausführung der Aktion an das Ende der gleichen Reihe, so kommen die Karten immer wieder ins Spiel, wenn der Kartentext nicht etwas anderes verlangt. Die Heldenkarten habe eine Vorder- und Rückseite mit unterschiedlichen Bewegungsaktionen, einem Kampfwert und jeweils einer nützlichen Sonderaktion, mit der man an Willenspunkte oder Ausrüstungsgegenstände gelangen kann. Die Nebel- und Fluchkarten haben negative Effekte, wenn man sie aktiviert, Nebelkarten werden bei der ersten Aktivierung auf die wache Seite gedreht. Kann man einen Gegner nicht mit dem Kampfwert besiegen, er aber über eine Sonderaktionen verfügt, kann man diese stattdessen ausführen. Die beiden Spieler können sich auch bei Kämpfen unterstützen oder Willenspunkte weitergeben, aber nur, wenn sie auf benachbarten Feldern stehen. Auf bestimmten Feldern muss ein Spieler stehen bleiben, auch wenn er noch Bewegungspunkte übrig hat. Der andere Spieler kann aber an ihm vorbei ziehen, denn blockierte Felder zählen bei den Kosten nicht mit. Sobald beide Spieler eine Karte hinter sich gelassen haben, werden dort noch ausliegende Nebelkarten zu denen der nächsten Karte gelegt. Als Bonus erhalten die Spieler noch eine weitere Nebelkarte auf den Stapel. Der Spieler, der zuerst das Zeil erreicht, erhält die Lagerfeuerplättchen und muss von diesem jede Runde eines angeben, wenn er am Zug ist. Chada und Thorn müssen immer im Wechsel agieren.

Spielsituation Chada

Spielsituation Chada / Foto: Brettspielpoesie

Wem das Spiel zu schwer erscheint, der kann sich Unterstützung durch Freunde holen. Zwei dieser vier werden zu Beginn der Partie ausgesucht und kommen an das Ende der mittleren Reihe. Durch Aktivierung einer solchen Karte kann man den beschriebenen Bonus nutzen.

Spielende:

Das Spiel kann auf mehrere Arten enden. Im Idealfall erreichen Chada & Thorn das Ziel bevor die drei Lagerfeuerplättchen ausgehen, ohne zuvor dem Fluch begegnet zu sein. Dann haben die Spieler gemeinsam gewonnen. Sie können jedoch auch schnell verlieren und zwar wenn keine Heldenkarte mehr erreicht werden kann, weil überall negative Karten vorne liegen, die man nicht bekämpfen oder anders loswerden kann. Die Anzahl der Nebelkarten muss man ebenfalls im Blick haben, denn muss ein Spieler eine ziehen, es liegt aber keine mehr aus, ist das Spiel ebenfalls verloren.

Spieleranzahl:

Bei dieser Variante handelt es sich um ein reines 2-Personen-Spiel. Dadurch, dass mehr Abenteuerkarten zur Verfügung stehen, als in einem Abenteuer ausliegen, können die Abenteuer sogar mehrfach gespielt werden, ohne an Spannung zu verlieren.

Glücksfaktor?

Es gibt eine Reihenfolge-Empfehlung für die einzelnen Abenteuer. In dieser Reihenfolge gespielt, wird jedes Abenteuer anspruchsvoller als das Vorherige. Die zufällige Verteilung der Etappen- und Fluchkarten ist ein Glücksfaktor. Je nach Position wird das Abenteuer schwieriger oder leichter, aber das macht ja gerade den Reiz aus. Umso mehr Partien man hinter sich hat, desto besser wird auch das Gefühl welche Aktionen sinnvoll sind und welche weniger. Manchmal kann es einfach helfen, wenn man den Fluch bewegt, anstatt noch mehr Gegner in die eigenen Reihen zu bekommen oder Willenspunkte herzugeben. Interaktion ist ein wichtiger Bestandteil, denn alleine laufen und kämpfen wird man nicht lange durchstehen. Chada eignet sich gut die teuren Wege zu beschreiten, benötigt aber häufiger Unterstützung von Thorn beim Kampf. Daher empfiehlt es sich nah beieinander zu bleiben und die Stationen, an denen man stehen bleiben muss zu blockieren, bis der andere Spieler daran vorbei gekommen ist. Aber auch um sich Willenspunkte zu übergeben oder gemeinsam zu kämpfen.

Fazit:

Eine schöne Variante des Erfolgsspiels von Gerhard Hecht, auch wenn es sich ganz anders spielt. Wichtig ist es dabei, den Fluch im Auge zu behalten und ihn nicht an sich herankommen zu lassen. Die stärkste Fluch-Karte sollte man vermeiden allzu häufig zu aktivieren. Denn es gibt auch Gegenstände, die einem helfen können, diese Karte bis zur nächsten Runde ohne irgendeine Abgabe loszuwerden oder sogar wieder zurück zu drehen. So muss man immer wieder gemeinsam entscheiden welche Aktionen momentan sinnvoll sind, wer welche Wege in welcher Reihenfolge beschreitet und wie man mit den Flüchen umgeht. Manchmal kann ein Nachteil für einen Spieler zu einem Vorteil für das Duo führen.

Die Illustrationen sind von Michael Menzel und orientieren sich am großen Vorgänger, sind also wieder sehr gelungen. Durch das Lospielabenteuer, einer Abenteuerkartenabbildung in der Anleitung mit wenigen Symbolen, gelingt der Einstieg ganz leicht, ähnlich wie bei den großen Andor-Varianten. Die Symbole wird man jedoch noch einige Male nachlesen müssen, da auf den Einführungskarten immer nur die neuen Symbole erklärt werden. Beim letzten Abenteuer „Die Mauerberge“, beginnt jeder Spieler ausnahmsweise mit drei Willenspunkten, was jedoch nur einmal in der Regel erklärt wird. Beim letzten Abenteuer angekommen, lesen vermutlich die wenigsten Spieler noch genau in der Regel nach, daher würde ich mir solch eine Information auf den Einführungskarten erwähnt wünschen. Obwohl das Abenteuer auch mit zwei Willenspunkten zu Beginn gemeistert werden kann 😉

Auf einer Thorn-Heldenkarte fehlt leider ein entscheidendes Symbol. Denn wenn man die 2 Willenspunkte nimmt, muss man diese Karte auf die Regenseite drehen. So ist es vom Verlag und Autor angedacht gewesen. Ansonsten kann man damit, in gewissen Situationen unendlich viele Willenspunkte generieren. Daher haben wir unsere Partien mit dieser gedachten Regenwolke gespielt. Die redaktionelle Überarbeitung scheint leider auf die Schnelle und daher nicht so ordentlich verlaufen zu sein. Zum Beispiel gibt es zwei unterschiedliche Symbole mit gleicher Bedeutung, was schnell verwirren kann. Daher kann ich leider nur drei Punkte vergeben, auch wenn das Spielprinzip vier Punkte verdient hätte.

Doch wie geht es nun weiter? Da dieses Spiel besonders von der Geschichte lebt, wäre hier ein Ende schön gewesen. Doch nach dem letzten Abenteuer erfährt man leider nicht, was anschließend passiert. Vielleicht warten hier bald weitere Abenteuer auf uns?

Wertungsnote 3/6

Verlag: Kosmos Verlag
Autor(en): Gerhard Hecht
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an den Kosmos Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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3 Gedanken zu “Die Legenden von Andor – Chada & Thorn

  1. Hallo, liebe Brettspielpoetin,
    zuerst einmal ein frohes neues Jahr mit viel Zeit zum Spielen……
    Auch wir haben nun endlich die Zeit gefunden, das Abenteuer mit Chada und Thorn zu erproben – ein bissel unsicher sind wir jedoch über folgenden Text Ihrer Rezi:
    „Auf einer Thorn-Heldenkarte fehlt leider ein entscheidendes Symbol. Denn wenn man die 2 Willenspunkte nimmt, muss man diese Karte auf die Regenseite drehen. So ist es vom Verlag und Autor angedacht gewesen.“
    Bisherige Rezensionen respekt. Videos berücksichtigen Ihren Hinweis generell nicht und auch wir würden Thorn gerne auf seiner schönen Seite liegen lassen… Beruht Ihre Beschreibung diesbezüglich auf offiziellen Angaben des Verlags bzw. des Autors? Leider konnten wir sogar auf der Andor-Seite hierzu keine entsprechende Errata entdecken.
    Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen,
    viele liebe und verspielte Grüße von der schönen aber eis-eiskalten Ostsee wünschen Elke und Sabrina Meinhardt.

    • Hallo Elke und Sabrina,
      vielen Dank, ich wünsche auch euch ein frohes neues und verspieltes Jahr 2016!

      Zu Ihrer Frage: Wolfgang Lüdtke hat sich dazu im Unknowns-Forum geäußert: https://www.unknowns.de/wbb4/index.php/Thread/8180-Verw%C3%A4ssern-duch-die-Redaktion/?postID=119737
      Dort steht unter anderem: „Wir werden in den nächsten Tagen uns die Regel vornehmen und die Punkte, die Fragen aufwerfen, deutlicher formulieren. Dabei werden wir uns auch mit der WP-Problematik beschäftigen. Was mich wirklich wurmt, ist diese verlorengegangene Regenwolke bei Thorn. Denn das war weder vom Autor noch von der Redaktion beabsichtigt.“

      Ich wünsche Ihnen noch viel Spaß mit den Abenteuern von Chada & Thorn!

  2. Pingback: Die Legenden von Andor III – Die letzte Hoffnung | Brettspielpoesie

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