Die Portale von Molthar

Die Portale von Molthar Cover

Cover / Foto: Amigo Spiele

Essen 2015: Ein glitzerndes Einhorn in glänzendem Rosa springt aus einem Schrank heraus, funkelnde Feen fliegen an fabelhaften Wesen vorbei. Das war meine erste Bekanntschaft mit Die Portale von Molthar und schreckte mich ehrlich gesagt ein wenig ab. Zu viel Pink, zu viel Glitzer, das ertrage ich nicht! Ich nahm die Amigo-Pressemappe mit und las sie mir zu Hause in aller Ruhe durch, und plötzlich klang dieses Spiel doch recht interessant. Lest weiter, wenn ihr erfahren wollt, was sich genau dahinter verbirgt.

Spielmaterial:

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Karten: 56 Perlenkarten und 54 Charakterkarten (mit Diamantrückseite). Die Perlenkarten zeigen die Zahlen 1-8. Die Charakterkarten zeigen verschiedene Fantasy-Charaktere (bei einem muss ich unweigerlich an „I am Groot“ denken) mit 0-5 Machtpunkten und/oder Diamanten und Spezialfähigkeiten. In unserer Version haben die Karten einen speziellen Glanzdruck, der schon schön aussieht, aber für mich würden sie es auch ohne tun.

Dazu fünf aufklappbare Portale als Spielertableaus. Diese zeigen unterschiedliche Portale in fremde Welten: einem Kamin, einen Schrank (wer muss da nicht an die Chroniken von Narnia denken?), eine Unterwasswelt, etc. Auf der Rückseite befindet sich zusätzlich zum Portal ein Startspielersymbol. Die Anleitung ist ein mehrfach gefaltetes, beidseitig beschriebenes Blatt. Der generelle Spielablauf ist verständlich dargestellt.

Spielmechanismus:

Es gibt zwei Auslagen: Vier offene Perlenkarten und darüber zwei offene Charakterkarten, jeweils neben einem verdeckten Nachziehstapel und einem Ablagestapel. Von vier möglichen Aktionen kann ein Spieler pro Zug drei beliebige Aktionen in beliebiger Kombination ausführen.

    • Perlenkarte nehmen

Entweder aus der offenen Auslage oder vom verdeckten Stapel eine Perlenkarte auf die Hand nehmen. Die Auslage wird sofort aufgefüllt.

    • Perlenkarten abräumen

Die vier Perlenkarten abräumen und vier neue vom Stapel aufdecken.

    • Charakterkarte nehmen

Entweder aus der offenen Auslage oder vom verdeckten Stapel eine Charakterkarte auf das eigene Portal legen und zwar so, das oben die Aktivierungskosten angezeigt werden. Es dürfen nie mehr als zwei Charakterkarten auf dem Portal liegen. Man darf aber eine Karte abwerfen, um eine Neue aufnehmen zu können.

    • Charakterkarte aktivieren

Einen Charakter auf dem eigenen Portal aktivieren, also die geforderten Perlenkarten abgeben. Neben den genauen Zahlen können auch Zahlenreihen, Paare, Gesamtsummen oder nur gerade bzw. ungerade Zahlen gefordert werden. Mittels Diamant kann man dabei eine Perlenkarte um den Wert 1 zu erhöhen.

Die Charakterkarte wird dann mit der Aktion nach oben neben das Portal gelegt. Eine Aktion auf rotem Grund wird einmalig sofort ausgeführt, blaue Aktionen können von nun an jede Runde genutzt werden. Hat man zusätzliche Kartenwerte auf den Charakteren können diese von nun an bei Aktivierungen eingesetzt werden.

Die Portale von Molthar Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

So führen die Spieler nacheinander jeweils drei Aktionen aus. Am Ende ihres Zuges dürfen sie nur 5 Karten auf der Hand haben, überzählige müssen abgelegt werden. Mit Charakteren kann man dieses Handkartenlimit erhöhen, aber auch dauerhaft eine vierte Aktion pro Zug bekommen oder viele andere Vorteile erlangen. Eine Besonderheit gibt es noch bei den Perlenkarten: Manche davon haben ein Tauschsymbol. Wird eine solche Karte aufgedeckt, werden sofort die ausliegenden Charakterkarten ausgetauscht.

Spielende:

Sobald ein Spieler mindestens 12 Machtpunkte ausliegen hat, wir das Spielende eingeleitet. Doch gewonnen hat dieser Spieler noch nicht, denn die aktuelle Runde wird noch zu Ende gespielt, bevor eine letzte Runde folgt. Nur wer nach dieser Runde die meisten Siegpunkte vorweisen kann, wird zum Sieger ernannt.

Spieleranzahl:

2 bis 5 Spieler können sich gemeinsam auf die Reise in die Fantasy-Welten begeben. Bei mehr als zwei Personen kann ein etwas besseres Spielgefühl erreicht werden, zu fünft zieht sich eine Partie aber ganz schön. Die angegebene Spielzeit von 45 Minuten wurde bei uns mit 2-3 Personen häufig unterschritten, mit vier und mehr Personen kann eine Partie schon bis zu 60 Minuten andauern. Umso mehr Spieler, desto mehr kann dazwischen gefunkt werden, wenn man eine spezielle Perlenkarte benötigt, die Spieler aber die Auslage immer wieder verändern. So ist man jederzeit in das Spielgeschehen eingebunden und achtet auf die Spielzüge der Mitstreiter. Denn wenn man auch für sich nicht das Beste aus den Karten herausholen kann, will man wenigstens versuchen die Mitspieler zu blockieren.

Glücksfaktor?

Das Karten ziehen ist natürlich vom Glück abhängig. Aber das Spiel bringt schöne Mechanismen mit, welche diesen Glücksfaktor beeinflussen. Zum Beispiel das Erhöhen des Handkartenlimits, zusätzliche Aktionsmöglichkeiten, Charaktere, welche permanente Perlenwerte mitbringen oder das Erhöhen des Kartenwertes mittels Diamanten. Man muss es „nur“ schaffen diese Sonderaktionen lohnenswert zu kombinieren. Die Reihenfolge der Karten kann auch entscheidend sein. Wenn zum Beispiel die Charakterkarte, welche dauerhaft eine vierte Aktion pro Zug ermöglicht, früh ins Spiel kommt, hat der Spieler der sie aktivieren kann einen großen Vorteil im weiteren Verlauf des Spiels.

Fazit:

Mir macht dieses Spiel unheimlich Spaß, auch wenn es eigentlich nicht viel Neues bietet. Aber die Aufmachung, das Artwork und auch das hervorragende Ineinandergreifen der einzelnen Komponenten machen das Spiel zu etwas Besonderem. Auch wenn ich beim ersten Lesen der Anleitung dachte „Uii, hat man ja ganz schön viele Aktionen pro Zug“, könnte man in den meisten Zügen noch mehr gebrauchen. Besonders in der letzten Runde, wenn versucht wird noch das Beste herauszuholen, scheitert es meist an den drei Aktionen. Wenn man zum Beispiel alle Perlenkarten abräumt, dann die fehlende Karte auf die Hand nimmt, man aber noch die Charakterkarte nehmen muss, kann man diese nicht mehr aktivieren. Gut gefällt mir auch, dass der Spieler, der das Spielende einläutet nicht automatisch der Gewinner ist. Daher muss man gut überlegen, wann und wie man die 12 Machtpunkte einholt.

Kleiner Kritikpunkt: Die Karten verfügen über viele verschiedene Symbole. Bei den Perlenkombinationen, die für die Aktivierung der Charaktere benötigt werden, sind die Symbole noch ganz gut nachvollziehbar und eindeutig. Bei den Sonderfähigkeiten muss man leider immer wieder nachsehen. Auch sind die Symbole schwer zu erkennen, wenn sie beim Mitspieler ausliegen. Das erschwert einem die Kontrahenten gut einzuschätzen, um taktisch agieren zu können.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Amigo Spiele
Autor(en): Johannes Schmidauer-König
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2-5 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Amigo Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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