Dominion – Ergänzungs-Set Basisspiel / Die Intrige

Dominion Ergänzungsset Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Dominion ist der Inbegriff des Deckbuilding-Spiels. Es wurde 2009 nicht nur zum Spiel des Jahres gewählt, es hat seitdem auch 10 Erweiterungen mit vielen neuen Karten bekommen. Genau wie einen neuen Vertrieb in Deutschland, denn statt über Hans im Glück wird das Spiel nun über ASS Altenburger vertrieben. Durch diesen Wechsel sind einige Erweiterungen sehr rar geworden, da es sie aktuell nicht in einer deutschen Version auf dem Markt gibt. Höchstens auf dem Zweitmarkt, wie z.B. eBay, wo teilweise horrende Preise aufgerufen werden. Leider verzögern sich die Neuauflagen immer wieder, weil der Autor selbst nicht genug bekommt und neue Ideen veröffentlicht. Nach der zehnten Erweiterung Empires, wird es im Herbst überarbeitete Auflagen des Grundspiels und der mittlerweile zur reinen Erweiterung gewordenen Intrige geben, bei denen jeweils sechs Königreichkarten gestrichen und von 7 neuen Königreichkarten ersetzt wurden. Und damit sich Besitzer dieser Ausgaben nicht alles neu kaufen müssen, gibt es die neuen Karten auch als Erweiterung. Aber nicht wie in den USA einzeln, sondern als gemeinsames Erweiterungspack, welches ich hier gerne vorstellen möchte. Dabei ist der Name sehr verwirrend, denn auf der Schachtel steht nichts von Ergänzungs-Set, sondern einfach nur Erweiterung.

Spielmaterial:

161 neue Karten bringt das Ergänzungsset mit. Für beide Basisspiele sind jeweils 7 neue Königreichkarten enthalten. Diese bestehen jeweils aus 10 Karten und einer Platzhalterkarte. Nur die Karte Mühle kommt 12 Mal vor. Außerdem sind drei Sortierstreifen enthalten: Einen für den Ergänzungskarton mit beiden Erweiterungen und je einen für die Möglichkeit die Karten in die Originalspiele einzusortieren.

Spielmechanismus:

Mit den neuen Karten können neue Kartensätze zusammengestellt werden. Die Anleitung empfiehlt sechs Kartensätze für das Grundspiel, drei für das Grundspiel und Die Intrige gemeinsam und drei weitere für das Spiel mit der Intrige allein. Wirklich neue Regeln enthalten die Karten nicht. In der Spielanleitung werden zu Beginn einige Regel-Ergänzungen aufgeführt. Karten im eigenen Nachziehstapel dürfen jederzeit gezählt werden, jedoch nicht die des Ablagestapels. Die Karten des Müllstapels dürfen sogar durchgesehen werden, müssen aber in der Reihenfolge liegen bleiben wie zuvor. Daneben enthält die Anleitung einige Klarstellungen zur Bedeutung gewisser Begrifflichkeiten, die geübten Dominion-Spielern jedoch bereits klar sein sollten.

Basisspiel

Die Karten Holzfäller, Kanzler, Dieb, Festmahl, Spion und Abenteurer werden ersetzt.

Die beiden Angriffskarten Dieb und Spion wurden mit nur einer Angriffskarte Banditin ersetzt. Sie ähnelt dem Dieb, allerdings nimmt der Ausspielende keine Karten mehr von den Mitspielern, sondern erhält immer ein Gold vom Vorrat. Die Mitspieler müssen ihre Geldkarten (außer Kupfer) trotzdem entsorgen. Der entscheidende Unterschied hierbei ist, dass erfahrene Mitspieler nicht mit der Möglichkeit Kupfer loszuwerden belohnt werden. Der Dieb wird vom Autor als eine der schwächsten Karten des gesamten Spiels durch eben diese Möglichkeit beschrieben. Zudem werden Neueinsteiger nicht mehr verzweifeln, weil sie bereits zu Beginn all ihr Geld verlieren können. Der Spion war ebenfalls schwach und langsam, da alle Mitspieler Karten aufdecken und man für jeden Mitspieler separat entscheiden musste, was mit den Karten passiert. Durch die +1 Aktion bestand auch noch die Möglichkeit mehrere davon hintereinander zu spielen.

Dominion Karten

Banditin – Vasall – Töpferei / Foto: Brettspielpoesie

Der Vasall ähnelt dem Kanzler, er bringt auch +2 (virtuelles) Geld. Anstatt den kompletten Nachziehstapel abzulegen ermöglicht diese Karte die oberste Karte des Nachziehstapels aufzudecken. Ist es eine Aktionskarte, darf sie gespielt werden. Beide kosten 3 Geld, doch der Kanzler konnte sich selten gegen Silber für diesen Preis durchsetzen, der Vasall schon.

Die Töpferei ist zwei Geld teurer als das Festmahl, ermöglicht aber eine ähnliche Aktion. Bei beiden nimmt der aktive Spieler eine Karte vom Vorrat, die bis zu 5 Geld kostet. Statt die gespielte Karte abzulegen, darf man eine Handkarte (auch die soeben erhaltene) auf den Nachziehstapel legen. Dadurch soll es eine richtige Alternative zum Erwerb von Gold für 6 Geld sein. Das könnte man nicht von der bisherigen Karte Abenteurer sagen, denn diese hat meist gegen den Erwerb von Gold verloren und wurde daher selten verwendet.

Dominion Karten

Händlerin – Wilddiebin/ Foto: Brettspielpoesie

Die Händlerin, die Vorbotin, die Wilddiebin und die Torwächterin sind nicht nur alles weibliche Charaktere, sie bieten alle die Möglichkeit eine weitere Karte nachzuziehen und eine zusätzliche Aktionskarte auszuspielen. Darüberhinaus haben sie alle unterschiedliche Texte, welche sich auf die Kartenstapel beziehen. Die Händlerin sollte eine spezielle Karte auf der Hand belohnen, da bot sich Silber an. Mit der Vorbotin darf man seinen Ablagestapel durchsuchen und eine Karte auf den Nachziehstapel legen, also früher wieder ins Deck bringen. Es hat sich heraus gestellt, dass viele Spieler eine nicht attackierende Interaktion bevorzugen, welche mit der Wilddiebin erreicht wird. Sie lohnt sich für die Spieler nur solange kein Kartenstapel leer ist. Wenn diese Karten genommen werden, können die Mitspieler aber auch dafür sorgen dass andere Kartenstapel leer werden, um die Karte zu schwächen und so auch das Spielende herbei führen. Eine weitere Entsorgungskarte stellt die Torwächterin dar. Die Entsorgung ist dabei allerdings nicht verpflichtend, sondern man wählt für jede Karte ob man sie entsorgt, auf den Ablage- oder Nachziehstapel legt.

Dominion Karten

Vorbotin – Torwächterin / Foto: Brettspielpoesie

Der Holzfäller musste einfach gehen, weil es zu viele sogenannte „Vanilla Cards“ gab. Damit sind Karten gemeint, welche nur diverse Boni einbringen ohne weitere Bedingungen. Solche Karten findet man hauptsächlich im Grundspiel, in den Erweiterungen tauchen solche Karten viel seltener auf. Wegen der geringen Beliebtheit gegenüber den anderen Vanilla Cards hat es dann den Holzfäller getroffen.

Die Intrige

Die Karten Geheimkammer, Große Halle, Kupferschmied, Saboteur, Späher und Tribut werden ersetzt.

Die Mühle ähnelt der Großen Halle sehr. Beides sind kombinierte Königreichkarten, beide bieten +1 Karte und +1 Aktion. Die Mühle erlaubt zusätzlich zwei Handkarten abzulegen, um +2 (virtuelles) Geld zu erhalten. Dies ersetzt dann auch die Geheimkammer, die für sich alleine mit der Funktion +1 Geld für jede abgelegte Karte zu schwach erschien.

Dominion Karten

Höflinge – Mühle – Austausch / Foto: Brettspielpoesie

Die Höflinge ersetzen das Tribut. Sie werden vom Verlag auch als einzelne Promo-Karten heraus gegeben. Nun müssen nicht mehr die Mitspieler Karten aufdecken, sondern der aktive Spieler eine Handkarte. Für jeden Kartentyp darf eine andere Aktion gewählt werden (+1 Aktion / +1 Kauf / +3 (virtuelles) Geld / 1 Gold vom Vorrat). So verlässt auch eine Aktion das Spiel, welche zwar nicht als Angriff zählt, aber häufig als solcher gewertet wird, weil ein anderer Spieler dadurch ggf. eine gute Karte ablegen muss.

Die einzige Angriffskarte ist nun der Austausch, bei dem die Mitspieler keine Karten mehr aufdecken müssen, wie bisher beim Saboteur. Dieser war eher uninteressant, da er dem ausspielenden Spieler keinen Vorteil bringt. Stattdessen entsorgt der aktive Spieler nun eine Karte, um sich eine Karte aufzunehmen, die bis zu zwei Geld mehr kostet und diese auf seinen Nachziehstapel legt. Handelt es sich dabei um eine Punktekarte, erhält jeder Mitspieler einen Fluch.

Anstelle des Späher gibt es nun die Patrouille, welche statt +1 Aktion nun +3 Karten mitbringt. Von den vier aufzudeckenden Karten werden nur noch alle Punktekarten auf die Hand genommen werden, keine Flüche mehr. Sie zu erwerben kostet 1 Geld mehr.

Dominion Karten

Patrouille – Diplomatin / Foto: Brettspielpoesie

Als kombinierte Karte mit Aktion-Reaktion ersetzt die Diplomatin die Geheimkammer. Sie kostet 2 Geld mehr, erlaubt aber ebenfalls Angriffe abzuwehren. Allerdings nur, wenn man mindestens fünf Handkarten hat. Dann werden zwei Karten gezogen, von denen man anschließend drei ablegen muss. Ebenfalls für 4 Gold erhält man den neuen Geheimgang. Neben zwei zusätzlichen Karten und einer Aktion darf eine Handkarte an eine beliebige Stelle im Nachziehstapel gelegt werden. Entweder eine Aktions- oder Geldkarte nach oben für den kommenden Zug oder eine Punktekarte ganz weit nach unten.

Dominion Karten

Geheimgang – Herumtreiberin / Foto: Brettspielpoesie

Da die Reaktionskarte nun teurer geworden ist, wollte der Autor wieder eine Karte haben, die nur 2 Geld kostet. Die Herumtreiberin bietet neben +1 Aktion eine Karte vom Vorrat zu entsorgen oder ermöglicht es, eine entsorgte Karte vom Müllstapel aufzunehmen. So ist es möglich günstig an teure Karten zu gelangen, wenn die Mitspieler nicht dazwischen funken. Und so wird auch das Gleichgewicht bei den interaktiven Karten gehalten.

Den Kupferschmied ereilt ein ähnliches Urteil, wie dem Holzfäller. Die Karte erhöht den Wert von Kupfer um eins, es bleibt dennoch schwer mit dieser Karte zu gewinnen. Und da aus beiden Spielen sechs Karten gehen sollten, hat es diese Karte getroffen.

Spielende / Spieleranzahl / Glücksfaktor?

Spielende, Spieleranzahl und Glücksfaktor werden durch diese neuen Karten nicht nennenswert verändert.

Fazit:

Respekt an den Autor Donald X. Vaccarino, seine früheren Ideen in Frage zu stellen. Laut einem Artikel auf BGG war es sein persönlicher Wunsch diverse Kartentexte klar zu stellen, indem man sie umformuliert und Karten auszutauschen. Es sollten Karten gehen, bei denen sich herausgestellt hat, dass sie selten lukrativ sind und daher wenig gespielt werden. Einige wurden durch ähnliche Karten ersetzt, andere wurden ersatzlos gestrichen. Dafür kamen aber auch völlig neue Ideen hinzu. Und vor allem weibliche Bezeichnungen der Karten, die bisher in den Erweiterungen eher wenig vertreten waren. Kritisch sehen kann man die Zusammenführung beider Update-Sets, da die auf deutsch nicht einzeln erhältlich sind und so manch einer möglicherweise überflüssige Karten erhält. Wobei diese ja auch einfach so als Erweiterung gesehen werden können.

Uns haben die neuen Karten gefallen. Durch die Kartenset-Empfehlungen konnten wir diese Karten in unterschiedlichen Kombinationen mit dem Grundspiel und der Intrige kennen lernen. Wobei sich für uns auch davon wieder einige Karten als wertvoller heraus gestellt haben, als andere, welche von uns kaum benutzt wurden. Jedenfalls hat man durch die Kombinationsmöglichkeiten wieder jede Menge zu entdecken und die Karten lassen auch coole Kettenreaktionen zu. Hoffentlich werden die Spielanleitungen der 2nd Editions auch weitere Kombinationen mit den neuen Karten enthalten, ansonsten kann man natürlich auch so beliebig kombinieren.

Wer noch kein Dominion zu Hause haben sollte, dem rate ich unbedingt sich dies zuzulegen. Es ist schon lange Zeit eines der Spiele aus meiner persönlichen Top 10, ich spiele es immer wieder gerne. Doch wartet mit dem Kauf ruhig bis im Herbst die neuen Editionen auf dem Markt sind. Wer die Karten aus den alten Sets ersetzen möchte, sollte jedoch nicht zu lange warten, da es das Erweiterungs-Set nur für die Zeit des Übergangs geben soll. Trennen kann ich mich von den alten Karten nicht, aber es ist schön interessante Alternativen und wieder neue gute Gründe für weitere Dominion-Partien zu haben.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Rio Grande / Vertrieb: ASS Altenburger
Autor(en): Donald X. Vaccarino
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler (2 – 6 Spieler mit zwei Basissets)
Dauer: 30 – 45 Minuten

Vielen Dank an ASS Altenburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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