Edenia

Edenia Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Schafe sind beliebtes Thema in vielen Brettspielen. Meist in welchen, die sich thematisch mit Landwirtschaft, vor allem in vergangenen Jahrhunderten, befassen. Sie können Nutztier und Nahrungsquelle zugleich sein. Auch die Einzäunung dieser Tiere oder die Rettung vor Wölfen ist gern gewähltes Thema für ein Brettspiel. Edenia greift aber keines dieser Themen auf, sondern schickt die Schafe ins Weltall. Wie bitte, Weltall? Ja, genau! Die wolligen Tierchen werden in Astronautenanzüge gesteckt und reisen nun durch die Galaxie auf der Suche nach saftigen Wiesen. Das Spiel wurde dieses Jahr von Blam! vorgestellt und ist bisher nur in einer multilingualen Ausgabe in den Sprachen englisch und französisch verfügbar. Das Spielmaterial selbst ist allerdings komplett sprachneutral und enthält keinen Text.

Spielmaterial:

Voller Vorfreude öffnet man den Spielekarton, schon wird einem übel. Das Spiel stinkt einfach. Jawohl, es riecht wirklich unangenehm. Auch zwei Wochen auslüften haben leider nicht viel gebracht. Während einer Partie kommt einem immer wieder ein merkwürdiger Geruch in die Nase. Daher wollte es leider in einer Spielrunde gar nicht angefasst werden. Abgesehen vom Geruch ist das Spielmaterial toll. Vier mal drei Schafe in Weltraumanzügen und gleichfarbige Fähnchen für die Spieler. Dazu ein modularer Spielplan, der innerhalb der Umrandung mit den Plättchen ausgefüllt wird. Diese haben alle eine vorgegebene Richtung, in der man sie anlegt, damit darauf abgebildete Wege auch weiter verlaufen können. Ein Würfel und viele kleinere Stanzteile sind ebenfalls Bestandteil des Spiels.

Spielmechanismus:

Die Schafe sind im Weltall gestrandet und haben ihren Planeten mittlerweile komplett abgegrast. Sie müssen neue Weideflächen finden und hoffen, dass die Kindergeschichten über den saftigen Planeten Edenia wahr sind. Sie brechen auf um ihn zu finden. Pro Zug bewegt jeder Spieler eines seiner Schafe und zwar auf dem Weg, auf dem es sich gerade befindet oder wählt einen neuen, wenn das Schaf einen Planeten verlässt. Erreicht es dabei den Rand eines Plättchens und kommt nicht weiter, wird einmalig pro Zug ein neues Plättchen angelegt. So wird nach und nach die Galaxie errichtet. Andere Schafe auf dem gleichen Weg können die Bewegung eines Schafes ebenfalls stoppen. Je nachdem, was der Weg für die Schafe bereit hält, werden unterschiedliche Aktionen ausgeführt. Auf einem bewohnbaren Planeten muss man stoppen und darf ihn besetzen, indem man eine seiner Fahne darauf platziert, die sieben Punkte wert ist. Sobald ein anderes Schaf diesen Planeten erreicht, kann der zugehörige Spieler die Fahne durch seine eigene ersetzen. Man kann stattdessen auch einen Klee-Marker nehmen, von denen drei beim Aufdecken eines solchen Planeten platziert werden. Auf einem Zwergplaneten kann man stoppen, um eines der zwei Artefaktplättchen aufzusammeln, wenn man im Gegenzug Klee abgibt. Es ist aber auch erlaubt gerade darüber hinweg zu ziehen. Die Artefakte bieten neben 3-5 Siegpunkten zugleich lukrative Effekte, die einmalig in einer Partie ausgeführt werden dürfen. Die Punkte bleiben erhalten, werden bei der Nutzung aber offenbart. Erreicht man das schwarze Loch, welches sich immer in der Mitte des Spielfeldes befindet, entscheidet man sich zunächst für eine Seite und dann kommt der Würfel zum Einsatz, um anzuzeigen welchen Weg man beschreiten muss.

Edenia Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Am Spielfeldrand sind manchmal Relaisstationen zu finden, die einen zurück katapultieren, wenn man auf sie trifft. Liegt dort noch Klee, darf dieses dabei aufgenommen werden. Trifft man auf eines der Rohr-Elemente wird dieses durchquert. Bei unterschiedlichen Ausgängen, muss man einen davon wählen. Endet der Weg an einem Teleporter, so endet der Zug. Im kommenden Zug darf dieses Schaf sich dann zu einem anderen, gleichfarbigen Transporter bewegen und von dort aus weiterlaufen.

Klee kann neben dem Erwerb von Aktionsplättchen auf den Zwergplaneten noch auf zwei weitere Weisen eingesetzt werden. Entweder um bei der Nutzung eines Teleporters einen anders farbigen Ankunftspunkt zu wählen oder um ein Schaf vor einem zu überspringen und den Weg weiter zu verfolgen. Erreicht ein Schaf den Planeten Edenia, darf der zugehörige Spieler dort eines der ausliegenden Punkte-Plättchen (Werte 7 – 15) auswählen und an sich nehmen.

Spielende:

Drei verschiedene Ereignisse können das Spiel beenden. Sollte es ein Spieler schaffen alle drei Schafe nach Edenia zu führen, gewinnt er sofort. Mit exakt 42 Punkten hat man nicht nur die Antwort auf die Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest gefunden, sondern beendet ebenfalls das Spiel als Sieger. Diese Siegbedingung wird erst für erfahrene Spieler empfohlen. Ansonsten endet das Spiel, wenn alle Punkteplättchen aus Edenia vergeben wurden. Dann zählen die Spieler ihre Punkte zusammen und wer die meisten hat, gewinnt.

Es gibt eine Variante für kleine Lämmchen, die das Spiel beendet, sobald ein Spieler das zweite Schaf nach Edenia gebracht hat. Dabei werden die Artefkatplättchen mit Punkten und Effekten, die man auf den Zwerg-Planeten erhalten kann, nicht eingesetzt und auch keine bewohnbaren Planeten mit Flaggen besetzt.

Spieleranzahl:

Das Spielgefühl bleibt bei jeder Spieleranzahl gleich. Umso mehr Spieler, desto mehr Plättchen werden zwischen den eigenen Zügen aufgedeckt. Das kann dazu führen, dass lukrative Wege gelegt wurden, aber man hat selber weniger Einfluss auf den Verlauf der Strecken. Da man beim Legen der Plättchen aber vorher nicht weiß, was sich auf der Rückseite verbirgt, ist dies unerheblich. Es kann etwas frustrieren, wenn man selbst immer kleine Planeten aufdeckt, diese aber nicht erreichen kann und die Mitspieler diesen dann abräumen, bevor man selbst wieder am Zug ist.

Glücksfaktor?

Man hat einige zufällige Anteile. Für das voran kommen ist es entscheidend welcher Weg in Richtung Edenia führt und welcher zurück, aber das erfährt man erst nach dem Aufdecken, wenn die Entscheidung für einen Weg bereits gefallen ist. Wenn man richtig plant, kann man es schaffen das Spiel mit exakt 42 Punkten zu beenden und die Mitspieler damit zu überraschen, denn die Punkte der kleinen Planeten bleiben geheim. Bei einer halben Stunde Spielzeit finde ich den Glücksanteil zu verkraften.

Fazit:

Wenn man über den Geruch des Spielmaterials hinwegsehen kann, wird einem ein wirklich schönes Familienspiel geboten. Keine Ahnung wie die Schafe ins Weltall gekommen sind, aber die Suche nach saftigen Weiden ist nachvollziehbar. Durch den modularen Spielplan, verlaufen die Strecken in jedem Spiel anders. Die vielen verschiedenen und sich zum Teil kreuzenden Wege können etwas verwirrend wirken, aber mir gefällt die Grafik.

Immer wieder kommt es vor, dass man sich für den falschen Weg entschieden hat und sich von Edenia wegbewegt. Das kann ärgerlich sein, vor allem, wenn man kurz vor dem Ziel steht. Trifft man bei dem Umweg allerdings auf (Zwerg-)Planeten, muss der Umweg nicht unbedingt schlimm sein, man sammelt einfach Punkte auf anderen Wegen und bestenfalls überrascht man die Mitspieler mit 42 Punkten. Durch diese Siegbedingung bietet es auch einen schönen strategischen Kniff.

Nach der Regellektüre wirkten einige Aspekte merkwürdig, zum Beispiel das man immer das höchste Punkteplättchen auf Edenia bekommt. Das kann für die Siegbedingung mit exakt 42 Punkten hinderlich sein, doch wurde dies durch ein auf Boardgamegeek.com veröffentlichtes Errata mittlerweile korrigiert. Ich finde dieses tolle Spiel sollte es auch nach Deutschland schaffen und dann hoffentlich höherwertiger produziert werden, um den Geruch zu vermeiden. Dann würde ich jederzeit wieder die Schafe im Weltall zu neuen Weideflächen führen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Blam! / Blackrock Games
Autor(en): Mathieu Lanvin
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Blackrock Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “Edenia

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