Fast Forward – Reihe

Fast Forward Reihe

Fast Forward Reihe / Foto: Brettspielpoesie

Friedemann Friese ist eine echte Marke in der Brettspielszene. Sein Verlag, 2F-Spiele, trägt das Konzept im Namen: Zwei „F“, eines für den Vornamen, eines für den Nachnamen. Und so beginnen auch (fast) alle seine Spiele mit einem „F“. Doch ist das nicht sein einziges Erkennungszeichen. In Menschenmengen sieht man ihn oft schon von weitem, seine Lieblingsfarbe ist grün und so sind es auch seine Haare. Als die Brettspielwelt Legacy verlangte, ging er seinen eigenen Weg: Er erfand das Fabelspiel. Zunächst in einer familienfreundlichen Variante, die sogar von der Spiel des Jahres-Jury empfohlen wurde: Fabelsaft. 2017 sollte sich das Spielprinzip weiterentwickeln, die Geburtsstunde der Fast Forward-Reihe, bei der man die Regelerklärung einfach überspringt, sozusagen vorspult und direkt in das Spiel einsteigt. Alle Spieler erlernen die Regeln während sie spielen. Doch taugt das etwas?

Spielmaterial:

Alle drei Spiele enthalten nur Karten und einen Zip-Beutel, der dafür verwendet werden kann, die Kartenstapel für eine folgende Partie getrennt zu halten. Die Grafiken sind sehr unterschiedlich, bei Furcht und Flucht wird mein Geschmack genau getroffen, Festung wirkt auch mich etwas zu unscheinbar.

Spielmechanismus:

Die Kartendecks sind durchnummeriert und werden von oben herunter gespielt. Die Spieler nehmen reihum eine Karte und wissen noch gar nicht so recht, wie ihnen geschieht. Nach und nach offenbaren sich dann während gespielt wird die Regel-Details. Ist eine Partie beendet, gibt es Regeln, wie die kommende Partie aufgebaut wird. So spielen sich die Spieler in mehreren Partien durch das gesamte Kartendeck. Viel mehr möchte ich gar nicht verraten, denn der Überlagerungseffekt in den ersten Partien gehört meiner Meinung nach zum Spielerlebnis dazu.

Spielende:

Wurde die letzte Karte eines Kartendecks aufgedeckt, endet die Partie und damit auch die gesamte Fabel. Man kann dann noch nach den aktuell geltenden Regeln weitere Partien spielen, oder die Karten wieder aufsteigend sortieren und von vorne beginnen.

Nur Flucht hebt sich davon etwas ab, es ist in Kapitel unterteilt und kann nach einem kompletten Durchlauf nur wieder von vorne begonnen werden. Dann kann man sich der Herausforderung stellen alle Karten in einer Partie durchzuspielen. Zwischendrin beginnt man das jeweilige Kapitel von vorne, in dem man sich bei der Niederlage befand.

Spieleranzahl:

Alle lassen sich zu zweit, dritt oder viert spielen, Furcht sogar mit bis zu fünf Spielern und Flucht auch ganz alleine. Ich halte jedoch überall vier Spieler für die beste Anzahl, bei Furcht sind fünf Spieler ebenfalls optimal. Im Gegensatz zu Legacy-Spielen haben die Fabelspiele den Vorteil, dass Spieler einfach hinzustoßen oder sich abwenden können. Die einzelnen Partien dauern nicht sehr lange und auch die Regeln sind für Neueinsteiger fix erklärt.

Glücksfaktor?

Es ist natürlich zufällig, welche Karten ein Spieler auf die Hand bekommt. Durch die Nummerierung kommen die Karten aber nur bedingt zufällig ins Spiel. Das gilt zumindest für die erste Runde, später werden die Karten zum Teil zufällig gemischt. Genauere Ausführungen zum Glücksanteil findet ihr im spezifischen Fazit der einzelnen Teile.

Fazit:

Fabelsaft war das erste Fabelspiel, leider konnte es weder uns, noch unsere Mitspieler so richtig von sich überzeugen. Zu zweit fehlte uns Konkurrenz, zu viert bzw. fünft bot es nicht genug, um nach diversen Partien erneut auf dem Tisch zu landen. Zwar kommen immer andere Karten mit neuen Aktionen hinzu, aber die Auswirkungen fühlten sich minimal an. Ich hoffte das dieses Spielprinzip mit der Fast Forward-Reihe gekonnt weiter entwickelt wurde. Keine Anleitung ist ebenfalls ein interessanter Ansatz, so wartet man in den ersten Partien ganz gespannt auf die Regeln, die sich erst nach und nach offenbaren. Doch sind die Regeln erst einmal bekannt und der Stapel ein Mal durchgespielt, verfliegt dieser Zauber. Und irgendwie damit auch der Reiz es erneut zu spielen. Um einen Stapel durchzuspielen, kann es je nach Spiel schon einige Zeit dauern, man spielt mit Sicherheit mehr Partien am Stück als bei anderen Kartenspielen in dieser Preisklasse.

Es gibt die Möglichkeit den Stapel nicht am Stück durchzuspielen, sondern die gespielten Karten im beigelegten Zip-Beutel zu verstauen und später fortzufahren. Zu viel Zeit würde ich zwischen den einzelnen Partien aber nicht verstreichen lassen, sondern nach einer gewissen Zeit lieber wieder von vorne beginnen.

Furcht Cover

Cover / Foto: 2F Spiele

Furcht ist das Spiel der Dreien, das bereits ab 8 Jahren empfohlen wird und als ein einfaches Spiel angepriesen wird. Daher vermutete ich, dass mir dieses am wenigsten zusagen würde. Die Erstpartie zu zweit war dann auch ein wenig lahm, aber spätere Runden mit mehr Spielern zeigten, wie das Spiel begeistern kann. Es sind schnell gespielte Partien, bei denen man die Mitspieler „zu fürchten“ lernt. Glück oder Pech beim Karten ziehen kann durchaus entscheidend für den Ausgang einer Partie sein, aber bei der Kürze der Spielzeit vollkommen vertretbar. Ruck zuck wird die nächste Runde begonnen. Nach einigen Partien kommt eine Sonderregel hinzu, die den Spielverlauf ein wenig ändert. Doch bleiben diese Sonderregeln meist nicht lange und werden durch eine neue Regel ersetzt. Da kann man schon mal durcheinander kommen, was wiederum für gute Laune am Spieltisch sorgt. Die Spielzeit ist mit 15 Minuten angeben. Ich denke unsere meisten Partien waren viel schneller, dafür war immer das Interesse vorhanden den Stapel durchzuspielen. Und wenn erstmal mehrere Wochen zwischen den Partien liegen, ist auch die ein oder andere Sonderregel wieder eine kleine Überraschung ;-) Aber selbst in der Kenntnis dieser, macht das Spiel mit genügend Mitspielern einfach Spaß, wenn man mal was Lockeres braucht.

Wertungsnote 5/6

Festung Cover

Cover/ Foto: 2F Spiele

Die Festung wird erst ab 10 Jahren empfohlen. Das macht den Eindruck, das Spiel sei etwas anspruchsvoller. Das mag sein, die Regeln sind ausführlicher. Das gemeinsame Erlernen selbiger empfanden die Mitspieler eher nervig. Es flutschte einfach nicht so gut wie bei Furcht von Beginn an. Es kommen zwar immer wieder neue Karten mit neuen Fähigkeiten hinzu, aber die Grundregeln bleiben fortwährend gleich. Diese Varianz hat uns hier im Gegensatz zu Furcht ein wenig gefehlt. Es kommt zwar hin und wieder ein Regeldetail hinzu, aber diese das Spielgefühl ändernde Sonderregel fehlt. Die einzelnen Partien laufen sehr ähnlich ab, sodass am Ende der Stapel nur noch abgearbeitet wird, um zu sehen was da noch kommt. Spielspaß fühlt sich anders an. Die Endbedingung einer Partie wird von drei Karten ausgelöst, wir hatten Partien in denen diese drei Karten gezogen wurden, bevor irgendjemand etwas anderes getan hat, als Karten aufzunehmen. Die nächste Partie kann im Nu begonnen werden, dennoch fühlte sich solch ein Abbruch einer Partie nicht schön an. Und es ist beim Stapel durchspielen wirklich nicht nur ein Mal vorgekommen.

Wertungsnote 4/6

Flucht Cover

Cover/ Foto: 2F Spiele

Flucht ist das anspruchsvollste der Spiele mit einer Empfehlung ab 12 Jahren. Im Gegensatz zu den anderen beiden, spielen wir nicht gegen-, sondern miteinander. Wenn hier nicht mit der vollen Spieleranzahl angetreten wird, müssen einzelne Spieler mehrere Rollen übernehmen. In der Rolle bekannter Figuren aus Alice im Wunderland versuchen wir vor dem, natürlich grünen, Monster zu flüchten. Genau genommen flüchten die Spieler gar nicht wirklich, sondern versuchen das Monster vom aktiven Spieler fern zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es bessere und schlechtere Kartenkombinationen. Daher entscheidet meist die Reihenfolge der Karten im Nachziehstapel über Sieg und Niederlage. Manches Mal muss man sich zwischen zwei Karten entscheiden, um hinterher festzustellen, mit der anderen Option hätte man im Spiel bleiben können. Das empfanden wir zu zufällig. Manches Mal fühlte es sich wie eine Matheaufgabe an und wenn man sie nicht korrekt lösen konnte, verliert man die Partie. Wir waren am ersten Abend nach viele Partien so gefrustet von dem Erlebnis, das wir ins Bett gingen und am Folgetag weiter spielten. Wir haben es zwar irgendwann geschafft, aber wirklich befriedigend war der Sieg nicht. Man war eher froh, dass es vorbei ist. In einer anderen Gruppe kam es nicht einmal zu diesem Ehrgeiz, es wurde nach einer Partie ein anderes Spiel verlangt. Auch hierbei fühlte sich das Erlernen der Regel einfach nur anstrengend an. Vielleicht würde ein besseres Spielgefühl erreicht werden, wenn die Regeln einfach vorab erklärt würden. Das Monster fern zu halten fühlt sich dennoch einfach nicht wie eine Flucht an, bei der man den Abstand zum Verfolger wirklich vergrößern kann, man hält das Monster über lange Zeit nur auf geringen Abstand, sodass die Spieler der einzelnen Charaktere so manches Mal gar keine wirkliche Wahl haben, was sie tun.

Wertungsnote 3/6

Verlag: 2F-Spiele
Autor(en): Friedemann Friese
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 15 – 75 Minuten

Vielen Dank an 2F-Spiele für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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