Flamme Rouge

Flamme Rouge Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Wie die Radsport-Fans unter euch sicherlich bereits wissen, geht es bei Flamme Rouge um eben diesen Sport. Das Spiel hat seinen Namen nämlich vom Teufelslappen, einem roten, dreieckigen Stück Stoff, dass den Fahrern die letzten 1.000 Meter der Strecke signalisiert. Die Fahrer sind in diesem Spiel die Spieler, jeder kontrolliert zwei davon: Einen Sprinteur und einen Rouleur. Die wurden nach ihren Hauptaufgaben benannt, der Sprinteur kann ab und an zu einem Sprint ansetzen, um ein paar Positionen im Fahrerfeld gut zu machen. Dem Rouleur wird die Eigenschaft zugeschrieben ein Straßenradrennen im Alleingang ohne Windschatten für sich entscheiden zu können. Mehrere Fahrer bilden einen Pulk und damit ist die Lehrstunde auch bereits beendet und ihr seid gut vorbereitet für die folgende Rezension und die erste Partie Flamme Rouge.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial besteht aus diversen beidseitig bedruckten Streckenteilen und vier Spielertableaus aus festem Karton, je zwei Plastikfiguren als Rennfahrer in den vier Spielerfarben (blau, rot, grün, schwarz) und vieler Karten. Die beiden Plastikfiguren für die Spieler lassen sich leider nur schwer auseinander halten, besonders wenn sie auf einem weiter entfernten Streckenteil fahren. Vier Kartensets für beide Figuren der Spieler und zusätzliche Erschöpfungskarten, schon kann es losgehen.

Flamme Rouge Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Vor Spielbeginn legt man die Strecke fest, entweder indem man eine der sechs Streckenkarten wählt oder selbst eine Strecke zusammen fügt. Die Spieler setzen ihre Figuren auf beliebige Positionen hinter der Startlinie und der Startschuss fällt. Rouleur und Sprinteur eines jeden Spielers haben unterschiedliche Kartensets. Diese sind bei allen Spielern gleich. Pro Runde wählt ein Spieler eine Karte aus den oberen vier seines Nachziehstapels, egal für welchen Fahrer. Die nicht genutzten Karten kommen mit der Vorderseite unter den Ablagestapel. Erst danach darf er die Karten des anderen Fahrers sehen und eine auswählen. Nun sollen alle Karten aufgedeckt werden, aber wir decken immer nacheinander auf, um mehr Spannung  zu erleben. Es beginnt der führende Fahrer ganz vorne auf der rechten Spur. Dann der ggf. links stehende usw. Wurden alle Fahrer bewegt, wird der Windschatten betrachtet. Ist zwischen Fahrern, beginnend beim Letzten, genau ein Feld frei, rückt der gesamte Pulk um ein Feld auf, der Windschatten wird ausgenutzt. Gegebenenfalls profitiert ein Fahrer so mehrmals vom Windschatten. Alle Spieler, die im Anschluss ein leeres Feld vor sich haben, bekommen eine Erschöpfungskarte. Gespielte Karten kommen aus dem Spiel, jede Spielerkarte darf also nur genau ein Mal pro Spiel genutzt werden. Ist der Nachziehstapel aufgebraucht, werden die abgelegten Karten neu gemischt.

Flamme Rouge Spielertableau

Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Nutzt man beim Streckenaufbau die Rückseiten mit den Großbuchstaben kommen Bergstrecken ins Spiel. Bei den roten Markierungen geht es bergauf, das bedeutet für die Fahrer, dass man pro Zug nicht mehr als 5 Felder voran kommt, auch nicht wenn Karten mit höheren Werten gespielt werden. Auch gibt es bergauf keinen Windschatten, in dem man schneller voran kommt. Wer den Berg erklommen hat, muss auch wieder runter (blaue Markierung). Wer auf einem solchen Feld startet, bewegt sich immer mindestens fünf Felder, auch wenn seine Karte einen niedrigeren Wert zeigt. Um Neueinsteigern das Spiel mit geübten Spielern zu erleichtern können letztere mit einem Handicap in Form von Erschöpfungskarten starten.

Spielende:

Mit dem ersten Fahrer, der die Ziellinie überschreitet, endet die Partie nach dieser Runde. Er muss jedoch nicht zwangsläufig der Sieger sein, zieht noch ein Fahrer an ihm vorbei, nimmt dieser den Sieg mit nach Hause.

Spieleranzahl:

Die Spieleranzahl hat keinen Einfluss auf den Spielaufbau. Es ist bei weniger Spielern einfach weniger los auf der Strecke, macht aber dennoch Spaß.

Glücksfaktor?

Da pro Zug für beide Fahrer nur vier Karten gezogen werden, ist ein gewisser Glücksfaktor unausweichlich. Es steckt aber auch einiges an Taktik drin, wann welche Karten ausgespielt werden, besonders welche Karten man sich für den Endspurt aufhebt. Zum Spielende hin werden die Kartenstapel immer kleiner, man kann also auf die vermeintlich besseren Karten hoffen, welche man sich zum Ende hin aufgehoben hat, wenn man sich nicht zu viele Erschöpfungskarten eingehandelt hat.

Fazit:

Durch den variablen Spielaufbau besteht die Möglichkeit immer andere Strecken zu verwenden, damit keine Langeweile aufkommt. Zum Einstieg empfehle ich die Strecke mit den Vorderseiten aller Streckenabschnitte, später wird es durch die Berg-Etappen spannender. Einziger Kritikpunkt sind die Spielertableaus, die auf dem Tisch gerne mal verrutschen und immer wieder ausgerichtet werden wollen. Zum Spielende hin haben die Spieler meist immer weniger Karten, was das Mischen erschwert. Handelt man sich keine Erschöpfungskarte ein, muss man seine Karten vor allem bei Bergstrecken schon sehr klug einsetzen, um am Ende überhaupt noch so etwas wie eine Auswahl zu haben. Wem eine Partie nicht lang genug dauert, der kann auch die Grand Tour fahren. Die Regeln zum Spiel über mehrere Strecken direkt vom Autor mit Zeitwertungen gibt es bei BGG, eine für Android und iOS erhältliche App erleichtert die Wertung. Mir persönlich ist die Grand Tour zu viel Verwaltungsaufwand, bei uns wurden lieber mehrere Partien bei normaler Wertung hintereinander gespielt.

Das Thema ist eigentlich absolut nicht meins, aber ich gab dem Spiel eine Chance und habe es nicht bereut. So erging es auch einigen unserer Mitspieler. Es spielt sich locker-leicht, erfordert aber auch taktische Überlegungen. Im Windschatten zu fahren bietet die Möglichkeit weitere Felder voran zu kommen und man erhält keine Erschöpfungskarten, aber irgendwann muss man den Punkt finden, an dem man den anderen wegfahren kann. Blöd, wenn genau dann das Deck voll von Erschöpfungskarten ist und man nicht ordentlich voran kommt. Deshalb sollte man von Beginn an gut planen, wie man die Ziellinie am besten und schnellsten erreichen kann. Dabei muss man aber auch auf die Mitfahrer achten und einschätzen können, wie weit diese sich fortbewegen, wenn man darauf spekuliert, den Windschatten auszunutzen. Alles in allem ein leicht zugängliches Spiel, dass neben einer Prise Glück auch taktisches Vorgehen erfordert.

Wertungsnote 5/6

Verlag: lautepelit.fi
Autor(en): Asger Harding Granerud
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an lautepelit.fi für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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