Halt mal kurz!

Halt Mal Kurz Cover

Cover / Foto: Kosmos Verlag

Das Beuteltier drückt Marc-Uwe einen Stapel Karten in die Hand, sagt „Halt mal kurz“ und springt davon. Er bleibt verdutzt stehen, versteht nicht wirklich was hier gerade passiert. Aber so ergeht es ihm ja sehr oft mit seinem neuen Mitbewohner. Was hat er sich da bloß eingehandelt?

So oder so ähnlich muss es gelaufen sein, damit Marc-Uwe Kling auf diese Spielidee kam. Was dabei heraus gekommen ist, ist ein witziges kurzweiliges Kartenspiel mit großem Ärger-Faktor und einfach zum totlachen.

Spielmaterial:

60 sogenannte Stress-Karten, unterteilt in die drei Kategorien: Witzig, Nicht witzig und zwei Sonderkarten „Razupaltuff“. Außerdem ist jede Karte einem Protagonisten zugeordnet: Känguru, Kleinkünstler oder Pinguin.

Die Anleitung erscheint auf den ersten Blick recht lang für solch ein kleines Kartenspiel. Doch das ist berechtigt, denn sie ist ganz im Stil der Känguru-Bücher als kurze Geschichte verfasst. Besser noch als sie zu lesen ist das Erklär-Video auf der Webseite zum Spiel anzusehen. Die Anleitung bietet aber auch eine kurze Regelübersicht für den schnellen (Wieder-)Einstieg.

Spielmechanismus:

An die Spieler werden, abhängig von der Spieleranzahl, ein paar Handkarten vergeben und ein Startspieler ermittelt. Eine aufgedeckte Karte bildet den Ablagestapel. Die Spieler legen nacheinander jeweils eine Karte ab und führen die Aktion aus. Die Aktionen führen dazu Stress(-Karten) abzubauen oder noch mehr Stress zu bekommen. Regelkonform gespielt werden können nur Karten, deren Kategorie oder Protagonist übereinstimmen.

Was kann einem alles passieren? Trifft man einen Nazi, muss man natürlich draufschlagen. Aber bitte nicht mit der ähnlich aussehenden Polizei verwechseln, die einfach nur eine verdachtsunabhängige Intensivkontrolle durchführen will. Der Kapitalismus gibt denen noch mehr, die eh schon viel haben, während der Kommunismus für eine gerechte Umverteilung sorgt. „Halt mal kurz“ oder „Ach – Mein, Dein…das sind doch bürgerliche Kategorien“ machen das Chaos perfekt. Und dann gibt es ja noch Schnick-Schnack-Schnuck, mit Brunnen, wenn dies nicht explizit ausgeschlossen wird. Oder sogar den Gruppen-Schnick-Schnack-Schnuck, bei dem der Ausspielende gegen alle anderen spielt. Das kann manchmal ganz schön in die Hose gehen, „Razupaltuff!“ Entgehen kann man all diesen Schikanen nur wenn dies auf der „Not-To-Do-Liste“ steht, welche man ausspielen kann, falls Kategorie und/oder Protagonist übereinstimmt.

Halt Mal Kurz Karten

Karten / Foto: Brettspielposie

Spielende:

Das Spiel ist dann zu Ende, wenn der erste Spieler keine Karte mehr hat. Und zwar erst nachdem die Aktion seiner letzten Karte komplett abgehandelt wurde. Die Sonderkarte „Razupaltuff“ kann nur mit einer Aktion weitergegeben, aber niemals ausgespielt, werden. Also kann man mit ihr auf der Hand auch nicht gewinnen.

Spieleranzahl:

Das Spiel eignet sich für 3 – 5 Spieler. Je mehr Spieler, desto weniger Karten werden zu Beginn an die Spieler verteilt. Somit bewegt sich die Länge des Spiels auch bei voller Spieleranzahl im akzeptablen Bereich.

Glücksfaktor?

Bei Halt mal kurz geht es nicht um Strategie oder Taktik. Wenn es dem Känguru nicht passt, werden ja sowieso alle Spielregeln über Bord geworfen und neu erfunden. Es geht um Spaß und den hat man, in der richtigen Gruppe, zu genüge. Natürlich kann einem Glück bei Schnick-Schnack-Schnuck helfen, trotzdem kann die nächste Karte eines Mitspielers die Besitzverhältnisse an den Karten komplett auf den Kopf stellen.

Fazit:

Für den Einstieg empfehle ich das Erklär-Video, besser kann man es gar nicht auf den Punkt bringen. Dann erfolgt der Einstieg auch ganz leicht. Anfangs können die vielen verschiedenen Karten dennoch etwas verwirren.

Besonders witzig wird es, wenn die Mitspieler sich ein wenig darauf einlassen und die Aktionen ganz trocken und ein wenig überspitzt ausspielen. Ist das nicht der Fall, bleibt eigentlich nur ein 08/15-Spiel á la Mau Mau über.

Wer die Bücher nicht kennt, hat keinen Nachteil im Spiel. Ob es dann überzeugen kann, ist allerdings fraglich. Ich würde es vermutlich niemandem schenken, von dem ich nicht weiß, ob er das Känguru überhaupt kennt. Aber ich persönlich hatte selbst in meiner ersten Partie ohne Vorwissen jede Menge Spaß. Und wenn man die ganzen Anspielungen erst einmal nachvollziehen kann wird es nur noch witziger. Daher eine ganz klare Empfehlung für die Känguru-Bücher (am besten als Hörbuch) und anschließend auch das Spiel. Jedoch ist Vorsicht geboten, wenn Frauen mit langen Fingernägeln mitspielen. Das kann schmerzhaft werden…

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Marc-Uwe Kling
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an den Kosmos Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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