illusion

illusion Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Optische Täuschungen finden sich überall. Die meisten Internet-User werden sicher 2015 den #Dressgate mitbekommen haben, bei dem das Bild eines Kleides durch die Medien ging und für Wirbel sorgte. Für die einen erschien es gold-weiß, für die anderen blau-schwarz. Grund dafür: Eine schlecht belichtete Fotografie. So schnell lassen sich unsere Augen täuschen. Ein weiteres Beispiel: Man nehme zwei exakt gleich lange Striche mit unterschiedlichen Pfeilen an den Enden und zack, denkt das menschliche Auge der Strich mit Pfeilen nach außen wäre kürzer. Diese sogenannte Müller-Lyer-Illusion, benannt nach dem Entdecker, macht sich das Spiel illusion zu Nutze.

Spielmaterial:

98 Karten zeigen geometrische Formen in den vier Farben blau, gelb, grün und rot vor weißem Hintergrund. Die anderen 12 Karten zeigen Pfeile in diesen Farben.

Spielmechanismus:

Bei den meisten Mitspielern reichte als Erklärung: „Das ist Anno Domini mit Farben“. Wer es nicht kennt, bei Anno Domini gibt es Karten zu verschiedensten Themen, die auf einer Seite ein Ereignis beschreiben und auf der Rückseite die zugehörige Jahreszahl. Die Aufgabe der Spieler ist es, diese Zahlen in zeitlich korrekter Reihenfolge abzulegen. Bei illusion greift genau dieses Prinzip, doch es werden keine Jahreszahlen, sondern Farbanteile in Reihenfolge gebracht. In jeder Runde gibt eine Pfeilkarte die zu betrachtende Farbe vor. Die Rückseite einer jeden Farbkarte gibt die Farbanteile in Prozent an. Damit diese nicht einsehbar sind, wird immer die oberste Karte vom Stapel genommen und passend in die Reihe einsortiert. Reihum, bis ein Spieler die Reihe anzweifelt. Dann werden alle Karten umgedreht und geschaut, ob die Reihenfolge bezogen auf die Prozentangaben der Farbe der Pfeilkarte passt. Wurde zu Recht angezweifelt, erhält der Zweifler die Pfeilkarte als Punkt, sonst der Spieler, der die letzte Karte korrekt gelegt hat.

illusion Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Wer in den Besitz von drei Pfeilen gelangt, gewinnt in diesem Moment die Partie. Alternativ kann über 12 Runden gespielt werden und es gewinnt, wer die meisten Pfeilkarten erhalten hat.

Spieleranzahl:

Die Spielerzahl hat sich in unseren Partien kaum ausgewirkt. Bei vier Spielern kann es lediglich passieren, dass ein Spieler seltener zum Zug kommt, wenn immer der gleiche Spieler anzweifelt und der Spieler davor neu beginnen darf.

Glücksfaktor?

Es geht um die bessere Wahrnehmung von Farben, das kann Können oder auch einfach Glück sein. Strategie ist hier nicht wirklich zu finden, es gibt nur eine recht eindeutige: Hältst Du die Auslage bereits für fehlerhaft, zweifel sie an. Glück spielt bei der Reihenfolge der Karten hinein, manches Mal liegen Karten mit ähnlichen Farbanteilen direkt hintereinander, die sind natürlich schwieriger einzuordnen, als Karten mit eindeutig unterscheidbaren Farbflächen.

Fazit:

Ich selber bin kein großer Fan von Anno Domini, habe es daher auch noch nicht sehr häufig gespielt. Ich finde dennoch nicht, dass illusion mit diesem Spiel mithalten kann. Während man bei Anno Domini bestraft wird, indem man mehr Karten ziehen muss und damit das Ziel die Karten als Erster los zu werden in die Ferne rückt, wird bei illusion ein Punkt bei jeder Anzweifelung vergeben. So kann das Spiel schnell beendet werden, indem einfach immer nur angezweifelt wird. Ist ein Spieler dabei, dem solche Abschätzungen schwerer fallen, hat der Spieler daneben gute Chancen auf den Sieg. Zugleich bedeutet dies, dass ein Spieler, der die Karten immer korrekt anordnet, dafür nicht belohnt wird. [UPDATE 17.04.18]Das Gegenteil ist der Fall, Fehler werden bestraft. [UPDATE ENDE 17.04.18] Es gewinnt nicht zwangsläufig der Spieler, der die Farbanteile besser einschätzen kann, sondern der, der besser anzweifelt, also von den Fehlern anderer profitiert. Dies ist uns in verschiedenen Gruppen aufgefallen, es stört den Spielfluss und verringert den Spaß am Spiel.

Um beim Vergleich zu bleiben, kann man bestimmte Ereignisse bei Anno Domini einfach wissen, während bei den Farben doch eher geraten wird. Außerdem hat man keine Auswahl aus mehreren Karten, sondern muss immer die folgende Karte des Stapels anlegen. Allerdings bietet illusion auch einen großen Vorteil: Es verbraucht sich nicht so schnell, da man sich die Farbanteile schlechter merken kann als Jahreszahlen  zu Ereignissen und auch immer wieder andere Farben gefragt sind.

In den wenigen Momenten, in denen wirklich mal lange Ketten gebildet wurden, war es dafür meist sehr erstaunlich, wie schnell man sich bei den Farbanteilen vertut. Dank optischer Täuschungen wird das regelmäßig passieren. Die weißen Flächen im Hintergrund tun ihr übriges dazu. Dadurch wird Spannung aufgebaut, wer den besseren Blick dafür hat. Wenn sich die Spieler darauf einlassen und ein gutes Gefühl dafür entwickeln, kann man es gut als Absacker oder Aufwärmer einsetzen. Für unsere Gruppen bleibt dieses Spiel als Dauerbrenner leider nur eine Illusion.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Nürnberger Spielkarten-Verlag
Autor(en): Wolfgang Warsch
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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