In the Year of the Dragon (Jubiläumsausgabe)

In the year of the Dragon Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Stefan Feld war 2007 sehr produktiv. Neben dem hier bereits besprochenen Notre Dame brachte er noch ein weiteres Spiel auf den Markt. Dieses entführt die Spieler nach China, wo sie Im Jahr des Drachen die Rolle eines chinesischen Provinzfürsten einnehmen und mit Hilfe von Gefolgsleuten Wohlstand und Ansehen erlangen wollen. Dabei sind sie immer wieder fürchterlichen Ereignissen ausgesetzt, gegen die sie sich zur Wehr setzen müssen. Wie schon bei Notre Dame, ist auch zu diesem Spiel 10 Jahre später eine Juliläumsedition erschienen. Diese enthält auch alle bisher erschienenen Mini-Erweiterungen zu diesem Spiel aus der bereits vergriffenen alea-Schatzkiste. Als alea-Sammler hatten wir bereits ein Exemplar der alten Version im Schrank stehen. Diese wurde aber von irgendetwas angenagt, der Karton hat sehr darunter gelitten. Wir haben es auf der BerlinCon 2016 erworben, um unsere Sammlung zu vervollständigen, hatten aber das Ziel dieses Exemplar irgendwann zu ersetzen. Daher kam uns diese Jubiläumsausgabe sehr gelegen.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial wurde zum Original kaum verändert. Lediglich das Plastik-Inlay wurde weggelassen und der Titel internationalisiert. Die Erstausgabe hatte Übersichtskarten für jeden Spieler, die ersatzlos gestrichen wurden. Durch diese verhaltenen Veränderungen wurde die Nummer auf dem Schachtelrücken belassen. Juhu! Weiterhin enthalten ist ein Spielplan, 90 quadratische Personenplättchen, 7 Aktionskarten und jede Menge Stanzteile als Münzen, Palastteile, Reissäcke, Raketen, Privilegien und 12 Ereignisplättchen. Jeder Spieler erhält eine Personenscheibe und einen Zählstein aus Holz, einen Drachen mit Standfuß und 11 Personenkarten. Die Erweiterungen bestehen aus einer Aktionskarte und sechs Mauerteilen in jeder Spielerfarbe, sowie den zehn kleinen Dreiecken als Super-Ereignisse.

Spielmechanismus:

In 12 Runden führt jeder Spieler eine Aktion aus. Die verfügbaren Aktionen werden von einem Spieler zu Rundenbeginn in Gruppen aufgeteilt und jeder Spieler darf nur eine Gruppe besetzen oder muss 3 Yuan zahlen, um eine Aktion einer belegten Gruppe zu nutzen. Doch Geld ist Mangelware, genau wie alle anderen Ressourcen in diesem Spiel. Durch die Aktionen gelangen die Spieler an Geld, Palastteile, Reis, Raketen, Privilegien, Siegpunkte oder Schritte auf der Personenleiste. Diese gibt an, in welcher Reihenfolge Aktionen ausgeführt werden. Bei den Aktionen werden gleiche Symbole auf eigenen Angestellten hinzu gezählt. Wählt man also die Aktion Reis erhalten, bekommt man einen Sack Reis für das Aktionsplättchen und zusätzlich für jeden abgebildeten Sack Reis im eigenen Palast einen weiteren. In der nächsten Phase wählt jeder Spieler eine Personenkarte, um die abgebildete Person einzustellen. Die meisten Personen gibt es in zwei Versionen: Mit einem Symbol und hohem Wert oder zwei /drei Symbolen, dafür aber niedrigerem Wert. Diesen darf man sofort auf der Personenleiste vorrücken, die Symbole stärken zukünftige Aktionen. Für jede einzustellende Person benötigt man einen freien Platz in einem seiner Paläste. Ansonsten darf man eine Person entlassen, um Platz zu schaffen.

Ab der dritten Runde tritt am Rundenende ein Ereignis ein, bei dem die Spieler bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, die zu Spielbeginn bekannt sind. Können sie das nicht, müssen sie meist Personen aus ihren Palästen entlassen. Im Anschluss daran kann es zum Verfall kommen, wenn Paläste unbesetzt sind. In solch einem Fall muss ein Stockwerk abgebaut werden. Jede Runde endet mit einer Wertung, bei der jeder Palast mit einem Siegpunkt belohnt wird. Zusätzlich bringen Privilegien und Hofdamen Punkte ein.

In the Year of the Dragon Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Kommen wir zu den Mini-Erweiterungen: An der chinesischen Mauer wird gemeinsam gebaut, die zugehörige Aktion erlaubt das Setzen eines Mauerteils. Dafür erhält man sofort den darauf abgebildeten Bonus. Nach jedem Ereignis Mongolensturm und bei Spielende kommt es zudem zur „Mauer-Wertung“. Reicht die Mauer bis zum aktuellen Ereignis bzw. bis zum Ende, erhält jeder Spieler einen Siegpunkt für jedes eigene Mauerteil. Reicht die Mauer nicht, muss der Spieler mit den wenigsten verbauten Mauer-Teilen eine Person entlassen. Von den zehn Super-Ereignissen wird eines zufällig gewählt, es tritt nach dem siebten Ereignis zusätzlich ein. Ein Super-Ereignis kann positive oder negative Auswirkungen haben.

Spielende:

Das Spiel endet nach der kompletten zwölften Runde. Nach der letzten Rundenwertung gibt es noch weitere Siegpunkte für jede Person in den eigenen Palästen und abgebildete Buddha-Symbole. Ressourcen werden in Geld umgewandelt und Geld in Siegpunkte. Der erfolgreichste Fürst gewinnt diese Partie.

Spieleranzahl:

Die Personenplättchen werden anhand der Spielerzahl limitiert und die Aktionen in so wenige Gruppen aufgeteilt, wie Spieler dabei sind. Damit skaliert das Spiel ganz gut, mir hat es mit mehr Spielern aber noch einen Tick besser gefallen. Umso weniger Spieler, desto größer sind die Aktionsgruppen. So ist es möglich im Spiel zu zweit bis zu vier Aktionen für den Gegenspieler zu blockieren, während im Fünfer-Spiel einzelne Aktionskarten eine Gruppe bilden. Durch diese beschränkte Auswahl wird die Personenleiste umso wichtiger, da sie die Spielerreihenfolge vorgibt.

Glücksfaktor?

Bei diesem Spiel hängt alles von den Entscheidungen der Spieler ab, einen Glücksfaktor wird man hier kaum finden. Man merkt ein wenig die mathematische Affinität des Autors, denn vieles ist berechenbar. Es gibt dabei nur wenige Stellschrauben, um dem anhaltendem Mangel zu entkommen.

Fazit:

Kurz gesagt: Mir liegt dieses Spiel einfach nicht. Auch wenn es zu Beginn oft gut für mich aussieht, schaffe ich es meist nicht, meine Personen bis zum Spielende durchzubringen. Das führt dazu, dass bei Spielende alle Mitspieler weit weg ziehen und ich hinterher schaue. Dafür kann das Spiel aber nix, eigentlich finde ich das Prinzip mit dem extremen Mangel sehr reizvoll. Nur bin ich scheinbar nicht in der Lage diesen zu meistern 😉 Werde aber auch nicht müde es auszuprobieren.

Ich will wahrscheinlich immer zu viel, doch man kann hier nicht alles haben. Irgendwelche Kompromisse müssen eingegangen werden. Es lässt sich kaum vermeiden im Spielverlauf Personen zu entlassen, doch welche davon zu welchem Zeitpunkt entlassen werden, ist entscheidend. Nach den Krankheiten werden zum Beispiel keine Mediziner mehr benötigt, auf die Arbeit eines Handwerkers muss man nur zurück greifen, solange man seine Paläste ausbauen möchte. Jede Person kann nur ein Mal eingestellt werden, außer man nutzt einen der beiden Joker für einen weitere Person dieser Art. Hofdamen und Privilegien bringen umso mehr Punkte, desto früher sie ins Spiel kommen, da sie jede Runde Punkte generieren. Aber man braucht andere Personen, um die Ereignisse möglichst schadenfrei zu überstehen. Sind keine Personen einer Art mehr verfügbar, hat man das Nachsehen.

Der Spielablauf ist eigentlich recht gut überschaubar: Man führt nur zwölf Aktionen aus und stellt maximal elf Personen ein. Doch gerade dies macht die zu treffenden Entscheidungen umso härter, da man viel mehr machen möchte. Da kann es sich mit Grüblern schon mal in die Länge ziehen. Und der kleinste Fehler kann einen Spieler weit nach hinten werfen, sodass ihm kaum Chancen auf den Sieg bleiben. Doch wer ein knallhartes Strategie-Spiel sucht, der wird mit In the Year of the Dragon sicherlich glücklich. Selbst ich werde die Herausforderung weiterhin suchen, um den Mangel vielleicht irgendwann einmal beherrschen zu können.

Wertungsnote 5/6

Verlag: alea / Revensburger
Autor(en): Stefan Feld
Erscheinungsjahr: 2017 (2007)
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 90 Minuten

Vielen Dank an den Ravensburger Spieleverlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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