Ivor the Engine

Ivor the Engine Cover

Cover / Foto: Surprised Stare

Bei „Ivor the engine“, hierzulande kaum bekannt, handelt es sich um eine in Großbritannien beliebte Kinderserie, die erstmals Ende der 50er Jahre zu sehen war. Es geht darin um „The Merioneth and Llantisilly Rail Traction Company Limited“, eine kleine, unbedeutende Eisenbahnlinie aus Wales und ihre zugehörige Lokomotive. Die kleine Lok hat ein Eigenleben entwickelt und da es für ihre Freunde ein ganz schöner Zungenbrecher wäre, die Lok mit „Locomotive of the Merioneth and Llantisilly Rail Traction Company Limited“ anzusprechen, wurde diese kurzerhand „Ivor“ getauft. Diese niedliche Geschichte wurde nun von Tony Boydell auf ein Brettspiel übertragen.

Spielmaterial:

„Contains sheep“ – Enthält Schafe 😉 Und zwar 40 Stück aus Holz. Dazu gibt es kleine Holzplättchen zur Anzeige von jeweils fünf Schafen. Doch wer will schon Holzplättchen sammeln, wenn es Schafe gibt? Auch die Loks wurden auf das Nötigste reduziert, sie werden als platte Stanzteile dargestellt. Dazu kommen weitere Papp-Teile sowie goldgelbe und schwarze Holzklötze. Die 66 Karten teilen sich auf in Auftrags- und Event-Karten sowie ein Gehege für jeden Spieler in seiner Farbe. Das Spielmaterial gibt es bisher nur auf englisch, dem sollte man sich bewusst sein, bevor man über eine Anschaffung nachdenkt. Grundsätzliche Englisch-Kenntnisse sollten vorhanden sein..

Spielmechanismus:

Zunächst werden die Schafplättchen mit den Lost Sheep-Tokens zufällig auf dem Spieplan verteilt (0-4 Schafe pro Ort). Jeder Spieler startet in einem Ort seiner Wahl und erhält ein Gold sowie eine Kohle (Holzklötze). Von den Auftragskarten nimmt jeder Spieler drei auf die Hand, bevor 8 Eventkarten zu den Auftragskarten gemischt und von diesem Stapel vier offen ausgelegt werden.

Ivor the Engine Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Jeder Zug läuft in vier Phasen:

  • Schaf nehmen (wenn vorhanden, ggf. Lost Sheep-Token nehmen)
  • Reisen / Karten ausspielen
  • Karte auf die Hand nehmen
  • Kartenauslage auffüllen

Der jüngste Spieler bekommt den Startspielermarker und führt die einzelnen Phasen aus. Zuerst darf ein Spieler sich ein Schaf von dem Ort nehmen, in dem sein Zug startet, vorausgesetzt dort befindet sich noch mindestens ein Schaf. Nimmt er das letzte Schaf eines Ortes und befindet sich dort noch ein Lost Sheep-Token, erhält der Spieler dieses ebenfalls und zusätzlich zwei Schafe aus dem Vorrat. Als nächstes kann kostenfrei ein Ort weiter entlang der Eisenbahnlinien gereist werden. Um eine längere Strecke zu bereisen, muss für jeden weiteren Ort eine Kohle abgegeben werden. Alternativ kann ein Spieler für zwei Kohle von der Stadt unten rechts zur Stadt oben links, oder umgekehrt, reisen. Man darf jederzeit ein Gold gegen zwei Kohle tauschen. An jedem Ort darf sich immer nur eine Lokomotive befinden, daher darf „übersprungen“ werden, wenn sich im Nachbarort ein Mitspieler aufhält. An allen Orten, an denen man sich während seines Zuges befindet, dürfen Aufträge erfüllt werden. Aufträge erfüllen bedeutet einfach nur, dass man sich mit seiner Lok an dem angegebenen Ort befindet und dieser Ort über keine Schafe mehr verfügt. Man muss nichts erfüllen oder abliefern. Man deckt die Auftragskarte von der Hand auf und darf sich die Belohnung nehmen. Die erfüllten Aufträge legt man vor sich ab. Jede Auftragskarte kann aber auch auf eine andere Art genutzt werden. Im unteren Bereich der Karte ist eine Aktion aufgeführt, die man überall ausführen darf. Das Handkartenlimit liegt bei vier, deswegen muss man sich irgendwann von Karten trennen und kann sie nicht ewig sammeln. Man kann beliebig viele Karten in einem Zug ausspielen.

Ivor Karten

Karten / Foto: Brettspielpoesie

Der Zug wird beendet, indem man eine der offen ausliegenden Karten wählt und auf die Hand nimmt. Die Auslage wird anschließend aufgefüllt. Wird dabei eine Event-Karte aufgedeckt, wird das Event angewendet und die Karte mit einem Schaf aus dem Vorrat versehen. Wer sich in späteren Zügen eine Eventkarte nehmen möchte, muss dafür ein Gold abgeben. Die Eventkarte bringt am Spielende zusätzliche Punkte ein.

Spielende:

Das Spielende wird eingeleitet, sobald der erste Spieler 25 Schafe gesammelt hat. Die Runde wird noch zu Ende gespielt, sodass alle Spieler gleich häufig am Zug waren. Sind alle durch, werden noch Bonus-Schafe für die Eventkarten und je ein Schaf pro Gold vergeben. Wer anschließend die meisten Schafe vorweisen kann, gewinnt. Es ist nicht zwangsläufig der Spieler, der das Spielende herbei geführt hat.

Spieleranzahl:

Mit drei Spielern hat man auf dem Spielplan noch zu viel Platz sich aus dem Weg zu gehen, sodass die Spieler nur vor sich hin spielen und sich kaum begegnen. Am besten eignet sich das Spiel für Vollbesetzung mit 5 Personen, dann können sich die Spieler gegenseitig Orte versperren, aber man kann es auch schaffen günstig weit zu reisen, wenn die anderen viele benachbarte Felder versperren. Dann werden auch nur 20 Schafe für das Spielende benötigt. Auch hier gilt mal wieder: Umso mehr, desto besser bezogen auf die Spieleranzahl.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist nicht zu unterschätzen. Welche Auftragskarten liegen in meinem Zug aus, wann kommen welche Eventkarten, in welchen Ecken befinden sich viele oder wenige Schafe? Die Events bringen viel Zufall in das Spiel, denn wenn man eine Bedingung nicht erfüllen kann, muss man vielleicht an das andere Ende des Spielplans reisen und sich von dort aus einen neuen Plan schmieden.

Fazit:

Der Spielplan ist unvorteilhaft gestaltet. Die Abgrenzungen sind oft nicht eindeutig. Wenn dann zu Beginn noch viele Schafe herumstehen, ist es noch schwerer auseinanderzuhalten, welche Orte sich über mehrere Felder erstrecken und welche nicht. Die Ortsnamen sind zwar der Serie entnommen, für Einsteiger in das „Ivor the Engine“-Universum jedoch recht schwer zu überblicken. Das Design stammt vom Original-Grafiker der Serie, Peter Firmin.

Auch wenn es Schafe enthält, wirklich viele Schafe, richtet es sich stark an die Serie um Ivor the Engine. Wer diese nicht kennt, hat es schwer in das Spiel einzusteigen. Die teilweise langen Kartentexte sind zwar nur bedingt bedeutend für das Spiel, aber es erschwert den Einstieg für nicht englischsprachige Spieler ungemein. Das man für die Auftragskarten nur an einem Ort ohne Schafe sein muss, um den Auftrag zu erfüllen, fühlt sich für mich zu leicht an. Aber die Zielgruppe wird damit bestimmt gut leben können.

Das Spiel macht durchaus Spaß, wenn man genügend Mitspieler hat. Zunächst versuchen die Spieler benötigte Orte von Schafen zu „befreien“, um dort ihre Aufträge zu erfüllen. Dadurch erahnen die Mitstreiter aber vielleicht worauf man es absieht und versuchen alles, um dies zu verhindern. Die Spieler müssen ständig entscheiden, wie sie ihre Karten sinnvoll einsetzen und ob sie damit lieber zum eigenen Vorteil oder zum Nachteil der Mitspieler agieren. Oft ist es viel zu früh zu Ende und kommt zur Wertung, dabei hätte man noch locker weiter spielen können.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Surprised Stare Games Ltd
Autor(en): Tony Boydell
Erscheinungsjahr: 2014
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Surprised Stare Games für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!

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