Jumanji

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Dass ich in diesem Blog mal über einen Film schreiben werde, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Am Montag waren wir seit längerer Zeit mal wieder in der Sneak Preview unseres heimischen Kinos. Wer es nicht kennt: Jede Woche läuft ein Film im Original (bisher zum Glück immer englisch), der in Deutschland offiziell erst in nächster Zeit anläuft. Im Anschluss wirft man einen kleinen Tischtennisball in eine Röhre, um den Film zu bewerten. Von solchen Bewertungen erhofft sich so mancher Filmverleih eine bessere Einschätzung, wie ein Film beim Publikum ankommt und wie man ihn daher einsetzen sollte. Meist sind das eher kleinere Produktionen, wir haben aber auch schon Filme gesehen, die sich zu richtigen Blockbustern entwickelt haben. Als Highlight ist da sicherlich Guardians of the Galaxy zu nennen, der zweite Teil kam dann nicht mehr in die Sneak – zu erfolgreich. Warum es sich aber gerade lohnt die Sneak zu besuchen, sind kleine Filmperlen, denen man sonst vermutlich kaum Beachtung geschenkt hätte. Leider sind bei weitem nicht alle Filme so empfehlenswert und daher schaut man sich auch viel Müll an, muss man einfach mal so sagen. Diese Woche wagten wir nach langer Zeit mal wieder den Besuch und hofften auf den Nachfolger zu einem meiner liebsten Filme als Kind: Jumanji.

Falls es tatsächlich Leser geben sollte, denen dieser Film nichts sagt: Jumanji ist kein gewöhnliches Brettspiel, einmal begonnen muss es beendet werden. Doch es beschränkt sich nicht nur auf den Tisch, es bringt den Dschungel in Form von Tieren und Naturkatastrophen in die Welt der Spieler. Und manchmal wird auch der ein oder andere Spieler hinein gesaugt, nur ein anderer Spieler kann ihn mit einer entsprechenden Augenzahl befreien. Dies ist dem Akteur, der als Erwachsender von keinem anderen als Robin Williams gespielt wurde, im ersten Zug passiert. Doch wurde seine Mitspielerin von seinem plötzlichen Verschwinden traumatisiert, so dauerte es 26 Jahre bis zwei Kinder das Spiel fortführen. Doch benötigen sie auch die fehlende Mitspielerin von damals, um das Spiel zu beenden. Der Film ist von 1995, damit ist er heute sicher längst überholt, aber die Idee dahinter gefällt mir noch immer und damals war das ganz großes Kino. Der Schauspieler Robin Williams besetzte die Rolle grandios und hatte sicher großen Anteil an dem Erfolg.

Als ich dann erstmals vernahm, dass es einen neuen Jumanji-Film geben würde, wusste ich nicht so recht was ich davon halten sollte. Genau genommen handelt es sich um eine Fortsetzung. Als ich dann aber auch noch erfuhr, dass das Brettspiel einem Videospiel weichen musste, hatte ich eigentlich schon kein Interesse mehr an dem Film. Auch wenn Schauspieler wie Dwayne „The Rock“ Johnson und Jack Black mitspielen. Die Sneak gab dann den notwendigen Anschubser und ich habe es nicht bereut. Es ist ein kurzweiliger Film, gespickt mit Anspielungen auf das Original, es macht einfach Spaß. Viel besser als ich es mit hätte vorstellen können. Dabei hätte der Film ruhig länger dauern dürfen, für ein ganzes Videospiel empfand ich es fast zu kurz, mit zu wenig Leveln, welche die Spieler meistern mussten. Zudem wird dem Film ein bisschen Zauber genommen, weil nun alle Spieler in eine andere Welt hinein gezogen werden und sich nicht die andere Welt mit der Realität vermischt.

Doch eine Szene gleich zu Beginn stieß bei mir übel auf, wo im Jahre 1996 ein Junge das Brettspiel am Strand findet und zu Hause seinem Kumpel zeigt. Dessen Reaktion: „Who plays boardgames anymore?“ (Übersetzung: Wer spielt überhaupt noch Brettspiele?) Über Nacht verwandelt sich das einstige Brettspiel im Film in eine Videospiel-Kassette. Die Presse verkauft dies gerne als modernen Ansatz dieser Fortsetzung. Warum denken die Produzenten, dass sie mit einem Brettspiel das Publikum nicht mehr erreichen würden und daraus ein Videospiel machen müssen, um modern zu sein!? Aus meiner Erfahrung heraus, suchen viele Menschen besonders durch die ganze Digitalisierung des Alltags wieder vermehrt das analoge Vergnügen!

Diese Aussage fiel im Film jedoch im Jahre 1996, als dort das Brettspiel gefunden wurde. Also nur ein Jahr nachdem Die Siedler von Catan zum Spiel des Jahres ernannt wurde. Zu einer Zeit, wo Brettspiele gerade erst wieder anfingen beliebter und komplexer zu werden. Und genau darin könnte auch ein Problem liegen: Ein Agricola, welches die Spieler hineinzieht um Familien zu gründen und Schafe zu züchten, wird sicherlich wenig Spannung mit sich bringen. Jumanji beruht aber eher auf den typischen Laufspielen, bei denen nach jeder Bewegung Ereignisse ausgelöst werden. Natürlich gäbe es sicher aktuelle Brettspiele bei denen solch ein Szenario ebenfalls denkbar wäre, aber der Film soll ja auch Nicht-Spieler ansprechen und daher sollte das zu Grunde liegende Spiel sehr leicht zugänglich sein. Die Haupthandlung des Films spielt dann 2017, wenn eine Gruppe Jugendlicher das Videospiel findet und weiter spielt. In diesem Kontext hat die Videospiel-Kassette aus den 90ern schon wieder einen gewissen Kultfaktor.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass ich es schade finde, das Brettspiel durch ein Videospiel zu ersetzen. Dennoch ist ein wirklich guter, witziger Film entstanden, den ich euch nur ans Herz legen kann. An das Original kommt er zwar nicht heran, das haben aktuelle Filme aber auch immer schwer, da in der Erinnerung vieles besser war. Man bekommt jedoch einen guten Film, der sich lohnt angesehen zu werden. Ab dem 21.12. sollte er dann auch ganz normal in den Kino laufen. Allen, die ihn sehen werden, wünsche ich viel Spaß und würde mich über eure Meinung zu dem Film freuen, gerne hier in den Kommentaren.

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