Meduris

Meduris Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

HABA – Diese vier Buchstaben stehen vor allem für qualitativ und pädagogisch wertvolle Kinderspiele. Für mich ohne Kinder daher nicht ganz so stark im Fokus, auch wenn ich die meisten HABA-Spiele gerne mal mitspiele. Häufig sind ja sogar Schafe dabei 😉 2015 hat der Verlag begonnen, zusätzlich ein neues Publikum, nämlich die Familienspieler, zu erreichen. Mit dem Label „Spieleabend approved!“ erscheinen nun regelmäßig Spiele für die ganze Familie. Im ersten Jahr wurde mit Spookies, Karuba und Abenteuerland eine, meiner Meinung nach vom Komplexitätsgrad aufeinander aufbauende, Serie begonnen. Besonders hervor getan hat sich dabei das Legespiel Karuba, welches sogar zum Spiel des Jahres nominiert wurde. Ein Jahr später ging HABA wieder mit drei Neuheiten sowie einer kleinen Erweiterung für Abenteuerland an den Start. Wieder werden zwei der Spiele ab 8 Jahren empfohlen, doch ich habe mir Meduris mit einer Empfehlung ab 10 Jahren näher angeschaut.

Spielmaterial:

Bei Haba bekommt man gewohnt hochwertiges Material. Einen doppelseitigen Spielplan, vier meiner Meinung nach recht groß geratene Sichtschirme, 72 Warenplättchen, Bonus-Chips und Runen-Plättchen sowie acht Tempel aus stabiler Pappe. Die Arbeiter, Hütten und Punktescheiben in den vier Spielerfarben sind aus Holz, genau wie der Würfel und die Druiden-Figur. Die Anleitung ist kein Heft, sondern ein faltbares Blatt, was mich ehrlich gesagt ein wenig stört. Die enthaltenen Informationen sind aber gut strukturiert und zur Sicherheit wurden die wichtigsten Regeldetails noch in die Innenseite der Sichtschirme gedruckt.

Spielmechanismus:

Der Spielplan zeigt die vier Hochebenen Holz, Wolle, Kupfer und Stein, auf denen die entsprechenden Güter erwirtschaftet werden. Alle Spieler beginnen mit einer Ressource jeder Art hinter ihren Sichtschirmen und sie setzen ihre Arbeiter in die Hochebenen. Pro Hochebene dürfen bis zu drei Arbeiter eingesetzt werden, sie werden aufeinander gestapelt. Ein Spielzug verläuft in zwei Phasen. Zunächst würfelt der Spieler und wertet das Ergebnis aus. Entweder werden in einer Hochebene alle dort eingesetzten Arbeiter mit einem Gut belohnt oder alle Spieler dürfen ein beliebiges Gut nehmen oder müssen eines abgeben. In der zweiten Phase muss der Spieler aus drei Optionen wählen. Er kann einen Arbeiter auf eine andere Ebene versetzen, in der ein großer Ertrag ausgeschüttet wird. Dabei bekommt jeder Spieler anhand der Positionen seiner Arbeiter in dieser Hochebene Güter. Ein Arbeiter, der ganz unten steht, erhält ein Gut. Der Spieler darüber zwei Güter und der oberste Arbeiter drei. Alternativ kann eine Hütte oder ein Tempel errichtet werden. Dafür wählt man ein freies Feld aus, bezahlt die angegebenen beiden Güter und platziert sein Eigentum dort. Die Platzierung einer Hütte wird jedoch teurer, umso mehr Hütten drum herum stehen. Denn dann müssen für jede Hütte dieser Siedlung (zusammenhängende Hütten) ebenfalls die beiden Güter eingesetzt werden. Als Belohnung erhält man den Runenstein des Gebietes. Anschließend rückt der Druide vor, zunächst auf den Steinfeldern, später geht er zur nächsten Siedlung. Bei jeder Hütte einer Siedlung bleibt er stehen und verlangt Abgaben. Gegen Abgabe einer der zum Feld gehörigen Güter gibt es einen Punkt. In einer Siedlung kann man so viele Punkte erhalten, wie die Anzahl der Hütten dieser Siedlung beträgt, wenn man beide erforderlichen Güter bezahlt. Kann man hingegen keines der Güter abgeben, wird dies mit einem Minuspunkt bestraft. Jedes Mal wenn der Druide den großen Fluss überquert wird das Spiel kurz für eine Zwischenwertung unterbrochen. Bei dieser erhalten die Spieler einen Punkt für jeden Runenstein, der vor ihnen liegt.

Meduris Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Sobald ein Spieler alle seine Hütten und Tempel verbaut hat, sind alle anderen Spieler noch ein Mal an der Reihe. Dann beginnt die Schlussrunde, in welcher der Druide ein letztes Mal an alle Türen klopft und Opfergaben fordert. Zu den im Spiel gesammelten Punkten werden noch Punkte für die Tempel vergeben. Es gibt einen Punkt für jede Hütte einer Siedlung, die an diesen Tempel angrenzt. Die Hütten selbst bringen keine Punkte ein, aber die Runen, die man für die Gebiete erhalten hat. Für die erste Rune einen Punkt, für die zweite 2 Punkte, usw. Der Spieler mit den meisten Punkten ist der Sieger.

Spieleranzahl:

Zu zweit hat jeder Spieler drei Arbeiter zur Verfügung, daher muss mit den Farben blau und lila gespielt werden, da nur diese dreifach vorhanden sind. Zu viert kommt die Spielplanrückseite zum Einsatz, bei der mehr bebaubare Felder zur Verfügung stehen. Somit skaliert das Spiel recht gut. Lediglich die Ressourcen werden bei weniger Spielern nicht limitiert, daher wird der Ressourcenmangel erst im Spiel zu viert besonders deutlich.

Glücksfaktor?

In der ersten Phase werden die Erträge erwürfelt, was für einen Glücksfaktor sorgt. Doch dabei geht es nur um eine zusätzliche Ressource pro Arbeiter. Diese kann aber entscheidend für den möglichen Bau bei einem folgenden Spieler sein, der ohne dieses Würfelergebnis erst weitere Ressourcen beschaffen müsste. Ansonsten handelt es sich um ein taktisches Spiel, bei dem Einiges voraus geplant werden sollte.

Fazit:

Mit Meduris hat Haba sein bisher anspruchsvollstes Spiel in der Familienspiel-Reihe vorgestellt. So anspruchsvoll, dass ich mir nicht sicher bin, ob es sich wirklich noch um ein Familienspiel handelt. In den häufig mehr als 60 Minuten gibt es nämlich viel zu beachten. Bei jedem Bau eines Gebäudes bewegt sich auch der Druide, mann sollte also einplanen, entsprechende Güter vorrätig zu haben. Nur wer die letzte Hütte in einem Gebiet errichtet, kann sich des Runensteins sicher sein. Baut man die vorletzte Hütte, gibt man den Mitspielern möglicherweise eine Steilvorlage. Alternativ blockiert man einfach das letzte Feld mit einem Tempel. Diese sind aber vor allem zum Ende hin sinnvoll, um zu vermeiden kurz vor der Schlussrunde noch einen Haufen Ressourcen abzugeben.

Nach der ersten Partie fühlte ich mich fast ein wenig erschöpft. Man muss viel taktieren und kann einiges berechnen. Mathe gehört jedoch nicht unbedingt zu meinen Stärken. Daher hinterließ Meduris in unseren Spielrunden gemischte Gefühle. Den einen gefällt diese Optimiererei, anderen war es einfach zu anstrengend. Zu Beginn plänkelt eine Partie so vor sich hin, erst im letzten Drittel wenn die Bauplätze rar werden und die ersten Spieler beginnen ihre Güter zu horten wird es spannend. Dabei kann sich das Spielende allerdings auch ein wenig ziehen, weil niemand mit dem Bau einer Hütte das Spielende einläuten möchte, weil er dadurch wertvolle Güter abgeben muss. Das Thema ist leider nicht wirklich getroffen, es bleibt ein mechanisches, mathematisches Spiel. Von der keltischen Mystik, die das Spiel verbreiten soll, ist leider kaum etwas zu spüren. Für mich bleibt  es spannend was in dieser Kategorie noch so bei Haba erscheinen wird, vom Anspruch her konnte Meduris durchaus überzeugen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Haba
Autor(en): Ralf zur Linde, Stefan Dorra
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an den Haba für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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