Mini Rails

Mini Rails Cover

Cover / Foto: Moaideas

Einen eher unschönen Trend gab es dieses Jahr auf der Spiel in Essen: Einige Titel waren bereits nach kurzer Zeit ausverkauft und vor Ort nicht mehr erhältlich. Besonders bei Spielen von Verlagen aus weit entfernten Ländern, bei denen die Portokosten extrem hoch sind, ist dies sehr schade, wenn man die Messe erst zum Wochenende besuchen kann oder es aufgrund anderer Termine nicht gleich am ersten Tag zum Verlag schafft. Unter dieses Phänomen fiel auch Mini Rails vom taiwanischen Verlag Moaideas Game Design. Über dieses Spiel wurde im Vorfeld und während der Messe viel gesprochen bzw. geschrieben, doch kann es auch halten, was sich so viele davon versprochen haben?

Spielmaterial:

Aus sieben doppelseitig unterschiedlichen Landschaftsplättchen ensteht das Spielfeld in jeder Partie etwas anders. Zusammengehalten werden diese Plättchen von einem Rahmen, der sie Startgebiete der Eisenbahngesellschaften festlegt. Daneben wird die Spielerreihenfolgeleiste platziert. Jeder Spieler erhält das Spielertableau mit den beiden Aktionsplättchen und beide Pöppel einer Spielerfarbe. Sämtliches Pappmaterial ist aus festem Karton. Zudem sind 72 Holzscheiben in den sechs Farben der Eisenbahngesellschaften enthalten. Leider ist die Farbwahl nicht perfekt, gelb und beige lassen sich bei schlechten Lichtverhältnissen nur schwer voneinander unterscheiden. Um die Holzscheiben zufällig ziehen zu können liegt ein Stoffbeutel bei. Bisher gibt es keine deutsche Version, neben einer Anleitung mit asiatischen Schriftzeichen liegt eine englische Anleitung bei. Diese ist gut strukturiert und leicht verständlich. Das gesamte Spielmaterial ist komplett sprachneutral.

Spielmechanismus:

Sechs Runden, 12 Aktionen für jeden Spieler. In jeder Runde kauft ein Spieler eine Aktie einer Eisenbahngesellschaft und investiert in eine Eisenbahngesellschaft, die Wahl in welcher Reihenfolge dies geschehen soll, obliegt dem Spieler. Genau wie die Wahl auf eine der durch Holzscheiben repräsentierten, ausliegenden Gesellschaften. Dafür werden in jeder Runde doppelt so viele Scheiben aus dem Beutel gezogen, wie Spieler teilnehmen. Plus eine weitere Scheibe, zu deren Funktion ich später komme.

Mini Rails Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn gibt es eine feste Startaufstellung, später entscheidet die Wahl einer Scheibe über die kommende Spielerreihenfolge. Wer investiert, wählt eine Scheibe und platziert sie angrenzend zu einer anderen Scheibe dieser Farbe. Die roten und weißen Punkte geben an, um wie viele Felder zugehörige Aktien sinken oder steigen. Berge und Flüsse müssen über- oder durchquert werden, bedeuten also hohe Investitionen, während die Streckenerweiterung in ländlichen Gebieten oder Städten mehr Geld einbringt, als sie kostet. Wer eine Aktie erwirbt, nimmt sich eine Scheibe und legt sie auf die 0 des eigenen Spielertableaus. Wird später in diese Gesellschaft investiert, beeinflusst dies die entsprechenden Aktien aller Spieler.

In jeder Runde bleibt eine Scheibe über, sie wird auf die untere Leiste geschoben und gibt an, dass die zugehörige Gesellschaft ordentlich ihre Steuern beglichen hat. Sechs Runden und sechs Gesellschaften – Das bedeutet sobald eine Gesellschaft zum zweiten Mal am Rundenende übrig bleibt,  wird es eine Gesellschaft geben, die keine Steuern zahlt. Es werden anschließend neue Scheiben gezogen und die Positionen der farbigen Pöppel geben die Spielerreihenfolge der kommenden Runde an.

Spielende:

Nach der sechsten Runde endet die Partie und es kommt zur Wertung. Für alle Gesellschaften, die Steuern bezahlt haben, werden nur Pluspunkte vergeben. Scheiben dieser Gesellschaften im Minusbereich werden nicht beachtet. Das Gegenteil trifft die Gesellschaften, die keine Steuern bezahlt haben. Bei ihnen werden die Scheiben im positiven Bereich ignoriert und nur die Minuswerte berechnet. Der Spieler mit der höchsten Gesamtzahl gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Mindestens drei Spieler müssen zusammen kommen, am besten spielt es sich zu viert oder fünft. Die Spielerzahl bestimmt wie viele Scheiben vor Beginn der Partie auf den Spielplan gelegt werden und wie viele Scheiben der einzelnen Gesellschaften in den Beutel gelangen. Auf dem Markttableau sind Markierungen für die unterschiedlichen Spielerzahlen, da entsprechend pro Runde weniger Scheiben verwendet werden.

Glücksfaktor?

Die Scheiben werden aus dem Beutel gezogen, über ihre Reihenfolge entscheidet der Zufall. Ansonsten sind alle Informationen offen. Auf dem Spielplan kann jederzeit eingesehen werden, welche Bauplätze angrenzend zu bestehenden Strecken bestehen. Zudem ist die Spielerreihenfolge zu sehen und auch die Aktionen, die den Spielern noch zur Verfügung stehen.

Fazit:

Das Attribut „mini“ im Namen des Spiels beschreibt exakt was es für ein Spiel ist. Man darf kein Eisenbahnspiel erwarten, bei dem man über die gesamte Partie eine tolle Bahnstrecke für sich aufbaut. Dieses Spiel überzeugt durch seinen Minimalismus. Mit nur zwei verschiedenen Aktionen schafft es der Autor ein intensives Spielgefühl zu kreieren. Die Entscheidungen, in welcher Reihenfolge die Aktionen gemacht werden, mit welchen farbigen Scheiben und was deren aktuelle Position für die Spielerreihenfolge in der kommenden Runde bedeuten, sind nicht trivial. Eine Scheibe der Gesellschaften, die bei mir oben mitmischen, sollte Steuern zahlen, dafür muss sie am Ende einer Runde übrig bleiben. Aber nur wenn ich mir eine solche Scheibe schnappe, kann ich den Wert der Aktien weiter erhöhen. Am besten verbündet man sich mit anderen Spielern, die auf die gleiche Gesellschaft setzen. Doch wird es immer auch Spieler geben, die dagegen arbeiten und Scheiben dieser Gesellschaft auf roten Feldern platzieren. Umso wichtiger, dass Steuern gezahlt werden, damit mögliche Minuspunkte nicht gezählt werden.

Das Spiel ist derzeit über den Shop des Verlags nicht mehr erhältlich. Aber in der Spieleschmiede-Übersicht der geplanten Projekte ist es aufgeführt und bei BGG wurde erst vor kurzem bestätigt, dass eine deutsche Version über die Spieleschmiede in Planung ist. Ich jedenfalls bin von dem Spiel sehr begeistert. Es ist das perfekte Gateway-Spiel: Schnell erklärte Regeln, ein wirklich einfacher Einstieg auch für weniger spielaffine Menschen und bietet eine Menge Spieltiefe. Dabei ist es in einer guten Dreiviertelstunde gespielt, schreckt also auch dadurch nicht ab. Wenn sich euch die Gelegenheit ergibt, probiert es unbedingt aus.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Moaideas Game Design
Autor(en): Mark Gerrits
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Moaideas für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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