Notre Dame (Jubiläumsausgabe)

Notre Dame Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Notre Dame ist nicht nur der Name einer katholischen Kirche im Herzen von Paris, sondern auch der Titel eines der früheren Werke des Spieleautors Stefan Feld. 2007 brachte er gleich zwei Vielspieler-Titel für alea auf den Markt (daneben erschien noch Im Jahr des Drachen). Auch wenn beide Spiele heute eine Durchschnittsbewertung von ungefähr 7.4 bei Boardgamegeek vorweisen können, gewann Notre Dame die Gunst der Kritiker im Erscheinungsjahrgang. Es landete auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres und musste sich beim Deutschen Spielepreis nur gegenüber Die Säulen der Erde geschlagen geben. Vor allem der internationalen Nachfrage haben wir es zu verdanken, dass dieses Spiel 10 Jahre nach der Erstveröffentlichung in einer Jubiläumsauflage erschienen ist. Weder am Material noch am Spielverlauf wurden Änderungen vorgenommen, lediglich etwas mehr gelang in die Verpackung.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial würde ich mit alea-typisch umschreiben. Es sind dünne Stanzteile, die ihren Zweck erfüllen. Dazu Holz-Figuren, -Wagen und -Einflussteine in den fünf Spielerfarben und 15 Personenkarten. Keinerlei Veränderung zum Vorgänger, was den Vorteil mitbringt, dass es mit der gleichen Nummer versehen wurde und Sammlern keine Lücke im Spieleschrank entsteht. Diese Jubiläumsedition enthält dazu noch weitere Personenkarten: Die Minierweiterung Neue Personen, welche bisher exklusiv in der längst vergriffenen alea-Schatzkiste erhältlich war, ist nun Bestandteil des Spiels. Und nicht nur das, es wurden sogar weitere neue Personen hinzugefügt. Und zu allem Überfluss wurde auch noch eine Mini-Erweiterung für Die Burgen von Burgund draufgepackt! Warum? Weil sie es können, oder so. Als Besitzer von BuBu freut mich diese kleine Erweiterung jedenfalls.

Spielmechanismus:

Das Notre Dame-Plättchen gibt es in drei verschiedenen Formen, für den abweichenden Spielaufbau für 3, 4 und 5 Spieler, denn daran werden die einzelnen Stadtteile ausgerichtet. In drei Durchgängen spielen die Spieler ihre 9 identischen Handkarten, um ihr eigenes Stadtviertel rund um Notre Dame zu Wohlstand und Reichtum zu führen.  Dafür ziehen sie pro Runde drei Aktionskarten auf die Hand, die dann gedraftet werden. Um Aktionen in den einzelnen Stadtvierteln auszuführen, wird die Aktionsskarte gespielt und ein sogenannter Einflusstein aus dem eigenen Vorrat platziert. Die Effektivität der Aktion steigt mit zunehmender Zahl an Einflussteinen in diesem Viertel. So kann man an Siegpunkte, Geld oder weitere Einflussteine gelangen, den Seuchenwert reduzieren oder mit der Kutsche umher reisen. Beim Reisen wird das Botschaftsplättchen inklusive des darauf abgebildeten Bonus von dem Ort genommen, wo die Kutsche stehen bleibt. Bevor man ein weiteres einer Farbe nehmen darf, muss man jede andere Farbe gleich häufig besitzen. Von den drei Handkarten werden nur zwei ausgespielt und eine ungenutzt verdeckt abgelegt. So wissen die Mitspieler nie genau, welche Karten noch im Rennen sind.

Notre Dame Spielsituation zu dritt

Spielsituation 3 Spieler/ Foto: Brettspielpoesie

In jeder Runde liegen drei Personenkarten aus, von denen genau eine mit einer Münze von jedem Spieler bestochen werden darf. Sie bringen Siegpunkte, Geld, Einflussteine oder zusätzliche Aktionen ein. Zugleich geben die Ratten auf diesen Personen den Seuchenwert der Runde an, welchen jeder Spieler auf seiner Seuchenleiste abtragen muss. Würde er den höchsten Wert überschreiten, kostet das den Spieler zwei Siegpunkte und einen Einflussstein aus einem Viertel.

Notre Dame Spielsituation

Spielsituation 5 Spieler / Foto: Brettspielpoesie

Nach jedem Durchlauf wird Notre Dame gewertet. Jeder Spieler, der hier mindestens einen Einflusstein platzieren konnte, erhält nun Siegpunkte in Abhängigkeit aller hier platzierter Einflussteine, bevor die Einflussteine zurück in den allgemeinen Vorrat gelangen.

Die neuen Personen bringen Abwechslung in die Bestechungsphase. Es werden zufällig jeweils drei Karten jeder Sorte (A,B,C) gewählt und diese allen Spielern gezeigt, damit sie sich darauf einstellen können. Anschließend werden sie gemischt und bereit gelegt.

Notre Dame Neue Personen

Neue Personen / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Das Spiel endet nach Ablauf der dritten Runde mit dem dritten Durchlauf. Zu erkennen ist dies am aufgebrauchten Personen-Stapel. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt diese Partie Notre Dame.

Spieleranzahl:

Das Spiel skaliert recht gut. Für jede mögliche Spielerzahl gibt es einen eigenen Spielaufbau mit unterschiedlicher Anzahl an Stadtvierteln und spezieller Siegpunktzahlen bei Wertung der Einflussteine bei Notre Dame. Im Duell gilt der 4-Spieler-Aufbau mit geringerer Siegpunktausschüttung für Notre Dame, es werden keine Spieler simuliert. Nur die Botschaftsplättchen weiterer Spieler werden platziert, um es nicht zu einfach zu machen. Im Spiel zu zweit bekomme ich zwei meiner Handkarten zum Ausspielen auf die Hand. Dadurch kann man etwas mehr planen, ein wenig Spielgefühl geht dadurch jedoch verloren.

Glücksfaktor?

Die Auslage der Personen ist dem Zufall geschuldet. Idealerweise liegt der Rattenfänger immer zusammen mit vielen Ratten aus, sodass es sich lohnt ihn zu bestechen. Natürlich ist dies eher ein Glücksfall. Man spiel in jedem der drei Durchgänge alle eigenen Karten, muss aber immer welche zum Drafting hergeben. Eine Entscheidung, die selten leicht fällt. Ich selbst möchte gerne diese Aktion spielen, aber ich kann dem Spieler nach mir diese Aktion nicht überlassen…Diesen Glücksanteil finde ich vollkommen akzeptabel und behindert das Gelingen der immer gleichen Strategie.

Fazit:

Ich bin ja ein großer Fan der alea-Spiele und dieses ist besonders gelungen. Es gibt viele Wege an Siegpunkte zu gelangen, aber man muss sich auf wenige konzentrieren, um als Sieger hervor zu gehen. Dafür hat man im ganzen Spiel nur 18 Aktionen, doch durch das Drafting weiß ich nicht welche Aktionen ich bekomme. Das erfordert manches Mal ein taktisches umplanen. Und nicht immer erscheint es sinnvoll den Schritten auf der Seuchenleiste zu entgehen, manchmal kann es lukrativer sein, die Punkte und den Einflussstein zu verlieren, weil man im Gegenzug mehr Punkte erhält. Notre Dame bringt viele Punkte, wenn man dort alleine steht, doch genau das möchte man bei den Mitspielern auch verhindern. Das Drafting führt zwangsläufig dazu, sich auch von guten Karten trennen zu müssen. Doch sollte man beobachten was die Mitspieler vorhaben könnten, um ihnen keine Steilvorlagen zu bieten. Der individuelle zusammensetzbare Spielplan macht optisch wirklich was her und auch das Spielprinzip schreit in jeder Besetzung nach weiteren Partien. Dabei ist der Einstieg einfach und neue Spieler finden sich in Notre Dame meist schnell zu recht, haben in folgenden Partie dennoch einiges zu entdecken. Die Dauer einer Partie ist mit gut 60 Minuten bei geübten Spielern auch genau richtig.

Durch die Personenkarten verläuft jede Partie ein wenig anders, worauf sich die Spieler einstellen sollten. Damit sind nicht nur die unterschiedlichen Bestechungsoptionen gemeint, sondern vor allem die Zusammensetzung der Ratten auf den Personenkarten. Die neuen Personen haben eine etwas andere Ausrichtung als die im Grundspiel enthaltenen Personen. Letztere bieten vor allem Aktionen in Abhängigkeit eigener Einflusssteine in den Stadtvierteln, die Neuen belohnen auch mal wenige eingesetzte Einflussteine oder einen hohen Seuchenwert. Für anhaltenden Spielspaß ist damit auf jeden Fall gesorgt. Meiner Meinung nach auch 10 Jahre später noch ein rundum gelungenes Spiel.

Wertungsnote 6/6

Verlag: alea / Ravensburger
Autor(en): Stefan Feld
Erscheinungsjahr: 2017 (2007)
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 45 – 75 Minuten

Vielen Dank an Ravensburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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