Orléans

Orléans Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Orléans war für mich dieses Jahr der Favorit für den Titel Kennerspiel des Jahres. Es bietet viele verschiedene Möglichkeiten an Siegpunkte zu gelangen, den besten Weg muss jeder für sich herausfinden. Dieses Vielspielerhighlight aus dem Hause dlp games nach der Idee von Reiner Stockhausen, versetzt die Spieler thematisch ins Mittelalter, kann aber auch Familienspieler schnell für sich begeistern. Es ist kein klassisches Worker-Placement-Spiel, denn das wird hierbei mit einem spannenden Bagbuilding-Mechanismus kombiniert. Gerade erst wurden die Gewinner des deutschen Spielepreises bekannt gegeben. Dabei konnte sich Orléans auf dem zweiten Platz hinter „Auf den Spuren von Marco Polo“ platzieren.

Spielmaterial:

In die Tischmitte kommt ein großer Spielplan mit Personenleisten und Ablageflächen für die Personenplättchen, Technikplättchen, Waren sowie Stundenglaskarten auf der einen Seite und einem Landschaftsplan auf der anderen Seite. Der Landschaftsplan zeigt Städte und deren Verbindungen über Land- und Wasserwege. Auf diese Verbindungen werden blind gezogene Waren an die vorgegebenen Plätze gelegt und dann sofort aufgedeckt. Die restlichen Waren werden offen auf dem Warenmarkt ganz links abgelegt. Über den gesamten Plan verläuft im unteren Bereich die Entwicklungspunkteleiste. Ein kleinerer Spielplan mit dem Titel „Segensreiche Werke“ kommt daneben. Auf allen Feldern, auf denen ein Bürger abgebildet ist, wird ein Bürgerplättchen gelegt.

Jeder Spieler erhält vier eigene Personenplättchen, 10 Kontore und eine Händlerfigur, jeweils in Spielerfarbe, sowie ein Spielertableau und einen Stoffsack. Die Händlerfiguren starten in der Stadt Orléans. Zudem werden sieben farblich passenden Holzwürfel auf die Personenleisten und die Entwicklungspunkteleiste platziert, um den Fortschritt anzuzeigen. Als Personenplättchen stehen folgende zur Verfügung: Bauer, Schiffer, Handwerker, Händler, Ritter, Gelehrter. Je nach Fortschritt auf der zugehörigen Leiste, stehen dem Spieler bestimmte Boni zur Verfügung. Außerdem kann man Mönche anwerben, die als einzigen Bonus die vielfältige Einsatzmöglichkeit bieten, da man sie für jede andere Person einsetzen kann.

Abseits der Spielpläne werden sowohl die Münzen mit den Werten 1, 5 und 10, als auch die Ortskarten nach Kategorie I und II getrennt bereitgelegt. Hinzu kommt das letzte Bürgerplättchen, das keinen Platz auf den Spielplänen hat.

Spielmechanismus:

Alle Spieler beginnen mit 5 Münzen und ihren persönlichen Gefolgsleuten (Bauer, Handwerker, Händler, Schiffer), welche sie im unteren Bereich des Spielertableaus auf dem Markt platzieren. Im oberen Bereich sind bei allen Tableaus die gleichen Orte zu sehen. Man muss dort die angegebenen Gefolgsleute einsetzen, um die Aktionen der Orte nutzen zu können. Das Spiel geht über 18 Runden, die jeweils in sieben Phasen ablaufen. Klingt zunächst wahnsinnig viel, ist aber nicht einmal halb so schlimm wie befürchtet 😉

Orléans Spielplan

Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Der jüngste Spieler beginnt und erhält den Startspielermarker. Nun folgen die sieben Phasen in dieser Reihenfolge:

Phase 1 – Stundenglas

Das oberste Stundenglasplättchen wird aufgedeckt und gibt an, welches Ereignis in der folgenden Runde eintritt. Die Wallfahrt gibt vor, dass nun keine Mönche angeworben werden dürfen. Alle anderen Ereignisse treten erst am Rundenende in Kraft.

Phase 2 – Volkszählung

Es wird ausgewertet wer die wenigsten bzw. die meisten Bauern besitzt. Entsprechend müssen die Spieler eine Münze abgeben oder bekommen eine Münze. Bei Gleichstand auf diesen Positionen passiert nichts.

Phase 3 – Gefolgsleute

Die Spieler ziehen die erlaubte Anzahl Gefolgsleute-Plättchen aus dem Beutel. Diese Anzahl kann jeder Spieler an der Ritterleiste ablesen. Die Plättchen werden auf dem Markt platziert. Es können niemals mehr Plättchen gezogen werden, als Platz auf dem Markt ist.

Phase 4 – Planung

Nun wird geplant, welche Gefolgsleute man an welchen Orten einsetzen möchte. Das passiert bei allen Spielern gleichzeitig. Da man dies nicht verdeckt tut, kann es passieren, dass man in einen Kreislauf gerät, weil die Spieler anhand der Aktionen der Konkurrenten immer wieder ihre Gefolgsleute um platzieren. Wenn dies eintrifft, werden die Gefolgsleute anhand der Spielerreihenfolge platziert. Man kann auch einzelne Personen platzieren, die alleine noch keine Aktionen auslösen können. Die Personen bleiben für die kommende Runde liegen. Wenn man die Person später lieber woanders einsetzen möchte, kann man dies tun, indem in Phase 3 eine Person weniger aus dem Beutel gezogen wird.

Orléans Spielertableau

Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Phase 5 – Aktionen

Nun führen die Spieler ausgehend vom Startspieler nacheinander entsprechend der eingesetzten Gefolgsleute jeweils eine Ortsaktion aus und befördern die dortigen Personenplättchen zurück in den Beutel. Im oberen Bereich des Spielertableaus sind Aktionen verfügbar, die sich auf den Landschaftsplan beziehen. Man kann per Schiff über Wasserwege, mit dem Wagen über Landwege reisen oder ein Kontor an einem Ort bauen, an dem sich die eigene Händlerfigur befindet. Wobei in jedem Ort außer Orléans nur ein Kontor stehen darf. Die Personenaktionen ermöglichen es dem Spieler sich ein weiteres Personenplättchen zu nehmen, das in den eigenen Beutel gelangt und zudem auf der entsprechenden Leiste vorzuziehen. Durch das Ziehen auf der Leiste werden die Boni ausgelöst. Die Personenplättchen sind jedoch begrenzt. Wenn keine mehr vorhanden sind, darf auch die Aktion nicht genutzt werden. Hat man weitere Ortskarten ausliegen, dürfen diese ebenfalls genutzt werden.

Phase 6 – Ereignis

Nun tritt das Ereignis ein, wenn es sich nicht um die Wallfahrt handelt. Je nach Ereignis erhält man einen Bonus oder muss etwas abgeben. Bei der Pest verliert man einen seiner Gefolgsleute, der blind aus dem Beutel gezogen werden muss. Dieser kommt zurück auf den Spielplan und steht wieder allen Spieler zur Verfügung. Nur wenn man einen seiner eigenen, farblich markierten Gefolgsleute zieht, kann man der Pest entkommen ohne einen Gefolgsmann zu verlieren.

Phase 7 – Wechsel

Der Startspielermarker geht an den im Uhrzeigersinn nächsten Spieler.

Spielende:

Nach der 18. Runde endet das Spiel. Man muss dabei nicht mitzählen, sondern kann anhand der Anzahl der Stundenglasplättchen erkennen, wie viele Runden noch folgen. Der Spieler mit den meisten eingesetzten Kontoren, erhält das übrige Bürgerplättchen. Es folgt die Endabrechnung. Jede Münze ist einen Punkt wert. Die Waren haben unterschiedliche Wertigkeiten, für Brokat erhält man 5 Punkte, für Wolle, Weil, Käse und Getreide in dieser Reihenfolge jeweils einen Punkt weniger. Zu guter Letzt werden die eigenen gebauten Kontore mit den eigenen Bürgerplättchen addiert und die Summe daraus mit dem Wert der Entwicklungsstandes multipliziert. Bei einem Gleichstand entscheidet, wer auf der Entwicklungsleiste weiter vorne steht.

Spieleranzahl:

Im Spiel zu zweit oder zu dritt kommen weniger Gefolgsleute und weniger Waren ins Spiel. Somit wird erreicht, dass es keinen Überfluss dieser Ressourcen gibt und eine Konkurrenzsituation entsteht. Umso weniger Spieler, desto seltener kommt man sich aber auf dem Landschaftsplan in die Quere. Wobei zumindest um die hochwertigen Waren dennoch ein Wettkampf entstehen kann. Denn wer, wann, welche Wege nimmt entscheidet darüber, wer die wertvollen Waren an sich nehmen darf. Auch zu zweit kann es daher Spaß machen, wobei es mir mit mehr Spielern durchaus besser gefällt.

Glücksfaktor?

Bei Orléans muss man ein Gefühl dafür entwickeln, welche Kombinationen von Aktionen erfolgreich sind. Man kann nicht alle Personenleisten komplett ausnutzen, muss sich entscheiden welche Aktionen man im Fokus hat. Man sollte einen Plan haben, welche Personenplättchen man benötigt und es auf diese absehen. Auch wenn es schwer fällt, muss man sich von einigen Gefolgsleuten mit der Zeit trennen. Denn diese erschweren das Nachziehen, wenn man für eine Aktion einen bestimmten Gefolgsmann benötigt. Zudem erhält man Münzen und ggf. Siegpunkte oder Bürgerplättchen, wenn man Gefolgsleute an die segensreichen Gebäude entsendet. Bei den Reisen auf dem Landschaftsplan muss man auch die Aktionen der Mitspieler beachten, weil Waren auf der Reiseroute schon weg sein können oder die Stadt bereits besetzt, wenn die Mitspieler vor einem reisen dürfen. Daher ist die Reihenfolge, in der man seine geplanten Aktionen durchführt, von großer Bedeutung. Auch bei der Aktion Rathaus kann es entscheidend sein, wann man seine Personen dorthin entsendet, falls mit dem Zug eines Mitspielers ein segensreiches Werk fertiggestellt wird. Es kann zweckmäßig sein alle Personen vom Markt auf Aktionsfeldern zu platzieren, auch wenn man diese noch nicht nutzen kann, damit der Markt in der kommenden Runde mit der vollen Personenanzahl aufgefüllt werden kann.

Fazit:

Ein großartiges Spiel, was in seinen Aktionsmöglichkeiten recht komplex ist, aber trotzdem einen einfachen Einstieg ermöglicht. In der Regel lesen sich die 18 Runden in je 7 Phasen erst einmal unendlich viel, aber die meisten Phasen sind im Nu erledigt. Es gibt viele Elemente, die für Variabilität sorgen. Die Stundenglasplättchen und die Waren auf dem Landschaftsplan für alle Spieler, aber auch die Wahl der Personen oder Ortskarten für jeden einzelnen Spieler. Dadurch wird der hohe Wiederspielreiz erreicht. Kleiner Haken: Das Badehaus ist, wie im dlp games FAQ erörtert, auch meiner Meinung nach viel zu stark und wird bei uns immer aussortiert. Wer Wert auf hochwertiges Material legt, kann sich das Upgrade-Kit mit Holzfiguren bestellen. Und wer von Orléans einfach nicht genug bekommen kann, der kann sich schon jetzt die große Erweiterung Orléans Invasion [UPDATE: Vorbestellzeitraum abgelaufen] für Essen vorbestellen. Ich bin sehr gespannt auf diese kooperative Erweiterung, bei der auch Inka und Markus Brand ihre Ideen einbringen durften.

Wertungsnote 5/6

Verlag: dlp games
Autor(en): Reiner Stockhausen
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Dauer: ca. 90 Minuten

Vielen Dank an dlp games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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