Riga

Riga Cover

Cover / Foto: Ostia Spiele

Über die Kartenspiele der Ostsee-Reihe des Ostia Verlags habe ich euch bereits in einer Brettgeschichte erzählt. Nun wurde der dritte Teil von Autor Stefan Risthaus mit dem Titel Riga produziert und an die Unterstützer ausgeliefert. Wer beim Crowdfunding nicht dabei war, kann es spätestens auf der Spiel’17 in Essen erwerben. Bis dahin ist es am kommenden Wochenende bei Stadt, Land, Spielt! in der Stadtbücherei Braunschweig oder Anfang Oktober bei Modell, Hobby, Spiel in Leipzig zu erwerben. Statt wie beim Vorgänger Tallin, wo die Spieler als aufstrebende Bürger versuchten, bei den drei großen Berufsständen Ansehen zu erlangen, versuchen die Spieler in Riga als Handelsfamilie Fuß zu fassen. Wir haben das Spiel nun etwas ausgiebiger unter die Lupe genommen und gespielt, um euch an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Spielmaterial:

Im diesem Spiel sind 44 Waren- und 48 Gebäudekarten enthalten, dazu eine Startspielerkarte mit dem Rundenablauf und eine Trennkarte für die Gebäude. Für etwas Abwechslung gibt es für jeden Spieler die vier identischen Riga-Gebäude, die dem Spiel optional hinzu gefügt werden können.

Leider ist es bei einer Gebäudeart zu Druckfehlern gekommen, die Einfluss auf den Spielverlauf nehmen, wenn man mit den abgedruckten Werten spielt. Man kann sich die Originalregel dazu merken, oder sich beim Verlag eine PDF-Datei mit korrigierten Versionen herunterladen und ausdrucken. Zudem sind dort Spielerkarten in verschiedenen Farben mit dem Rundenablauf vorhanden.

Spielmechanismus:

Eine Runde repräsentiert ein Jahr im Leben der Handelsfamilien, die von Riga aus Einfluss erlangen wollen, um das baltische Meer zu regieren. Im Frühjahr werden Warenkarten in Reihen aufgedeckt, sodass jede Reihe mindestens den Wert 9 ergibt. Zudem tauchen neue Gebäude auf, die aus der vorherigen Runde veralten und bereits veraltete werden entsorgt, sodass regelmäßig Platz für neue Gebäude geschaffen wird, die Auswahl dabei aber gering bleibt. Im Sommer und Herbst werden die Züge der Spieler ausgeführt, zunächst in Spielerreihenfolge, dann genau umgekehrt. Pro Zug hat ein Spieler die Wahl eine Reihe von Warenkarten oder ein Gebäude auf die Hand zu nehmen. Anschließend dürfen bis zu drei Gebäude von der Hand ausgespielt, also errichtet werden, wenn man die Kosten dafür zahlen kann. Diese zahlt man durch Abgabe der Warenkarten, jede Warensorte hat einen fest Wert, der in einer Stadt höher ausfällt und in einer Stadt gar nicht akzeptiert wird. Beim Bau mehrerer Gebäude dürfen nur dann mehrere Karten die Gesamtsumme ergeben, wenn die Gebäude zu einem Ort gehören. Ansonsten darf man überbezahlen, erhält allerdings kein Rückgeld. Jedes Gebäude ist vier Mal enthalten, eines in jeder der vier Städte Visby, Tallinn, Stockholm und Danzig.

Die Gebäude geben neben drei bis sechs Siegpunkten einen einmaligen oder anhaltenden Bonus. Ein einmaliger Bonus wird nach dem Benutzen mit einer anderen Karte abgedeckt, während anhaltende Belohnungen offen liegen bleiben. Der Herbst verläuft wie der Sommer, aber in umgekehrter Spielerreihenfolge, sodass ein Spieler zwei direkt aufeinander folgende Züge ausspielt. In den Winter darf jeder Spieler nur sechs Handkarten mitnehmen und der Startspieler wechselt.

Riga Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Riga-Gebäude können optional hinzu genommen werden, jeder Spieler erhält dann alle vier Gebäude. Sie sind [UPDATE 06.09.17]keiner Stadt der Stadt Riga, also einer fünften Stadt,[UPDATE ENDE] zugeordnet und kosten alle 6 Dukaten. Ansonsten unterliegen sie den gleichen Regeln, wie die anderen Gebäude.

Spielende:

Das Spiel endet nach 8 bzw. 9 gespielten Jahren. Die Punkte auf den ausgespielten Gebäudekarten werden addiert, nicht ausgespielte Gebäudekarten werden mit Punktabzug bestraft. Sieger wird der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Spieleranzahl:

Die Spieleranzahl entscheidet darüber, ob 8 oder 9 Jahre gespielt werden, damit jeder gleich häufig Startspieler sein konnte. Die Anzahl der Gebäude und Warenkartenreihen sind ebenfalls abhängig von der Spielerzahl. Zu zweit macht Riga durchaus Spaß, besser wird es jedoch mit mehr Konkurrenz, gegen die man sich behaupten muss. Zu zweit spielt es sich recht flott in einer halben Stunde, da ist der einzelne Spieler auch schneller wieder an der Reihe. Zu viert sollte man schon eine Stunde Spielzeit einplanen, vor allem mit Einsteigern.

Glücksfaktor?

Es ist schon sinnvoll einen Plan zu verfolgen und Kartenkombinationen auszuspielen. Wenn man im gleichen Zug mehrere Gebäude der selben Stadt errichtet, kann man die Kosten addieren, um weniger Geld zu „verschenken“. Glück spielt beim Auftauchen der Karten hinein. Bei den Warenkarten entscheidet die Reihenfolge beim Aufdecken, welchen Wert zwischen 9 und 13 eine Reihe hat wie lukrativ sie dadurch wird. Doch benötigt man auch Gebäude, in denen eben diese Waren verkauft werden können. Versteift man sich durch die errichteten Gebäude auf Boni für eine bestimmte Warensorte und diese kommt dann lange Zeit nicht, ist das unbefriedigend.

Fazit:

Ein interessantes Spiel in kleiner Schachtel. Der Spielablauf ist schnell erklärt, auch Wenigspieler finden leicht den Einstieg. Nur die Funktionen der einzelnen Gebäude müssen in den ersten Partien noch nachgelesen werden. Die zu treffenden Entscheidungen im Spiel sind anspruchsvoll. Der Startspieler hat den Vorteil des ersten Zugriffs auf die ausliegenden Karten, allerdings kann danach viel passieren, bis er wieder einen Zug ausführt. Da hat es der letzte Spieler in Spielerreihenfolge besser, denn er führt zwei Aktionen direkt hintereinander aus, niemand kann ihm dazwischen funken. Dafür können interessante Karten bereits vergeben sein, bis er zum Zug kommt.

Das erweiterte Spiel mit den Riga-Gebäuden konnte uns nicht überzeugen, wir spielen lieber ohne sie. Sie bringen interessante Vorteile, aber für alle Seiten, da es sich selten lohnt, die nicht ausgespielten Karten bei Spielende als Minuspunkte in Kauf zu nehmen. Es ist in jeder Partie spannend, die zur Verfügung stehenden Waren und Gebäude effektiv zu kombinieren und dadurch die wertvollste Stadt aufzubauen. Von allen Spielern der Ostsee-Reihe empfinde ich Riga als das anspruchsvollste und für mich persönlich interessanteste.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Ostia Spiele
Autor(en): Stefan Risthaus
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl:  2 – 4 Spieler (erweiterbar auf 6 Spieler)
Dauer: 30 – 50 Minuten

Vielen Dank an Ostia Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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