Rückblick Spiel des Jahres 2015

Bereits um 4:20 Uhr klingelte am Montagmorgen der Wecker – und das an einem Urlaubstag! Ich wollte jedoch gerne bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Spiel des Jahres dabei sein. Warum eigentlich? Da gibt es viele Gründe: Urlaub war eh bereits genehmigt. Zu Hause wäre ich aufgrund der Verleihung an den PC gebunden gewesen um von der Verleihung zu lesen. Ich sah dies als Möglichkeit, andere Blogger, Verlagsmitarbeiter, Autoren, Jury-Mitglieder etc. kennen zu lernen. Also stand ich früh morgens mit meiner Brötchentüte an Bahnhof in Braunschweig. Die Temperaturen waren angenehm, 23 Grad um die Uhrzeit, da kann man mit leben 😉 Die Freude über das Gewitter am Vortag sollte aber bald nachlassen, auf der Anzeigetafel stand zwar bereits + 5 Minuten, aber das ist man ja bei der Bahn gewohnt. Als ich jedoch erfuhr das ein Teil der ICE-Strecke gesperrt wäre und mir 60 Minuten später Berlin erreichen werden, dazu noch viele Personen in den Zug einsteigen, die gestern Abend schon Berlin erreichen wollten, war ich bereits bedient. Im proppenvollen Zug dann einen Platz am Türeinstieg gewählt, hier hatte ich meine Ruhe und konnte es mir einigermaßen gemütlich machen. Durch die Streckenänderung waren auch bis Berlin kein Halt zu erwarten. Kurz vor 9 Uhr dann endlich Ankunft am Berliner Hauptbahnhof. Eigentlich wollt ich hier gemütlich frühstücken, aber das hatte ich ja bereits auf der Fahrt erledigt.

Weiter ging es zum Ku’damm, genauer gesagt zum Kempinski Hotel. Vor der Tür standen bereits Hunter, Matthias Nagy, Arne Spillner und weitere bekannte Gesichter aus der Brettspielszene bereit. Ich sammelte also meinen ganzen Mut zusammen und stellte mich ihnen vor. Ich wurde ganz herzlich begrüßt und habe mich auch direkt an sie dran gehängt. Kurz darauf saßen wir bereits im Saal und warteten auf die Enthüllung der Pöppel. Bernhard Löhlein und Tom Felber begrüßten die Anwesenden. Die einleitenden Worte waren sehr gut gewählt, es wurde ausdrücklich erwähnt, dass der Jury egal sei aus welchem Land ein Spiel stammt, das Spielerlebnis steht im Vordergrund. Es sei kein Kampf der Nationen! Dann folgte schon die Video-Vorstellung der drei Nominierten zum Kennerspiel des Jahres in alphabetischer Reihenfolge. Die Autoren und Verlage erhielten ihre Nominierungsurkunden und dann wurde es spannend: Langsam wurde der Vorhang vom Pöppel entfernt und darunter verbarg sich *Trommelwirbel* Broom Service von alea. Da hatte ich wohl den richtigen Riecher. Dies war zwar nicht mein persönlicher Favorit, aber mein Tipp für die Jury-Entscheidung.

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KSdJ15 / Foto: Brettspielpoesie

Die Umbaupause, um den roten Pöppel auf die Bühne zu bringen, wurde für einen kurzen Zusammenschnitt der Verleihung zum Kinderspiel des Jahres in Hamburg genutzt. Und dann wurde die Spannung immer größer, wieder wurden die drei Nominierten vorgestellt und obwohl es mir selbst ja eigentlich egal sein könnte, da ich an keinem der Spiele irgendwelche Anteile hatte, war auch ich ganz aufgeregt. Genau wie die möglichen Gewinner in der ersten Reihe. Die weiteste Anreise hatte wohl Masao Suganuma aus Japan, der zum ersten Mal deutschen Boden betreten hatte. Zusammen mit einem Team von Kosmos-Mitarbeitern, die alle in hübschen Machi Koro-Shirts gekleidet passende Fähnchen schwenkten. Gute Chancen hatten alle Spiele, mein Respekt geht an die Jury, die hier eine Entscheidung treffen musste. Enthüllt wurde dann zu meiner Überraschung *Trommelwirbel* Colt Express vom französischen Verlag Ludonaute. Das Spiel, für die kein wilder Western die Vorlage war, sondern Lucky Luke-Comics. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle nochmal! Eine mutige Entscheidung der Jury, die damit aber verdeutlicht, dass sie nicht das beste Familienspiel des Jahrgangs sucht, sondern ein besonderes Spielerlebnis als vielfältiges Kulturgut. Und da ist Colt Express einfach mal neu und anders.

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SdJ15 / Foto: Brettspielpoesie

Die Gewinner posierten für Fotos mit dem Pöppel auf der Bühne, da war die Veranstaltung auch schon vorbei. Ich stellte mich noch weiteren Personen vor und wurde in das ein oder andere interessante Gespräch verwickelt. Einen Raum weiter hatte man jetzt die Möglichkeit, die Spiele zu begutachten, die Verlags-Mitarbeiter und natürlich auch die Autoren zu sprechen. So erfuhr ich von Masao Suganuma, dass neben der großen Erweiterung, die im Herbst auch im Kosmos Verlag erscheint, keine Erweiterung mehr geplant ist. Denn das würde nur mit einem weiteren Würfel funktionieren, was wiederum das Spiel zu sehr verkomplizieren würde.
Autor Steffen Benndorf fand an der Entscheidung der Jury vor allem schade, dass nach Camel Up nun wieder ein Spiel gekürt wurde, welches erst ab 4 Spielern gut funktioniert. Wohingegen The Game auch als Solospiel reizvoll ist. Es wäre nach Sherlock Holmes Criminal Cabinet erst der zweite Preisträger gewesen, der über eine Solo-Variante verfügt. Er war übrigens selbst überrascht, wie gut seine Spielidee funktionierte, nachdem er die ersten Testpartien hinter sich hatte.

Colt Express Stand

Stand / Foto: Brettspielpoesie

Von Ludonaute, den Machern vom Siegertitel, waren Pläne zu zwei Erweiterungen zu Colt Express zu erfahren. Einmal mit Pferden und Geiseln und später soll man den Marschall aktiv spielen können. Es bleibt also spannend, wie sich das Spiel noch weiter entwickeln wird.
Bei Elysium und Broom Service gab es nicht nur die Spiele und deren Autoren zu sehen, sondern auch als Hauptfiguren verkleidete Personen, welche die Blicke auf sich zogen.

Stand Broom Service

Stand / Foto: Brettspielpoesie

Die Mitarbeiter am Stand von Orléans hatten, sehr zu meiner Freude, neben der Promo-Postkarte auch die drei neuen Ortsplättchen dabei. Schade, dass es für ihr Spiel nicht gereicht hat, aber die Nominierten waren ebenfalls alle drei wirklich gute Anwärter auf den Preis. Daher hoffe ich sehr, dass auch die Nominierten im Gedächtnis bleiben, verdient hätten sie es. Auch wenn mir selbst auf der Empfehlungsliste einige Spiele zu wenig beachtet wurden. Evolution im Zusammenhang mit dem Spiel des Jahres und Five Tribes als Nominierung oder Empfehlung zum Kennerspiel des Jahres hätte ich mir gut vorstellen können. Nach der ersten Partie von Cacao, war ich überzeugt, dass ich das neue Spiel des Jahres in der Hand halten könnte. Aber ich denke, dass die Jury einen guten, obwohl wirklich harten, Job macht und denke das ihre Entscheidung ein gutes Gemeinschaftsprodukt ist.

Als der Presseraum schon langsam abgebaut wurde, sich die Besucherzahl immer weiter verringerte, mein Handyakku wieder etwas Power hatte und ich die ersten Eindrücke zu Papier gebracht hatte, verlies ich das Hotel und genoss den sonnigen Tag in der Hauptstadt. Bevor ich abends am Ostbahnhof in meinen Zug gen Heimat einstieg, lies ich es mir jedoch nicht nehmen der Spielwiese einen Besuch abzustatten. Dort traf ich einige bekannte Gesichter vom Vormittag. Das Kosmos-Team rund um die japanischen Gäste war bereits vor Ort. Sebastian Wenzel kam hinzu und zusammen mit Michael von der Spielwiese testeten wir den neuen Anwärter auf die Nachfolge von Looping Louie als Partyspiel. Auch wenn ich anfänglich bei Crazy Coconuts chancenlos wirkte, lernte ich schnell dazu und konnte die Jungs besiegen. Das ständige Suchen und Aufheben der Kokosnüsse disqualifiziert es jedoch meiner Meinung nach als Nachfolger für das beliebte Saufspiel. Leider hatte ich für weitere Spiele keine Zeit mehr und musste die Spielwiese verlassen, bevor weitere Autoren, wie zum Beispiel Andreas Pelikan, eintrafen. Bei meinem nächsten Besuch auf einen Montag in Berlin, werde ich sicher eine spätere Abfahrt einplanen. Und sollte die Berlin Con im kommenden Jahr wieder am Wochenende vor der Pressekonferenz stattfinden, wäre das eine gute Möglichkeit beide Veranstaltungen zu verbinden. Ein wenig müssen wir uns noch gedulden, aber ich freue mich schon jetzt auf Essen und den neuen Spielejahrgang, von dem die ersten Spiele ja bereits erhältlich sind.

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