Russian Railroads: German Railroads

German Railroads Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Russian Railroads wurde 2014 mit dem „Deutschen Spielepreis“ ausgezeichnet. Was ich von diesem Spiel halte, habe ich euch ja vor Kurzem erst dargestellt. Ein großartiges Workerplacement-Spiel mit vielen verschiedenen Strategien, welche richtig eingesetzt zum Sieg führen können. Nur ein Jahr nach der Preisverleihung ist mit German Railroads bereits die erste große Erweiterung erschienen. Sie besteht aus vier einzelnen Elementen, welche (fast) beliebig mit dem Grundspiel kombiniert werden können. Für noch mehr Abwechslung und sogar Solo-Spielspaß. Was genau sich hinter der Erweiterung verbirgt, erläutere ich euch in dieser Rezension.

German Railroads besteht aus den vier Modulen:

  • Deutschland
  • Kohle
  • Solo-Variante
  • neues Spielmaterial

Die Spielanleitung wurde ähnlich gestaltet wie beim Grundspiel, jedes Modul ist einzeln und gut nachvollziehbar beschrieben. Die Elemente der Erweiterung sind mit einer kleinen Deutschland-Karte versehen, sodass man das Material schnell und einfach auseinander sortieren kann.

Deutschland-Modul

Für Deutschland werden vier neue Spielertableaus mit deutschen Eisenbahnstrecken, 18 Streckenausbauten in drei Größen, ovale Einkommensmarker und ein weiterer Industriemarker benötigt. Das Spiel wird analog zum Grundspiel aufgebaut, nur die Spieler-Tableaus werden ausgetauscht und das weitere Material des Moduls bereit gelegt. Die Strecken sind auf den Spieler-Tableaus nicht komplett vorgezeichnet und an den gleichen drei Stellen offen gelassen. Erreicht ein Spieler nun zum ersten Mal einen nicht vorgezeichneten Streckenabschnitt, wählt er aus den verfügbaren Ausbauten der entsprechenden Größe einen aus und platziert ihn dort. Die angegebenen Soforteffekte (Einkommensmarker, zuästzlicher Arbeiter, ?-Plättchen, Punkte, etc.) gelten also nur für den Spieler, der sich für den Streckenabschnitt entscheidet und wenn er diese mit Gleis oder Lok erreicht. Der Pfeil bedeutet, dass man sich aus den Einkommensmarkern einen aussuchen darf. Diese können jede Runde genutzt werden und ermöglichen die angegebenen Funktionen einmalig pro Runde. Zudem können die naturfarbenen Gleise auf allen Strecken gebaut werden, man bekommt aber weiterhin nur zwei davon, muss sich also entscheiden auf welcher Strecke man sie nutzen möchte.

German Railroads Deutschland

Spielertableau Deutschland / Foto: Brettspielpoesie

Kohle-Modul

25 Kohleloren aus Holz, eine Startbonuskarte mit einer Kohlelore als Bonus, ein Kohle-Tableau sowie 12 Gießereien bilden das Kohle-Modul. Und ein Abdeck-Kreuz, da Partien mit Kohle eine Runde weniger dauern als ohne. Die Spieler erhalten zu Beginn eine weitere Münze und eine Kohlelore. Das Kohle-Tableau verfügt über drei neue Aktionsmöglichkeiten:

    • Einen Arbeiter einsetzen, um eine Kohlelore zu erhalten
    • Für eine Münze erhält man eine Kohlelore und eine der beiden offen ausliegenden Gießereien
    • Zwei Kohleloren können für einen Heizer eingetauscht werden

Im Zwei-Spieler-Spiel sind die ersten beiden Optionen ein Doppelfeld. Nur eine der beiden Optionen kann von einem Spieler pro Runde genutzt werden.

German Railroads Kohle

Kohle Modul / Foto: Brettspielpoesie

Die Gießereien bieten Aktionen, welche man einmalig pro Runde mit Kohle statt Arbeitern auslösen kann, wenn sie vor einem ausliegen. Dies geschieht zusätzlich zu der normalen Arbeiter-Aktion. Nach der Nutzung einer Gießerei kann man diese jederzeit schließen und sie mit ihrer Rückseite als Heizer einsetzen. Ein Heizer kann vor eine beliebige Lok gelegt werden, um dessen Reichweite dauerhaft um 1 zu erhöhen. Auch Fabriken können mit Heizern versehen werden, um die Aktion doppelt auszuführen, wenn man mit einem Industriemarker darüber zieht.

Solo-Variante

German Railroads Emil

Solo-Variante Emil / Foto: Brettspielpoesie

Für den Solo-Spielspaß erhält man 20 Spielkarten und ein Abdeckkreuz. Eigentlich bin ich kein großer Solo-Spieler, aber diese Solo-Variante weiß durchaus zu gefallen. Sie kann in beliebiger Kombination mit den Spielertableaus des Grundspiels, den Deutschland-Tableaus und der Kohle-Erweiterung gespielt werden. Man spielt gegen den virtuellen Gegner Emil, der Aktionsfelder blockiert, indem man Karten aufdeckt. Damit es nicht zu langweilig wird, blockiert er nur Aktionen, die der Spieler zum aktuellen Zeitpunkt selbst nutzen könnte. Wenn der Spieler bestimmte Siegpunktwerte erreicht, bekommt Emil einen weiteren Arbeiter, den er fortan einsetzen kann. Die Münzaktion steht in dieser Variante nicht zur Verfügung, der Spieler beginnt daher mit 5 Münzen und muss damit gut haushalten. Eine Bewertungsskala anhand der erreichten Punktzahl existiert nicht, da die Punktzahl stark von der Ausgangslage abhängt (Russian oder German Railroads). Mir persönlich hat die Solo-Variante mit den Original-Spielertableaus am besten gefallen.

Neues Spielmaterial

Als neues Spielmaterial gibt es Ingenieure, ?-Plättchen, eine Fabrik und einen neuen Aufwerter. Alles aus gewohnt hochwertigem, langlebigen Material. Es ist nicht komplett optional zu sehen, denn die Fabrik und die zugehörige ?-Karte, das ?-Plättchen und der Bergbau-Ingenieur mit der Kohle können nur zusammen mit der Kohle-Erweiterung gespielt werden und es wird empfohlen Kohle nur mit diesem Material zu spielen. Der Ingenieur ermöglicht es beim Einsetzen eines Arbeiters zwei Kohleloren zu erhalten, das ?-Plättchen bringt bei Einsatz vier Kohle. Die ?-Karte bringt 2 Kohle und die Kohlefabrik mit. Sie ermöglicht zwei Schritte mit dem schwarzen Gleis zu machen und als Aktion (bis zu drei Mal) eine Kohle für weitere 2 Schritte mit dem schwarzen Gleis einzusetzen.

Darüberhinaus gibt es erstmalig Ingenieure, deren Aktionen eine Münze oder zwei Arbeiter kosten. Die Aktionen der Ingenieure sind alle nicht uninteressant. Drei Schritte mit grauen Gleisen oder jeweils einen Schritt mit den Gleisen in schwarz, grau und braun. Dann existiert noch ein Ingenieur mit Wert -10, der es ermöglicht eine Fabrik zu nutzen, unabhängig davon, wo der eigene Industriemarker steht. Außerdem ein Ingenieur der es ermöglicht aus den Startbonuskarten zwei zu ziehen und deren Aktion auszuführen. Das zweite ?-Plättchen bringt dem Spieler 4 Münzen ein. Mittels einer weiteren ?-Karte kann ein neuer Aufwerter erworben werden, der auch schon für die grauen Gleise mehr Punkte einbringt.

Fazit:

Der Glücksfaktor wird von dieser Erweiterung nicht beeinflusst, es bleibt ein hoher strategischer Anteil. Mir gefällt diese Erweiterung, besonders die Spielertableaus mit den Deutschland-Strecken und deren variabler Aufbau, sehr gut. Jeder Streckenabschnitt kann nur einem Spieler gehören, man sollte diese anhand der gewählten Strategie auswählen und sich früh entscheiden welche Wege man beschreiten möchte, bevor ein anderer den gewünschten Streckenabschnitt auswählen darf.

Das Kohle-Modul bringt viele neue Optionen hinein, das kann Neueinsteiger vielleicht etwas überfordern, für Russian Railroads Experten bringt es neuen Pepp in das Spiel. Zusammen mit den neuen Spielertableaus empfinde ich es allerdings als etwas überladen, würde also entweder das eine oder das andere spielen. Umso mehr Spieler, desto sinnvoller finde ich den Einsatz der Kohle, da man sich zu zweit mit Kohle ohne große Probleme aus dem Weg kann. Durch die Gießereien sind zwar zusätzliche Aktionen verfügbar, dies wird aber durch die Runde weniger gute kompensiert. Auch wenn es anfangs so erscheinen mag, dass man durch die fehlende Runde viel zu wenig Zeit bzw. Aktionen zur Verfügung hat.

Die Solo-Variante ist gut durchdacht und schafft es, dass eine Person alleine das Russian Railroads-Spielgefühl erleben kann. Anfangs fand ich es schade, dass es keine Bewertungsskala gibt, aber die zu erreichende Punktzahl hängt zu sehr vom restlichen Spielaufbau ab. Daher ist es sinnvoll, dass man sich selbst immer wieder verbessern soll und keine Wertung vorgegeben wird.

Das neue Spielmaterial ergänzt das Kohle-Modul sinnvoll. Die neuen Ingenieure, ?-Plättchen sowie -Karte bringen noch mehr Abwechslung ins Spiel. Insgesamt nur fünf statt sechs Punkten, da diese Erweiterung kein absolutes Muss darstellt und das Grundspiel alleine bereits einen hohen Wiederspielreiz hat, sich die Anschaffung aber durchaus lohnen kann.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Hans im Glück Verlag
Autor(en): Helmut Ohley, Leonhard Orgler
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 120 Minuten

Vielen Dank an Hans im Glück / Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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4 Gedanken zu “Russian Railroads: German Railroads

  1. Pingback: Russian Railroads: German Railroads - Brettspielfeed

  2. Immer und immer wieder lese ich aktuell von German und Russian Railroads. Und immer wieder stelle ich mir die Frage „ist das was für die meisten Spieler“? Oder ist das Setting für viele vielleicht uninteressant?
    Ich selbst finde es durchaus spannend – wie haben denn deine Spielgruppen auf RR und GR reagiert? Ist das Setting von besonderer „Wertungsbedeutung“ gewesen?

    • In unseren Gruppen kam anfangs teilweise Skepsis auf, aber gespielt wurde trotzdem und hinterher als gut befunden. Was eher abschreckt als das Setting ist die Regelerklärung, besonders für Einsteiger in die Welt der Worker Placement-Spiele.

  3. Hallo Sonja,
    durch Beeole bin ich hierher gekommen. Ich finde es gut dass du komplexe Eurogames rezensiert. Insbesondere zu solchen schönen Erweiterungen wie German Railroads finde ich (noch) zu wenig im Netz. Die Krönung wäre nun wenn du noch etwas zu euren Erfahrungen mit den unterschiedlichen Strategien schreiben würdest. Ich fand z. B. Den neuen Aufwerter in Kombination mit der St. Petersburg Strecke, bzw. dessen Äquivalent n German Railroads sehr stark. Oder: bei uns hat noch nie jemand versucht 3 Industriemarker zu verwenden, was in German Railroads ja möglich wäre. Zu solchen, tieferen Erkenntnissen liest man gar nichts im deutschsprachigen Internet 🙂

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