Schäferstündchen

Schäferstündchen Cover

Cover / Felix Mertikat

Am 1. März diesen Jahres ist es erschienen, ein neues Spiel mit Schafen in der Hauptrolle. Natürlich darf solch ein Spiel in unserer Sammlung nicht fehlen. Der erfolgreiche Comic-Zeichner Felix „Määährtikat“, wie er sich auf der Spielverpackung selbst bezeichnet, hat eine schöne Spielidee mit bezaubernden Motiven erstellt. Einen Verlag sucht man vergeblich darauf, der Autor hat seine bezaubernde Idee alleine umgesetzt. Dabei geht es um den Kampf um Schafe. Und zwar wollen die Dorfbewohner ihre Schafe vor den fiesen Räubern retten. Da kennt man keine Gnade und es entscheiden die Fäuste, wer das Schaf bekommt. Diese Brutalität steht im totalen Gegensatz zu den hellen, freundlichen Kartenmotiven Aber es funktioniert! Wie genau könnt ihr im folgenden Bericht erfahren.

Spielmaterial:

In Schäferstündchen gibt es Karten in zwei Größen: 12 große Rollenkarten zeigen die verfügbaren Rollen und deren Spezialfähigkeiten, jeweils 6 Räuber und Dorbewohner. Die 71 Spielkarten sind kleiner geraten, aber nicht weniger aufwändig gestaltet. Man erfreut sich beim Spielen immer wieder an den schönen Motiven, genauso wie an den wundervollen Humor der Kartentexte. Zu jeder Rollenkarte existiert ein zugehöriger Rollenmarker. Mit diesem bewegt man sich auf dem kleinen Spielplan, der auch auf kleinen Tischen Platz findet. Dann fehlen nur noch die 14 Schäfchen-Marker, die nicht alle gleich aussehen. Selbst hier hat man sich die Mühe gemacht und verschiedene Motive gewählt. Man kann sie aber auch problemlos durch Schaffiguren aus anderen Spielen ersetzen, da Kartonplättchen einfach nicht gut darin sind Schafe darzustellen. 😉

Gans mit Helm

Foto: Brettspielpoesie

Bei 5-6 Spielern können die Plättchen mit den Schafen leider schon mal knapp werden. Die Anleitung ist gut verständlich und enthält neben einer Beispielrunde auch die Abbildung einer Gans mit Helm, genau mein Humor 😀

Spielmechanismus:

Bevor es losgehen kann, wird entschieden ob jeder gegen jeden kämpft oder man in Teams antritt. Bei einer ungeraden Spieleranzahl wird jedoch immer alleine gekämpft. Die Spieleranzahl bestimmt wie viele Schafe (9 oder 11) ins Tal auf dem Spielplan kommen, welcher in der Spielmitte ausliegt. Alle Spieler ziehen verdeckt eine Rollenkarte. Man kann sich auch darauf einigen, sich eine Rolle gezielt auszusuchen. Beim Teamspiel müssen Teammitglieder Rollen derselben Fraktion verkörpern. Spiel jeder gegen jeden müssen auch Rollen gleicher Fraktionen gegeneinander antreten. Die zugehörigen Rollenmarker werden auf das jeweilige „Zu Hause“ gesetzt, entweder ins Dorf oder ins Gebirge. Von dort starten die Spieler, welche ihre Rollenkarte gut sichtbar vor sich ausliegen haben. Auf diesen steht eine Spezialfähigkeit, ein Kampf- und ein Bewegungswert. Die jeweilige Spezialfähigkeit tritt in einer der Aktionsphasen in Kraft.

Schäferstündchen Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Eine Spielrunde läuft in den folgenden Phasen ab:

1. Egoistenkarte spielen

Zuerst legt jeder Spieler eine Egoistenkarte verdeckt vor sich aus. Diese Karte wirkt sich auf die eigene Rolle aus.

2. Vergabekarte spielen

Anschließend vergibt jeder Spieler eine sogenannte Vergabekarte an einen anderen Spieler. Dabei darf jeder Spieler nur zwei Karten bekommen. Wenn vor einem Spieler also schon zwei Vergabekarten liegen, müssen die übrigen Spieler sich andere Opfer suchen. Schnelligkeit siegt!

3. Karten aufdecken

Nun decken die Spieler alle vor sich liegenden Karten auf. Die Nummer auf der Karte entscheidet die Reihenfolge, in der sie abgehandelt werden. Karten mit dem Wert 0 stellen Gegenstände dar und bleiben vor dem Spieler offen liegen, er rüstet sich also damit aus. Wenn der Karteneffekt abgehandelt wurde, kommt die Karte auf den Ablagestapel. Manche Karten bleiben bis zum Rundenende oder sogar für die folgende Runde liegen.

4. Bewegen

Nun machen sich die Spieler auf den Weg ins Tal. Dabei wird zunächst für jeden Spieler der Bewegungswert ermittelt. Dieser setzt sich zusammen aus dem Bewegungswert der Rollenkarte sowie ggf. von ausliegenden Gegenstandskarten mit Bewegungsbonus und / oder Egoisten- bzw. Vergabekarten mit Bewegungsbonus. Wobei damit der Bewegungswert auch verringert werden kann. Unter 0 kann er jedoch nicht sinken. Im Tal bleiben die Spieler stehen, egal wie viel Bewegung sie eigentlich noch hätten. (Ausnahme ist hier nur die Karte „Verlaufen“, denn dank dieser läuft der Spieler die gesamte Anzahl seiner Bewegung auch über das Tal hinaus.)

5. Schafe ergattern

Hat man es als einziger Spieler in das Tal geschafft, schnappt man sich ein Schaf und nimmt es mit nach Hause. Befinden sich bei der Team-Variante mehrere Spieler desselben Teams im Tal, ergattert jeder ein Schaf. Ansonsten kommt es zum Kampf, wenn mehrere Spieler zur gleichen Zeit das Tal erreicht haben.

6. Kampf

Bei einem Kampf vergleichen alle am Kampf beteiligten Spieler ihre Kampfwerte. Die Anzahl der Kontrahenten entscheidet über die Anzahl der Schafe, die es zu ergattern gibt. Der Kampfwert setzt sich ähnlich wie der Bewegungswert aus dem Kampfwert der Rolle sowie ggf. ausliegenden Gegenständen mit Kampfbonus und / oder ausliegen Vergabe- bzw. Egoistenkarten, die den Kampfwert beeinflussen. Zusätzlich kann jeder Spieler seinen Kampfwert noch erhöhen, indem er eine Kampfkarte aus seiner Hand aufdeckt. Der Kartenwert wird zum Kampfwert addiert, die Texte der Karten werden bei diesem Einsatz ignoriert. Kommt es dabei zu einem Gleichstand, siegt derjenige mit dem höheren aufgedruckten Kampfwert.

7.Rundenende

Wenn alle Spieler aus dem Tal zurückgekehrt sind, ist die Runde vorbei. Der Startspieler wechselt und nacheinander ziehen alle Spieler wieder auf fünf Handkarten auf und eine neue Runde beginnt. Zuvor werden noch alle Karten, die ihren Effekt verloren haben auf den Ablagestapel gelegt.

Generell gilt, das jede Karte, die nicht explizit als Einwurfkarte deklariert ist, als Egoisten-, Vergabe- oder Kampfkarte eingesetzt werden kann. Einwurfkarten können jederzeit direkt aus der Hand gespielt werden, wenn der Kartentext es erlaubt.

Schäferstündchen Kartenauswahl

Kartenauswahl / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Das Spiel endet, wenn das letzte Schaf im Tal ergattert wurde. Dann zählen alle Spieler ihre Schafe. Es gewinnt, wer die meisten Schafe vorweisen kann. Kommt es dabei zum Gleichstand, kommt ein weiteres Schaf ins Tal und der Kampf geht weiter. Hierbei kann es jedoch recht konfus werden, wenn Spezialkarten ins Spiel kommen, die beim Ergattern zum Tragen kommen. Beim Teamspiel ist die Gesamtanzahl der Schafe pro Team entscheidend.

Spieleranzahl:

Das Spiel funktioniert mit jeder Anzahl an Spielern. Wobei das Duell nicht unbedingt zu empfehlen ist, spaßiger wird es definitiv mit mehr Spielern. Zudem hat man zu viert oder sechst die Möglichkeit im Team gegeneinander zu spielen. Dabei kommt einne neue taktische Tiefe hinzu, da man die Vergabekarten nun nicht nur gegen seine Mitspieler, sondern auch für seine Team-Mitglieder einsetzen kann. Durch die Vergabekarten, die auch noch gleichzeitig gelegt werden, entsteht bei beiden Varianten viel Interaktion zwischen den Spielern.  Zu zweit kann man dabei noch ein wenig taktieren, aber umso mehr Spieler dabei sind, desto chaotischer und unvorhersehbarer wird das Spiel.

Glücksfaktor?

Da man die eigenen Werte für Bewegung und Kampfstärke nur durch Karten verbessern kann, ist ein gewisser Glücksfaktor im Spiel. Aber auch die Gunst bzw. Missgunst der anderen Spielteilnehmer ist entscheidend. Wenn man häufiger fiese Karten zugeschustert bekommt als andere Spieler, hat man natürlich einen Nachteil. Ein gewisser Ärgerfaktor ist auch immer dabei, weil man seine Gegner (oder dem gegnerischen Team) mit den Vergabekarten möglichst schaden möchte. Zum Beispiel gibt es Karten wie „Hausarrest“, die den Spieler vor der Bewegung nach Hause gehen lassen oder „Falsche Lieferadresse“ bei dem man einem Mitspieler das gerade ergatterte Schaf wegnehmen kann.

Fazit:

Ein schöne Spielidee mit einer großartigen Optik. Leider sind die Regeln in einigen Punkten nicht ausreichend beschrieben. Daher kommen beim Spielen häufig Fragen auf, die auch mit zu Hilfenahme der Spielanleitung, nicht abschließend geklärt werden können. Man könnte fast meinen, das Spiel ist noch nicht ganz ausgereift. Der Autor und sein Team sind jedoch bemüht auf solche Fragen in der wachsenden FAQ-Sammlung einzugehen. Insgesamt ein Spiel, welches ich gerne wieder zu Spieleabenden mit größeren Gruppen mitnehmen werde. Wer seine Mitspieler gerne ärgert, sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: —-
Autor(en): Felix Mertikat
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2-6 Spieler
Dauer: 25 Min.

Vielen Dank an das Schäferstündchen-Team für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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