Scotland Yard – Das Kartenspiel

Scotland Yard Kartenspiel Cover

Cover / Foto: Ravensburger

1983 wurde Scotland Yard zum Spiel des Jahres ernannt. In meiner Kindheit habe ich dieses Spiel geliebt. Ein Spieler schlüpft dabei in die Rolle des gesuchten Mister X, während die anderen gemeinsam versuchen ihn zu fassen. Dabei können sie sich mit Hilfe von Bus, U-Bahn oder Taxi auf der London-Karte fortbewegen. Mister X bekommt zusätzlich Doppelzüge und Black Tickets, die seine Reisewege verschleiern sollen. Fünf mal im Spiel muss er seinen aktuellen Ort preisgeben. Hat ihn bis zum fünften Mal kein Mitspieler erreicht, gewinnt Mister X. Er verliert dementsprechend, sobald ein Mitspieler sich am selben Ort aufhält. So läuft das Spiel seit über 30 Jahren. Doch jetzt hat das Autorenpaar Inka und Markus Brand die Zügel in die Hand genommen und daraus ein Kartenspiel kreiert. Erfahrt in dieser Rezension wie viele Berührungspunkte es gibt und was geändert wurde.

Spielmaterial:

90 durchnummerierte Ticketkarten mit den Werten 1 – 90, jede davon einer Farbe (schwarz, gelb, blau, rot) zugeordnet. Die Mister X-Karte kommt gleich zweifach, sodass man bei Abnutzung die erste Karte ersetzen kann. Hinzu kommen die drei Aktionskarten und drei Lupenkarten.

Spielmechanismus:

Wenn der Spielaufbau steht, kann es losgehen. Die Tickets werden so verteilt, das immer Mister X dabei ist und dann werden drei Karten für die Aktionen aufgedeckt. Diese geben immer die Nummernbereiche der Karten an, die auf diesen Stapeln aktuell gespielt werden dürfen. Die Phasen eines Zuges sind dann recht schnell abgehandelt: Ticket ziehen – Ticket ausspielen – Aktion ausführen. Jede der drei Aktionskarten bietet eine allgemeine Aktion, die verdoppelt wird, wenn ein farblich passendes Ticket gespielt wird und eine Mister-X-Aktion, die nur dieser zusammen mit einem Black Ticket spielen darf.

Scoland Yard - Kartenspiel Spielsituation

Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Die Aktionen im Einzelnen von links nach rechts: Wer ein „Ticket löst“, darf ein zusätzliches Ticket vom Stapel ziehen. Mister X kann hier die Finte spielen, wodurch alle Spieler eine Gesamtzahl an Tickets ablegen muss. Bei einem „Verhör“ wird eine Lupenkarte umgedreht. Liegen anschließend alle drei Karten offen, so darf sich der Spieler alle Karten eines Mitspielers ansehen und muss den anderen wahrheitsgetreu mitteilen, ob er die Mister X-Karte entdeckt hat. Ist dies der Fall, erhält Mister X ein Black-Ticket (5 wurden vor Spielbeginn zufällig aussortiert und dafür bereit gelegt) und muss drei Handkarten ablegen. Mister X kann über diese Aktion „Ausrüstung erwerben“, indem er vier Karten auf die Hand zieht. Bei der „Fahndung“ zieht der aktive Spieler eine Karte eines anderen Spielers und legt diese ab. Mister X kann versuchen unterzutauchen oder dies vortäuschen. Dabei muss jeder Spieler eine Karte auswählen, die mit den Karten der Anderen gemischt und neu verteilt wird. Kann oder will ein Spieler keine dieser Aktionen wählen, kann er die Tickets auf den Aktionsfeldern austauschen, um hoffentlich neue Möglichkeiten für abzulegende Karten zu eröffnen. Dafür muss er bloß eine Karte ausspielen, die kleiner als die Karte unter der ersten Aktion ist.

Scotland Yard - Kartenspiel Kartenhand

Kartenhand / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Die Detektive gewinnen, sobald die Mister X-Karte aufgedeckt wurde. Dies kann bei der Fahndung passieren, indem die Karte gezogen wird oder wenn Mister X nach einem Verhör nicht mehr ausreichend Handkarten besitzt. Mister X gewinnt wenn der Zugstapel aufgebraucht ist oder wenn die Detektive bei der Aktion Finte all ihre Handkarten ablegen müssen.

Spieleranzahl:

Das Spiel beruht auf der Unkenntnis über Mister X zu Spielbeginn, daher kann es erst ab drei Spielern zum Einsatz kommen. Die Spielerzahl entscheidet dann über die Anzahl der Tickets, bei vier Spielern werden 9 Karten entfernt, bei drei Spielern doppelt so viele. Auch die Auswirkungen der Aktion Finte sind abhängig von der Spielerzahl.

Umso weniger Spieler, desto schneller kann Mister X ermittelt werden. Bin ich nicht Mister X, muss ich mir nur eine gegnerische Kartenhand ansehen. Ist er es, wissen es nun alle, ist er es nicht, weiß ich zumindest, dass es der andere Spieler sein muss. Am Besten fanden wir es zu fünft, dann vergeht in der Regel mehr Zeit bei der Suche nach Mister X. Und das ist für mich der interessante Teil des Spiels.

Glücksfaktor?

In einigen unserer Partien wurde Mister X im ersten Zug enttarnt, weil ein Spieler die richtige Karte bei einem zufälligen Mitspieler gezogen hat. Das ist natürlich reine Glückssache. Manch einer zieht aus über 10 Karten die richtige Karte, ein anderer wählt aus zwei Karten genau die falsche Karte. Als Mister X kann man je nach Spielverlauf entscheiden, den „schwarzen Peter“ wieder abzugeben, aber dafür benötigt man auch ein entsprechendes Blackticket. Hat man dieses, kann man wiederum taktisch anhand des aktuellen Spielverlaufs entscheiden, Mister X zu bleiben oder nicht. Anders herum, kann es aber auch passieren, dass man ihn los werden möchte, weil man keine Siegchancen sieht, ihn aber sich selbst wieder austeilt.

Fazit:

Das Spielprinzip hat mehr Gemeinsamkeiten mit dem Spiel Schwarzer Peter als mit Scotland Yard. Aber es wurde interessant in das Spiel eingewoben, indem es eben wieder die vier Arten der Tickets gibt und ein Spieler gegen alle anderen spielt. Wobei dieser im Kartenspiel durchaus mal wechseln kann, was es spielmechanisch doch sehr vom großen Bruder unterscheidet. Ein wenig erinnerte es uns auch an The Game, wenn die Detektive forderten auf bestimmte Stapel keine Karte zu legen, weil sie eine Passende haben. Die Detektive versuchen ja den Ticketstapel möglichst lange zu erhalten, daher empfiehlt es sich, wenn möglich, kleine Schritte mit den Karten zu machen. Und am besten immer passende Farben für die Doppelaktion zu spielen. Diese beiden Ziele widersprechen sich jedoch ein wenig.

Schade ist es, wenn der Spielaufbau länger gedauert hat, als das Spiel, weil die Mister X-Karte sehr früh gezogen wurde. Bei einer Partie blieb es in unseren Runden jedoch nie. Eigentlich wollte jeder unbedingt mal selbst Mister X verkörpern. Wenn ich die Mister X-Karte auf der Hand habe, schnellt mein Puls ganz schön nach oben und ich muss mich wirklich zusammen reißen, mich nicht verdächtig zu machen. Das ein Spiel solche Reaktionen hervor rufen kann, gefällt mir. In unseren Spielgruppen meinten alle, dass man das Original mal wieder auf den Tisch bringen müsste. Ich denke, dass es mittlerweile interessantere Spiele dieser Art gibt, wie zum Beispiel Fury of Dracula. Dafür benötigt man aber auch mehr Zeit, dieses Kartenspiel kann mal kurz eingeschoben werden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Ravensburger
Autor(en): Inka und Markus Brand
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: ca. 20 MInuten

Wenn ihr euch selbst ein Bild von Scotland Yard – Das Kartenspiel machen möchtet, solltet ihr Beeple.de verfolgen, denn dort wird bald wieder eine Blog-Rallye starten.

Vielen Dank an den Ravensburger Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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