Spiel des Jahres 2017 – Nominierungen

Seit Montag stehen sie fest, die Nominierten in den drei Kategorien Spiel des Jahres, Kennerspiel des Jahres und Kinderspiel des Jahres.

Spiel des Jahres (roter Pöppel)

Empfehlungsliste: Deja-Vu, Dodelido, Fabelsaft, Klask, Shiftago, Tempel des Schreckens, Word Slam

Kennerspiel des Jahres (grauer Pöppel)

  • Räuber der Nordsee (Schwerkraft-Verlag)
  • Terraforming Mars (Schwerkraft-Verlag)
  • Exit – Das Spiel (Kosmos Verlag)

Empfehlungsliste: Captain Sonar, Das Grimoire des Wahnsinns, Great Western Trail, Les Poilus

Kinderspiel des Jahres (blauer Pöppel)

  • ICECOOL (Amigo Spiele)
  • Captain Silver (Queen Games)
  • Der mysteriöse Wald (iello)

Empfehlungsliste: Glupschgeister, Kikeribumm, Kleiner Vogel, grosser Hunger, Kullerhexe, Sleeping Queens, Verfuxt!, Zauberei hoch drei

Ich habe die Nominierungen nun ein wenig sacken lassen und möchte jetzt auch gerne meinen Senf dazu geben.

Beim Kinderspiel des Jahres lag ich völlig daneben, es sei mir verziehen, da ich in diesem Bereich kaum Mitspieler und daher nur wenig Erfahrungen habe. Eines der drei nominierten Spiele, ICECOOL, kenne ich tatsächlich näher, sehe es nicht unbedingt als Kinderspiel. Die Nominierung freut mich daher umso mehr, da ich es bei der diesjährigen Konkurrenz im Familienspiel-Sektor nicht auf dem Zettel hatte. Würde es ausgezeichnet werden, wäre dies das erste Kinderspiel des Jahres in unserer Sammlung 😀

Beim Spiel des Jahres lag ich genau richtig mit meiner Einschätzung. Kingdomino ist eine massentaugliche Neuinterpretation des Klassikers Domino im schicken Gewand, mit jeder Spielerzahl zu empfehlen und in einer guten Viertelstunde gespielt. Magic Maze ist schnell, aufregend und führt zu einem Spielerlebnis der etwas anderen Art. Die Einführungszenarien erhöhen langsam die Komplexität, wodurch auch Wenigspielern der Einstieg gut gelingen sollte. Wettlauf nach El Dorado kombiniert bekannte Mechanismen zu einem neuen Spielgefühl. Wettrennen in Brettspielen sind bekannt, doch dies wurde hierbei mit einem einfachen Deckbau-Prinzip erweitert. Zwar gibt es noch einiges zu entdecken, verschiedene Strategien zu erkunden, aber der Einstieg ist leicht möglich. Daher gehört es für mich in genau diese Kategorie. Ich finde die Auswahl gelungen: Zwei relativ solide Familienspiele neben einem innovativen und interessanten, kooperativen Echtzeitspiel. Diese drei Spiele kamen im letzten Dreivierteljahr mit Abstand am besten in all unseren Spielgruppen an. Ich bin zufrieden und denke die ausgewählten Spiele repräsentieren den Jahrgang hervorragend. Welches Spiel davon den Titel abräumen wird? Da kann ich mich nur schwer festlegen. Lange Zeit stand Kingdomino für mich klar als Sieger fest, es wäre die traditionellste Entscheidung, aber mittlerweile bin ich da gar nicht mehr so sicher. Vielleicht hat am Ende auch die Innvoation die Nase vorn und Magic Maze holt sich den Titel. Ich denke, zwischen diesen beiden wird es sich entscheiden.

Die Empfehlungsliste ist mit sieben Titeln wieder recht umfangreich, setzt sich aus Spielen verschiedener Genres zusammen. Einige davon hätte ich auch als Nominierungen akzeptiert, andere sind mir bisher entgangen. Im Kennerbereich wurden vier Spiele empfohlen. Great Western Trail ist ein wirklich tolles, aber auch komplexes und weniger zugängliches Expertenspiel, welches bereit den Beeple Award erhalten. Captain Sonar hatte ich sogar auf der Nominierungsliste vermutet. Ein tolles Echtzeiterlebnis, bei dem die Spieler zweier Teams ganz klare Aufgaben haben und perfekt zusammen arbeiten müssen. Les Poilus ist ebenfalls kooperativ, die Spieler schlüpfen in die Rollen von Soldaten im Krieg. Das klingt bedrückend und so fühlt man sich auch während des Spiels ein wenig. Aber die thematische Umsetzung dieses Anti-Kriegsspiels macht es erst zu dem was es ist. Nur zu Das Grimoire des Wahsninns kann ich leider gar nichts sagen.

Bei den Nominierungen zum Kennerspiel des Jahres wusste die Jury für Verwunderung und Staunen zu sorgen. First Class – Unterwegs im Orient Express wurde entgegen der Erwartungen von mir und einiger anderer leider gar nicht erwähnt. Dafür die Exit-Das Spiel Reihe. Ja, tatsächlich, alle drei ersten Teile gemeinsam. Ob Exit nun am besten geeignet ist, diese Art der Spiele zu repräsentieren, darüber lässt sich streiten. Ich persönlich hätte mich nur schwer zwischen den Umsetzungen von Kosmos und Noris entscheiden können. Aber aus Sicht der Kennerspiel-Nominierung kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Exit hat das bessere Hilfe-System, ist damit leichter zugänglich. Handelt es sich dabei um ein Kennerspiel? Ich denke, es dort einzuordnen ist nicht völlig verkehrt. Wir haben hauptsächlich mit Vielspielern gespielt, doch konnten zuletzt auch Personen dafür begeistern, die Brettspielen eher weniger zugeneigt sind, dafür Escape Room Spiele lieben. Eines der beiden Interessen sollte aber mindestens vorliegen, um mit dem Spiel gut zurecht zu kommen und Spaß zu haben. Die Nominierung, vor allem der ganzen Reihe, ist sicherlich eine mutige Entscheidung. Ich bin froh, dass die Jury diesen Weg eingeschlagen hat.

Die Nominierten zum Kennerspiel des Jahres repräsentieren hervorragend die drei großen Trends des Jahrgangs: Escape Room Spiele, Wikinger und den roten Planeten Mars. Denn neben Exit vom Kosmos Verlag dominiert der Schwerkraft-Verlag die Liste: Terraforming Mars wurde entgegen aller Befürchtungen es könnte zu komplex sein nominiert und Räuber der Nordsee vom gleichen Verlag ebenfalls. Denkt man an die vergangene Auszeichnung wäre Räuber der Nordsse der ideale Kandidat für die Auszeichnung. Es ist ein wirklich solides Kennerspiel, genau wie Isle of Skye. Es setzt auf einen Worker Placement-Mechanismus der anderen Art. Die Spieler starten mit einem Arbeiter, dürfen diesen auf einem freien Platz einsetzen und die zugehörige Aktion nutzen. Anschließend nehmen sie einen anderen Arbeiter vom Spielplan und führen diese Aktion ebenfalls aus. Würde die Exit-Reihe ausgezeichnet werden, könnte es einen Aufschrei geben, wenn Käufer uninformiert zugreifen und nach einer Partie enttäuscht sind, alles in die Tonne zu schmeißen. Sicherlich kann man an dieser Stelle auch argumentieren, dass dieses Spielprinzip die Wegwerfgesellschaft bestärkt, ich sehe darin jedoch kein Problem, viele Spiele werden nur selten gespielt und so viel Müll wird durch eines dieser Spiele im Gegensatz zu vielen anderen alltäglichen Produkten nun auch nicht produziert. Terraforming Mars wäre mein persönlicher Favorit, aber irgendwie glaube ich nicht so recht an die Auszeichnung. Gegen eine Auszeichnung spricht für mich auch das Spielmaterial: Die weniger gut verarbeiteten Ressourcenmarker, das gefährlich rutschige Spielertableau und die unterschiedlichen Grafikelemente. Doch das wirklich thematische, durchaus komplexe, aber dabei für einen Kennerspieler recht zugängliche Spielprinzip scheint einfach vollends überzeugt zu haben. Vielleicht überrascht uns die Jury ja weiterhin 🙂 Egal welches der nominierten Spiele die Titel letztendlich holt, alle hätten es verdient.

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