Spiel mit den Löwen

Vergangenes Wochenende war es wieder an der Zeit mit den Löwen zu spielen. Nein, natürlich kein gefährliches Raubtier-Abenteuer 😉 Ein Mal im Jahr werden unter diesem Namen Spieler aus der Löwenstadt Braunschweig und Umgebung animiert, einen Samstag gemeinsam am Spieltisch zu verbringen. Der Termin war dieses Mal großartig gewählt, da durch Länderspiele die Bundesliga an diesem Wochenende pausierte. Perfekt für uns, denn nach dem tollen Erlebnis bei Stadt, Land, Spielt! wollten wir uns diese Veranstaltung nicht entgehen lassen. Eigentlich sollte der Spieletag wie in den vergangenen Jahren im Jugendtreff „Neustadtmühle“ statt finden, aber da dieser aktuell für minderjährige Flüchtlinge zu Verfügung steht, wurde Spiel mit den Löwen kurzerhand in die Stadtbücherei verlegt.

Obwohl wir kurz nach 11 Uhr eintrafen, war hier schon mächtig Betrieb. Unsere Verabredung war noch nicht anwesend, also suchten wir uns direkt ein Spiel aus und legten los. Viele Neuheiten waren dabei, Mombasa leider bereits belegt. Micha entschied sich für Porta Nigra, was mich so überhaupt nicht gereizt hat. Aber ich gab dem Spiel eine Chance und über zwei Stunden später musste ich meine Meinung zu Porta Nigra revidieren. Das Spiel hat seinen eigenen Reiz, selbst zu zweit.

Thematisch befinden sich die Spieler bei diesem klassischen Mehrheiten-Spiel noch vor Christi Geburt im heutigen Trier. Als Baumeister arbeiten sie daran die vier großen Bauwerke der Stadt zu bauen: Die Basilika, das Amphitheater, die Stadtmauer und die Porta Nigra. Bauteile werden auf dem Markt gekauft, in der persönlichen Ablage gesammelt und später an einem der vier Bauwerke verbaut. Besonders ist hierbei, dass die Bauwerksteile alle grau sind und die Farbe nur durch den Ort des Kaufes, die Plätze der eigenen Spielerablage und durch die farblich gekennzeichneten Bauplätze festgelegt wird. Für den Bau erhält man sofort eine Belohnung, umso wertvoller die Bauteile, desto mehr Siegpunkte. Baut man im richtigen Moment am geforderten Ort das farblich gewünschte Bauteil, kann man eine Bauwerkskarte erhalten. Von diesen lohnt es sich Sets zu sammeln, für zusätzliche Punkte am Spielende. Die Reisen von Bauwerk zu Bauwerk kosten den Spieler jedoch, daher sollte man sich gut überlegen, wann es sich lohnt zu reisen und wann man lieber zunächst andere Aktionen nutzt. Jeder Spieler hat sein eigenes Kartendeck, von dem man pro Zug zwischen zwei Karten wählen kann. Jede Karte zeigt 3-5 Aktionen und die Vorgabe ob zwei oder drei Aktionen regulär genutzt werden können. Aktionen sind Baustein vorgegebener oder beliebiger Farbe kaufen, Bauteil bauen und Fackel, Einflusschip oder Geld nehmen. Gekauft werden kann immer nur, was der Markt gerade anbietet und abgesehen von den weißen Bausteinen ist jede Farbe einem Bauwerk zugeordnet, an dem man sich beim Kauf befinden muss. Hier ist also wieder das Timing gefragt. Fackeln und Einflusschips ermöglichen zusätzliche Aktionen. Letztere sind für den Erwerb von Ehrenkarten erforderlich, die einem einen zusätzlichen Bonus einbringen. Am Spielende werden die Mehrheiten bei den Bauwerken ausgewertet. Im Spiel zu zweit erhält jeder Spieler Punkte für jede Wertung, bei mehr Spielern nur die beiden besten pro Wertung. Zu zweit spielt man sein eigenes Kartendeck drei Mal durch, während die Endwertung bei mehr Spielern bereits nach zwei Runden erfolgt. Es gibt wirklich viel zu beachten. Zum Beispiel an welchen Orten es sich lohnt die höherwertigen Bauteile zu verbauen, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort man bestimmte Aktionen am sinnvollsten nutzt. Nach dem ersten Spiel hatten wir das Gefühl, dass von den Ehrenkarten zu viele gleichzeitig zur Auswahl stehen und das es mit mehr Spielern sicher noch spannender wird, wenn mehr Kampf um die Mehrheiten entsteht und man dabei auch leer ausgehen kann.

Danach brauchten wir noch etwas schnelles, da wir nicht mehr allzu viel Zeit hatten. Mombasa war nun frei, passte aber nicht in unseren Zeitslot. Unsere Verabredung war mittlerweile eingetroffen und auch schon mitten im Spiel. Wir verabredeten uns daher zum gemeinsamen Mombasa spielen und kennen lernen zu einem späteren Zeitpunkt. Da Munchkin Smash Up gerade leider nicht frei war, entschied ich mich für Fungi vom Pegasus Verlag. Dieses 2-Personen-Spiel ist schon längere Zeit auf meiner Wunschliste. Man begibt sich dabei in den Wald, durch aufgedeckte Karten repräsentiert und kann dort Pilze, Pfannen, Körbe, Butter oder Cider finden und an sich nehmen. Ein recht unverbrauchtes Thema für ein lockeres Sammelkartenspiel. Die Umsetzung wirkt sehr gelungen, die Pilzkarten sind schön gestaltet. Sammelt man bei Nacht, nimmt also eine Mondkarte, weiß man zunächst nicht um welche Sorte es sich handelt. Um an Pilze zu kommen, die weiter im Wald liegen werden Stöcke benötigt. Wer einen Fliegenpilz erwischt, darf in den kommenden zwei Zügen nur halb so viele Karten auf der Hand haben, wie normalerweise. Das Handkartenlimit kann durch zusätzliche Körbe erhöht werden. Siegpunkte erhält man für Pilze und Zugaben, die in der Pfanne landen. Da nach jedem Zug Karten auf dem Verwesungsstapel landen, wurde hier wirklich an alles gedacht. Thematisch finde ich die Umsetzung sehr gelungen. Die erste Partie spielte sich jedoch sehr holprig, da die Pilzsorten schwer zu unterscheiden sind und die Aufräumphase nach jedem Zug gewöhnungsbedürftig ist. im Anschluss hätte ich gerne eine Revanche gefordert, aber die Zeit stand uns im Weg. Ich hoffe dennoch, dass es nicht die letzte Partie Fungi gewesen sein wird, da ich gespannt bin, welche Möglichkeiten es noch bietet, wenn man den Mechanismus verinnerlicht hat.

Nun hieß es leider schon wieder Abschied nehmen, obwohl noch so viele tolle Spiele hätten angespielt werden können. Hoffentlich haben wir bei der kommenden Veranstaltung mehr Zeit. Vielen Dank an den Veranstalter, den Verein für Norddeutsche Spielkutur, der mehrfach im Jahr versucht mehr Menschen für Spiele zu begeistern und mit seinen hilfreichen Spielerklärern für Rat und Tat zur Seite steht.

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