Spiel mit den Löwen 2017

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Freitagnachmittag, kurz vor Feierabend. Ich spreche mit einer Kollegin über das bevor stehende Wochenende. Sie fragt mich „Und, was liegt bei Dir am Wochenende an?“. Vorfreudig erzähle ich ihr von einer Veranstaltung im Jungendzentrum Neustadtmühle, bei der den ganzen Tag gespielt werden kann. Verdutzt fragt sie mich: „Kannst Du das nicht jeden Samstag machen, genug Spiele hast Du doch zu Hause!?“ Natürlich könnte ich das, in der Theorie. Aber da kommt immer so viel dazwischen: Einkauf, Essen kochen, Haushalt, etc. Wenn aber solch eine Veranstaltung fast vor der eigenen Haustür statt findet, geht man da natürlich hin, man möchte das liebste Hobby ja verbreiten. Und so haben wir einigen Freunden ebenfalls Bescheid gegeben, sie könnten doch mit ihren Kiddies dazu kommen. Und einige sind unserer Einladung gefolgt.

Eigentlich wollten wir direkt zum Beginn um 11 Uhr eintreffen, aber wie ließen den Tag ruhig angehen, schließlich war ja Wochenende. Nach einem herzhaften Frühstück außer Haus begaben wir uns zum Jugendzentrum nahe der Braunschweiger Innenstadt. Noch war nicht allzu viel los, doch ausgerechnet das Spiel, welches wir unbedingt genauer unter die Lupe nehmen wollten, war bereits belegt: Azul von Plan B Games. Daher starteten wir mit einem Spiel aus dem vorherigen Jahrgang, welches wir bisher noch nicht gespielt hatten: Glück auf: Das große Kartenspiel. Doch war dies ein „Fehler“, denn es hat gut gefallen und wird sicher auch irgendwann den Weg in unsere Spielesammlung finden. Einen Vergleich zum Original kann ich aufgrund von Unkenntnis leider nicht ziehen, aber die Adaption machte Lust auf mehr. Die Aktionsmöglichkeiten greifen toll ineinander und zusammen mit den Siegpunktbedingungen entstehen interessante Konflikte.

Es folgte eine weiteren Adaption eines erfolgreichen Kennerspiels, welche ich schon mehrfach fast gekauft hätte: Agricola – Die Bauern und das liebe Vieh. Ideal, da wir immer noch zu zweit waren. Es ähnelt dem großen Bruder schon sehr, jede Runde setzen wir drei Personen ein, gelangen an Ressourcen und Tiere, zäunen unsere Tiere ein oder bauen Gebäude. Die Partie hat durchaus Spaß gemacht, aber ich war hinterher nicht unglücklich darüber, es bisher nicht gekauft zu haben. Es scheint mir ohne Erweiterung zu wenig Varianz zu haben, um für einen dauerhaften Wiederspielreiz zu sorgen. Und wenn erst die Erweiterungen das Spiel richtig gut machen, dann lasse ich lieber erstmal die Finger davon.

Im Anschluss war Azul verfügbar, eineinhalb Partien zu zweit folgte eine Partie zu dritt, denn mittlerweile waren unsere Freunde mit ihren Kindern da und wir konnten uns ein Elternteil „ausleihen“. Wie schon beim Pegasus Pressetag macht Azul einfach Spaß, das Material fühlt sich klasse an und der Ablauf ist ruck zuck erklärt und verstanden. Die Entscheidungen sind jedoch nicht einfach zu treffen, welche Steine man nimmt und was das für die nachfolgenden Spieler bewirkt.

Da wir bei solchen Veranstaltungen meist versuchen Spiele kennen zu lernen, die uns bisher entgangen sind, weil sie uns nicht direkt angesprochen haben, fiel die Wahl nun auf Frogriders. Nach Azul hatte ich wirklich Hoffnung, ich könnte auch Spaß an diesem abstrakten Spielchen haben, doch wurde eines Besseren belehrt. Wer einen Frosch überspringt erhält diesen und kann ihn zurück ins Dorf schicken, um Bonusaktionen auszulösen, zum Beispiel an Aktions- oder Wertungskarten zu gelangen. Diese empfand ich jedoch zu unterschiedlich stark, als dass ich Lust auf eine weitere Partie hätte.

Schon morgens viel uns Invisible Ink. von Huch ins Auge, dafür wurden aber weitere Mitspieler benötigt. Da wir mittlerweile fünf Mitspieler waren, die gerade nicht von den Kinderspielen gefesselt wurden, konnte es losgehen. Als klar wurde, das gezeichnet werden muss, wollte eine Person direkt wieder aussteigen, doch konnte sie überredet werden dabei zu bleiben. Und es hat sich gelohnt, diese Person hat mit deutlichem Abstand gewonnen. Ich fand es wirklich spannend, wie viel man doch tatsächlich von der reinen Handbewegung ablesen kann. Eine Brille, die der Zwilling der 3D-Papp-Brillen aus den 90ern sein könnte, sorgt dafür das man die Zeichnung mit gelbem Textmarker nicht erkennen kann. Dieses Handicap gilt entweder für den Zeichner, die Ratenden oder alle. Ein wirklich lustiges Spiel, auch für künstlerisch weniger begabte Personen.

Inspiriert von den Kids am Nebentisch wurde nun zu Haba gegriffen, allerdings zur Familienspiel-Serie. Bei Würfelkönig würfeln die Spieler um die ausliegenden Personen, indem sie versuchen die Vorgaben mit sechs Würfeln zu erzielen. Dann darf die Person mit ihren Siegpunkten ins eigene Königreich geholt werden und wenn der ausliegende Ort farblich passt, auch noch dieser. Schafft man es nach spätestens drei Würfen jedoch nicht, irgendeine Bedingung zu erfüllen, muss man einen Dorftrottel ziehen, der Minuspunkte mitbringt. Außerdem gibt es Drachen, die ein Geschenk mitbringen, welches man einem Mitspieler überreicht, damit diesem Punkte abgezogen werden. Würfelglück hatten nur die wenigsten von uns, daher endete das Spiel mit der Vergabe des letzten Dorftrottels. Das Spiel hat jedenfalls für einige Lacher gesorgt, wenn dem führenden Spieler mal wieder die Geschenke gemacht wurden oder beim Zocken wiederholt auf die falschen Würfel gesetzt wurde.

Es folgten Karuba – Das Kartenspiel und Face Cards, dazu möchte ich aber an dieser Stelle gar nicht so viel schreiben, da werde ich mich in nächster Zeit noch  umfassender zu äußern 😉 Zum Schluss gab es zu viert noch eine Partie Lovecraft Letter, der Cthuluhu-Variante des erfolgreichen Mikrospiels Love Letter. Neben den altbekannten Kartenfunktionen gibt es nun Wahnsinns-Karten, wer solch eine ausspielt wird wahnsinnig und muss vor jedem weiteren Zug Karten aufdecken, um eine Wahnsinnsprobe zu machen. Sobald dabei eine Wahnsinnskarte aufgedeckt wird, scheidet der Spieler aus. Je nachdem ob wahnsinnig oder nicht, werden unterschiedliche Siegpunktmarker gesammelt, wer zwei normale oder drei wahnsinnige bekommen hat, gewinnt. Wer allerdings mit mindestens zwei ausliegenden Wahnsinnskarten Cthulhu spielt, gewinnt sofort die ganze Partie. Vielleicht kommt das bei Cthulhu-Fans gut an, uns konnte es nicht überzeugen, da bleiben wir lieber beim Original.

Als wirklich letztes Spiel gab es zum Abschluss Schmuggler von den beiden Teubers. Einmal wieder Kind sein und mit Knete spielen. Dabei die Aufgabe vor Augen, Schmuggelwaren in der Knete zu verstecken und dafür zu sorgen, dass die Kugeln durch die Löcher im Zaun passen. Doch weiß man nicht immer genau, welches Loch am Ende passiert werden muss. Man möchte aber die größte Kugel haben, die durchkommt, da man nur dann den Mitspielern die Waren abnehmen darf, wenn man richtig tippt. Doch das muss man auch erst einmal schaffen, wie unsere Runden zeigten 😀 Leider liegt genau hier der Knackpunkt, denn so kann man gewinnen, auch wenn man die meiste Zeit unpassende Kugeln geformt hat. Allerdings sollte man das Spiel nicht zu Ernst nehmen, Spaß hatten wir auf jeden Fall und ich wäre jederzeit für eine weitere Partie bereit.

Die Zeit verging den ganzen Tag lang wie im Flug, leider gab es bis auf Kuchen und Süßes vor Ort nichts zu Essen, denn so langsam siegte der Hunger gegenüber der Freude am Spielen. Außerdem mussten wir die Zeit noch nutzen, notwendige Einkäufe für den bevor stehenden Sonntag zu erledigen. Wieder einmal eine tolle Veranstaltung, nach den letzten Jahren in der Stadbibliothek in einer etwas angenehmeren, familiären Atmosphäre. Und das obwohl ähnlich viele Besucher wie in den vergangenen Jahren den Weg dorthin fanden. Vielen Dank an Norddeutsche Spielekultur e.V. mit allen Helfern und Erklärern, bis zum nächsten Mal 🙂

Fotos findet ihr, wie gewohnt, bei Instagram.

 

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