Splendor

Splendor Cover

Cover / Foto: Space Cowboys

Splendor war der erste Titel des 2013 von den Asmodee-Gründern neu gegründeten französischen Verlages „Space Cowboys“. Und schaffte es direkt auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2014, musste sich dann allerdings gegen das spannende Kamelrennen bei Camel Up geschlagen geben. Dabei ist Splendor so simpel wie reizvoll. Man schlüpft in die Rolle des Anführers einer Renaissance-Händlergilde und hat das Ziel, möglichst viel Prestige zu erhalten. Prestige erhält man durch den Erwerb von Entwicklungskarten wie zum Beispiel Minen, Schiffe oder Kunsthandwerker. Wenn man als erster Spieler eine bestimmte Anzahl von Entwicklungskarten gespielt hat, bekommt man Besuch eines Adligen, der einem weitere Prestige-Punkte einbringt, die einem zum Sieg verhelfen können. Was genau man dafür tun muss, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Spielmaterial:

Das Material besteht aus 40 hochwertigen Plastik-Chips (sie wurden Casino-Chips nachempfunden). Jeweils 7 für die Edelsteine Smaragd (grün), Saphir (blau), Rubin (rot), Diamant (weiß) und Onyx (schwarz) sowie 5 gelbe Joker-Chips. Außerdem gibt es 90 Entwicklungskarten der Stufen 1, 2 und 3 und 10 Adligen-Kärtchen. Diese sind sehr schön und liebevoll gestaltet. Die Auslage wird gebildet, indem man die Karten der einzelnen Stufen mischt und die obersten vier Karten jeder Stufe aufdeckt. Von den Adligen-Kärtchen wird eine mehr aufgedeckt als Spieler teilnehmen. Dazu werden alle Chips ausgelegt und schon kann die erste Runde starten.

Die Anleitung ist sehr kurz, dabei super verständlich und gut gegliedert. Wenn man mal etwas nachlesen möchte, findet man sich schnell zurecht. Der Karton ist etwas überdimensioniert. Zwar bietet ein Tiefzieheinsatz Ablagefelder für die Chips und Karten, aber viel Platz wird dadurch einfach „verschwendet“.

Spielmechanismus:

Pro Runde kann man aus drei Aktionen wählen:

    • Edelsteine aus der Auslage nehmen

Man kann entweder drei verschiedene oder zwei gleiche Edelsteine aus der Auslage nehmen und in seinen eigenen Vorrat befördern. Zwei gleiche Edelsteine dürfen jedoch nur dann genommen werden, wenn von dieser Sorte noch mindestens vier Stück ausliegen. Der eigene Vorrat darf höchstens 10 Edelsteine umfassen, sonst müssen Überzählige nach der Aufnahme abgegeben werden.

    • Entwicklungskarte aus der Auslage auf die Hand nehmen

Wenn einem eine bestimmte Karte aus der Auslage zusagt, man diese aber aktuell noch nicht bezahlen kann oder will, darf man sie auf die Hand nehmen und in späteren Zügen ausspielen. So kann man auch anderen Spielern die Möglichkeit nehmen, diese Karte zu erwerben. Bis zu drei Handkarten darf jeder Spieler gleichzeitig besitzen. Wenn diese Aktion genutzt wird, nimmt man sich zusätzlich einen Joker aus der Auslage in den eigenen Vorrat, wenn dort noch einer verfügbar ist. Wer es risikoreich mag, kann auch eine Karte von einem der verdeckten Nachziehstapel auf die Hand nehmen.

    • Entwicklungskarte ausspielen

Pro Zug darf eine Handkarte oder eine offen ausliegende Entwicklungskarte ausgespielt werden, indem man die Kosten dafür bezahlt und die Karte dann zu den eigenen Karten legt. Die Edelsteine, die auf der Karte angegeben sind, „bezahlt“ man dabei mit eigenen, ausliegenden Entwicklungskarten und/oder Edelsteinen, die zurück in den allgemeinen Vorrat gelangen. Jede Entwicklungskarte entspricht einem Edelstein, der einem ab der nächsten Runde dauerhaft für Käufe zur Verfügung steht. Außerdem können darauf Prestige-Punkte angegeben sein, die man nun dauerhaft erhält.

Splendor Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Sollten die Entwicklungskarten ausgehen, wird die Auslage nicht weiter aufgefüllt. Sobald ein Spieler nach seinem Zug alle Forderungen einer Adligen-Karten erfüllt, muss er diese an sich nehmen und erhält entsprechend Punkte. Dies ist nicht optional, aber mir will auch kein Grund einfallen, warum man darauf verzichten möchte.

Spielende:

Sobald ein Spieler 15 oder mehr Prestige-Punkte erzielt hat, wird das Spielende eingeleitet. Die aktuelle Runde wird noch zu Ende gespielt und anschließend die Punkte verglichen. Es gewinnt, wer die meisten Prestige-Punkte erzielen konnte, egal ob mit Entwicklungskarten oder Adligen-Kärtchen. Für Edelstein-Chips werden keine Punkte vergeben.

Spieleranzahl:

Das Spiel funktioniert mit jeder möglichen Spieleranzahl. Wobei natürlich zu dritt oder viert die Interaktion höher ist und mehr Spielspaß erreicht werden kann. Zu zweit wird es taktischer, weil man eben nur einen Gegner beobachten muss und sich darauf konzentrieren kann. Anhand der Spieleranzahl werden die Edelsteinchips und die Adligen-Kärtchen reduziert. Ansonsten bleiben die Regeln gleich. Das bedeutet bei zwei Spielern, das seltener zwei gleiche Edelsteine genommen werden dürfen, da man nur mit vier Chips pro Sorte beginnt. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft – zu viert gehen die Entwicklungskarten der Stufe 1 meist irgendwann aus, das ist uns zu zweit nicht passiert. Anschließend wird es teurer die eigene Auslage zu erweitern, aber man bekommt für weitere, teurere Karten mehr Punkte.

Glücksfaktor?

Karten aufzudecken bringt immer etwas Glück ins Spiel. So kann es passieren, das bestimmte Edelsteine auf Entwicklungskarten zunächst Mangelware sind. Die Entwicklungskarten der Stufe 1 sind die günstigsten, man muss weniger Edelsteine für sie abgeben, erhält aber auch meist keine Prestige-Punkte.  Sie sind jedoch sinnvoll, um einen eigenen Edelstein-Vorrat anzubauen um seltener Edelstein-Chips aufnehmen zu müssen. Die Entwicklungskarten der Stufe 1, die mindestens einen Prestige-Punkt bieten, sind natürlich sehr beliebt. Bei den Karten der Stufe 2 und 3 müssen mehr Edelsteine für den Kauf eingesetzt werden, dafür bringen sie mehr Prestige-Punkte mit sich.

Aber kann den Glücks-Faktor einigermaßen ausstechen, indem man darauf achtet, was die Mitspieler tun und Ihnen ggf. Entwicklungskarten vor der Nase wegschnappt. Auch steht man immer vor der Entscheidung eine Karte zu reservieren, bevor sie ein anderer nimmt und man durch die Wahl von Edelstein-Chips seinen Plan verrät. Aber dann benötigt man mindestens einen weiteren Zug, die fehlenden Edelsteine zu erhalten und noch einen Zug zum Ausspielen der Karte. In der Zwischenzeit kann viel passieren. Auch die Adligen-Kärtchen werden gerne außer Acht gelassen, dabei habe ich noch keinen Sieger erlebt, der nicht mindestens eines davon in seinem Besitz hatte.

Fazit:

Die Nominierung zum Spiel des Jahres hat Splendor definitiv verdient und es hätte meiner Meinung nach auch locker den Sieg erringen können. Es ist für alle Spielertypen geeignet, der Einstieg gelingt sehr schnell und auch die kurze Spieldauer überzeugt ==> Volle Punktzahl. Am Anfang hat man oft das Gefühl, dass es noch Ewigkeiten dauern wird, bis ein Spieler auch nur annähernd 15 Punkte erreicht, aber wenn man erstmal einige Entwicklungskarten ausliegen hat und man kaum noch Edelsteine benötigt, geht es plötzlich ruck, zuck und der Sieger steht fest.Unaufmerksame Spieler stecken oft noch mitten in ihrer Planung und werdem vom Sieger überrumpelt. Der Weg zur Revanche ist daher nicht weit. Das Material ist hochwertig und sehr haltbar, bloß das Thema wirkt etwas aufgesetzt. Dieses Spiel der Space Cowboys lässt auf weitere gute Spiele von diesem Verlag hoffen. Wer weitere Informationen für den Einstieg in das Spiel möchte, findet hier Tipps direkt vom Autor.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Space Cowboys / Asmodee
Autor(en): Marc André
Erscheinungsjahr: 2014
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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