The Mind

The Mind Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Bereits Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick stellte vor vielen Jahren fest: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Bei dem kleinen Kartenspiel von Wolfgang Warsch darf nicht gesprochen werden, doch ohne Kommunikation kommt dieses Spiel deswegen noch lange nicht aus. Es erinnert auf den ersten Blick ein wenig an das 2015 zum Spiel des Jahres nominierte The Game vom selben Verlag: Beides kooperative Spiele mit Karten von 1 bis 100. Es spielt sich jedoch ganz anders. Wie Reinhard Staupe im Newsletter zu den Nürnberg-Neuheiten verriet, war er nach dem Lesen der Regeln kurz davor das Spiel ohne Testpartie unter Vertrag zu nehmen. Nach 30 Minuten mit dem Prototypen stand die Entscheidung dann endgültig fest. Erfahrt in dieser Rezension, um was es genau geht und wie das funktioniert.

Spielmaterial:

100 Karten mit den Zahlenwerten 1 – 100 sind neben 20 weiteren Karten mit Levelangaben, Leben und Wurfsternen enthalten.

Spielmechanismus:

Über mehrere Runden versuchen die Spieler ihre Handkarten in aufsteigender Reihenfolge abzulegen. Anfangs bekommt jeder eine Handkarte, mit jeder Runde eine mehr. Die Regeln dazu? Quasi nicht vorhanden. Alle ausgegebenen Karten müssen aufsteigend abgelegt werden, es darf sich nicht abgesprochen werden. Auch keine geheimen Zeichen oder sonst was. Man darf sich anschauen und zu Beginn jeder Runde synchronisieren sich die Spieler, indem sie eine flache Hand auf den Tisch legen, bevor es los geht. Ist ein Level geschafft, werden alle Karte gemischt und dann neu ausgegeben. Das Erreichen mancher Level wird mit einem weiteren Leben oder einem Wurfstern belohnt. Ein Wurfstern kann eingesetzt werden, damit alle Spieler ihre niedrigste Karte ablegen.

The Mind Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Passiert es dennoch, dass ein Spieler eine Karte ablegt, während andere Spieler noch Karten mit geringeren Werten auf der Hand halten, verliert das Team ein Leben und alle niedrigeren Karten werden abgelegt, bevor es weiter geht. Es muss immer die niedrigste Karte gespielt werden. Vorsätzlich eine hohe Karte abzulegen, um mit einem Leben als Verlust das Level zu beenden, ist nicht gestattet.

Wem es gelungen ist das Spiel zu besiegen, kann als Variante einen neuen Versuch starten, bei dem die Karten verdeckt abgelegt und erst kontrolliert werden, wenn alle Karten einer Runde ausliegen.

Spielende:

Das Spiel kann auf zwei Arten enden: Wenn die Spieler vor Ende des letzten Levels ihr letztes Leben verlieren, endet die Partie mit einer Niederlage. Siegreich endet sie nur dann, wenn das geforderte Level mit mindestens einem übrigen Leben überstanden wird.

Spieleranzahl:

Die Spieleranzahl entscheidet darüber, welches erreichte Level zum Sieg führt und wie viele Sonderkarten (Wurfsterne, Leben) zu Beginn zur Verfügung stehen. Umso weniger Spieler, desto mehr Level sollen erreicht werden. Es ist auch etwas leichter sich mit einen Mitspieler zu synchronisieren als mit zwei oder drei, dementsprechend weniger Leben bei Spielbeginn. Es funktioniert in allen Konstellationen wunderbar.

Glücksfaktor?

Die Kartenreihenfolge hat einen Einfluss auf den Spielverlauf. Zieht man viele Karten die ganz nah, aber nicht direkt beieinander liegen ist es schwieriger, als wenn zwischen den Werten große oder gar keine Lücken sind. Wenn zum Beispiel eine Reihe 20,21,22,23 abgelegt werden muss, ist es einfach sie gemeinsam korrekt abzulegen, sobald die erste Karte korrekt gelegt wurde. Umso höher das Level, desto weniger ist dies zu bemerken, da einfach viel mehr Karten ins Spiel kommen und die Lücken durch die Anzahl an Karten immer kleiner werden.

Fazit:

Oft wurde in unseren Gruppen die einführende Spieleinleitung nur belächelt, der Spielablauf als esoterischer Quatsch bezeichnet. Doch wenn sich trotz allem darauf eingelassen wurde, wurde zumeist erstaunt wahrgenommen, dass es tatsächlich funktioniert. Die Spieler legen ihre Karten in der richtigen Reihenfolge ab, ohne zu sprechen. Wie von Zauberhand, als hätten sie ihre Gedanken wirklich synchronisiert und würden nun alle auf der gleichen Welle schwimmen.

Doch haben wir auch Gruppen erlebt, die stattdessen einfach baden gegangen sind. In denen es nicht funktionierte sich zu synchronisieren und das Spiel zu besiegen. Wo nach wenigen Partien das Experiment beendet wurde, um weiterhin spielend Spaß zu haben. Genauso kann es auch mehrere Runden fehlerfrei gelingen, doch mit dem ersten Fehler ist die Luft raus und es geht fortan nur noch bergab.

Diese beiden Seiten der Medaille haben wir kennen gelernt. Wenn es funktioniert, ist es interessant. Aber auch nur so lange, bis man das geforderte Level gemeistert hat. Danach verfliegt der Spielreiz leider ein wenig, trotz der Variante. Anders als bei The Game, wo ich jederzeit eine weitere Partie spielen könnte. Ich persönlich empfinde The Mind einfach anstrengender, da in jeder Runde eine enorme Anspannung in mir entsteht. Dennoch möchte ich es nicht missen, denn das „Experiment“ werde ich gerne immer wieder vorführen. Und genau als solches erhält es von mir auch fünf Punkte. Wolfgang Warsch zeigt, mit wie wenig Regeln und Komplexität man ein besonderes Spielerlebnis kreieren kann.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Nürnberger Spielkarten-Verlag
Autor(en): Wolfgang Warsch
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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