Tierisch bedroht

Tierisch Bedroht Cover

Cover / Foto: Mogel Verlag

Nach Nürnberg haben sich die Norddeutschen vom Mogel Verlag nicht aufgemacht, aber in Essen werden wir sie sicher wieder antreffen. Ein Spiel, welches im vergangenen Jahr bei diesem Verlag in Essen präsentiert wurde, habe ich euch noch gar nicht vorgestellt. Das kooperative Kartenspiel setz die Kartenspiel-Reihe fort. Dieses möchte ich nun gerne nachholen. Bei Tierisch bedroht! dreht sich alles um vom Aussterben bedrohte Tierarten. Die Aufgabe der Spieler besteht darin, möglichst viele Tiere zu retten, indem sie gemeinsam eine Strategie verfolgen und die richtigen Karten ausspielen. Dabei darf aber kaum etwas über Einzelheiten der Karten verraten werden.

Spielmaterial:

Die 54 Tierkarten sind in schönen Aquarellfarben koloriert, jede zeigt ein anderes Tier. Sie werden anhand des Lebensraumes Wasser, Land und Luft unterschieden. Jedem Tier sind 0 – 3 Symbole für Lebensraum und/oder für Geld zugewiesen. Der Wert des Tieres von 1 – 6 gibt auch die Anzahl der Ressourcen-Symbole an. Hinzu kommen 8 Strategie-, 3 Spenden-, 2 Statuskarten sowie ein Kompass als Startspielerkarte.

Spielmechanismus:

Tierisch Bedroht Strategien

Strategien / Foto: Brettspielpoesie

Gespielt wird in acht Runden. In jeder Runde liegen die Tierkarten in der Auslage verdeckt, die Spieler können die Art der Tiere nur anhand der Rückseiten eingruppieren und mit ihren Handkarten abgleichen. In der ersten Runde sind auch diese unbekannt, später sind nur die Überbleibsel aus vorherigen Runden bekannt. Um ein Tier zu retten, müssen Karten des gleichen Lebensraums gespielt werden. Diese müssen mindestens so viele Geld- und/oder Lebensraum-Ressourcen zeigen, wie das zu rettende Tier. Anhand dieses Kenntnisstandes wählen die Spieler eine Strategie, die ein Spieler ausführt. Die Strategien ermöglichen das Einsehen oder den Austausch bestimmter Karten. Sobald die Strategie gewählt wurde, darf in dieser Runde nicht mehr gesprochen werden. Die Spieler sollten sich schon vor der Wahl der Strategie abgestimmt haben. Denn nun wählen die Spieler eine bestimmte Anzahl ihrer Handkarten aus. In der kommenden Phase werden erst die Tiere der Auslage aufgedeckt und die Spieler legen reihum jeweils eine ihrer gewählten Karten zu einem der Tiere. An einem Tier dürfen beliebig viele Handkarten ausliegen. Nach dieser Phase wird geschaut, welche Tiere gerettet werden konnten und welche weiterhin bedroht sind. Sie werden auf die entsprechenden Karten gelegt. Die zur Rettung eingesetzten Karten gelangen zurück in den Nachziehstapel und dieser wird gemischt. Daraus wird eine neue Auslage erstellt und die Handkarten aller Spieler aufgefüllt.

Tierisch Bedroht Tierkarten

Tierkarten / Foto: Brettspielpoesie

Bei jeder Farbe darf einmalig pro Partie eine Spende abgegeben werden, die eine zusätzliche Ressource einbringt. Der Startspieler wechselt reihum, zu erkennen an der Kompasskarte.

Spielende:

Mit der letzten Strategie-Karte beginnt auch die letzte Runde. Anschließend erfolgt die Abrechnung, indem die Werte der Tiere beider Stapel getrennt zusammen gezählt werden. Der Wert der bedrohten Tiere wird dann vom Wert der geretteten Tiere abgezogen und das Ergebnis kann entsprechend einer Wertungsskala eingeordnet werden. Uns gelang dabei nur selten eine Wertung innerhalb dieser Skala…

Spieleranzahl:

Bei vier Spielern werden zwei Runden weniger gespielt und anhand der Spielerzahl unterscheidet sich die Anzahl der Karten, sowohl der Auslage als auch der Handkarten. Das scheint recht gut ausbalanciert, es ist jedenfalls immer ein Mangel an Karten zu verspüren, sodass man oft nicht jedes Tier retten kann.

Glücksfaktor?

Die Strategie-Karten gaukeln einem vor, dass es sich um ein strategisch angelegtes Spiel handelt, doch ist der Glücksfaktor recht hoch. Liegen in der Auslage nur Tiere, die kaum zu den Handkarten passen, hat man genauso schlechte Chancen, wie wenn nur hohe Werte ausliegen, die Spieler aber nur niedrige Handkarten haben. Dieses Verhältnis spiegelt sich in jedem Fall bei der Wertung wider. Was man aber im Hinterkopf behalten sollte, ist der Umstand, dass die Rettung eines Tieres dazuführt, dass diese Karte nicht mehr zur Verfügung stehen kann. Schafft man es zu Beginn viele hochwertige Tiere zu retten, wird dies in kommenden Runden immer schwieriger und umgekehrt.

Fazit:

Das Spiel konnte in unseren Runden nicht wirklich zünden. Eigentlich versprach es anspruchsvoller als die bisherigen Titel des wirklich sympathischen Mogel Verlags zu werden. Aber es fühlt sich unrund an. Bei den Strategien helfen manche in bestimmten Situationen richtig gut, doch möchte man sich die Aktion nicht doch lieber noch aufheben? Da kann es schon mal zu Diskussionen kommen. Oder niemand möchte für die Wahl einer bestimmten Strategie verantwortlich sein. Genauso kann es aber auch passieren, dass keine der verfügbaren Strategien sinnvoll erscheint und daher nur die ausgewählt wird, die generell am schwächsten erscheint, um sich für die kommenden Runden wenig zu verbauen. Anhand der Lebensräume muss entschieden werden, welche Karten gespielt werden, aber die Symbole auf den Karten sind dabei zu entscheidend, man kann dem nicht wirklich etwas entgegen setzen. Das Handling mit den verdeckten Karten, die man selbst erst zu einem bestimmten Zeitpunkt einsehen darf, ist nicht wirklich intuitiv. Ebenso so fiel es uns schwer, ab der zweiten Phase nicht mehr zu sprechen. Da musste sich manch einer ordentlich auf die Zunge beißen.

Es gefällt mir, das solch ein ernstes Thema aufgenommen wurde, aber die Umsetzung ist doch etwas zweifelhaft. Den Tieren werden die Werte von 1 bis 6 zugewiesen, doch auf welcher Grundlage? Warum ist ein Panda mehr Wert als ein Eisbär? Oder eine Galapagos-Schildkröte weniger als ein Steppenadler? Spielmechanisch geht das ganz gut auf, aber thematisch erschließt sich mir der Sinn leider nicht. Auch wenn man sich durchaus herausgefordert fühlt, beim nächsten Versuch alles besser zu machen, so bleibt doch ein großer Frustfaktor, wenn das Glück nicht ganz mitspielt und man spürt, wenig in der Hand zu haben. Man merkt wirklich wie viel Herzblut in dieses kleine Kartenspiel gesteckt wurde. Aber an die Leichtigkeit von Perlentauchen kommt es leider nicht heran.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Mogel Verlag
Autor(en): Michael Loth, Friederike Claas
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: ca. 20 – 40 Minuten

Vielen Dank an den Mogel Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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