Unterwegs in der Totenstadt

Weltuntergangs-Szenarien mit Zombies erobern die Welt, schon seit mehreren Jahren. Ob auf dem Fernseher bzw. der Kinoleinwand (The Walking Dead, Zombieland oder Shaun of the Dead) oder in Computerspielen (The Last Of Us, Silent Hill oder Resident Evil). Überall begeistert uns die Idee durch diese seelenlosen, vor sich hin vegetierenden Wesen fast die gesamte Menschheit ausgerottet zu sehen und nur einer kleinen Gruppe Überlebender beim Kampf um Leben und Tod zuzusehen oder dieser Gruppe anzuführen. Ein Biss führt dazu, selber einer der ihren zu werden. Eigentlich ein super Thema für eine Brettspiel-Umsetzung, wie bereits mit Zombicide, Zombie 15′ oder Winter der Toten unter Beweis gestellt wurde. Auch  Huch&friends konnte dies bereits mit Pints of Blood ganz nach Shaun of the Dead-Manier umsetzen, welches mit einer Menge schwarzen Humors das Spielgeschehen spannend und witzig macht.

Was ich nun vorliegen hatte, war Exemplar Nr. 23 von 50 des Kartenspiels Totenstadt. Die Idee dazu lieferten wohl einige Zombie-Video-Spiele. Man hat versucht das PC-Spielgefühl auf ein Kartenspiel zu übertragen, doch das Spiel ist meiner Meinung leider noch lange nicht ausgereift. Ich bin ja immer dagegen Prototypen zu testen, doch hierbei wurde mir eine erste Version angekündigt, die als solche auch an Käufer ausgeliefert wurde. Und ich muss leider sagen, dass ich mich als Käufer sehr geärgert hätte. Das Spiel ist für mich nicht spielbar. Ich habe es mehrfach versucht, aber die Einstiegshürden sind mir einfach zu hoch und das Thema zu wenig meines, als das ich Lust darauf hätte, mich ernsthaft noch näher mit dem Spiel zu beschäftigen. Da dies aber ein rein subjektiver Eindruck ist, möchte ich euch heute gerne davon berichten.

Fangen wir vorne an. Als das Paket bei mir eintraf, staunte ich nicht schlecht. Der Karton brachte ein stolzes Gewicht von 1,46 kg auf die Waage. Bis oben hin gefüllt mit großformatigen Karten. Diese sehen zwar toll aus, sie zu mischen ist jedoch ein Graus! Einstiegshürde Nummer 1. Dann wollte ich mir das Spiel bei einer Solo-Partie im Hotelzimmer beibringen. Ich wählte zufällig ein Szenario aus, dabei traf ich auf Einstiegshürde Nummer 2: Töte „Gersec“-Mitglieder. Was zur Hölle ist Gersec? Und wie finde ich diese Personen heraus? Hierbei muss ich erwähnen, dass die Jungs Kritik annehmen und laut Twitter diese Karten überarbeitet und die Mitglieder besser gekennzeichnet haben. Ich wollte mich als nächstes erstmal mit der Spielvorbereitung beschäftigen. Es gibt einen Hordenstapel und einen Begegnungsstapel. Der Begegnungsstapel soll aus allen Zombie-, Ereignis- und Überlebenden-Karten bestehen. Dabei sollte erwähnt werden, dass die Zombie-Karten andere Rückseiten haben als Ereignisse und Überlebende, was man im Stapel eben bereits an der Rückseite erkennt. Aber Moment mal, wenn ich in diesem riesigen Stapel fünf Gestalten finden soll, wie lange dauert das Spiel dann bitte? Einstiegshürde Nummer 3! Bei bestimmten Ereignissen wird gefordert, gezielt Personen aus dem Begegnungsstapel heraus zu suchen und diesen erneut zu mischen. Aber mischen ist doch eh so ätzend bei diesen Karten. Einstiegshürde Nummer 4. Und was sehe ich da? Bei einer Karte löst sich bereits die Schutzfolie 🙁 Hier möchte ich allerdings darauf verweisen, dass dieser Produktionsfehler erkannt und behoben wurde.

Der zweite Versuch in das Spiel einzusteigen erfolgte kurze Zeit später zu Hause, wo sich noch jemand mit der Regel auseinander gesetzt hatte. Wir wählten die Söldner, wir statteten diese aus und legten los. Da traf uns gleich das erste Ereignis: Feuer. Wir entschlossen uns dazu zu fliehen, dabei sollten wir jedoch von einem Gegner mit der Stärke eines W6 angegriffen werden, den wir aus dem Begegnungsstapel suchen sollten. W6 steht dabei als Abkürzung für die sechsseitigen Würfel und die Charakter-Stärke für die Anzahl an Würfeln. Nach etwa zwei Dritteln des Stapels und keinem einzigen Gegner mit geringerer Stärke als 2, gaben wir die Suche auf und stellten das Spielen ein.

Ich möchte mich keineswegs generell gegen dieses Spiel aussprechen, es kann sicherlich seine Abnehmer finden, die dem Genre offener gegenüber stehen. Die Grafiken sind toll und wurden von vielen unterschiedlichen Grafikern beigesteuert. Die Schriftart (alle Buchstaben großgeschrieben) finde ich anstrengend und auf manchen Karten zu winzig, um die Texte gut lesen zu können. Das Totenstadt-Team ist auf jeden Fall mit viel Herzblut dabei. Doch für uns waren die oben genannten Einstiegshürden einfach zu groß, als das wir Lust auf das Spiel bekommen hätten. Meines Erachtens sollte das Material komplett redaktionell überarbeitet werden, wobei schon durchaus sinnvolle Änderungen bei der zweiten Auflage geplant sind. Auf jeden Fall möchte ich ein großes Lob für die Annahme und Umsetzung von Kritik aussprechen. Die Jungs haben vor kurzem ihre Kickstarter-Kampagne gestartet. Dabei hat man die Wahl zwischen erster und zweiter Auflage, wobei ich ganz klar die 2.Auflage empfehle, in der einiges überarbeitet sein sollte. Es wurden Rechtschreibfehler behoben, Fähigkeitentexte eindeutiger beschrieben und Fähigkeiten überarbeitet oder ersetzt. Ich drücke den Jungs die Daumen, dass die Kampagne erfolgreich wird, auch wenn mir persönlich das Spiel nicht zusagt.

Ähnliche Artikel:

Ein Gedanke zu “Unterwegs in der Totenstadt

  1. Pingback: Unterwegs in der Totenstadt - Brettspielfeed

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.