Viral

Viral Cover

Cover / Foto: Corax Games

Auf ein wirklich völlig unverbrauchtes Thema setzt der junge Verlag Corax Games in diesem Jahr mit dem Spiel Viral. Dabei geht es nicht darum, wie zum Beispiel in Pandemie, die Verbreitung eines Infektes zu verhindern und die Welt von verschiedenen Infektionen zu erlösen, sondern die Spieler sind als Viren in den Körperorganen unterwegs und wollen sich dort ausbreiten. Ihnen reicht es aber nicht das dort Viren tummeln, sie wollen selbst der bestimmende Faktor sein und Mehrheiten erreichen. Dafür können sie sich über Venen und Arterien auch zu anderen Organen bewegen, aber nur in bestimmte Richtungen. Das Blut fließt schließlich nicht kreuz und quer durch den Körper.

Spielmaterial:

Der große, faltbare Spielplan zeigt die wichtigsten Organe eines Patienten, die in Zonen unterteilt und über Kanäle verbunden sind. Keine Bange, diese Organe sind nicht real gezeichnet, sondern eher im Comic-Stil in vielen bunten Farben. Manch einem mag das zu grell sein, mir gefällt es. Jeder Spieler erhält in Spielerfarbe ein kleines Tableau mit einer Beschreibung der wichtigsten Aktionen, die sechs Zonenkarten, drei Holzmarker und bis zu 8 doppelseitige Virusplättchen. Dazu erhält jeder fünf Basis-Karten mit den gleichen Aktionsmöglichkeiten. Weitere 22 Mutationskarten und 13 Ereigniskarten sind ebenfalls enthalten. Dazu noch ein Startspielermarker, ein Phasenzähler, 8 Zonenmarker und vier Kollapsmarker.

Spielmechanismus:

In sechs Runden versuchen die Spieler durch ihre Viren die meisten Punkte einzufahren. Jede dieser Runden besteht aus sechs Phasen, die auf dem Spielplan dargestellt und mit dem Phasenzähler abgearbeitet werden. Durch Ausspielen der Mutations- und Zonenkarten versuchen die Spieler eigene Viren zu platzieren, mit diesen umher zu wandern, andere Viren zu bekämpfen oder sich selbst mit einem Schild auszurüsten. Letzteres funktioniert, indem der Virus auf die Schild-Seite gedreht wird. Blau hinterlegte Felder dürfen nur im Organ ausgeführt werden, welches zusammen mit der Aktion gespielt wurde. Später kommen flexiblere Karten mit weiteren Aktionen hinzu, wie andere Viren zu absorbieren, anzuziehen, abzustoßen oder einen Kollaps auszulösen. Die Auswahl erfolgt geheim bevor die Karten der Reihe nach abgehandelt werden. Die Karten bleiben anschließend liegen, ab der zweiten Runde nimmt man dabei zuvor ausliegende Karten wieder auf. Das verhindert das mehrfache Ausspielen der gleichen Karte direkt hintereinander. Zudem sehen die anderen Spieler ebenfalls, welche Karten ein Spieler gerade nicht ausspielen kann.

Viral Spielsituation

Spielsituation / Foto_ Brettspielpoesie

Für die anschließende Wertung in jeder Runde muss man in allen Organen einer Zone vertreten sein, mit einer größeren Anzahl als andere Spieler. Bei Gleichstand entscheidet die Reihenfolge der Vorrangleiste, diese wird entgegengesetzt der Punkteverteilung am Ende einer jeden Runde festgelegt. Jeder Zone wurde bei Spielbeginn ein Zonenmarker zugewiesen, der die Punkte angibt. Diese Zonenmarker zeigen aber auch Forschungspunkte, die man auf der zugehörigen Leiste abtragen muss. Die Organe werden von oben nach unten anhand der Zahl der Zone ausgewertet.  Die Punkteskala zeigt vier Mal die Aktion Karte aufnehmen. Immer wenn ein Spieler solch ein Feld erreicht oder überschreitet, darf er eine der drei offen ausliegenden Mutationskarten auf die Hand nehmen. Zusätzlich tritt ein Ereignis ein, darüber können Viren platziert oder verschoben werden und meist gibt es zusätzliche Siegpunkte.

Viral Kartenauslage

Kartenauslage / Foto: Brettspielpoesie

In der folgenden Phase werden kollabierte Organe ausgewertet. Ein Organ kollabiert immer dann, wenn sich zu viele Viren dort befinden. Für dieses Organ werden zwei Punkte an den Spieler vergeben, der dort die meisten Viren platziert hat und einen Punkt für jeden anderen Spieler der mindestens einen Virus dort platziert hat. Die Viren kommen zurück zu den Spielern, wenn sie nicht auf der Schild-Seite lagen. Diese würden einfach umgedreht. Dann wird der Forschungsstatus betrachtet. Die Ärzte finden ein Heilmittel sobald das Ende dieser Leiste erreicht wurde und alle Viren des Spielers verschwinden aus dem Körper bzw. verlieren ihren Schild. Nach Anpassung der Vorrangleiste beginnt die nächste Runde.

Als Variante können erfahrene Spieler bei Spielbeginn mittels Drafting die Karten bestimmen, die sie über die Siegpunktleiste erhalten werden. Diese sortiert man in gewünschter Reihenfolge und zieht beim Erreichen der entsprechenden Siegpunkte von diesem, statt von einem gemeinsamen Stapel.

Spielende:

Das Spiel endet nach der sechsten Runde. Bei der Endwertung wird ein Punkt für jede Zone vergeben, in der ein Spieler noch mindestens einen Virus hat. Die zusätzlich aufgenommenen Mutationskarten können Punkte zeigen und zusammen mit den Viruspunkten, die während der Partie gesammelt wurden, steht das Endergebnis fest. Der erfolgreichste Virus ist der, welcher durch seine Verbreitung die meisten Punkte erhalten hat.

Spieleranzahl:

Bei solch einem Area Control-Spiel gilt grundsätzlich: Umso mehr Spieler, desto mehr Action und Spannung und etwas längere Spielzeit. Aber auch zu dritt hatten wir bereits Spaß. Zu zweit ist es jedoch gar nicht geeignet, es kommt dann ein Virusautomat zum Einsatz, der zu Beginn einer Runde zwei Viren zufällig verteilt. Darauf kann man sich nicht vernünftig einstellen, es nimmt dem Spiel die gewisse Planbarkeit.

Glücksfaktor?

Beim Corax Games Tag wurde das Spiel damit angepriesen, keinen Glücksfaktor zu haben. Alle Informationen sind offen. Ich sehe welche Karten die Mitspieler gerade nicht auf der Hand halten und wenn ich in Betracht ziehe, welche zusätzlichen Mutationskarten gewählt wurden, kenne ich alle Handlungsoptionen. Ich sehe auch wer in welchen Organen vertreten ist. Doch durch die später hinzukommenden Aktionen wie Absorbieren oder Anziehen, kann sich durch ausgespielte Karten plötzlich alles verändern, es ist also keineswegs exakt vorhersehrbar. Vom Zufall hängen nur die ins Spiel kommenden Mutationskarten ab, man darf aber aus dreien wählen und durch die Variante kann man dies etwas mehr kontrollieren.

Fazit:

Ein wirklich schönes, taktisches Spiel mit einem gewissen Ärger-Faktor. Angefangen mit der wirklich tollen Gestaltung des Spielplans und der Karten, die dieses Thema gut herüber bringen. Die Ereignis-Karten wie z.B. Rauchen verboten, Fast Food oder Verdauungsstörung bringen zusätzlich ein wenig Humor ins Spiel. Es geht darum, die Aktionen gekonnt in den Organen einzusetzen, um dort Viren zu platzieren und viele Punkte zu holen, dabei aber auch darauf zu achten nicht zu viele Viren wieder zu verlieren. Viele Punkte für eine Zone kommen oft einher mit vielen Schritten auf der Forschungsleiste, die wiederum zur Beseitigung des Virus führen. Besonders die Karten mit hohen Punktzahlen bringen keine neuen Viren auf den Spielplan, doch bei Spielende möchte man für die Schlusswertung noch möglichst viele auf dem Plan behalten. Kollabierte Organe bringen zusätzliche Siegpunkte, führen aber auch zum darauf folgenden Verlust, wenn die Viren nicht mit Schutzschilden ausgestattet wurden. So viele tolle Aktionen, aber nur so wenige Karten werden überhaupt ausgespielt. Und genau die Karten, die man am am liebsten verwenden würde, liegen eh immer vor einem und sind gerade nicht verwendbar. Oder sie bieten tolle Aktionen, erfordern aber auch einen eigenen Virus, der dort nicht vorhanden ist. Dazu können einem die Mitspieler mit ihren Aktionen mächtig in die Quere kommen, da man bei der eigenen Auswahl ja noch gar nicht weiß was die anderen planen. Das Überblicken dieser Zusammenhänge und der hinzu kommenden Aktionen durch die zusätzlichen Mutationskarten können den Einstieg etwas erschweren.

Durch die vielen Zonenmarker, Mutations- und Ereigniskarten wird für viel Varianz in unterschiedlichen Partien gesorgt. Die veranschlagten 60 – 90 Minuten sind gut getroffen. Ob zu dritt, viert oder fünft, eine Partie macht einfach Spaß, wenn man keine Grübler dabei hat, die es unnötig in die Länge ziehen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Corax Games / Mesa Boardgames
Autor(en): Gil d’Orey, Antonio Sousa Lara
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl:  2 – 5 Spieler
Dauer: 60 – 90 Minuten

Vielen Dank an Corax Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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