Wann ist ein Spiel ein Spiel?

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Was benötigt ein Spiel, um ein Spiel zu sein? In letzter Zeit höre ich häufiger die Frage danach, ob es sich „tatsächlich noch um ein Spiel“ handelt. Zum Beispiel bei den vielen Exit/Escape Room-Umsetzungen für zu Hause, wird angezweifelt, ob es sich Spiel bezeichnen darf oder eher eine Aneinanderreihung von Rätseln mit mehr oder weniger Geschichte drum herum zu sein vermag. Ich erinnere mich daran, dass ich bei der Klask-Rezension bereits auf der Suche nach der Definition eines Brettspiels war. Auch da stand die Frage im Raum, wie viel ein Geschicklichkeitsspiel noch mit einem Brettspiel zu tun hat. Im Endeffekt sollen die Spieler Spaß haben, ich denke dabei sollte man nicht zu sehr in Schubladen denken. Wikipedia definiert ein Gesellschaftsspiel als „ein (…) von zwei oder mehr Personen unternommenen Zeitvertreib zum Zwecke des Vergnügens“. Zeitvertreib zum Vergnügen klingt passend, aber warum müssen sich dafür mindestens zwei Personen zusammen finden? Ich habe eher das Gefühl, dass Solo-Spiele immer beliebter werden. Und über eine Reihe solcher Solo-Spiele möchte ich heute gerne berichten.

Beim Pegasus-Verlag konnte Reiner Knizia 2015 das erste Knobel-Spiel der Brains-Reihe heraus bringen, mittlerweile gibt es vier Versionen davon. Das Prinzip ist bei allen gleich: Auf 25 doppelseitigen Puzzle-Tafeln findet der Rätselfreund 50 Aufgaben in fünf Schwierigkeitsstufen. Es begann in einem Japanischen Garten mit der Aufgabe die Wege zu anzulegen, dass sie über eine bestimmte Anzahl von Plättchen verlaufen, an bestimmten Symbolen vorbei führen oder diese verbinden. Dafür hat der Spieler acht verschiedene Plättchen zur Verfügung. Von den Aufgaben sehr ähnlich ist der Spielablauf bei der Schatzkarte, allerdings hat man hier nur sieben Plättchen, aus denen gewählt werden darf. Bei Zaubertrank geben die Symbole am Rand an, wie viele und/oder welche Zutaten in einer Reihe/Spalte liegen sollen oder nicht liegen dürfen. Wieder sind sieben Plättchen dafür verfügbar. Lediglich Make Me Smile hebt sich davon ein wenig ab. Als Material gibt es sechs kleine Pöppel und jede Menge Papp-Plättchen mit Smileys in blau und gelb. Die Tafeln zeigen die Anzahl Pöppel an, mit denen man die blauen und roten Smileys zu glücklichen Smileys machen soll. Dabei dürfen alle Smileys die vom Pöppel aus gesehen auf einer Linie zu einem gelben Smiley oder einem anderen Pöppel liegen, aufgebessert werden. Von rot zu blau und von blau zu gelb. Stecken bleiben kann man nicht, denn es gibt zwei kleine Hefte dazu: Eines mit ersten Hinweisen und eines mit den Lösungen, falls man wirklich nicht darauf kommen sollte.

Brains Cover

Cover / Foto: Pegasus Spiele

Ich liebe Rätsel und daher hatte ich mich dem Zaubertrank wirklich Spaß, es war ein angenehmer Zeitvertreib. Die Schatzkarte und Japanischer Garten habe ich noch nicht in die Finger bekommen, ich denke aber, dass sie ähnlich gut funktionieren. Lediglich Make Me Smile konnte mich überhaupt nicht überzeugen, da das Material viel zu fummelig ist. Sicherlich kann man sich auch im Kopf überlegen, was passiert, wenn man den Pöppel an eine bestimmte Stelle stellt, aber der Beweis durch Ausführung der Aufgabe ist sehr aufwändig und demotiviert. Mit den Karten macht es mir Spaß herum zu experimentieren. Da versuche ich zwar auch zunächst im Kopf mögliche Optionen durchzuspielen, aber der Beweis durch das Legen der Plättchen ist viel schneller erledigt.

Mir gefällt auch der aufsteigende Schwierigkeitsgrad. Während die ersten 10 so locker von der Hand gehen, dass man sie eigentlich auch überspringen könnte, wird es dann in Zehnerschritten immer herausfordernder, sodass man zum Ende hin schon ordentlich zu Grübeln hat. Wobei ich zwischenzeitlich fast das Gefühl hatte, dass die Einschränkungen zwischendrin so groß werden, dass gar nicht mehr all zu viele Optionen übrig bleiben. Sofort offensichtlich waren die Lösungen dennoch nicht. Brains ist sicher nicht für Jedermann geeignet, man sollte Spaß am Rätseln haben und sich gerne mal alleine beschäftigen können. Sicherlich kann man für solche Aufgaben auch diverse Apps nutzen, aber mir gefällt der analoge Spielspaß. Doch Finger weg von Make Me Smile, das könnte einen negativen Ersteindruck hinterlassen. Ich finde es gut, mit Zaubertrank wieder auf Plättchen gesetzt zu haben, von dieser Sorte Brains würde ich mir noch weitere wünschen.

Doch möchte ich auf die Ausgangsfrage zurück kommen. Sind die Titel der Brains Reihe Spiele? Für mich schon! Ich habe eine Spieleschachtel, die sich optisch neben den anderen kleinen Pegasus-Spielen gut einreiht. Enthalten ist Spielmaterial, mit dem ich einen angenehmen und teils herausfordernden Zeitvertreib haben kann. Und das sind doch die Dinge, worauf es ankommt: Eine schöne Zeit zu haben und dabei sogar noch das Gehirn zu fordern. Auch wenn ich grundsätzlich lieber Mitspieler um mich herum habe, gibt es Momente in denen diese nicht verfügbar sind. Und in solchen Momenten halte ich mich gerne mit Solo-Spielen, wie zum Beispiel Brains auf.

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.