Zug um Zug – Vereinigtes Königreich (+ Pennsylvania)

Zug um Zug Vereinigtes Königreich Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Nachdem ich nun schon zu Zug um Zug und Zug um Zug – Europa ein paar Worte verloren habe, möchte ich mich heute der Erweiterung Vereinigtes Königreich & Pennsylvania widmen. Zwar handelt es sich dabei bereits um die fünfte Erweiterung der sogenannten Map Collection, aber da es sich dabei um die aktuelle Variante aus diesem Jahrgang handelt, halte ich es für angebracht mich damit zu beschäftigen. Diese Erweiterung bringt einen doppelseitigen Spielplan mit, wie der Name bereits verrät eine Seite mit einer Karte des Vereinigten Königreichs und auf der Rückseite eine Karte des US-Staates Pennsylvania. Aufgrund dieser Tatsache erwartet euch in dieser Rezension eine etwas andere als die gewohnte Struktur. Ich gehe auf die Neuerungen der beiden Varianten einzeln ein und betrachte das Gesamtpaket nur im Fazit.

United Kingdom

Der Spielplan, der für den Haupttitel sorgt, zeigt das Vereinigte Königreich und ein kleines Stück der Küste Frankreichs. Zusätzlich bekommt man neue Wagenkarten mit sechs zusätzlichen Lokomotiven, 57 neue Zielkarten und erstmalig Technologie-Karten. Die Anleitung umfasst zwei Doppelseiten. Gespielt wird nur mit 35 statt 45 Waggons je Spieler und es ist erlaubt vier beliebige Wagenkarten als Lokomotive zu spielen. Von den Zielkarten werden zu Beginn fünf gezogen, drei müssen behalten werden. Es gibt grundsätzlich keine Sonderpunkte für die längste Strecke oder die meisten erfüllten Zielkarten.

Ganz neu sind die Technologie-Karten. Die Spieler verfügen bei Spielbeginn über keine Technologie und dürfen nur Strecken der Länge 1 oder 2 in England errichten. Für Strecken aus drei Teilen oder für Strecken der Länge vier bis sechs muss zunächst die entsprechende Technologiekarte gekauft werden. Das ist zu Beginn eines Spielzuges erlaubt, wenn man die geforderte Anzahl (je nach Technologie 1-4) an Lokomotiven abgibt. Für Strecken außerhalb Englands oder aus England heraus benötigt man ebenfalls eine entsprechende Technologie, genau wie für die Fährverbindungen. Zusätzlich benötigt man wie gewohnt die angegebene Anzahl an Loks zur Errichtung solch einer Fähr-Strecke. Die Technologien beeinflussen nicht nur die Lage oder Länge der Strecken, die errichtet werden dürfen, sondern können auch Sonderpunkte bei der Errichtung neuer Strecken einbringen. Konnten die Punkte im Grundspiel noch zu jedem Zeitpunkt nachvollzogen werden, ist dies nun nicht mehr möglich und man sollte genau auf die Punktevergabe achten. Es gibt auch eine Technologie, mit der man einmalig direkt nach Erwerb neben einer bereits errichteten Strecke bauen und diese nutzen darf. Anschließend steht diese Technologie wieder allen Spielern zur Verfügung. Alle anderen Technologien erwirbt man für die gesamte Partie, jeder hat also die Möglichkeit jede Technologie zu erwerben.

Die Zielkarten sind sehr unterschiedlich, von wenigen Punkten für kurze Strecken ohne Technologie bis hin zu vielen Punkten für längere Strecken, die mehrere Technologien erfordern, ist alles dabei. Sogar eine Strecke von Southampton nach New York für ganze 40 Punkte. In der Variante mit fortgeschrittenen Technologien kommen weitere Technologien hinzu, die nur von einem Spieler und teilweise auch nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sind. Nur so kann man zusätzliche Punkte für die längste Strecke oder die meisten erfüllten Zielkarten erhalten.

Pennsylvania

Für Zug um Zug Pennsylvania bekommt man den zugehörigen Spielplan, 50 Zielkarten und 60 Anteilsscheine für neun verschiedene Eisenbahngesellschaften. Die Beschreibung der Neuerungen passen auf eine Seite im mehrsprachigen Regelheft. Man nimmt sich die Wagenkarten eines beliebigen Grundspiels und je Spieler 45 Waggons. Jeder Spieler zieht fünf Zielkarten, von denen er mindestens drei behalten muss. Das Spielprinzip ist dem des Grundspiels gleich, man hat die gleichen Aktionsmöglichkeiten. Bei Pennsylvania darf man allerdings während des Spiels vier Zielkarten nachziehen, von denen wie gewohnt mindestens eine behalten werden muss. Es gibt hier genau zwei Strecken, bei denen Fähren zum Einsatz kommen. Hinzu kommt, dass man für die meisten Strecken nach dem Bau einen Anteilsschein einer der zugewiesenen Gesellschaften erhält. Je nach Gesellschaft stehen 2,3,4,5,6,7,8,10 oder 15 Anteilsscheine zur Verfügung, die geordnet offen ausliegen. Stehen mehrere zur Auswahl darf der Spieler sich eine aussuchen. Sollten keine passenden Anteilsscheine mehr verfügbar sein, geht er leer aus. Bei Spielende werden die Mehrheiten je Gesellschaft ausgewertet und entsprechend Punkte vergeben. Bei Gleichstand erhält derjenige die größere Belohnung, der einen Anteilsschein mit der kleinsten Nummer besitzt, also früher einen solchen Anteilsschein erworben hat. Bei den Gesellschaften mit kleinerer Anzahl an Anteilsscheinen, fällt die Belohnung nicht so hoch aus, dafür ist es einfacher eine Mehrheit zu erreichen.

Zu zweit muss wegen der Mehrheiten der Anteilsscheine mit einem Dummyspieler gespielt werden. Dieser erhält jedes mal, wenn ein Spieler einen Anteilsschein erhält, ebenfalls einen. Stehen mehrere zur Wahl wählt der aktive Spieler. Vor der Wertung werden diese Anteilscheine gemischt und die Hälfte davon in die Mehrheitenwertung einbezogen, sodass mehr Glück ins Spiel kommt, welche Anteilsscheine sich lohnen.

Zug um Zug - Vereinigtes Königreich Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Fazit:

Für passionierte Zug um Zug-Spieler ist diese Erweiterung wieder eine gelungene Alternative. Besonders wem Zug um Zug bisher zu seicht war, wird an dieser Erweiterung seine Freude haben, da es taktischer gespielt werden muss. Einsteiger können die Erweiterungen jedoch etwas überfordern.

Im Vereinigten Königreich ist die Konkurrenz zu Beginn meist noch sehr hoch, da alle erst nur in England Strecken errichten dürfen. Später können sich die Strecken mehr verteilen. Größter Kritikpunkt bei UK ist die (Fähr-?)Strecke Southampton – New York, da diese thematisch keinen Sinn ergibt und viel zu stark ist. Man benötigt keine einzige Technologie, „nur“ mindestens drei Loks und verbraucht auf einen Schlag eine Menge Waggons für 40 Punkte. Dadurch kann das Spielende sehr plötzlich kommen, aber immerhin hat sich in unseren Spielrunden gezeigt, dass nicht immer der Spieler mit dieser Strecke gewinnt. Es sollte nun noch mehr Acht bei der Wahl der Start-Ziel-Karten und deren erforderlichen Technologien geben. Denn alle Technologien wird man nur schwer erwerben können.

Pennsylvania hingegen orientiert sich von der Komplexität mehr am Originalspiel. Mit den Anteilsscheinen können viele Punkte gemacht werden, doch nicht immer erhält man für die Errichtung notwendiger Strecken auch die wertvollen Anteilsscheine. Man sollte diese zusätzliche Wertung nicht unterschätzen. Bei der Strecken-Wertung wurden wir vor ein Problem gestellt: Wie wird eine Strecke aus 7 Zügen gewertet? Im Originalspiel findet man dazu nichts, in Europa ebenfalls nicht. Lediglich in der Anleitung zur deutschen Variante (genau wie in der Märklin-Ausgabe) ist eine Strecke der Länge 7 in einer Punktetabelle aufgeführt. Der Punktwert 18 fühlt sich aber ungerecht an, da die Differenz der Punkte zwischen der Länge 5 und 6 fünf beträgt, zwischen 6 und 7 aber nur drei. Zudem muss man immer die Wertungskarte oder die Regeln der Grundspiele parat haben. Hierfür hätte ich mir eine zusätzliche Wertungskarte gewünscht, vor allem, da keine Wertungsangabe auf dieser Seite des Spielplans zu finden ist.

Mir haben die beiden neuen Varianten zwar gut gefallen, aber es lohnt sich nur wenn man regelmäßig Zug um Zug spielt und dabei Wert auf Abwechslung legt. Spielt man beide Varianten am gleichen Tag, sollte man aufpassen die Regel-Feinheiten nicht zu vermischen, was schnell passieren kann.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Days of Wonder / Betrieb: Asmodee
Autor(en): Alan R. Moon
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler (UK 2-4 Spieler, Pennsylvania 2-5 Spieler)
Dauer: 30 – 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “Zug um Zug – Vereinigtes Königreich (+ Pennsylvania)

  1. Hallo
    Mir hat von den beiden Variationen United Kingdom besser gefallen ohne wirklich sagen zu können wieso. Iwie haben mir die Lizenzen für längere Strecken bzw. die gesperrten Länder einfach etwas besser gefallen als die Aktien für die Eisenbahngesellschaften.

  2. Pingback: Die Reise geht weiter | Brettspielpoesie

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