3 Spiele – 1 Mechanismus: Roll’n’Write

Roll'n'Write Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Wieder ist es an der Zeit für mich etwas Neues auszuprobieren. Ich habe einige Spiele hier, die ich euch gerne vorstellen möchte, zu denen es aber im Detail gar nicht so viel zu schreiben gibt. Außerdem haben sie untereinander große Ähnlichkeiten, sodass ich mich entschieden habe sie euch gemeinsam vorzustellen. Ich hoffe, dass dies auch in eurem Sinne ist, da ihr dann einen direkten Vergleich bekommt, der euch bei eurer Kaufentscheidung vielleicht helfen kann.

Das heutige Thema: Roll’n’Write

Unter diesem Begriff werden Würfelspiele verstanden, bei denen die Würfelergebnisse unter bestimmten Bedingungen auf eigenen Wertungszetteln oder Tableaus eingetragen werden und dadurch Punkte generieren können. Häufig zeichnen sich diese Spiele dadurch aus, dass alle Spieler von einem Würfelwurf profitieren (können).

Knaster

Bei Knister, der Neuauflage von Würfelbingo, war meine Kernaussage dass mir Einflussmöglichkeiten fehlen und es zu glückslastig daher kommt, was kaum Emotionen auslöste. Nun habe ich das Gefühl, dass genau auf solche Rückmeldungen reagiert wurde, denn Knaster nimmt das bekannte Spielprinzip und packt noch eine Schippe oben drauf. Wieder hat jeder die gleichen 25 Felder auf seinem Zettel, wieder zählt jeder Würfelwurf für alle Spieler, doch kann es mehrere Möglichkeiten der Eintragung geben. Das Spiel endet auch nicht mehr immer stumpf nach 25 Würfen. Sobald schon Zahlen auf dem Zettel eingetragen sind, hat man die Wahl, wenn die Zahl erneut gewürfelt wird: Entweder als Zahl in ein unbelegtes Kästchen eintragen oder eine solche bereits eingetragene Zahl zu umkreisen. Denn bei Spielende werden nur die Reihen (waagerecht, senkrecht oder diagonal) gewertet, in denen die fünf Zahlen auch eingekreist sind. Kreise können auch anders herbei geführt werden, nämlich in dem man wie bisher z.B. Paare oder Straßen bildet. Eine Partie endet, sobald ein Spieler das letzte freie Feld auf seinem Wertungszettel mit einer Zahl befüllt, dann wird noch ein letztes Mal gewürfelt. Die Punktzahlen für vollständige, eingekreiste Reihen befinden sich fest auf dem Plan und variieren von 5 bis 10, wobei die Diagonalen immer 10 Punkte wert sind. Zusätzlich zählt jede eingekreiste Zahl einen Punkt. Die Spieler vergleichen ihre Werte, um zu sehen, wer die Zahlen und Kreise am effektivsten gesetzt hat.

Knaster Spielmaterial

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Die Grundkritik bleibt erhalten, das Spiel ist immer noch sehr glückslastig, doch gefällt mir Knaster wirklich besser als Knister, weil die Optionen nicht ganz so limitiert sind. Solo ist es für mich allerdings weniger interessant, da ist es mir ziemlich schnell gelungen die maximale Punktzahl zu erreichen, indem alle Felder eingekreist waren. Das kann im Mehrspielerspiel auch mal passieren, oft beendet jedoch ein Spieler die Partie zuvor.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Autor(en): Markus Schleininger, Reinhard Staupe, Heinz Wüppen
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Doppelt so Clever

Ebenfalls um eine Weiterentwicklung handelt es sich bei Doppelt so Clever, dem Nachfolger von Ganz schön clever. Das zum Kennerspiel des Jahres nominierte Würfelspiel hat das Genre auf eine neue Ebene gehoben, zuvor zählten solche Spiele eher als Leichtgewichte. Wolfgang Warsch ist es gelungen, durch die Würfelauswahl, Vorgaben an die einzutragenden Werte und die vielen Boni, die dadurch freigeschaltet werden können, ein interessantes, fesselndes Spiel zu entwickeln. Statt bloß einen neuen Wertungsblock anzubieten, gibt es nun ganz neue Würfelfarben, mit gänzlich neuen Regeln zur Eintragung.

Doppelt so Clever! Spielmaterial

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Dazu kommt ein ganz neuer Bonus, der es erlaubt einen ungenutzten Würfel vom Silbertablett zurück zu holen. Daraus ergeben sich viele neue Möglichkeiten und auch ganz neue Highscores. Aber in gewisser Weise wird auch der Glücksfaktor erhöht. Der graue Würfel erlaubt auch die Augenzahlen der Würfel einzutragen, die mit der Wahl des grauen Würfels auf dem Silbertablett landen. Um einen Highscore zu erzielen, sollte der graue Würfel daher immer mit möglichst vielen Würfeln gewählt werden, um an viele Eintragungen zu gelangen. Das ist nur leider nicht immer machbar, zudem die dafür möglichen Augenzahlen mit der Zahl der Eintragungen sinken. Außerdem sind niedrige Zahlen in manchen Situationen völlig unbrauchbar, wie zum Beispiel zu Beginn einer Partie.

Trotz dieser Glückselemente, macht Doppelt so clever ebenso süchtig wie sein Vorgänger – zumindest solo oder zu zweit. Während ich, als eine der wenigen scheinbar, Ganz schön clever auch gerne mal zu dritt oder viert spiele, habe ich hierbei wenig Interesse daran dies zu wiederholen. Durch die vielfältigeren Optionen zieht sich eine Partie dann wirklich extrem, da geht eine Menge Spielspaß verloren. Solo hat es die reale Ausgabe gegenüber der App schwer, da die App einfach super funktioniert und die Partien im Nu vorbei sind, ohne etwas auf- und abbauen zu müssen. In der App kann man sich auch mit anderen messen, was eine nette Herausforderung ist. Doppelt so clever weiß also durchaus zu gefallen, fühlt sich aber weniger elegant als sein Vorgänger an.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Wolfgang Warsch
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Dizzle

Etwas aus der Reihe tanzt das ebenfalls bei Schmidt Spiele in der Reihe Klein & Fein erschienene Dizzle, da es sich eben nicht um eine Weiterentwicklung, sondern um eine neue Roll’n’Write-Idee handelt. Es enthält viele kleine Würfel, die pro Runde gewürfelt werden und von denen sich die Spieler nacheinander einen aussuchen dürfen. Der Würfel muss angrenzend an ein bestehendes Kreuz des eigenen Wertungsblatts gesetzt werden und alle weiteren Würfel dieser Runde müssen angrenzend gelegt werden. Jedes Feld zeigt eine Augenzahl die dort platziert werden darf. Ist dies nicht möglich, kann der Spieler aussteigen oder erneut würfeln. Erneut zu würfeln steht nur als Option zur Verfügung, wenn wirklich kein Würfel passt. Kann nach dem Wurf noch immer keinen Würfel verwendet werden, muss ein Würfel vom eigenen Wertungsblatt entfernt und zurück in die Auswahl gelegt werden. Nur wenn an einen Würfel kein freies Feld mehr angrenzt, darf der nächste Startpunkt wieder frei gewählt werden. Die Anzahl der verwendeten Würfel und der Runden einer Partie hängt von der Spielerzahl ab.

Dizzle Spielmaterial

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Die Wertungszettel zeigen neben den Augenzahlen auch besondere Felder, die auf bestimmte Weise Siegpunkte einbringen oder Ereignisse auslösen. Es gibt die Zettel bisher in vier unterschiedlichen Layouts, genannt Level, alle Spieler wählen pro Partie dasselbe. Sie sind so aufgebaut, dass Level 1 zunächst nur die Grundregeln beinhaltet, während mit jedem Level etwas hinzu kommt. Es wird also anspruchsvoller. Interaktion entsteht durch den gemeinsamen Zugriff auf die Würfel und weitere Elemente wie zum Beispiel Bomben. Werden diese von einem Mitspieler gezündet, erhalten alle anderen Spieler Minuspunkte bei Spielende und sie dürfen dieses Feld nicht mehr nutzen. Das triggert die Emotionen, wenn mal wieder eine Bombe direkt vor der Nase gezündet wurde oder ein Spieler statt auszusteigen lieber noch die passenden Würfel für die nachfolgenden Spieler neu würfelt.

Dieses Spiel ist recht glücksabhängig, erst in den späteren Leveln bieten sich wirkliche Entscheidungen. Dann existieren tatsächlich Optionen aus denen man wählen kann, während es zuvor maximal entscheidend ist, zu welchem Zeitpunkt etwas erreicht wird, um die Mitspieler etwas zu ärgern. Daher bin ich gespannt auf weitere Level, an denen der Autor bereits fleißig arbeitet. Wenn sich die Level gut weiter entwickeln, könnte sogar eine 5 als Wertung heraus springen, mit der aktuellen Levelauswahl wurde die 5 ganz knapp verpasst.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Ralf zur Linde
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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