BerlinCon 2018 – Tag 2

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Am zweiten Tag der BerlinCon machten wir uns bereits vor der Eröffnung um 10 Uhr auf den Weg zum Kühlhaus und trafen erste Mitstreiter, die uns beim Warten aus den Einlass Gesellschaft leisteten. Wir gehörten mit zu den ersten, die hinein gelassen wurden und nutzten die Chance einen Rundgang über den Flohmarkt zu machen, bevor sich lange Schlangen bilden. Wir hatten eigentlich wenig Hoffnung am zweiten Tag noch interessante Schnäppchen zu finden, doch da hatten wir uns getäuscht. Ich entdeckte Schafe Schubsen zu einem fairen Preis, welches 2011 in kleiner Auflage zum Jubiläum von Hall9000 produziert wurde. Danach suche ich schon länger und hatte die Hoffnung auf einen Fund eigentlich bereits aufgegeben. Außerdem nahmen wir noch Signorie mit, um unsere  Whats your game-Sammlung zu vergrößern. Damit hatte sich dieser Tag auf der BerlinCon bereits gelohnt :-D

Doch sollte heute auch richtig viel gespielt werden. Wir starteten zum Aufwärmen mit einer schnellen Runde Twin it! (Nathalie Saunier, Rémi Saunier, Thomas Vuarchex ), zu der wir vom Spielererklärer am Stand von Huch Spiele beim vorbei gehen aufgefordert wurden. Beidseitig bedruckte Kärtchen zeigen verschiedene Muster und Farben, es müssen Pärchen gefunden werden. Keine leichte Aufgabe, für den Start am frühen Morgen aber genau das richtige, um die kleinen grauen Zellen auf Betriebstemperatur zu befördern.

Anschließend kamen wir gerade bei Pegasus vorbei, als ein Tisch mit Reef (Emerson Matsuuchi) frei wurde. Ein Pärchen nahm gerade Platz und wir schlossen uns den beiden für eine Partie an. Oft wird dies als Azul Nachfolger bezeichnet, doch bis auf die Tatsache dass beides abstrakte Spiele vom selben Verlag sind, haben sie wenig gemein. In der Erstpartie fühlt sich Reef sehr solitär an. Ein Spieler nimmt entweder eine Karte auf die Hand oder spielt eine Karte aus. Beim Ausspielen erhält er die zwei abgebildeten Steine, die er sofort verbauen muss und hinterher bekommt er Punkte, falls er die geforderte Kombination erfüllt hat. Lediglich über die Kartenauslage und zum Ende hin vielleicht über die Steine, kann man etwas interagieren, da das Spiel endet sobald eine Sorte ausgeht. Ich bin durchaus offen für weitere Partien, kann mir aber nicht vorstellen, dass es den Status von Azul erreichen kann.

Honga Spielsituation

Prototyp – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Weiter ging es zu Haba, wo wir den Redakteur Tim Rogasch entdeckten. Er hatte im Vorfeld auf Twitter von Familienspiel-Prototypen geschrieben, die wir uns gerne anschauen wollten. Wir starteten mit Honga (Günther Burkhardt), einem Säbeltiger, der unsere Rohstoffe auffuttert, wenn wir ihn nicht die ganze Zeit verhätscheln. Der Spielplan zeigt die möglichen Aktionen und vier Plätze für die Aktionskarten. Diese zeigen eine oder mehrere Hände in verschiedenen Quadranten. Es werden die Aktionen ausgeführt, wo die Hände hinzeigen, so oft, wie Hände zu sehen sind. Doch zeigt keine Hand auf Honga in der Mitte, kommt er und frisst sich durch den eigenen Bestand, bis ihn Jemand anderes verärgert oder wir ihn durch Karten abwehren können. Dieser Aktionsmechanismus und das gesamte Drumherum haben gefallen. Optisch erinnerte es vielleicht etwas an Stone Age, doch dahinter verbirgt sich ein völlig anderes Spiel.

Darauf folgte eine Partie Mountains (Carlo A. Rossi), bei der auch der Redakteur mitspielte. Das Highlight dieses Spiel ist der enthaltene Stempel samt Stempelkissen. Wer viel wandert, wird es vielleicht kennen, die Möglichkeit auf seinen Wanderrouten Stempel zu sammeln. Das ist auch die Aufgabe in diesem Spiel. Je nach Bergtour ist dafür eine bestimmte Ausrüstung von Nöten, doch hat jeder Spieler nur wenige Handkarten. Man kann auch die Gegenstände der Mitspieler nutzen, nur sollte man sich dafür merken, wer was mit sich rum trägt. Denn mit den Aktionssteinchen, kann man die Mitspieler fragen, ob die den geforderten Gegenstand dabei haben. Und wenn dann in einer Hütte weitere Ausrüstungsgegenstände gefunden werden, muss wieder erst heraus gefunden werden, wer, was besitzt. Es scheint, als könnten mir dieses Jahr alle erscheinenden Haba Familienspiele zusagen, ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Veröffentlichungen zur Spiel’18.

Mountains Spielmaterial

Prototyp – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Am Kosmos-Stand entdeckten wir Drop it (Bernhard Lach, Uwe Rapp ), über das ich zuletzt viel Positives las. Also direkt eine Partie gespielt, bei der ich jedoch chancenlos unterlegen war. Micha hatte mich bis zum Ende der Partie gleich zweifach überholt – scheinbar einfach nicht mein Spiel. Wobei es toll aussieht und auch eigentlich nach einer spannenden Herausforderung klingt. Abwechselnd schieben die Spieler unterschiedlich geformte Holzteile zwischen zwei Plastikscheiben und lassen sie von oben herunter fallen. Dabei sollten gleiche Farben und gleiche Formen nicht direkt aneinander grenzend liegen bleiben und auch am Boden und am Rand gibt es bestimmte Vorgaben, was dort liegen darf. Liegt etwas falsch, gibt es gar keine Punkte dafür.

Bei Ravensburger wollten wir eigentlich Cool Runnings spielen, doch war dieses mal wieder besetzt. So fiel die Entscheidung auf Woodlands (Daniel Fehr), welches immerhin auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres gelandet ist. Und ja, es erinnert sehr an Loony Quest, doch statt auf Folie die Wege zu malen, legen wir diese hier mit neun Plättchen, um Runde für Runde verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Die Folie mit den Personen und Gegenständen liegt dabei in der Mitte, jeder puzzelt den Weg auf seinem eigenen Tableau zusammen und überprüft hinterher, ob die Vorgaben erfüllt wurden. Wir haben nur das erste Märchen gespielt, das erschien uns relativ einfach und wenig herausfordernd. Da nur vier verschiedene Geschichten enthalten sind, fürchte ich das Spiel könnte für uns schnell langweilig werden. Da bleibe ich lieber bei Loony Quest. Positiv zu erwähnen ist der Aufbau der Märchen. In Rotkäppchen werden die Aufgaben von Folie zu Folie immer etwas umfangreicher, sodass man langsam an das Spiel heran geführt wird.

Der Krimimaster Stephan Kessler gesellte sich zu uns und wollte gerne mal Dackel drauf kennen lernen, also wurde eine schnelle Partie gespielt. Zu diesem Spiel werde ich mich demnächst ausführlicher äußern. Wir waren nun exakt drei Spieler, da gibt es doch eine Neuheit, die sich quasi aufdrängt: Natürlich ist Trick’n’Trouble von Frosted Games gemeint. Das habe ich euch bereits in meinem Bericht über das #BeepleWe kurz vorgestellt, das Spielprinzip hat sich nicht mehr verändert.

Doch dann standen nebenan Spieler auf, die gerade ihre Partie Ground Floor (David Short) beendet hatten. Eigentlich wollte ich ja auf der diesjährigen BerlinCon keine langen, anstrengenden Spieler spielen, doch kurzerhand fanden wir uns am Tisch von Uli Blennemann wieder. Ich hatte mich zuvor ehrlich gesagt nur wenig mit dem Spiel beschäftigt, optisch und thematisch sprach es mich nicht direkt an. Umso erstaunter war ich, wie thematisch es sich anfühlt und wie passend alles ineinander greift. Ein knallhartes Wirtschaftsspiel, bei dem die Spieler ihre jungen Startup-Unternehmen an die Spitze führen wollen. In sieben Runden müssen die Spieler ziemlich realistisch ihre Firma aufbauen und vor allem das Unternehmensgebäude ausbauen, um Siegpunkte für das Spielende zu sammeln. Dabei immer die Konjunkturprognose im Blick, um möglichst optimal Zeitpunkte zu erwischen neues Personal anzuheuern oder Waren an den Mann zu bringen. Die Optik ist zwar schlicht, dafür unterstützt sie das Spielgeschehen ideal. Ein gutes Spiel, ich fürchte nur, dass es bei uns eher selten zum Einsatz käme, da es nicht gerade schnell gespielt ist und wir vermutlich nicht regelmäßig die passenden Mitspieler hätten.

Ground Floor Spielsituation

Prototyp – Spielsituation/ Foto: Brettspielpoesie

Viel Zeit war nicht mehr bis zum Ende der Veranstaltung, doch es reichte noch um Paper Tales (Masato Uesugi) kennen zu lernen. In Vollbesetzung zu fünft wurden Karten gedraftet und in drei Runden gegeneinander angetreten. Von den vier ausliegenden Karten, können jeweils die beiden vorderen angreifen, ihre Kampfstärke wird mit der, der benachbarten Spieler verglichen. Dabei geht es um Siegpunkte, nicht darum etwas beim Mitspieler zu zerstören. Doch die Karten haben selbst eine kurze Lebensdauer, nach zwei Runden muss die Karte regulär abgelegt werden.  Am Ende einer jeden Runde, kann man Gebäude errichten, die Siegpunkte und dauerhafte Boni einbringen. Vielleicht lag es an der fortgeschrittenen Uhrzeit und den vielen Spielen zuvor, aber so richtig überzeugt hat die Erstpartie nicht. Die Karten sind zauberhaft illustriert und es sind coole Kombis der Karteneffekte möglich, aber der Funke ist leider nicht direkt übergesprungen. Vielleicht kommt das, wenn man die Karten besser kennt.

Auf den letzten Metern hielt ich erneut bei ASS Altenburger an, um mir die Neuerungen der kommenden Erweiterung zu Dominion wenigstens kurz erläutern zu lassen. Dominion Nocturne bringt die Nachtphase ins Spiel, die nach allen bekannten Phasen abgehandelt wird und in der bestimmte Kartentexte aktiviert werden. Manchen Königreichkarten ersetzen nun ein Kupfer der Starthand mit einer Erbstück-Karte, so bringt der Schäfer zum Beispiel die Weide-Karte ins Spiel. Das alleine ist für mich schon Grund genug für die Existenz dieser Erweiterung. :-D Eine weitere Königreichkarte ist ein treuer Hund…sooo niedlich. Zudem gibt es viele neue Karten, die wie Ereignisse und Landmarken nicht ins Deck gelangen. Schicksals- und Untergangs-Karten bringen Segen und Flüche ins Spiel, das klingt nach spannenden Neuerungen. Von der Komplexität soll diese Erweiterung wieder auch Wenigspieler ansprechen, nachdem Empires doch eher für Vielspieler geeignet war. Ich bin trotzdem sehr gespannt und hoffe, dass die deutsche Ausgabe zur Spiel’18 fertig sein wird.

Wir ließen den Tag beim Essen in gemütlicher Runde ausklingen, bevor am Montag das Spiel des Jahres bekannt gegeben wurde. Die BerlinCon hat sich positiv entwickelt, sie ist gewachsen, aber hat ihren Charme dabei nicht verloren. Die Verlage präsentieren sich professioneller, es wird immer internationaler, es waren mehr Prototypen zu sehen oder sogar anzuspielen. Verkauft wurde scheinbar auch viel mehr, als erwartet. Pegasus und Schwerkraft waren schon am Samstag gut leer gekauft, am Flohmarkt musste zeitweise mit über einer Stunde Wartezeit gerechnet werden. Toll, was Hunter & Cron mit ihrem Team geschaffen haben! Auch im kommenden Jahr wieder ein Pflichttermin für uns :-)

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