Carnival of Monsters

Cover / Foto: Amigo Spiele

Holt eure tollsten Kreaturen hervor,
der Carnival of Monsters steht bevor.
Bei diesem Fest alle Anwärter beweisen,
ihre Qualität, indem sie Monster vorzeigen.
Ein neues Mitglied wird jedes Jahr gesucht,
mit auffälligen Monstern wird der Platz gebucht.
Ferne Länder wurden bereist, um sie zu finden,
sie zu fangen und für immer anzubinden.
Geld, Personal und ein guter Jägerinstinkt,
helfen bei diesem Unterfangen bestimmt.

 

Spielmaterial:

In einer für Amigo Spiele ungewöhnlich großen Schachtel mit noch ungewöhnlicherer Optik befindet sich jede Menge Material. Neben den 240 Karten gibt es einen Spielplan zur Ablage der Karten, der drei Würfel und der vielen Stanzteile, die Geld und Käfige darstellen. Die Würfel haben sechs Seiten, manche sind leer, andere zeigen einen oder zwei Käfigsymbole. Zudem erhält jeder Spieler ein Spielertableau, welches den Spielablauf unterstützt. Ein Wertungsblock mit doppelseitig bedruckten Blättern hilft bei der Ermittlung des Siegers.

Spielmechanismus:

In vier Runden werden Karten gedraftet, also aus einem Stapel von anfänglich acht Karten geheim eine ausgewählt und die restlichen an den Mitspieler weitergegeben. Nach jeder Kartenwahl wird die gewählte Karte direkt ausgespielt oder für eine Krone in das eigene Lager gelegt. Die Karten gehen solange reihum, bis alle Kartenstapel aufgebraucht sind, es werden keine Karten aus dem Spiel entfernt, alle im Spiel befindlichen Karten werden auch gespielt. Kann eine Karte derzeit nicht gespielt werden, muss sie ins Lager gelegt werden. Ist kein Geld vorhanden, muss ein Kredit aufgenommen werden, der bei Spielende Punkte kostet.

Carnival of Monsters Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Grundsätzlich lassen sich fünf Kartentypen unterscheiden. Zum einen werden Länder benötigt, um Kreaturen einfangen zu können. Jeder Spieler beginnt mit zwei zufälligen Ländern, diese können mit entsprechenden Karten kostenlos erweitert werden. Um Monster ausspielen zu können, müssen entsprechend seines Wertes Länderpunkte ausliegen und ihm zugewiesen werden. Personal kann gegen Geld angeheuert werden, um für den Rest der Partie deren Funktion zu nutzen. Events werden direkt auf den Ablagestapel gespielt, sie bringen direkt den angegebenen Bonus ein. Geheime Ziele müssen immer bis zum Spielende eingelagert werden, sonst wären sie ja nicht geheim.

Carnival of Monsters Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Neben dieser Drafting-Phasepassiert in einer Runde aber noch etwas mehr. Zu Beginn wird eine Karte aufgedeckt, welche Monster besonders gefragt sind. Für das erste Monster dieser Art eines jeden Spielers gibt es eine finanzielle Belohnung, bei Rundenende erhält der Spieler eine Auszeichnung, der die meisten Siegpunkte solcher Monster ausliegen hat. Manche Monster sind besonders gefährlich, um diese dauerhaft einfangen zu können, werden Käfige benötigt. Dafür würfelt ein Spieler die Käfigwürfel, fehlende Käfige müssen mit Käfigmarkern oder drei Geld ersetzt werden.

Carnival of Monsters Karten / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach Ablauf der vierten Runde kommt es zur großen Endabrechnung. Die meisten Punkte gibt es über die gefangenen Monster, ggf. noch einige durch geheime Ziele und zuletzt ein wenig Kleinkram, die Kredite kosten Punkte. Der Spieler mit der höchsten Punktzahl wird in die Monstrologische Gesellschaft aufgenommen und gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Drafting ist mit zwei Spielern immer so eine Sache, doch der Autor Richard Garfield glaubt anscheinend eine gute Lösung gefunden zu haben. Wie auch schon bei Bunny Kingdom werden in der 2-Spieler-Variante jedem Spieler zwei Kartenstapel zugeteilt, sodass die Spieler Runde für Runde eine Karte des aktiven Decks austauschen. So können lukrative Karten für den Gegner heraus sortiert werden, die man selber nicht sinnvoll verwenden kann. Die Verwaltung der Stapel finde ich anstrengend, immer mal wieder greift ein Spieler zum falschen Stapel. Außerdem kann es den Spielfluss stören, wenn sich in einem Stapel anfänglich gar keine Monster befinden und hinzu kommende Monster-Karten immer direkt abgelegt werden. So macht mir das einfach keinen Spaß, daher kann ich Carnival of Monsters erst ab drei Spielern empfehlen. Dann funktioniert es in jeder Besetzung gleich gut, da beim Drafting alle Spieler immer gleichzeitig agieren. Umso mehr Spieler, desto mehr Karten sind im Umlauf, was die Wahrscheinlichkeit verringert, dass bestimmte Länder oder Monster kaum enthalten sind. Allerdings wählt der einzelne Spieler bei fünf Spielern aus zwei Kartendecks nur eine einzige Karte, während bei vier Spielern immerhin jedes Deck zwei Mal zu einem Spieler geht.

Glücksfaktor?

Verschiedene Faktoren werden vom Zufall begünstigt. Beginnen wir mit den Rundenkarten, diese geben ein Land vor, dessen Monster in dieser Runde zusätzlich belohnt werden. Maximal zwei Spieler können ein solches Land als Startland erhalten haben, sie haben einen Vorteil, sollten direkt solche Monster auf ihre Hand gelangen. Es kann allerdings genauso passieren, dass gar kein solches Monster in dieser Runde in Umlauf ist.

Alle Karten einer Runde spielen zu müssen, kann bedeuten zum Rundenende nur noch blöde Karten zu erhalten, die nicht sofort gespielt werden können. Diese müssen für Geld eingelagert werden, im Zweifelsfall wird ein Kredit benötigt. Allerdings sind diese Karten von Beginn einer Runde an im Umlauf, man kann sich also schon ein wenig darauf einstellen. Die gefährlichen Monster stellen auch ein kleines Glücksspiel dar. Es können zwischen null und sechs Käfige gewürfelt werden, hat jemand hoch spekuliert und es kommen keine Käfige, wird es teuer, wenn nicht mit Käfigmarkern vorgesorgt werden konnte.

Fazit:

Carnival of Monsters ist für den Verlag ein eher ungewöhnliches Spiel. Von Amigo ist man vor allem Kartenspiele in kleiner Verpackung gewohnt. Der Verlag verfolgte ursprünglich die Idee, die Karten dieses Spiels von vielen Magic-Illustratoren gestalten zu lassen und hatte dafür eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Diese lief allerdings nicht so gut an und wurde vorzeitig gestoppt. An der Spielidee wurde dennoch festgehalten und die Illustrationen nun von acht namhaften Illustratoren der Brettspielwelt vorgenommen. In meinen Augen ist das wirklich kein Rückschritt, die Karten sehen wunderschön aus, jede Welt wurde anders gestaltet, das Gesamtpaket sieht dennoch stimmig aus.

Um auch unerfahrenen Spielern das Spiel leicht näher zu bringen, unterstützen die Spielertableaus den Rundenablauf ganz hervorragend. Auf den Spielertableaus sind die Ablagefelder genau gekennzeichnet, jederzeit kann abgelesen werden in welche Richtung die Karten in dieser Runde weiter gereicht werden. Auch alles andere ist schnell erklärt, Länder ausspielen um dort passende Monster einzufangen. Nebenbei noch ein paar Mitarbeiter ausspielen, Sofort-Aktionen verwenden oder Zielkarten speichern. Die Zielkarten selbst sind unterschiedlich stark. So bringt eine Karte schlicht vier Siegpunkte, eine andere verlangt für zwei Punkte eine Bedingung und die meisten geben Punkte in Abhängigkeit anderer Karten. Das finde ich allerdings gar nicht so schlimm, da man ja völlig frei in der Wahl der Karten ist. Einzig die letzte Karte jeder Runde muss zwingend genommen werden, und da gehören selbst wenige Punkte, meist sogar noch zu den attraktiveren Karten.

Die Möglichkeit Karten zu speichern finde ich interessant gelöst. Denn so ergibt sich die Möglichkeit eine lukrative Karte, die aktuell von einem Spieler noch nicht gespielt werden kann, einfach für später aufzuheben. Das kostet allerdings, Geld ist nicht einfach zu bekommen. Auch die Kredite sind einfach abzuhandeln, es gibt keine Wahlmöglichkeit, wer nicht zahlen kann, muss einen solchen nehmen und bekommt dafür bei Spielende Punkte abgezogen. Bei all diesen Zwängen ist es immer wieder eine schöne Herausforderung trotz der glücklichen Einflüssen die besten Karten zu wählen. Auch wenn ich anfänglich skeptisch war, da mich das Thema so gar nicht abholt, spiele ich Carnival of Monsters wirklich gerne.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Amigo Spiele
Autor(en): Richard Garfield
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Amigo Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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