Corax Games Tag 2018

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Auch in diesem Jahr folgten wir der Einladung von Corax Games ins Kloster Merseburg, um in angenehmer Atmosphäre die anstehenden Corax Games Neuheiten und Prototypen kennen zu lernen. Das Spielen ist zentraler Aspekt dieses Wochenendes, doch es ist auch einfach schön unterschiedlichste Spieler zu treffen und mit ihnen im Klostergarten bei leckerer deftiger Suppe oder am Abend zum Grillen ins Gespräch zu kommen. In diesem Jahr waren neben Beeple-Mitgliedern und Bloggern aller Art auch Händler, Regel-Raben (die Mersebruger Version von Erklärbären), Mitarbeiter sowie Organisatoren örtlicher Spieletreffs dabei. Auch die Betreiber des Würfel&Zucker aus Hamburg und des bald eröffnenden ZAMgwuerfelt aus München nahmen an dieser Veranstaltung teil. Das angehende Münchener Brettspiel-Café könnt ihr noch einige Tage bei Startnext unterstützen.

Corax Games Spiele

Corax Games Spiele / Foto: Brettspielpoesie

Eigentlich bietet Corax Games ein Rahmenprogramm von Freitag bis Sonntag, doch wir entschieden uns aufgrund anderer, privater Verpflichtungen erneut nur für einen Tag anzureisen. Um kurz nach 9 Uhr betraten wir am Samstag das Kloster und trafen sofort einige bekannte Gesichter. Noch waren manche Tische unbesetzt und so ergab sich die Gelegenheit zu einer Einführungspartie in Chronicles of Crime (David Cicurel). Mit dem schnellen Tutorial soll das Grundprinzip des Spiels mit allen Optionen und Funktionalitäten der zugehörigen App erlernt werden. Dabei zeigte sich direkt, dass ich dieses Spiel nicht mit mehr als zwei Personen spielen möchte. Es kann eben immer nur einer die App bedienen. Und diese ist ganz zentrales Element, man muss in einer Tour QR-Codes einscannen, um Informationen zu Orten, Personen und Gegenständen zu erhalten und diese zu kombinieren. Die App gibt als Rückmeldung eine Menge Text, den es in der Gruppe dann vorzulesen gilt. Die Orte kann man sich ebenfalls in der App ansehen, das funktioniert mit entsprechender Brille in 3D, aber auch ohne in 2D. Nach einer gewissen Zeit wird gefragt, ob die App an einen Mitspieler weitergegeben werden soll. Die Spieler erzählen dann, was sie sehen und dabei merkte man schnell, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist. Das Tutorial konnten wir zügig abschließen und den Fall korrekt lösen, ich bin mir aber sicher, dass die vollständigen Fällen mehr zu bieten habe und freue mich bereits darauf, die Rätsel zu entdecken.

Chronicles of Crime Tutorial

Chronicles of Crime Tutorial / Foto: Brettspielpoesie

Als nächstes Spiel wählten wir Die rote Kralle (Antoine Noblet), die Weiterentwicklung des farblosen Prototypen mit dem Titel Fish n’ Ships, den wir letztes Jahr an diesem Ort nicht geschafft haben zu spielen. Damals noch ein reines 2er-Spiel, wurde es nun mit neuem Thema für bis zu vier Spieler weiter entwickelt. Entstanden ist ein Agentenspiel, bei dem die Mäuseagenten der Spieler sich vor der roten Kralle in Acht nehmen sollten. Bei ihrer Flucht müssen die Agenten verschiedene Ort aufsuchen, doch überall hinterlassen sie Spuren. Pro Zug wird eine der offenen Handkarten ausgespielt, was zwei neue Karten einbringt. Die vier Orte sind als Kartenreihen mit jeweils zwei unterschiedlichen Markern dargestellt, sobald eine Kartenreihe komplett leer ist, kommt es zur Beweissicherung. Dann wird geschaut wer die meisten Karten, oder bei Gleichstand die Karte mit höherem Wert besitzt, dieser Spieler erhält den ersten Marker. Gibt es einen Zweitplatzierten, bekommt dieser Spieler den zweiten Marker. Die meisten Marker sorgen dafür sich auf die rote Kralle hinzubewegen, andere können bereits erhaltene Marker neutralisieren und wieder andere als fingierte Beweise einem Mitspieler abgelegt werden. Je nachdem welche Marker ausliegen, ist es also mehr oder weniger erstrebenswert die meisten, die zweit meisten oder weniger Karten dieser Farbe zu haben. Und durch die offen ausliegenden Karten können die Spieler abschätzen, welche Karten die Mitspieler als nächstes aufnehmen müssen und dies in ihre eigenen Überlegungen einbeziehen. Umso näher man auf den Ermittlungsstand-Karten der roten Kralle kommt, desto bessere Fähigkeiten werden freigeschaltet, man begibt sich aber auch in größere Gefahr. Das Spiel endet nämlich, sobald ein Spieler von der roten Kralle erwischt wird, alle anderen Spieler haben dann gewonnen.

Leider fehlte uns bei diesem taktischen Wettlauf das gewisse Etwas, ich kann es gar nicht so recht in Worte fassen. Die Optik ist schon gelungen, sie entspricht einfach nicht meinem persönlichen Geschmack. Das Material und besonders die kleine Schachtel wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Nur reicht es nicht ganz, um mich zu überzeugen, dieses Spiel immer und immer wieder auf den Tisch bringen zu wollen.

Die Rote Kralle Spielsituation2

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

HPH Happy Hour

HPH Happy Hour / Foto: Brettspielpoesie

Es folgte die offizielle Begrüßung durch Frank Noack, der alle neuen Spiele im Programm seines Verlages im Schnelldurchlauf vorstellte, um uns schnell wieder den Spielen zu überlassen. Zu viert probierten wir als nächstes die Half Pint Heroes Erweiterung Happy Hour (Roland Goslar, Johannes Goslar, Søren Schaffstein) aus. Das erste Legacy-Stichspiel der Welt zeichnet sich durch Sticker aus, mit denen die Karten verändert werden können. Jeder der nun bis zu neun möglichen Spieler erhält einen Stickerbogen mit 15 Stickern, von denen pro Runde ein Sticker vor dem Ausspielen einer Handkarte auf selbige geklebt werden darf. Der angesagte Stichwert gibt vor, welche Sticker zur Auswahl stehen. Leider gibt es nur einen Sticker, der bei einer Ansage von 1 verwendet werden darf. Zwei oder vor allem drei Stiche sind jedoch schwierig zu bekommen, vor allem bei acht oder neun Mitspielern, wie wir es am späteren Abend noch feststellen durften. Auch wenn die Sticker mit ihren Funktionen vielleicht dabei unterstützen können. Mit ihnen kann man z.B. den Wert manipulieren, Farbe oder Wert beliebig wählen oder dafür sorgen, dass der letzte Spieler in der Runde bei gleicher Kombination den Stich bekommt.

HPH Brown Spider

HPH Brown Spider / Foto: Brettspielpoesie

In der großen Gruppe hat es uns besser gefallen, es kamen dabei viel mehr Handkarten zum Einsatz und somit auch bereits beklebte Karten erneut ins Spiel. Das führte dann schon zu witzigen Situationen, wie wenn ein sicher geglaubter Stich mit zwei hohen Zwillingen von einem 0er-Drilling getoppt wird. Für unseren Geschmack war es in der großen Runde fast ein wenig zu lang, sodass wir froh über die ausgelöste Schießerei waren, die zum Ende der Partie führte. Die Sticker lassen sich hinterher rückstandslos entfernen, ein vollständiger Reset ist also möglich. Leider werden pro Partie nie alle Sticker benötigt, sodass immer angefangene Stickerbögen übrig bleiben. Ebenfalls schade ist, dass kein angepasster Wertungsblock für neun Spieler existiert. Bei den Handkarten muss man gut darauf achten, ob eine Karte bereits Sticker enthält. Auch wenn die Farben grell gewählt sind, hilft es nicht, wenn andere Handkarten den Sticker komplett verdecken.

Die Sticker auf die Karten zu kleben ist schon eine coole Sache, es macht das Spiel  unberechenbarer, sorgt für noch mehr Chaos. Wie passend zu einer gepflegten Kneipenprügelei ;-) Mir gefällt Half Pint Heroes dennoch so wie es im Grundspiel ist am besten. Und dann auch mit möglichst vielen Spielern, die ich leider eher selten zusammen an einen Tisch bekomme, weswegen sich diese Erweiterung für mich kaum lohnt. Bei wem Half Pint Heroes häufig in größeren Gruppen auf dem Tisch landet, der sollte jedoch unbedingt mal einen Blick auf diese innovative Erweiterung werfen. Auch wenn ich Legacy hier gerne in Anführungszeichen setzen würde, denn das bedeutet für mich doch noch etwas mehr als Sticker aufzukleben, die neue Optionen bereiten.

Tudor Sichtschirm

Tudor Sichtschirm / Foto: Brettspielpoesie

Da Tudor gerade von einer anderen Gruppe angefangen wurde, widmeten wir uns den ausliegenden Prototypen. Leider darf ich über diese Spiele gar nicht viel berichten, da sie sich noch in einem sehr frühen Stadium befinden und auch noch gar keine Entscheidung getroffen wurde, ob Corax Games diese Spiele überhaupt veröffentlichen wird. Ein Prototyp, der hingegen bei Corax sicher erscheinen wird, ist Steamopolis, dem wir uns leider zeitlich nicht mehr widmen konnten. Stattdessen kam es später zu unserer zweiten Partie des großen Protos aus dem vergangenen Jahr, Tudor (Jan Kirschner). Während der König bis zu sechs mal heiratet, versuchen die Spieler mit ihren Familienmitgliedern die Ämter am Hof zu besetzen. Dafür erhalten sie Siegelringe, die, je nachdem an welchen Fingern sie getragen werden, andere Aktionen verbessern. Die Ringe selbst bestimmen welche Staatskünste ausgeführt werden können, um an entsprechende Plättchen oder Karten zu gelangen. Sobald sich ein Mitspieler das Amt unter den Nagel reißt, verliert man nicht nur das Ansehen am Hof, sondern auch ein Ring geht an den Nachfolger über. Um Aktionen zur Verfügung zu haben, werden die Höflinge und Lords in den Audienzzimmern platziert und nur die Audienzzimmer, in denen sich auch mindestens ein Lord befindet, werden vom König angehört. Dementsprechend dürfen auch nur in  diesen Zimmern die Aktionen ausgeführt werden. Aus zwei Aktionen kann dabei jeweils eine gewählt werden, lediglich die Lords bekommen beide Aktionen.

Der Spielplan und die Sichtschirme sind zwar noch nicht final, doch schon sehr nah dran, wohingegen die Ringe noch durch farbige Plastikringe ersetzt werden. Das Spiel gefällt noch immer sehr, am Spielablauf wurde auch gar nicht mehr viel geändert. Es verfügt über einige variable Elemente für einen hoffentlich hohen Wiederspielreiz. Das fertige Spiel wird sogar eine abgewandelte Rückseite für das Spiel zu zweit haben. Wie bereits im vergangenen Jahr, mein Highlight des diesjährigen Corax Tages.

Tudor Spielsituation

Tudor Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die schon bekannten Spiele Vikings Gone Wild und Trickerion lagen mit ihren Erweiterungen aus, doch wollten wir uns lieber auf frische Neuheiten konzentrieren. Trickerion haben wir bisher auch leider noch viel zu wenig gespielt, um an Erweiterungen überhaupt zu denken. Der Tisch bei Vikings Gone Wild sah mit den Erweiterungen sehr überladen aus, doch wurde uns von Spielern versichert, dass es nur den Anschein hat und das Spiel durch die Erweiterung Meister der Elemente wirklich noch interessanter und vielfältiger wird. Champions of Midgard am Tisch nebenan war leider immerzu besetzt, sodass wir es nicht anspielen konnten.

Corax Tag

Corax Tag / Foto: Brettspielpoesie

Grundsätzlich fand ich es fast etwas zu gut besucht an diesem Tag, sodass nicht jeder alle Spiele spielen konnte. Aber wie bereits in der Einleitung erwähnt, geht es bei solch einem Treffen ja auch nicht nur ums Spielen alleine. Und so haben wir bei den wirklich leckeren Mahlzeiten tolle Leute kennen gelernt. Zum Beispiel ein paar Spieler aus Bremen, einer davon Admin in der Facebook-Gruppe Brettspielwiese, oder eine ehemalige Spiele-Offensive-Praktikantin aus Salzwedel, mit denen man sich als Gleichgesinnte über die Brettspielszene im Allgemeinen und eigene Erfahrungen, Brettspiele im Bekanntenkreis zu verbreiten, austauschen konnte. Erst hinterher habe ich festgestellt, dass auch weitere Blogger anwesend waren, wie zum Beispiel Benny von den Brettspiel-Suchties, der sogar bei unserer letzten Partie Half Pint Heroes dabei war, oder Peer von Abenteuer-Brettspiele, dem ich leider nicht begegnet bin oder vielleicht doch, es mir aber in dem Moment nicht bewusst war.

Ein ganz großes Dankeschön an Corax Games für diesen wundervollen Tag, die Veranstaltung war wieder rundum gelungen und ich hoffe auf Wiederholung im kommenden Jahr.

Ähnliche Artikel:

Ein Gedanke zu “Corax Games Tag 2018

  1. Pingback: Was gibt’s zu Essen? – No.2 | Brettspielpoesie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.