Spiel des Jahres 2019 – Sieger

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Gestern war es wieder so weit, ein langes Wochenende in Berlin gipfelte in der Verleihung der Kritikerpreise Kennerspiel und Spiel des Jahres. Dieses Jahr war einiges anders. Statt am Kurfürstendamm, war die Location erstmalig das Musik- und Lifestylehotel nhow direkt an der Spree. Das war nicht die einzige Veränderung, zur Verkündung des Hauptpreises wurde die Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters eingeladen. Sie war der Grund für den verzögerten Beginn, entschädigte das Publikum dann etwas mit einer wirklich gelungenen Rede zum Kulturgut Spiel.

Immer wieder kam sie auf Die Siedler von Catan zu sprechen, welches als „Kokain der Brettspielszene“ bezeichnet werden könnte. Interessant fand ich die Information, dass sich Catan doppelt so häufig verkauft haben soll wie Patrick Süskinds erfolgreiches Buch Das Parfum, welches ich damals in der Schule gelesen habe. Sie verglich das Spielen als Koordination von Hand, Herz und Hirn mit einer ordentlichen Prise Empathie.

SdJ Verleihung / Foto: Brettspielpoesie

Zur Vorstellung der Nominierten gab es in diesem Jahr keine aufgesetzten Werbevideos, sondern schöne Bildaufnahmen der Spiele und des Spielmaterials, gespickt mit Kommentaren der Jury-Mitglieder. Das wirkte auf mich viel authentischer, wirklich gut gemacht. Vielleicht lag es einfach an der Zeitverzögerung, den nominierten Autoren wurde jeweils nur eine Frage gestellt. Jeder sollte seinen „Magic Moment“ nennen, der zur Entwicklung des nominierten Spiels geführt hat. Bei Carpe Diem schien es wenig magisch gewesen zu sein. Der Titel wurde vom Verlag vorgegeben und als Stefan Feld seine Idee vorstellte, gab es nur den kurzen Kommentar „Das hat was.“, was die Anwesenden im Saal amüsierte. Ignacy Trzewiczek, einer der Autoren von Detective, nannte TV-Serien wie True Detective und Spiele wie Sherlock Holmes Consulting Detective als Inspiration. Bei Elizabeth Hargraves, der Autorin von Flügelschlag, war es ein Gespräch am Spieletisch, bei dem es um Themen in Brettspielen ging. Ihr und ihren Mitspielern fehlte es an Auseinandersetzungen mit Themen, die sie wirklich interessieren. Ihr ornithologisches Wissen verwandelte sie in das Spiel, welches gestern zum Kennerspiel des Jahres ernannt wurde. Dies wäre von den drei Nominierten auch meine Wahl gewesen, obwohl ich persönlich die anderen beiden Spieler lieber mag. Aber Carpe Diem hatte in der Erstauflage einfach zu viele redaktionelle Mängel, das würde den Verlagen für die Zukunft ein falsches Bild geben. Detective ist ein sensationelles Spielerlebnis, welches aber durch die hohe Spielzeit, die man in kurzen Zeitabständen mit derselben Gruppe aufbringen müsste, zu hohe Anforderungen an die Spieler der Kennerspiel-Zielgruppe hat. Das hätte für einige Enttäuschungen sorgen können, wenn das Spiel unter den Weihnachtsbaum gelandet wäre. Flügelschlag ist ein forderndes Spiel, wenn auch mit einem nicht zu verachtendem Glücksanteil und bietet dabei einfach wunderbares Material. Mit Flügelschlag wurde auch zum ersten Mal eine alleinige, weibliche Autorin von der Jury ausgezeichnet.

Kennerspiel des Jahres 2019 / Foto: Brettspielpoesie

Beim Kennerspiel war ich mit vor der Verkündung total sicher, welches Spiel gewinnen wird, so erging es wohl auch den meisten Anwesenden. Beim Hauptpreis, dem Spiel des Jahres, gingen die Meinungen deutlicher auseinander. Alle drei nominierten Spielen haben ihre Vor- und Nachteile, alle drei wurden prognostiziert. Für mich konnte es nur Just One werden, da es in unseren Gruppen die größte Begeisterung ausgelöst hat. Aber auch ich habe einige Kritikpunkte, die gegen eine Auszeichnung sprachen. Vom Autoren-Duo war nur Bruno Sautter anwesend, er und Ludovic [UPDATE 24.07.19] Maublanc Roudy [UPDATE ENDE] wollten ein Spiel mit leichtem Zugang, welches selbst der Schwiegermütter gefallen würde. Der Mathematiker Dr. Reiner Knizia, Autor des kleinen Kartenspiels L.A.M.A, hat an seiner Spielidee lange herum „gedoktort“. In vielen Testphasen wurden immer mehr Elemente entfernt, bis am Ende ein zugängliches Spiel entstanden ist, welches bei aller Einfachheit eine gewisse Spieltiefe bietet. Sowohl der Autor, als auch der Redakteur, haben es sich nicht nehmen lassen, durch ihr Outfit aufzufallen. Der eine kam in einem bunt gestreiften Anzug, während der andere ein Lama mit sich herum trug. Dieses Bild transportiert hervorragend die gelassene Stimmung an diesem Vormittag.

SdJ-Verleihung 2019 / Foto: Brettspielpoesie

Dabei sollte es im L.A.M.A. ursprünglich gar nicht um Lamas gehen, sondern um Moskitos. Denn die 10 Minuspunkte für diese Sorte von Karten, kann einen Spieler „genauso fies pieksen“. Als letzter betrat Ted Alspach, Autor von Werwörter, die Bühne und erzählte, das er sich als Fan von Wortspielen einfach mal an einem Wortspiel mit Verräter probieren wollte. Ein Wortspiel war es letztendlich auch, welches die Jury überzeugt hat, Just One ist das Spiel des Jahres 2019. Kurz nach der Verkündung wurde es dann voll auf der Bühne, so viele Menschen, die an diesem Erfolg beteiligt sind haben ihrer Freude freien Lauf gelassen. In meinen Augen genau die richtige Wahl. Aber auch alle anderen Spiele haben es verdient, nominiert worden zu sein, daher gehen meine Glückwünsche an alle Verantwortlichen für diese Spiele im aktuellen Jahrgang. Einige kurze Interviews findet ihr am Freitag auch bei den Bretterwissern, bei denen ich ich in erster Linie um die Technik gekümmert habe.

Just One Gewinner SdJ’19 / Foto: Brettspielpoesie

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3 Gedanken zu “Spiel des Jahres 2019 – Sieger

  1. Ein wirklich guter und profunder Kommentar zur Preisverleihung, insbesondere die Einschätzung zum Kennerspiel gefällt mir sehr.

    P.S. Sonja, schau nochmal nach, ob Du den richtigen Ludovic genannt hast. Ich würde es Ludovic Maublanc gönnen, das SdJ zu gewinnen; aber…

  2. Pingback: Spiel’19 – Fazit | Brettspielpoesie

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