
Die Spiel des Jahres-Verleihung in Berlin konnte dieses Jahr wieder am selben Wochenende wie die BerlinCon stattfinden. Ich war leider nur bis Samstagabend in Berlin, denn mein Körper hat mir im vergangenen Jahr gezeigt, dass er nicht mehr alles unbeschadet mitmacht und daher habe ich beschlossen, die BerlinCon lieber frühzeitig zu verlassen und die SdJ-Verleihung, wie auch schon im vergangenen Jahr, im Live-Stream zu verfolgen.
Vieles lief so ab, wie es sich in den vergangenen Jahren etabliert hatte: Als Spielvorstellung der Nominierten liefen kurze Trailer, die vom Youtube-Kanal Format C Spiele wieder hochwertig produziert wurden. Sehr schön fand ich den 60-sekündigen Countdown, der aus bewegten Bildern von Spielmaterial früher nominierter und empfohlener Titel sowie Bildern vergangener Verleihungen gebildet wurde. Schön zu sehen war es, dass die fremdsprachigen Autoren mit Technik ausgestattet wurden, um eine Simultanübersetzung zu hören. Weniger gut empfand ich allerdings die Simultanübersetzung im Stream, bei der über die Originalstimmen leicht zeitversetzt die Deutsche Übersetzung drüber gesprochen wurde. Da hätte ich persönlich lieber ohne Übersetzung zugehört.
Die Verleihung ist oft ein Wechselbad der Gefühle. Neben vielen freudigen Momenten, gibt es auch das eine oder andere ernste Thema anzusprechen. Dieses Jahr nutze man die Chance, dem kürzlich verstorbenen Autor Reinhold Wittig zu gedenken. Zu diesem Thema verweise ich gerne auch auf einen Artikel von Hilko Drude, der viele persönliche Erinnerungen an ihn hat und diese auf seinem Blog teilt.
Kinderspiel des Jahres
Gleich zwei Spiele des Autors Florian Sireix waren in dieser Kategorie nominiert. Bei Buh Party begleitete ihn der Co-Autor Benoit Turpin auf die Bühne, während Thomas Dagenais-Lespérance als Autor von Verflixt Verzaubert aufgrund eines Umzuges seine Familie zu Hause nicht alleine lassen wollte.
Zum Kinderspiel des Jahres wurde Die Insel der Mookies von Autor Florian Sireix ernannt. Es erinnert nicht nur an Trading Card Games, der Autor hat auch verraten, dass dies sein Ausgangspunkt war, da er es für seinen vierjährigen Sohn entwickelt hat – ohne Text, ohne Kämpfe, dafür mit niedlichen Wesen und glitzernden Karten. Der Autor hat bereits angekündigt, dass weitere Spiele in dieser Welt erscheinen werden. Das nächste sei jedoch von einem anderen Autoren.
Kennerspiel des Jahres
Überraschend landete ein Spiel unter den Nominierten für das Kennerspiel des Jahres, welches für mich der heißeste Kandidat für den Hauptpreis gewesen wäre. Boss Fighters QR der Dorfromantik-Autoren Michael Palm und Lukas Zach bietet unterschiedlich anspruchsvolle Bossgegner, während auch die eigenen Charaktere immer stärkerer Karten erhalten. Es lässt sich sicherlich darüber streiten, ob es nun ein gehobenes Familienspiel ist oder eher ein einfaches Kennerspiel, aber die Einordnung der Jury ist eben ein Konsens von 14 Personen, die unterschiedliche Erfahrungen machen, wenn sie mit der Zielgruppe spielen oder deren Spiele auch nur beobachten.
Viele unterschiedliche Karteneffekte sind sicherlich auch der Hauptgrund, warum Moon Colony Bloodbath beim Kennerspiel gelandet ist, auch wenn das Spielprinzip doch eher einfach ist. Aber besonders die Kisten, welche man mit der Aktion “Aufstocken” erhält, können selbst erfahrene Spieler irritieren, weil ihre Funktionen und Verwendungszwecke erst mit manchen Karten deutlich werden. Vermutlich liegen mir die einfach die Spielideen von Donald X. Vaccarino, denn Dominion und Kingdom Builder haben mich in die Welt der Brettspiele zurückgeführt und auch von Moon Colony Bloodbath habe ich seit Ankunft direkt diverse Partien gespielt. Nach einer Partie denke ich mir jedes Mal, dass es doch auch besser gehen müsste und will es sofort erneut probieren.
Das kompetitive Area Control-Spiel Rebirth fühlt sich von den drei Nominierten am klassischsten an, mit einem gemeinsamen Spielplan auf dem man pro Zug das eine Plättchen möglichst punktebringend platzieren möchte. Ich persönlich empfinde es zu klassisch und würde beiden anderen Titeln den Vorrang geben.
Zur Verleihung kam Autor Reiner Knizia wieder in einem speziellen Outfit, passend war er wie ein Schotte gekleidet, natürlich mit typischem Schottenrock. Und das hat sich für ihn gelohnt, denn nun konnte er mit Rebirth als Kennerspiel des Jahres 2026 sogar das “Triple” holen und ist der erste Autor, dem es mit seinen Titeln gelang in allen drei Kategorien zu gewinnen. Gratulation! Ihm war es dennoch ein persönliches Anliegen auch die anderen nominierten Titel hervorzuheben, damit sie neben dem einen Siegertitel nicht in Vergessenheit geraten. Vermutlich spricht da etwas aus seiner Seele, denn auch er ist schon mehrfach ohne Sieg wieder nach Hause gefahren.
Für den Deutschen Verlag, Frosted Games, ist es nach Endeavour: Die Tiefsee nun bereits das zweite Kennerspiel des Jahres in Folge. Verlagschef Benjamin Schönheiter war sichtlich ergriffen. Der Originalverlag Mighty Boards hat auch schon angekündigt, dass mehr Rebirth erscheinen wird.
Spiel des Jahres
Auch beim Spiel des Jahres wirkt ein Spiel, wie der klassischste Vertreter: Morty Sorty Magic Shop. Über verschiedene Runden sortiert man dabei ein Zutatenglas aus einer zufälligen Auswahl in das eigene Regal, um über die Platzierungen zu punkten. Obwohl Autor Markus Slawitscheck noch längst nicht so viele Titel veröffentlicht hat, wie Reiner Knizia, könnte auch er nach Auszeichnungen für Challengers! und Die Magischen Schlüssel heute das Triple holen.
Dito könnte man als eher klassischen Vertreter der kommunikativen Assoziationsspiele einordnen, allerdings macht es einiges sehr clever: Man möchte zwar Assoziationen mit anderen gemeinsam haben, aber am liebsten nur mit genau einer Person. Man punktet für den eigenen Sieg, möchte aber dennoch mit anderen auf einer Welle sein. Zusätzlich versucht man die Chancen darauf einzuschätzen, indem man die Begriffe in ein Raster platziert, wo man ganze Reihen bzw. Spalten erzeugen möchte. Die Kategorien sind gut gewählt und wir hatten bisher sehr viel Spaß damit, auch schon mit nur drei Personen.
Cozy Sticker Ville ist nicht nur ein untypisches Spiel des Autors Corey Konieczka verglichen mit seinen vorherigen Titeln, es wäre von den Nominierten auch das Innovativste, da man in den zehn Kapiteln viele Entscheidungen trifft und mit Stickern das Spielplan dauerhaft verändert. Ich konnte bisher nur die Demo zu zweit spielen und war nicht direkt begeistert. Vielleicht kommt das erst, wenn man das komplette Spiel ausprobiert.
Zum Spiel des Jahres 2026 wurde aber das Partyspiel DITO! ernannt, was mich besonders für den indonesischen Autoren Martin Ang und den Originalverlag aus Indonesien freut!
Eure Meinung?
Nun seid ihr gefragt: Wie ist eure Meinung zu den Siegertiteln, seid ihr zufrieden? Schreibt mir gerne in die Kommentare, wie ihr die Bekanntgabe erlebt habt.