Targi – Die Erweiterung

Targi - Die Erweiterung Cover

Cover / Foto: Kosmos

Ist ein Brettspiel erfolgreich und verkauft sich sehr gut, dauert es oft nicht lange bis es die erste Erweiterung gibt. Und dann die zweite, die dritte, usw. bis „die Kuh gemolken ist“. Die Gefahr ist gegeben, dass solche Erweiterungen dem Spiel irgendwann keine nennenswerten Aspekte mehr hinzufügen und man sie, wenn überhaupt, nur aus Komplettierungszwang benötigt. Bei Targi dauerte es jedoch ganze vier Jahre bis zum Erscheinen der Erweiterung. Dabei war das 2012 sogar zum Kennerspiel des Jahres nominierte Spiel für zwei Personen die ganze Zeit über gefragt. Autor Andreas Steiger ist aber nicht hauptberuflich Spielentwickler und daher benötigte die Konzeption und Ausgestaltung dieser Erweiterung seine Zeit. Und so viel vorab: Es hat sich gelohnt! Scheinbar lenkten Verlag und Autor all ihre kreativen Ideen in die Spielentwicklung, denn die Erweiterung hat keinen spannenden Titel. Sie nennt sich einfach: Die Erweiterung. Das ist schlicht und mutig, aber das Spiel wirkt für sich. Lest jetzt selbst, was sich am Spiel verändert hat:

Spielmaterial:

Die Schachtel gleicht in Größe und Form der des Grundspiels. Es ist auch jede Menge Material enthalten. 45 neue Stammeskarten ersetzen die bisherigen, genau wie es 10 neue Randkarten gibt, die teils nur aktualisierte Funktionen haben. Für die neue Ressource Wasser werden fünf Warenkarten hinzugefügt und es gibt nun 15 Wasserplättchen. Außerdem eine lila-farbene Targia-Figur und 20 Wanderdünen, welche neben dem Spielplan bereit gelegt werden. Neben zusätzlichen Stanzteilen für Gold, Waren und Siegpunkte gibt es in der Erweiterung kleine, drei-eckige Aktionsmarker.

Spielmechanismus:

Das Grundprinzip des Spiels bleibt erhalten und kann in meiner Targi-Rezension nachgelesen werden. Für die Zusammensetzung des Spielplans werden teilweise die neuen Karten mit aktualisierten Aktionen verwendet. Zum Beispiel der Erhalt von Wasser sowie neue Tauschmöglichkeiten beim Händler oder die Einschränkung bei der Fata Morgana, dass man nicht mehr frei, sondern nur noch auf angrenzende Karten, versetzen darf. Neben dem Räuber beginnt auch die Targia-Figur neben dem Spielplan. Allerdings am anderen Ende, die beiden laufen sich zu Beginn des Spiel entgegen. Die Targia-Figur hat dabei jedoch einen positiven Effekt. Nutzt ein Spieler die Aktion der Randkarte, an der diese Figur steht, darf er zusätzlich entweder eine Ware seiner Wahl erhalten oder legt eine beliebige Ware in den Vorrat zurück, um die oberste Warenkarte aufzudecken und auszuführen. Zusätzlich werden zu Beginn einer Partie neben dem Spielplan drei Wanderdünen aufgedeckt. Diese können anstelle eines Randfeldes mit einer Targi-Figur besetzt werden. Sie bringen dem Spieler einen durchaus lukrativen einmaligen Vorteil, dafür erhält er aber eine Aktion weniger, da ohne diesen Targi auf einer Randkarte ein Kreuzungspunkt entfällt. Neue Wanderdünen kommen ins Spiel, wenn bei Rundenbeginn keine mehr ausliegen und werden nach jedem Räuberüberfall ggf. ausgetauscht. Bei den Räuber-Überfällen sind die abzugebenden Waren vorgegeben, man muss also noch besser planen.

Targi Erweiterung Wanderdünen

Wanderdünen / Foto: Brettspielpoesie

Die Wasserplättchen gelten, wie das Gold, nicht als Ware. Von Ihnen darf ein Spieler maximal 10 besitzen. Wasser kann in Gold oder Waren getauscht werden und einige Stammeskarten bieten nun Bezahlalternativen, bei denen eine der Alternativen meist Wasser enthält. Einige Stammeskarten der Erweiterung tragen Symbole, welche ihre Funktion verdeutlichen. Ein Blitz steht für eine einmalige Sofort-Aktion, das Unendlichkeitszeichen für einen dauerhaften Vorteil und das Ausrufezeichen für einen Endwertungsvorteil. Bei einem Dreieck wird ein Aktionsmarker auf die Karte gelegt, denn die Aktion darf zu einem beliebigen Zeitpunkt einmalig ausgeführt werden. Dann wird zur Kennzeichnung der Marker entfernt.

Targi Erweiterung Neues Spielmaterial

Neues Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Ausschließlich mit den neuen Karten sollten zumindest die ersten Partien mit Erweiterung gespielt werden. Sobald man mit den neuen Funktionen und Aktionen vertraut ist, kann man die alten Rand- und Stammeskarten wieder hervor holen. Bei der Verwendung alter und neuer Stammeskarten sollte jedoch die Anzahl von neun Karten je Stammessysmbol gewahrt bleiben, damit kein Ungleichgewicht entsteht. Die Karten der Erweiterung lassen sich durch entsprechendes Targia-Symbol leicht von den Original-Karten unterscheiden.

Targi Erweiterung Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Das Spielende ist unverändert zum Grundspiel. Mit der zwölften Stammeskarte bei einem Spieler oder wenn der Räuber das vierte Überfall-Feld erreicht, endet die Partie. Zu den Siegpunkten auf den Plättchen und für die Stammeskarten und deren Anordnung, werden nun noch jeweils zwei übrige Wasser mit einen Siegpunkt belohnt.

Spieleranzahl:

Diese Erweiterung hat keinen Einfluss auf die Spielerzahl, es bleibt ein Spiel für exakt zwei Personen. Der Autor hat allerdings vor Kurzen eine Solo-Variante bei BGG veröffentlicht, welche sowohl mit dem Grundspiel als auch mit der Erweiterung spielbar ist.

Glücksfaktor?

Die Erweiterung bringt neue Wege an Siegpunkte zu gelangen mit, der Glücksfaktor wird dadurch nicht verändert. Bei den Räuberüberfällen muss man nun noch gezielter planen, dafür kann man sich auf das Glücksspiel bei der Targia-Figur einlassen. Im schlechtesten Fall tauscht man dabei aber eine Ware gegen eine andere, man verliert also nichts.

Fazit:

Wasser in der Wüste ist ein wahrer Segen. Gleiches gilt auch für die gesamte Erweiterung in Bezug auf das Spiel Targi. Das Spiel hat mir ohne bereits gut gefallen, die Erweiterung bringt frischen Wind hinein. Einsteigern empfehle ich, sich zunächst ausreichend mit dem Grundspiel zu beschäftigen und nicht gleich die Erweiterung hinzuzunehmen. Der Umstieg ist auch nicht ganz leicht, weil man die neuen Stammeskarten, genau wie die Funktionen der Wanderdünen, erst kennen lernen muss. Das Spielgefühl bleibt jedoch ähnlich: Gold ist und bleibt rar, auch wenn mit dem Wasser nun neue Möglichkeiten existieren. Durch die Wanderdünen kann der Gegenspieler nicht mehr komplett in die Ecke gedrängt werden, er kann oft auf eine sinnvolle Wanderdüne ausweichen, wenn keine gute Aktion mehr verfügbar ist. Durch den Verzicht auf einen Kreuzungspunkt erscheinen die starken Funktionen der Wanderdünen auch ausgeglichen, da man eine weitere Aktion verliert. Zudem wurden die Randkarten sinnvoll angepasst, alles fügt sich reibungslos zusammen. Targi verzeiht auch mit Erweiterung keine Fehler, man sollte möglichst konzentriert dabei sein, um eine Chance auf den Sieg zu haben..

Wen Targi alleine schon begeistern konnte, dem lege ich diese Erweiterung ans Herz. Sie wird aber sicherlich keine Spieler bekehren, die zuvor mit dem Spiel nicht viel anfangen konnten. Es bietet zwar viel Neues, bleibt im Kern doch aber sehr ähnlich. Genau aus diesem Grund finde ich die Erweiterung sehr gelungen.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Kosmos Verlag
Autor(en): Andreas Steiger
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: ca. 60 Minuten

Vielen Dank an den Kosmos Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Ähnliche Artikel:

Ein Gedanke zu “Targi – Die Erweiterung

  1. Pingback: Targi – Die Erweiterung - Brettspielfeed

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.