Aridnyk

– Ersteindruck –
Aridnyk - Cover
Aridnyk – Cover

Das neueste Spiel von Koalla Spiele, Aridnyk, ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Es ist das Erstlingswerk der beiden Autoren, die aus der Ukraine stammen. Nicht nur der Titelgebende Geist Aridnyk, auch die anderen mythologischen Wesen wie Aley, Boh, Drizd und Vovk stammen aus einem ukrainischen Comic über Schafhirten in den Karpaten. Aus dieser Gebirgs-Region kennt man auch das Walachenschaf, eine alte Schafsrasse, die im Frühling meist auf Bergweiden geführt wird und dort bis zum Herbst verbleibt.

Spielprinzip

Und somit ist eigentlich schon das Skript für dieses Spiel geschrieben: Man erschafft in einer Partie aus Plättchen mit Weiden, Wäldern, Bergen, Seen und Flüssen über die drei Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst immer wieder eine neue Landschaft. Die Plättchen zeigen schwarze und weiße Symbole, die einen erhält man beim Ausspielen, die anderen wenn der eigene Hirte die Bewegung auf einem Plättchen beendet. Mit diesen Effekten kann man den eigenen Hirten oder die Geister über den Spielplan bewegen, Schafe (a.k.a. Siegpunkte) oder Karten einsammeln. Die großformatigen Ausrüstungs- und Auftragskarten bieten viel Platz für Illustrationen und Flavourtexte. Während die Ausrüstungen starke Effekte mit sich bringen, gibt es für erfüllte Aufträge meist Schafe und möglicherweise weitere Belohnungen. Trifft man auf Geister, kann man mit diesen Handeln, um für Schafe Handkarten zu erhalten oder Handkarten einzutauschen.

Aridnyk - Karten
Aridnyk – Karten / Foto: Brettspielpoesie

So oder so?

Dieses Spiel scheint ein wahres Herzensprojekt zu sein, wie man bereits bei der Ausstattung erkennt: Die bunten Illustrationen sind sicherlich Geschmackssache, aber auf jeden Fall ungewöhnlich, man kann sich komplett in die Hintergrundgeschichte einlesen und spielerisch gibt es gleich drei Varianten zu erleben: Ein kompetitives Grundspiel, eine weniger komplexe Familienspielvariante und drei kooperative Abenteuer, die sich auch solo erleben lassen und einen noch tiefer in die Welt der Karpatenhirten eintauchen lässt.

Die Familienspielversion unterscheidet sich vor allem darin, dass sie ohne Aufträge funktioniert. Das erscheint mir, als erfahrenem Spieler, doch etwas mager. Wobei ich es schon nachvollziehen kann, dass man somit versucht den Einstieg zu erleichtern. Die Aufträge sind recht unterschiedlich, manche beziehen sich auf die gemeinsame Landschaftsauslage, andere auf die Positionen bestimmter Figuren darauf und wieder andere auf Geschehnisse während der eigenen Züge. Es kann passieren, dass sich manche direkt erfüllen lassen, weil die Auslage schon passt oder Mitspieler völlig ahnungslos dafür sorgen. Mit etwas Spielerfahrung und dem Wissen, was da noch so für Aufgaben kommen können, passiert dies natürlich seltener.

In unseren Partien war es häufig effektiver, sich nicht zu sehr mit diesen Aufträgen zu belasten, sondern Schafe vor allem über die Plättcheneffekte und Ausrüstungen zu sammeln. Besonders zum Ende hin, wenn sich viele Geister auf dem Plan tummeln, können durch Effekte und Ausrüstungen umfangreiche Kombos entstehen.

Unter Schafen…

…bin ich wirklich hin und her gerissen. Die grundsätzliche Spielidee finde ich interessant und die meisten Schafe zu besitzen ist einfach eine hervorragende Siegbedingung, aber die Partien laufen irgendwie nicht so richtig rund. Auch nach vollständigem Regelstudium bleiben manche Details ungeklärt. Ein wiederkehrendes Symbol verwendet mal einen roten und dann wieder einen grünen Pfeil, es meint aber dasselbe. Auch wenn ich die Illustrationen an sich hübsch finde, so sind viele Zahlen in den Symbolen von weiter weg nur schwer zu identifizieren.

Es stört mich auch, dass die Aufträge so unterschiedlich schwierig sind. Zwar unterscheiden sich auch die Belohnungen, aber es kann sich schon ungerecht anfühlen. In unseren Partien war es meist auch lukrativer, sich nicht unbedingt auf die Aufträge zu konzentrieren, sondern über Plättchen und Ausrüstungen viele Schafe zu sammeln. Das die Schafe nur auf Plättchen gedruckt sind, finde ich übrigens vertretbar, bei der Menge an Schafen die sich während einer Partie so ansammeln kann.

Mit den Ausrüstungskarten, kann man sich kurzfristige Vorteile verschaffen. Einige bieten allerdings auch fiese Interaktion, das mag ich ja nicht so gerne. Wem das auch so geht, kann vielleicht lieber die kooperative Variante spielen, bei der die zu verwendenden Karten vorgegebenen sind und man gemeinsam viele Schafe sammelt. Da das in meinen Runden dann perfekt gelingen soll, benötigt dies recht umfassende Planungen und Abwägungen, wodurch sich die Partie leider etwas ziehen kann, während man über die Optionen grübelt.

Uns ist es direkt beim ersten Versuch gelungen viele Schafe mehr anzuhäufen, als laut Wertungstabelle vorgesehen sind. Viele Schafe zu sammeln ist zwar immer toll, aber da frage ich mich schon, ob es nicht eher vorgesehen ist, dass man aus dem Bauch heraus spielt, statt alles genau abzuwägen. Die Geschichte, die man dabei erfährt ist liebevoll geschrieben, trotzdem finde ich dazu nur schwer Zugang. Als passionierter Euro-Spieler brauche ich auch nicht so viel thematische Einbettung, selbst wenn es sich um Hirten und ihre Schafe dreht.

Verlag: Koalla Spiele
Autor(en): Volodymyr Kuznietsov, Andrii Yanovykyi
Illustrator(en): Lyudmyla Samus
Erscheinungsjahr: 2026
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Koalla Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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