Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende zu. Ich muss gestehen nicht wirklich unglücklich darüber zu sein und hoffe, dass die generellen Umstände im kommenden Jahr wieder besser werden, für mich persönlich und somit auch für meine Produktivität auf diesem Blog. Denn es gibt einfach noch so vieles, von dem ich euch gerne berichten möchte. Das Ende des Jahres bedeutet aber auch die dunkle, kühle Jahreszeit, in der man lieber mal mal drinnen im Warmen und Trockenen bleibt und man es auch leichter hat, Mitspieler “anzulocken” ;-) Um die anstehenden Feiertage herum, haben wir auch einige Tage Urlaub und bei den Feierlichkeiten mit der Familie sind Brettspiele auch immer ein fester Bestandteil.
Mäh! - News und Aktuelles
Spielemesse Hamburg
Kurz vor Ende des vergangenen Monats fand die Spielemesse Hamburg statt. Auch wenn ich es aus Braunschweig dorthin nicht weit habe, hat es zuvor nie gepasst, diese Veranstaltung zu besuchen. Kurz nach ihrem Start im Jahr 2019 begann die Corona-Pandemie und daher dauerte es einige Zeit bis zum Neustart im vergangenen Jahr. Dieses Jahr nahm die Spielemesse zwei Hallen der Messe Hamburg ein, doch waren diese nicht nur mit Brettspielen gefüllt. Viel Platz brauchten auch Klemmbausteine. Es gab diverse detailreiche Bauten im Eingangsbereich zu bewundern sowie eine aus 1.147 Modulen zusammengesetzte, 300 Meter lange Kugelbahn, auf der mehr als 10.000 Bälle gleichzeitig unterwegs waren. Eine einzelne Kugel benötigte etwa 5,5 Stunden und das brachte sogar einen Weltrekord ein.
Wer lieber selber spielen wollte, statt einer rollenden Kugel hinterher zu blicken, konnte dies an einigen Verlagsständen tun oder sich Spiele ausleihen und auf der großzügigen Spielfläche erkunden. Die Ausleihe steht noch am Anfang, hatte zwar eine respektable Menge an auch sehr aktuellen Spielen dabei, aber einen Personalausweis dafür zu hinterlegen, ist halt auch eine gewisse Hürde. Andere, auch größere, Veranstaltungen schaffen dies auf angenehmeren Wegen. Wer sich vor Ort verpflegen wollte, musste relativ tief in die Taschen greifen, aber soweit ich es mitbekommen habe, war es auch problemlos möglich, eigene Verpflegung mitzubringen.
Ich glaube die Messe steht sich mit ihrem Namen vielleicht ein bisschen selbst im Wege. Es ist eine schöne Veranstaltung, um Spiele kennen zu lernen, aber vielleicht erwartet man einfach mehr, wenn man eine “Messe” und nicht nur Städtische Spieltage besucht. Die Veranstaltung trägt ja auch nur den Oberbegriff Spiele im Namen und so gab es neben Brettspielen und Klemmbausteinen auch noch mehr zu entdecken. In der Artist Area konnte gab es nicht nur handgezeichnete Illustrationen zu bestaunen, sondern auch die Möglichkeit mit den Personen dahinter Kontakt aufzunehmen. Es gab durchgängig Workshops und Bühnenshows, auch an Turnieren konnte man teilnehmen und bei einer Rallye diverse Stände aufsuchen, um an einem Gewinnspiel teilzunehmen.
Gioco dell’Anno 2025
Im Monatsrückblick zum Juli 2025 habe ich die Nominierten zur Auszeichnung Board Game Designer of the Year genannt, die im Rahmen des italienischen Comic- und Spielefestival Lucca Comics & Games vergeben wird. Dieses Festival fand von Ende Oktober bis Anfang November statt und die Jury, zu der auch Harald Schrapers von der Spiel des Jahres-Jury gehört, hat Grégory Grard ausgezeichnet. Er war unter anderem an der Entwicklung von Castle Combo und Zenith beteiligt.
Als italienisches Spiel des Jahres konnte sich Botanicus durchsetzen, bei den Rollenspielen Triangle Agency und die Auszeichnung für das Lebenswerk ging an Sir Ian Livingstone, einen der Gründer von Games Workshop, dem Verlag der Dungeons & Dragons nach Europa brachte.
Herde - Neuzugänge
The Voynich Puzzle
(Dani Garcia – Salt & Pepper Games)
Die Geschichte um das Voynich Manuskript ist wirklich interessant. Es handelt sich um eine handschriftliche Abhandlung in einer unbekannten Sprache, vermutlich aus dem Mittelalter, mit teilweise sehr präzisen botanischen, anatomischen und astronomischen Zeichnungen. Es ist bisher nicht gelungen die Inhalte zu entschlüsseln, sodass nicht sichergestellt ist, ob es sich um das Werk eines Genies oder einen bloßen Witz handelt. Aber es haben sich schon viele Personen mit dem Werk beschäftigt und auch popkulturell hat es bereits Bücher, Bilder, Musik und Videospiele inspiriert. Und nun gibt es mit The Voynich Puzzle auch ein Brettspiel zu dieser Thematik. Bisher nur auf englisch, aber eine deutsche Version ist für 2026 von Frosted Games geplant.
Dem Autor Dani Garcia ist es meiner Meinung nach hervorragend gelungen dieses verrückte Thema in einem Brettspiel umzusetzen. Und das Spiel, welches Puzzle in seinem Namen trägt, enthält auch wirklich physische Puzzle-Teile. Die einzelnen Bereiche des Spielplans sind an die Inhalte des Voynich Manuskripts angelehnt, zusätzlich bekommt jeder ein eigenes (Plastik-)Buch, indem Aktionskarten die einzelnen Seiten bilden. Diese Karten haben vier Ausprägungen, je zwei auf Vorder- und Rückseite und jeweils um 180° gedreht. Es beginnt mit einer einfachen, einfarbigen Zeichnung und endet mit einem detailreichen, farbigen Bild. Die aufgewerteten Versionen bringen nicht nur verbesserte Aktionsmöglichkeiten mit sich, sondern auch Siegpunktmultiplikatoren. Allerdings für andersfarbige Marker, als mit diesen Aktionen beeinflusst werden können. Wie in den Spielen des Autors schon häufig erlebt, gibt es verschiedene Boni, die sich überall freispielen lassen.
Ich bin allerdings gespannt, wie lange diese Plastikbücher es mitmachen, wenn Karten ständig hineingesteckt und herausgezogen werden. Der Verlag hat mitgedacht und kleinere Versionen der Karten beigelegt, um weniger blättern zu müssen. Diese zeigen aber nur die Aufwertungsmöglichkeiten, nicht die Aktionen selbst. Jede Person bewegt fünf verschiedene Marker über die Kramerleiste, dabei kommt es schnell zu Verwechslungen, weil dieselben Farben für die Aktionsbereiche und das Spielermaterial verwendet wurden.
Aquaria
(Tomas Holek – Skellig Games)
Der Autor Tomas Holek schaffte es direkt mit einer seiner drei ersten Veröffentlichungen im vergangenen Jahr, SETI, die Spielerschaft zu begeistern, die für den Deutschen Spielepreis abstimmen. Darauf ruht er sich jedoch nicht aus und konnte auch dieses Jahr wieder einige Spiele bei unterschiedlichen Verlagen unterbringen. Darunter auch Aquaria bei Delicious Games, welches auf deutsch bei Skellig Games erschienen ist.
Die beiden Versionen haben denselben Inhalt, aber die Cover sind gänzlich verschieden. Dies war eine bewusste Entscheidung von Skellig Games, weil sie denken mit dem neu gestalteten Cover, welches ein Aquarium von Innen mit vielen bunten Fischen zeigt, das Spiel besser im Handel platzieren und verkaufen zu können. Das Original-Cover ist eher Oldschool und zeigt eine klassische Familie aus den 50ern um ein Aquarium herum. Ich mag beide Cover, aber bevorzuge tatsächlich die Variante der deutschsprachigen Ausgabe.
Ein wenig Bastelarbeit ist vor der ersten Partie erforderlich. Auf dem zentralen Aktionsplan werden die Anzeiger mit Plastik-Nieten befestigt, damit sich diese auf dem Plan drehen lassen. Die Tableaus haben runde Löcher für die schwarzen Holzmarker, die mit Hilfe der Aufkleber einen Pfeil zur Ausrichtung erhalten. Durch die Platzierung in den dafür vorgesehenen Löchern, verrutschen diese nicht so schnell, was sicherlich schnell passieren würde, wenn sie auf dem Tableau auflägen.
Galactic Cruise
(T.K. King, Dennis Northcott, Koltin Thompson – PD Verlag)
Eine richtig große Spieleschachtel bekommt man mit Galactic Cruise. Diese lässt sich durch mitgelieferte Game Trayz sehr ordentlich einräumen. Darin sind auch Plätze für Spielmaterial aus den bisherigen Erweiterungen vorgesehen. Doch wer dieses Material nicht besitzt, muss sich nicht grämen und kann den freien Platz mit den zur Transportsicherung beiliegenden Schaumstoffstücken füllen. Es gibt auch eine kurze Anleitung, wie und wo man die einzelnen Komponenten ideal unterbekommt. Zusätzlich gibt es eine Empfehlung, wie es sich verhindern lässt, dass sich die Double Layer-Boards verbiegen.
Die Raketenplättchen kommen in Pappschubern unter, die auch während der Partie zum Einsatz kommen. Für die Stanzteile Geld und Werbung ist der Platz in den zwei Plastik-Trays nur dann ausreichend, wenn diejenigen Teile, welche jede Person zum Start bekommt, in den raketenförmigen Trays zusammen mit dem übrigen, persönlichen Spielmaterial unterkommen.
Grasen - Frische Spieleindrücke
Disney Lorcana – Geflüster aus der Tiefe (Set 10)
(Steve Warner, Ryan Miller – Ravensburger)
Mit dem zehnten Lorcana Set, Geflüster aus der Tiefe, sind nicht nur erstmals Figuren aus dem Film Gargoyles auf den Karten zu entdecken. Sie bringen mit “Am Tage aus Stein” auch eine spezielle, statische Fähigkeit mit sich, welche die Optionen im eigenen Zug einschränken können. Ich kenne weder den Film, noch reizen mich diese ungewöhnlichen Fähigkeiten.
Interessanter finde ich das neue Schlüsselwort Stärken, bei dem man meist gegen Tintenzahlung die oberste Karte vom Nachziehstapel unter die Karte spielen darf, um in bestimmten Situationen gewisse Effekte auszulösen. Mit solchen Fähigkeiten habe ich im Pre-Release-Turnier viel Spaß gehabt und möchte auch mein aktuelles Deck gerne damit ausbauen.
Leider habe ich derzeit gar kein aktives Deck, dafür habe ich im letzten Set leider schon viel zu selten spielen können. Da wollte ich gerne ein wendiges Deck zusammenstellen, aber leider hat sich mir noch gar kein großer Dumbo gezeigt. Interessant könnte daher aber das weitere, neue Schlüsselwort für mich werden: Alarmiert. Denn dieses ermöglicht es einem Charakter herauszufordern, als wäre er wendig, während dieser in allen anderen Belangen nicht als wendig gilt.
Erstmals gibt es auch Tintenfarben-Champions, klassische Disney-Charaktere (Micky Maus, Minnie Maus, Pluto, Donald Duck, Daisy Duck und Goofy) mit Kartenfähigkeiten, die sich direkt auf bestimmte Tintenfarben beziehen.
Auch Detektive spielen in diesem Set eine besondere Rolle, da sie versuchen mehr über die Geflüster, die neuen Arten von Glimmern herauszufinden, die nicht vollständig geformt sind und daher gestärkt werden können. Darum dreht sich auch alles auf den unterschiedlichen Marketing-Karten. Dieses Set besteht neben den Gargoyles auch aus einigen klassischen Disney-Charakteren, die mir zugegebenermaßen nicht alle umfänglich geläufig sind.
Denkriesen (Verlag)
Bevor es zur Spielemesse Hamburg ging, war ich zusammen mit anderen Medienschaffenden in Quickborn beim Verlag Denkriesen. Diesen Verlag kennen die meisten sicherlich von ihren vielfältigen Stadt, Land, Vollpfosten-Blöcken. Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Blöcke auch ihren Weg in Haushalte finden, die eher wenig Bezug zu Brettspielen haben.
Begonnen hat die erfolgreiche Reise des jungen Verlags mit Klattschen einem Skat-Deck, für das sich die beiden Gründer Dennis und Ricardo weitere Regeln überlegt und mit diesen im Freundeskreis regelmäßig gespielt haben. Das war in den ersten Jahren auch das Grundprinzip ihrer Spieleprodukte: Bekannten Spieleklassikern ein neues Gewand geben und mit ein wenig Humor versehen. Sie beweisen auch einen gewissen Mut, in ihren Spieletiteln Worte wie Vollpfosten oder Arsch-(mallows) unterzubringen.
Doch haben sie in den letzten Jahren ihre Spiele auch im Ausland bei Partnern untergebracht und haben nun auch vor, fremde Spiele zu lokalisieren. Außerdem bringen sie mittlerweile auch Autorenspiele auf den Markt, zunächst von den beiden sehr produktiven Autoren Reiner Knizia und Ralf zur Linde. Zusätzlich haben sie auch beim Göttinger Autorentreffen nach Spielideen gesucht und mit Hamlet ein Spiel entwickelt, den man noch vom Podcast Meeplecast kennen könnte. Ich konnte es bislang nur einige wenige Runden anspielen, doch das hat schon ein paar Regeln mehr, als viele andere Spiele des Verlags.
Die Zaubermühle
Es gab auch einige Prototypen zukünftiger Veröffentlichungen zu entdecken. Leider war gar nicht ausreichend Zeit alles anzuspielen, aber ich habe mir Die Zaubermühle anschauen können. Auf einem Spielzettel möchte man Flächen bunt ausmalen, die Farben geben Kugeln vor, die beim Drehen an einem Mühlenrad herausrollen. Nur wer auf die richtigen Farben tippt, darf in dieser Runde mehr als nur ein Feld ausmalen. An verschiedenen Stellen warten Boni auf einen, die es ermöglichen zusätzliche Flächen auszumalen.
Sobald alle Flächen eines fett umrandeten Bereichs ausgefüllt sind, gibt es einen Stern und sobald eine Person den fünften Stern erhalten hat, endet die Partie. Im fertigen Spiel sollen unterschiedliche Zettel verschiedene Herausforderungen bieten. Mir war das Tippen auf die Kugelfarben etwas zu zufällig, aber ansonsten hat das schon Spaß gemacht. Mir ist in der ersten Partie jedenfalls nicht direkt ins Auge gefallen, welche Bereiche lukrativer sein könnten, um das Spielende schnell und erfolgreich auszulösen, als andere.
Vielen Dank an Salt & Pepper Games, Skellig Games, PD Verlag, Ravensburger und Board Game Box für die teilweise vergünstigte Bereitstellung der Rezensionsexemplare!