Ein Hobby bleibt selten allein

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Ich finde es wichtig, als Ausgleich zum Alltag des Berufslebens einem Hobby nachzugehen. Oder mehreren, es gibt ja viele tolle Dinge, für die man sich begeistern kann. Brettspiele kamen bei mir erst wieder in den letzten Jahren auf. Davor waren meine Hauptinteressen Fußball, Darts und Rock-Musik. Die Brettspiele nehmen mittlerweile einen großen Teil meines Lebens ein, worüber ich sehr froh bin. Umso schöner erscheint es dann, wenn man Hobbies verbinden kann. Zum Beispiel wenn ein Hobby sogar Thema eines Brettspiels ist. Das muss doch dann einfach passen, oder etwa nicht? Ich möchte heute über zwei Spiele sprechen, an denen ich auf der Spiel 2017 in Essen einfach nicht vorbei kam. Bei dem einen geht es um Metal-Bands, beim anderen um ein Burger-Restaurant. Das ist kein Hobby, sondern ich habe mir zu Schulzeiten mein Taschengeld durch einen Job bei einer großen Fastfood-Kette aufgebessert, genau wie meine beiden Geschwister. Daher liegt das Burger braten einfach in der Familie ;-) Zum Abschied gab es von den ehemaligen Kollegen ein PC-Spiel, bei dem Burger gebraten und möglichst schnell an die wartenden Gäste verkauft werden mussten. Dieses habe ich lange nicht mehr angefasst, aber vielleicht kann ein Brettspiel es gut ersetzen

Gestern war es wieder so weit: Das RockHarz Festival in Ballenstedt im Harz öffnete seine Pforten und bietet über 15.000 Rock- und Metal-Fans bis Sonntag ein zweites zu Hause. Passend dazu fiel mein Augenmerk auf der vergangenen Messe auf das Spiel Metal Mania von GDM Games. Bei diesem Spiel tauchen bis zu 5 Spieler beispielsweise in die Rollen von Orry Osbourne, Doro Peck oder Splash. Ziel ist es 66 Punkte zu erreichen. Dafür stellt sich jeder Spieler eine Band aus bis zu fünf Musikern auf verschiedenen Positionen zusammen. Diese schickt er Runde für Runde zu Auftritten, Aufnahmen oder Werbeauftritten, bei denen mittels Würfeln Erfolge ausgewertet werden. Für genügend Erfolge werden Siegpunkte vergeben, es kann auch passieren, dass sich die Musiker verausgaben und schwächer werden. Bis einer vor Erschöpfung gar nicht mehr arbeiten kann. Zuvor mit zwei Würfeln eine der elf Aktionen des Spielplans ausgeführt. Diese sind für den aktiven Spieler immer positiv oder ein bzw. alle Mitspieler erhalten einen gegenteiligen Effekt. Wenn bei einer 11 oder 12 eine Band einen saufen geht, wird für jedes Bandmitglied einzeln gewürfelt. Das Bandmitglied kann sich erholen, wenn etwas anders als eine sechs gewürfelt wird, oder wird erschöpft, wenn genau eine sechs gewürfelt wird. Bei zwei oder drei Sechsen in einem Wurf, wird es jedoch die geilste Metalparty aller Zeiten und es hagelt Siegpunkte. Diese Phase kann also ganz schnell angehandelt werden, ist jedoch Bier im Spiel, zieht es sich ganz schön. Könnte auch als realistische Simulation so gewollt sein ;-)

Metal Mania Spielplan

Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Der Zug ist nun noch nicht beendet. Nach der Band-Aktion kann ein Spieler wählen Geld einzunehmen, Bier trinken zu gehen (siehe oben) oder einen neuen Musiker einzustellen. Ersetzt dieser einen anderen Musiker, bringt der vorherige dabei immer Ruhm ein, auch wenn er nur noch ein Wrack sein sollte. Immerhin ist/war er ein Rockstar! Zu guter Letzt bekommt alle Musiker 1$ Gage, sonst werden sie müde und streiken im schlimmsten Fall komplett.

Metal Mania Spielplan Rückseite

Spielplan Rückseite / Foto: Brettspielpoesie

Der Spielablauf klingt ja eigentlich gut, schön thematisch und immer mit einem Augenzwinkern in Richtung Metal-Branche. Aber das Spiel zieht sich einfach, es dauert gefühlt Ewigkeiten, bis ein Spieler die geforderten 66 Punkte erreicht. Und immer wieder diese Bierrunden, die werden irgendwann einfach nur noch lästig. Es ist auch wenig steuerbar, die Würfelergebnisse haben einfach zu viel Einfluss. So sehr ich die Idee dahinter abfeiere, so sehr könnte ich mich über die materielle Umsetzung mit sehr dünnen, billig wirkenden Plättchen und dem schnarchigen Spielverlauf ärgern. Auch die deutsche Übersetzung weist einige Schwächen auf, im Zweifelsfall sollte mit der englischen Fassung verglichen werden. Autor Fernando Lafuente scheint zudem recht engagiert und beantwortet im BGG Forum gerne sämtliche Fragen, die zu dem Spiel aufkommen sollten. Mit sehr viel Liebe zum Detail ist hier eine tolle Idee leider nicht vernünftig umgesetzt worden.

Eine tolle Idee steckt auch im folgenden Spiel. Burger zeichnen sich durch ihre Vielfalt beim Kombinieren der Zutaten aus. Genau diesen Aspekt macht sich Oh! Yummy Burger to Go! zu Nutze. Das Spiel wurde mit großartigem Material ausgestattet: Die Burger-Bestandteile sind kleine Plüschkissen in Form zweier Brötchenhälften, einem Fleisch-Patty, einer Scheibe Tomate, eines Salatblatts, eines Spiegeleies und einer Scheibe Käse. Die Plättchen und Figuren sind aus festem, dicken Material und die Spieleschachtel wird zum Burgerladen, vor dem sich Menschenschlangen bilden können. Das fordert einfach zum losspielen auf. Doch ist dies leider nicht so einfach möglich, denn die Anleitung ist nicht ganz leicht zu verstehen.

Oh! Yummy Burger To Go Burger

Burger / Foto: Brettspielpoesie

Die Spieler wollen ihre Handkarten loswerden, auf denen null bis fünf Zutaten so sehen sind. Dafür muss der eine im Spiel vorhandene Burger aus eben diesen Zutaten bestehen. Wobei es bestimmte Modifikationsplättchen gibt, mit denen auch die neue Spielerreihenfolge festgelegt wird. Soweit, so gut. Doch was passiert, wenn mehrere Spieler auf das gleiche Plättchen setzen wollen? Dann stellen sie sich in der Schlange an und wie es dann weiter geht, könnten wir leider nicht ganz nachvollziehen. Die englische Anleitung ist dafür zu konfus, für uns ergeben die dortigen Anweisungen nur bedingt Sinn. Wenn ihr dennoch auf den Geschmack gekommen sein solltet, muss ich leider dazu sagen, dass dieses Spiel nicht mehr über die Webseite von MoZi Games verfügbar zu sein scheint. Aber außer Burger-Zutaten zum Kuscheln, gibt es hier leider auch nicht viel zu verpassen.

Oh!Yummy Burger To Go Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Herangehensweise der asiatischen Verlage an neue Spiele finde ich wirklich klasse, dass immer mal mit neuen Spielmaterialien herum experimentiert wird. Ob jetzt der Plüsch-Burger hier oder kleine Wattekugeln als Schafe bei Sheep & Thief: Ein wenig redaktionelle Arbeit würde diesen Spielen jedoch in der Regel ganz gut tun.

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