Am morgen des zweiten Messetages war ich so richtig im Messe-Modus angekommen: Komplett unausgeschlafen, mit schmerzenden Füßen, aber trotzdem total glücklich über die tollen Erlebnisse der zurückliegenden Tage. Wie sagte mir die Tage jemand so schön: “Man freut sich das ganze Jahr auf dieses Jahreshighlight – und ist man dann vor Ort, kann man es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen”. Da ist zwar etwas Wahres dran, aber natürlich genießt man diese, wenn auch zeitweise durchaus anstrengende, Zeit natürlich in vollen Zügen.
Dies ist zunächst ein nur kleiner Abriss mit Ersteindrücken, in den nächsten Tagen und Wochen folgen hoffentlich viele weitere Berichte mit Eindrücken von der SPIEL und von dort nach mitgebrachten Spielen. Und schaut ruhig auch öfter bei Instagram, auch dort versuche ich noch einige Bilder von der SPIEL’26 zu veröffentlichen.
Ravensburger
Mittags ging es gestern in mittlerweile 10-jähriger Tradition wieder zum Lunch and Play-Event von Ravensburger. Dies ist nur eines von vielen Jubiläen, die dieses Jahr in Ravensburg anstehen. Allen voran blickt man auf mittlerweile 40 Jahre Das verrückte Labyrinth zurück. Dessen Autor, Max J. Kobbert, ist mittlerweile 82 Jahre jung und führt den Erfolg auf das einfache Spielprinzip zurück, das Jung und Alt anspricht und erst im Verlauf einer Partie komplexer wird. Damals war das Innovative daran, der sich immer wieder verändernde Spielplan. Eine Recherche im hauseigenen Archiv hat 350 Labyrinth-Ausgaben zum Vorschein gebracht. Darunter sind alle jemals erschienenen Versionen in verschiedenen Sprachen für über 60 verschiedene Länder. Viele verschiedene Franchises haben eigene Varianten bekommen und ungefähr 20 wirklich unterschiedliche Labyrinth-Spielmechanismen wurden veröffentlicht.
Dieses Jahr wurde Das verrückte Labyrinth mit Carcassonne “verheiratet” und bei Ravensburger ist man mit dem Verkauf “ganz zufrieden”. Es ist nämlich bislang die beste Neuheit in diesem Jahr. Für 2028 gibt es auch schon große Pläne, wenn das Labyrinth in die Kinos kommt. Damit wäre es wohl das erste Brettspiel, welches einen Kino-Film erhält. Auf das Ergebnis bin ich schon sehr gespannt.
Doch schon das kommende Jahr wirft große Schatten voraus. Schon 100 Jahre lange ist Fang den Hut dann im Verlagsprogramm. Das Cover mit Design im Bauhausstil hat sich in diesem Jahrhundert nur marginal verändert. Im Archiv ist man darauf gestoßen dass in den 20er Jahren des letzten Jahrtausends Reime für Werbung verwendet wurden. Eine wunderbare Idee, wie ich finde. Als Erinnerung an diese Kuriosität wird auch der Jubiläumsausgabe eine Anleitung in Gedichtform auf einer Schriftrolle beiliegen. Diese Gedichte sind beim Formen der Hütchen entstanden, da dies früher noch monotone Handarbeit war.
Zur SPIEL’26 gab es die ersten Rolliverse-Exemplare in drei Versionen, der offizielle Release aller sechs Versionen erfolgt erst im Frühjahr 2027. Dabei handelt es sich um eine Yatzy-Variante mit zusätzlichen Karten, die man versucht zu “erwürfeln”. Die Illustrationen stammen aus verschiedenen Themengebieten (z.B. Drachen) oder Franchises (z.B. Star Wars, Lilo & Stitch) stammen. Die Idee, zu beliebten Franchises ein zugängliches Familienspiel zu erschaffen, war der Startpunkt bei der Entwicklung. Insgeheim wollen die Autoren Ravensburger dazu verhelfen “mal wieder die Chance auf ein Spiel des Jahres zu haben”, verkündete Lukas Zach mit einem Augenzwinkern.
Gespielt haben wir vor Ort Tap 4 und Last Lemming, zwei zugängliche Kartenspiele. Bei Tap 4 versucht man, wie bei Clear 4 im vergangenen Jahrgang, die eigenen Karten loszuwerden und gleichartige oder absteigend abzulegen, um keine weiteren Karten auf die Hand zu bekommen. Die Karten kommen nicht nur von der Hand, sondern liegen auch vor jedem auf dem Tisch aus. Die letzte Karte ist immer verdeckt und man darf sie sich zuvor nicht ansehen, geht also das Risiko ein, den gesamten Ablagestapel auf die Hand nehmen zu müssen, wenn sie nicht passt.
Bei Last Lemming versuchen wir als Lemminge in vier Runden einem Abgrund möglichst nahe zu kommen, ohne zu weit zu rennen und abzustürzen. Wie weit unsere Lemminge laufen dürfen, entscheiden die gespielten Karten in diesem Stichspiel. Dabei gibt es jede Runde andere Vorgaben, wie weit sich die Gewinner eines Stichs oder auch alle anderen bewegen dürfen. Das ist so chaotisch, dass ich mich bei diesem Stichspiel richtig wohl fühle, da ich bei diesem Chaos gefühlt erstmals ernsthafte Gewinnchancen habe.
SdJ – Spieleabend
Die Spiel des Jahres-Jury lädt am Freitagabend der SPIEL seit über drei Jahrzehnten viele Personen aus ganz verschiedenen Bereichen der Brettspielbranche zu einem Spieleabend ein, bei dem Verlagsvertreter ihre Neuheiten zur Verfügung stellen. Am häufigsten war Andreas Seyfarth dabei, der 1994 seinen ersten Spiel des Jahres-Titel mit Manhattan gewinnen konnte. Er berichtete auf Nachfrage, dass er mittlerweile immer weniger auf der SPIEL erkannt und angesprochen wird. Dafür hat sich die SPIEL in seinen Augen sehr positiv entwickelt: Die Auswahl an Neuheiten, das Bett in seiner Unterkunft und auch die kulinarischen Angebote auf der SPIEL. Früher gab es einfach weniger von allem. Er ist noch immer als Autor tätig und arbeitet schon länger an komplexen Spielideen, von der eine vielleicht schon nächstes Jahr das Licht der Welt erblicken soll.
Die Jury hat ein neues Mitglied begrüßt: Die langjährige Erzieherin Tanja Mrosek vom Blog Brettspielbox wird zukünftig die Kinderspiel des Jahres-Jury verstärken. Gratulation und viel Spaß bei dieser Arbeit, auf die sich besonders die Kinder in ihrer Kindertagesstätte sicherlich schon sehr freuen.
Gespielt wurde natürlich auch noch. Wir starteten direkt mit dem neuen DITO! Kartenset “Für Spielekenner“, allerdings zeigte sich, dass viele Spiele zu kennen hierfür nicht unbedingt von Vorteil zu sein scheint. Denn Kategorien wie beispielsweise “bestes Spieldesign” oder “bestes Kartenspiel” sind einfach viel zu offen, sodass wir nur wenige Übereinstimmungen hatten.
Zu meinem Erstaunen, hat es bei DaDaDa von Pegaus viel besser funktioniert, mit vorgegebenen Silben eine neue Sprache zu erschaffen. Dabei fanden wir es total spannend, wie man bei DIF-KWE auf eine Handtasche kommen kann, während KWE-DIF selbstverständlich für alle am Tisch eher für ein Sparschwein steht. Ein Runde Wolfsmond rundete den Abend ab. Es erzeugte wieder sehr witzige Situationen, aber die vielen, unterschiedlichen Charaktere und ihre Funktionen sind noch immer noch etwas schwer zu überblicken.